Vom Jäger zum Gejagten

GeschichteAbenteuer, Freundschaft / P16
Nathan Drake OC (Own Character) Victor Sullivan
13.05.2016
15.02.2020
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13.05.2016 3.279
 
Vorwort: Hallo ihr lieben Leser! Wie ihr seht hat sich etwas bei dieser FanFiktion getan! Ich habe sie einer gründlichen Überarbeitung unterzogen. Warum? Tatsächlich war ich mit dem bisherigen Verlauf nicht zufrieden und statt mir etwas aus den Rippen zu leiern was mir nicht gefällt und der Story auch nicht gut getan hätte, dachte ich mir ich widme mich dieser neu zu und überarbeite sie. Mir schwirrten schon lange einige Ideen im Kopf und noch längst nicht alles aufs Papier gebracht. Ich habe mir die Zeit genommen Inspiration und Input zu sammeln, denn würde ich diese Geschichte sehr gerne auserzählen. Ich hoffe, dass euch die neue Fassung gefällt :) ich habe einiges geplant und hoffe es soweit auch umsetzen zu können. Natürlich dürfen auch Easter Eggs und kleine Mafia typische Anspielungen nicht fehlen ;) Viel Spaß beim Lesen! ^^

! Die Charaktere sind alle Eigentum von Naughty Dog, außer meine OC und einigen Nebendarstellern und ich versuche kein Geld mit ihnen zu verdienen!














Kapitel I Familienbande





"Aus der Erde sind wir genommen, zur Erde sollen wir wieder werden, Erde zu Erde, Asche zu Asche, Staub zu Staub."

Die Worte des Pfarrers hallten über den Friedhof hinweg. Es war ein grauer und düsterer Tag, an dem eine Ansammlung von Menschen in Trauerkleidung vor dem offenen Grab stand, welches nun die letzte Ebene des Verstorbenen sein würde. Der Grabstein, oder aber das Mausoleum war bereits errichtet. Eine Imposante Figur eines Engels, der über den Grab wachen sollte. Viele der Gäste weinten, waren es doch alle Familienangehörige. Eine große Familie, die alle ihren letzten Respekt dem Toten zollten, der eine gewissen Einfluss hinterlassen hatte. Der Pfarrer schloss sein kleines Gebetsbuch, nahm einen Brocken Erde in die Hand und warf es ins Grab. Dann erst trat er zur Seite und bat die Trauenden darum das gleiche zu tun. Zuerst folgte eine junge Frau, die zaghaft nach vorne trat. Neben ihr gesellte sich ein älterer Mann, der ihr Vater war und griff ebenfalls etwas von dem Haufen Erde, welches sie zuvor aus dem Grab geschaufelt hatten und warf es zuerst hinunter. Sie starrten beide schweigend auf den braunen Sarg aus dunklem, edlen Holz und keiner von Ihnen verlor auch nur eine Träne. Die junge Frau hatte ihren Teil der Erde noch nicht abgeworfen. Zu sehr dachte sie zurück an die Zeit, als ihr Großvater noch am Leben gewesen war und sich jetzt bald unter die Erde begeben sollte. Ihr schwarzer Schleier bedeckte ihr Gesicht, auf dem kaum eine Regung zu bemerken war.


"Marina," flüsterte ihr Vater neben ihr, leise und doch bestimmt. Damit konnte er sie wieder in die Realität holen. Sie warf die Erde hinunter und ging gemeinsam mit ihm zur Seite, damit der Rest der Familie ihrem Beispiel folgen konnten. Schweigend entfernten sie sich von der Gesellschaft und blickten mit einigen Metern Abstand zurück zum Grab.


"Ich werde ihn vermissen. Ich kann einfach nicht glauben, dass er tot ist." Die Stimme war ganz leise und doch wollte sich Marina Vespucci nicht anmerken lassen, wie sehr sie der Tod ihres Großvaters wirklich traf. Ihr Vater blieb standhaft wie immer und ließ sich überhaupt nichts anmerken, denn wieder einmal trug er seine Maske. Sein Gesicht war wie Marmor gemeißelt und undurchschaubar. Kaum ein Gefühl war darin zu erkennen. Er steckte die Hände in seine Hosentaschen und schaute von den Menschen am Grab seines Vaters zu Boden.


"Jetzt hat er seine Ruhe gefunden. Wir Schulden ihm viel und sollten ihm dankbar sein für alles was er für uns getan hat."


Irgendwie überraschte es die Italienerin nicht wirklich, dass ihr Vater diesen Standard Satz herunter rasselte, den sie auch zuhören bekommen hatte als er mit ihrem Großvater gesprochen hatte. Schon als Kind hatte sie immer bemerkt, wie ihr Vater sich seinem anzupassen versucht hatte. Und obwohl die beiden immer ein treues Verhältnis von Vater und Sohn gepflegt hatten, glaubte Marina, dass sich letzterer immer weiter von ihm distanziert hatte. Woran das allerdings lag, wusste sie beim besten Willen nicht.


Ihr Großvater war eine schillernde Figur gewesen. Immer jemand, der sobald er den Raum betrat, für großes Aufsehen gesorgt hatte. Jedes Mal war sie zu ihm gerannt und jedes Mal hatte er sie lachend in seine Arme genommen und hochgehoben. Kaum zu glauben, dass diese Zeiten so schnell vorbei waren. Sie glaubte noch, dass er jeden Moment um die Ecke kommen und fragen würde, warum alle so Trübe Tassen, vor dem Grab irgendeines Kerls hingen. Doch dem war nicht so. Und als die junge Frau aus der Ferne den dunklen Mercedes ihres Vaters erblickte, wusste sie, dass diese Beerdigung nicht nur irgendjemanden gewidmet war.


"Ich werde sein Andenken in Ehren halten." pflichtete sie ihm treu bei und sie bemerkte wie sich ein leichtes Lächeln auf den Lippen des älteren bemerkbar machte.


"Braves Mädchen."


Er legte einen Arm um ihre Schulter und zog sie an sich heran, um ihr Kraft und Trost spenden zu wollen. Nur zu gern nahm sie dies an und genoss den kurzen Moment, in dem ihr Vater ihr seit langer Zeit endlich einmal zeigte, dass sie nicht alleine war und dass sie am Ende noch immer eine Familie waren. Sie waren beide ein Teil davon und das durfte sie nicht vergessen. Die Familie war das wichtigste und sie spürte, wie selbst in Zeiten der Trauer, diese Familie zusammenhalten konnte.


Sie verbrachten noch Weile dort, ehe sie sich mit dem Rest der Familie bei Trauerfeier in den Wänden der Vespuccis wiederfanden. Trotz der Trauer war es erstaunlich wie viel jeder über den verstorbenen erzählen konnte und es fast schon so glaubhaft darstellte, als ob dieser noch lebte und bei ihnen saß. Marina genoss die Zeit mit ihren Cousins, Tanten und Onkeln, die alle herzlich und liebevoll miteinander umgingen. Die Erwachsenen tranken Wein, während die Kinder umher wuselten und spielten. Das Wohnzimmer war gefüllt von den Stimmen und Gelächter der Familie. Schon lange hatte sich Marina nicht mehr so wohl gefühlt. Sie schaute umher, erblickte jedoch nicht ihren Vater. Wie konnte er jetzt schon wieder in seinem Arbeitszimmer sitzen? Entschieden stand sie auf, entschuldigte sich kurz von der Gesellschaft und ging nach oben.


In zweiten Stock des Hauses, direkt die erste Tür an der Treppe war dort das Zimmer ihres Vaters und ohne Vorankündigung durfte sie dort normalerweise nicht rein. Deshalb zögerte sie sogar noch, ehe sie an die Tür klopfte. Von innen bekam sie bloß ein gedämpftes "Herein" zu hören und das ließ sie keine Sekunden mehr warten. Als sie eintrat war sie enttäuscht darüber zu sehen, dass sie mit ihrer Vorahnung tatsächlich Recht behalten hatte. Ihr Vater saß hinter dem Schreibtisch, schien mehr als konzentriert und beachtete sie kaum. Wie konnte er sich jetzt nur den Geschäften widmen? Selbst sie, die ebenso von diesen Geschäften wusste und einige Male tätig gewesen war, konnte nicht nachvollziehen, warum er sich ausgerechnet jetzt wieder hinein stürzen wollte.


"Papa?" rief sie ihn, als er sie noch immer nicht ansah. Viel zu sehr schien er vertieft in irgendwelche Dokumente zu sein. Kaum zu glauben, dass hier noch vor kurzem ihr Großvater gesessen hatte.


"Warum kommst du nicht runter? Alle fragen sich wo du bleibst." Sie schloss die Tür hinter sich und trat näher an den Schreibtisch heran. Erst jetzt hob er den Blick und schaute sie überrascht an.


"Übertreib' nicht, Liebes. Jeder weiß, dass ich jetzt die Geschäfte meines Vaters übernehmen muss. Und das darf auch während seiner Trauerfeier nicht ruhen."


"Großvater hätte gewollt, dass du mit der Familie beisammen sitzt."


Ihr Vater schwieg kurz, ehe er sich lächelnd zurück lehnte. Zum Lachen war ihr jedenfalls nicht zumute. Ohne ein Wort zusagen, holte er etwas aus einer Schublade des Schreibtischs heraus und hielt es ihr entgegen. Es war eine kleine, viereckige Schatulle.


"Hier, er wollte, dass du das bekommst. Nimm' schon." Sie brauchte eine Weile um der kurzen Überraschung zu entgehen, die sie mit diesem unerwarteten kleinen Geschenk verband. Ihr Großvater hatte tatsächlich ein Erbe für sie? Marina nahm es entgegen und öffnete die kleine Box sogleich, um festzustellen, dass darin eine Kette lag. Ein simples Kettchen aus Gold, genauso wie der Anhänger. Sie erkannte diesen sofort, es war nämlich jener, den ihr Großvater getragen hatte.


"Die gehörte Großvater!" Stieß sie erstaunt aus und hob die Kette aus der Schachtel, um sie vor sich zu halten.


"Es trifft sich, dass du gerade gekommen bist. Ich wollte sowieso mit dir reden." Lorenzo erhob sich von seinem Schreibtisch und ging einmal herum, damit er direkt vor seiner Tochter stehen konnte. Während sie das Kettchen sofort um ihren Hals legte und den Verschluss zumachte, hörte sie nebenbei zu, was ihr Vater von ihr wollte.


"Ich habe da einen Auftrag für dich."


"Ich höre." erwiderte sie knapp. Ihr Vater war sich nicht zu schade, seine Tochter immer noch in die Geschäfte mit hineinzuziehen. Anders als ihr Großvater, dem dies stets Missfallen und der eigentlich andere Ziele für seine Enkelin im Sinn hatte. Marina hatte eine Zeit lang jedoch mehr auf ihren Vater gehört und hatte stets versucht die Familie stolz zu machen. Außerdem gehörte es wohl auch dazu, dass sie mit ihnen mithalten wollte. Sie war treu und hatte dies immer zu beweisen versucht. Ihren letzten Auftrag hatte sie allerdings vor einigen Jahren gehabt. Seit dem war ihr Vater mit nichts Großem oder Besonderen mehr auf sie zu gekommen. Bis jetzt.


"Jacques ist in der Stadt und hält eine Auktion..."


"Jacques?" Marina konnte ihre Vorfreude kaum verbergen, so sehr freute sie sich einen alten Freund der Familie wiederzusehen. Es war ihr sogar egal, dass sie ihrem Vater ins Wort gefallen war. Dieser grinste bloß etwas unterkühlt, denn es erreichte wieder einmal seine Augen nicht.


"Heute Abend im großen Museum von Siena. Am besten du gehst gleich dorthin. Er hat ein paar wichtige Informationen für mich."


"Und das ist alles? Du brauchst Informationen von ihm?"


"Ganz genau."


Obgleich er wohl versuchte nicht auffällig oder gar verdächtig zu wirken, hatte Marina längst bedenken gegenüber seiner Bitte. Doch äußerte sie diese nicht. Viel mehr erfreute sie die Gelegenheit einen alten Freund wiederzusehen. Ihr Vater nahm sie unerwartet in die Arme und flüsterte ihr einige Worte ins Ohr mit der Befürchtung, dass die Wände trotzdem lauschten: "Du bringst mir alles mit, was er weiß."


"Wenn es weiter nichts ist." erwiderte sie locker und verstand gar nicht weshalb er plötzlich so ernst war. Immerhin war sein Vater gerade verstorben und das ließ alle nicht kalt. Ihn allerdings doch so sehr, dass er sich wieder in die Arbeit stürzen konnte.


"Du kommst mit den Informationen wieder… oder gar nicht. Hai Capito?"


"Capito, Papa."


Erst dann ließ er sie wieder los und Strich ihr liebevoll übers Haar. Einen Augenblick lang konnte sie tatsächlich so etwas wie Sentimentalität in seinem Blick erkennen, war es jedoch nach Sekunden wieder verschwunden.


"Ich schicke dir noch Luca und…"


"Ich mache das alleine, Papa. Du müsstest inzwischen wissen, dass ich das kann."


"Wie du meinst." schulterzuckend wandte er sich wieder von ihr ab und signalisierte ihr so, dass sie nun gehen konnte. Marina verabschiedete sich knapp von ihm und ging ohne weiteres aus dem Arbeitszimmer. Erst im Flur konnte sie ausatmen und sich selbst wieder zur Besinnung bringen. Warum war es jedes Mal so anstrengend mit ihrem Vater zu reden? Sie spürte ein Dunkles Gefühl in ihrer Magengegend und irgendwie glaubte sie, dass mit seinem Tod etwas losgelöst worden war, was ihren Vater wohl nicht bremsen konnte.

-

In Siena am selben Abend herrschte bloß reges Treiben, weil die meist feine Gesellschaft - darunter war die Zahl der Unterwelt Bosse allerdings nicht zu unterschätzen! - die große Auktion samt Feier des französischen Händlers und Auktionators Jacques Saint Claire beiwohnen wollte. Vor dem Museum der Stadt schlängelten sich die Wagen, alles teure schwarze Limousinen mit verdunkelten Scheiben. Es war eine klare Nacht als Marina zu so später Stunde tatsächlich in einem Abendkleid und Schmuck unterwegs war um ihren Auftrag zu erfüllen. Die Feier und die Auktion waren bloß Nebensache. Eine Kleinigkeit, der sie ein wenig Aufmerksamkeit schenken konnte. Sie wusste dass Jacques ein Profi war und ihren Vater in so manchen Dingen mit seiner Expertise unterstützt hatte. Allerdings war sie gespannt darauf zu erfahren, welche Informationen Jacques für sie parat hielt.


Marina schlenderte elegant zum Eingang und gelangte durch die großen, offenen Türen in den großen Foyer wo bereits Musik zu hören war und sich jede Menge Gäste unterhielten. Normalerweise liebte sie diese Auktionen, besonders wenn Jacques es war, der sie führte.  Doch war es plötzlich etwas anders als sonst, was wohl mit dem Tod ihres Großvaters zu tun hatte. Es fühlte sich nicht so an wie immer, denn noch immer hing die Trauer über ihr. Sie wollte ihn nicht mit Füßen treten, doch gleichzeitig wollte sie sein Werk und seine jahrelange Arbeit nicht beflecken. Was auch immer ihr Vater von Jacques wollte, es musste wichtig sein. Das redete sie sich zumindest die ganze Zeit ein.


Sie Schnappte sich genüsslich ein Glas Sekt, hielt hin und wieder kurz an, um bekannte Mitglieder aus anderen Clans zu grüßen und ihnen ein knappes "Salute" zu wünschen. Lächelnd wie die Chefin des Hauses, genoss sie die Blicke, die Ehrfurcht und vor allem den Respekt. Viele kannten ihre Familie und den Namen der im Vordergrund stand. Das hatte Vorteile aber auch Nachteile.


"Marina!" sie blieb stehen, sobald sie ihren Namen hörte und drehte sich nach der bekannten Stimme um. Ein Mann in einem schwarzen Anzug, mit Fliege kam auf sie zu und lächelte breit und charmant. Sein Dunkles Haar war zurück gekämmt worden und an den Schläfen bereits grau. Doch trotzdem versprühte er eine gewisse Jugendhaftigkeit, nach dem sich einige Gäste umdrehten.


"Guten Abend, meine Liebe." Er kam vor ihr zum Stehen, küsste sie einmal links und rechts auf ihre Wangen, so wie es nur die Franzosen taten. Dabei ließ er es sich nicht nehmen, die junge Frau von oben bis unten anzusehen. "Meine Güte, du siehst hinreißend aus."


"Guten Abend, Jacques." erwiderte Marina ebenfalls erfreut. Jacques war kein Italienischer Casanova, doch war sein französischer Charme nicht zu unterschätzen, nach dem sich vor allem die weiblichen Gäste ständig umdrehten. Für sie war er allerdings immer noch ein guter alter Freund und auch er wusste, dass Marina es niemanden so leicht machte. Trotz allem ließ er es sich nicht nehmen, manchmal etwas verspielt zu sein.


"Es freut mich, dass du heute hier bist."


"Ich freue mich auch, Jacques. Hast du vielleicht ein paar Minuten? Ich…"


Der Franzose musste sie jedoch unterbrechen, denn allem Anschein nach sollte die Auktion gleich losgehen.


"Nach der Auktion, Cherie. Dann können wir reden." Sein Blick wurde ernster, ehe er wieder lächelnd davon ging und auf das kleines Podest hastete, auf dem ein Pult mit Mikrofon aufgestellt worden war. Die ersten Objekte, allerlei Kunst und Antiquitäten wurden vor den Zuschauern aufgebaut. Seufzend schaute Marina dem Treiben eine Weile zu. Ihr blieb wohl nichts anderes übrig als die drei Stunden über sich ergehen zu lassen.


Die Rothaarige schlenderte zum Buffet, als sie merkte dass ihr Glas leer war und stellte es dort ab, um sich Gleich das nächste zu schnappen. Kaum drehte sie sich um, lief sie sogleich in die Arme eines Gastes, der sie gerade noch abfangen konnte, damit sie nicht zu Boden fiel.


"Oh, Verzeihung." begann sie höflich und suchte den Blick des Fremden. Er war definitiv größer als sie, trug genauso einen Anzug wie die meisten Männer hier, allerdings keine Fliege. Die Frau bemerkte, dass er die ersten Knöpfe des weißen Hemdes offen gelassen hatte, so dass das braune Leder einer Schnur hindurch blitzte. Sie stellte fest, dass er gar nicht mal viel älter als sie war. Das junge, freche Grinsen steckte sie irgendwie an und machte ihn gleich viel charismatischer. Sie glaubte schon fast ihn zu kennen, doch war dem natürlich nicht der Fall.


"Immer wieder gerne." erwiderte er schließlich und zwinkerte ihr zu. Erst jetzt bemerkte sie sein amerikanisches Englisch und war überrascht. Aus aller Welt kamen sie zu Jacques' Veranstaltungen. Sie wollte an ihm vorbei gehen, als sie merkte, dass die meisten Gäste ihre Aufmerksamkeit an Jacques auf dem Podest wandten, doch hielt sie der Fremde unerwartet auf.


"Sie sollten besser nicht so viel trinken." Er nickte auf ihr Glas in der Hand, in seinen grauen Augen blitzte es amüsiert. Marina ließ sich davon allerdings nicht beeindrucken, ihr Lächeln wurde bloß breiter, ihre Augen verengten sich leicht. Eigentlich ein Blick, der jeden noch so frechen Mann auf der Stelle umgebracht hätte.


"Machen Sie sich da mal keine Sorgen um mich." Sie riss sich von ihm los, er ließ es Widerstandslos geschehen und drehte sich nach ihr um, als sie an ihm vorbei lief aber noch kurz stehen blieb um das Glas mit einem feierlichen 'Salute' zu heben. Erst dann zog sie davon und verschwand in der Menge.


-


"Weißt du eigentlich wie viele Mafia Bosse heute hier sind?" Die rauchige, tiefe Stimme gehörte einem älteren Herren, der sich sogleich an die Seite des jüngeren gesellte, der seinen Blick immer noch verloren über die Menschen hinweg schweifen ließ und dabei kaum mitbekam, was der andere ihm sagte.


"Nate?"


"Was?" Er schüttelte leicht den Kopf und schaute nach Rechts neben sich. Sein Mentor hielt seine Zigarre wie üblich in der Hand und blickte ihn leicht verwundert an.


"Gewiss eine Menge," beeilte er sich dann zu sagen. "Aber wir nehmen es schon mit ihnen auf."


Der andere lachte unsicher. "Sag' das nicht zu laut. Sonst schlafen wir am Ende noch mit den Fischen."


"Zu viel 'der Pate' geschaut, oder was?" witzelte der Jüngere und entlockte auch seinem Freund ein amüsiertes Grinsen. Aber so wie er im Anzug und Fliege neben ihm stand, das graue Haar zurückgekämmt, wie Marlon Brandos Hauptrolle, zusammen mit dem dichten Schnauzer über der Lippe, konnte er durchaus als Mafiosi durchgehen.


Nathan hingegen, war froh erst einmal an das heran zukommen, wofür sie überhaupt hier waren. Italien war atemberaubend und nur zu gerne, hätte er weiter die Gelegenheit genutzt, sich das Land genauer anzusehen. Zusammen mit Sully hatte er ein neues Abenteuer angenommen, welches jedoch vorerst mit Arbeit verbunden war. Und das bedeutete sich in Italiens Mafia Kreisen einzumischen. Er lehnte an dem Büfett und beobachtete noch immer das rege Treiben der Menschen.


"Der Kontaktmann, hieß…?"


"Jacques Saint Claire. Er ist der Auktionator."


"Also der Typ, der gerade hinter dem Pult steht?" Nate nickte mit dem Kopf in die Richtung, sein Freund bestätigte seine Frage.


"Die drei Stunden müssen wir jetzt erstmal über uns ergehen lassen."


"Perfekt." murmelte der Jüngere bloß sarkastisch und seufzte. Wie sollte man diesen Abend bloß überstehen? Er dachte an die Begegnung mit der Rothaarigen Italienerin, die er jetzt allerdings nicht mehr sehen konnte. Doch hatte er mitbekommen, dass sie den Auktionator allem Anschein nach auch kannte. Zufall?


Kaum war Ruhe bei den Gästen eingekehrt, hob der Mann am Pult seine Stimme und begrüßte alle offen und herzlich. Man sah ihm deutlich an, dass ihm sein Job Spaß machte und dass er diesen schon einige Jahre auszuüben vermochte. Er lächelte wie ein Showmaster, nahm ein Schluck aus dem Glas Wasser und setzte gerade an, die ersten Objekte vorzustellen, als…


TBC…