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Ende gut, alles gut.

Kurzbeschreibung
GeschichteFamilie, Freundschaft / P16 / Gen
Jan Böhmermann Joachim "Joko" Winterscheidt Klaas Heufer-Umlauf OC (Own Character) Olli Schulz
13.05.2016
05.06.2019
74
85.227
20
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Dieses Kapitel
5 Reviews
 
 
05.06.2019 1.041
 
Leni



Egal wohin
Wir sind immer bei dir
Was auch immer passiert

Die Höchste Eisenbahn - Egal Wohin




Zukunft ist ein großes Wort. Es hat mir immer Angst gemacht. Geldsorgen, Existenzängste, der Verlust, der mich mein Leben lang begleitet hat. Die Panik, die Wut, die Trauer, die Wellen. Ich wollte nicht weiter denken als bis zum nächsten Tag. Das ändert sich, wenn man Kinder kriegt. Man plant voraus, sichert sich ab. Alles hat plötzlich mehr Gewicht. Und dieses Gewicht tragen wir tagtäglich und sollen gleichzeitig sorglos wirken, frei und unbeschwert. Ein Balanceakt. Der mir in den ersten Jahren unseres Familienlebens nicht immer gut gelungen ist. Aber Jan und ich haben uns zusammengerauft. Geredet. Und gewusst, wann Worte nichts bringen. Es stimmt, manchmal sprechen Taten lauter. Diese Erkenntnis wollte ich früher, als ich sie bekommen habe.

Taten sprechen lauter als Worte.

Olli und Paulina werden niemals Kinder haben. Sie kaufen sich einen großen Hund und veranstalten schöne Feste in ihrem traumhaften Garten. Wildblumen, Holzbänke, ein kleiner Teich, in dem Frösche leben. Wir ziehen noch ein letztes Mal um. In ihre Nähe, zwei Straßen weiter. Ich kann Köln nicht mehr ertragen. Außerdem will ich ein eigenes Gemüsebeet und genug Platz für ein Plantschbecken. Sie sind die besten Babysitter, die man sich wünschen kann. Sie ersetzen die Großeltern, die ich nicht mitgebracht habe. Maja und Felix haben ein eigenes Zimmer unterm Dach und Olli bringt ihnen bei, wie man Gitarre spielt. Sie haben große Pläne für ihre Leben, unkonventionelle Ideen, die ich unterstütze. Ich werde nicht dagegenhalten. Sie zu nichts zwingen. Sie sollen sich freier entfalten können. Sie sind wunderbare Kinder. Vorurteilsfrei und voller Liebe für das Leben. Ich kann ihnen stundenlang dabei zusehen, wie sie basteln und beratschlagen, wie sie diskutieren und Mitspracherecht einfordern. Sie haben viel von ihrem Vater, aber auch viel von mir. Jan sagt, von mir haben sie die Empathie. Ich glaube, dass das stimmt. Von ihm haben sie ihren Humor und die unkaputtbare Widerstandsfähigkeit, die sie durchs Leben bringen wird.

Joko und Klaas werden Teil einer neuen Sendung. Hinter den Kulissen lernt Klaas Ellen kennen, eine nette Frau, die bereits einen kleinen Sohn hat. Sie ziehen zusammen, kriegen Zwillinge, heiraten. Mir gefällt die Reihenfolge. Ich bin Trauzeugin und weine die ganze Zeit. Jeder Idiot kann erkennen, dass es Freudentränen sind, die im Kragen meines Kleides versickern. Sie packen die Kinder und den VW-Bus und reisen durch Europa. Aus jedem Land schicken sie Karten. Die Kinder beknien uns, ebenfalls um die Welt zu reisen, sind aber zufrieden mit einem Urlaub in Italien, in dem wir Eis frühstücken und vom Beckenrand springen.

Joko heiratet nie wieder. Er bleibt mit Maike zusammen, glücklich, aber er heiratet sie nicht. Sie benötigen keinen Trauschein, keine teuren Ringe, um zusammenzubleiben. Sie ziehen Felix gemeinsam groß und wir reden alle viel über seine Mutter, die nie in Vergessenheit geraten wird. Sie ist ebenso ein Teil von uns allen wie Maike es jetzt ist. Wir treffen uns an ihrem Grab. Ein Termin, den niemand je verpasst.

Wir fahren regelmäßig weg. Zu viert. Und einmal im Jahr als große Gruppe. Es ist ein logistischer Kraftakt, den wir stemmen und genießen. Die Whatsapp-Chats sprudeln über, ich schalte sie auf stumm, lese aber trotzdem immer mit. Die Kinder wachsen zusammen auf. Klaas Söhne eifern den Großen nach, egal, was sie tun. Kaum sind sie auf den Beinen, trampeln sie auf kleinen speckigen Füßen durch die Häuser, graben in Ollis sorgfältig gepflegten Beeten und malen sich mit meinem Lieblingslippenstift die runden Gesichter an. Joko und ich sind ihre Paten und wir verwöhnen sie mehr als wir sollten. Und Jan, der Leonard nur in den Ferien sieht, ist so vernarrt in sie, dass man keine Chance hat, seine Aufmerksamkeit zu bekommen, wenn sie um ihn herumturnen. Er hat eingesehen, dass ein drittes Kind nicht gut für uns gewesen wäre, und das ihm etwas anderes gefehlt hat als nächtliches Geschrei und das Abkochen von Fläschchen. Eine Großfamilie.

Die Feiertage richten wir nacheinander aus. Ich liebe es, Unmengen an Geschenken zu verpacken und stundenlang in der Küche zu stehen. Mit den Kindern Kekse zu backen. Olli spielt den Weihnachtsmann. Paulina, Ellen und Maike verstecken die Ostereier. Klaas ist immer der Grillmeister, während ich zur begnadeten Tortenbäckerin aufsteige. Joko versucht sich als DJ, entwickelt verschiedene Limonadenrezepte und bringt Ollis Hund sämtliche Tricks bei.

Das Ferienhaus am Meer „schenken“ wir uns zu Klaas‘ Hochzeit. Jeder steuert einen Teil dazu bei. Es wird für immer in der Familie bleiben. Ich halte es für den Ort, an dem die Grundsteine für unsere Zukunft gelegt worden sind. Was lange währt, … Es stimmt. Rückblickend betrachtet kommt es mir oft vor, als seien wir durch mehr Tiefen als Höhen gegangen, aber wenn das alles dazu geführt hat, dass wir jetzt dieses Leben haben, dann war es das wohl wert. Der Moment, in dem ich beschlossen habe, dass das Treffen mit Jan nicht nach der Aufnahme des Podcasts endet, hat mein Leben verändert. Und ich liege nachts manchmal wach und kann kaum glauben, was daraus geworden ist.


Man kann nie wissen, was die Zukunft bringt. Man kann nur hoffen, dass es gut wird. Und man kann dafür arbeiten, investieren. Wissen kann man gar nichts. Ich habe mir so oft gesagt, dass alles gut wird und nicht daran geglaubt. Letztlich ist alles gut geworden. Alles so, wie es sein soll. Wie sagt man so schön?

Ende gut, alles gut.



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AN: Das ist es also. Das letzte Kapitel. Am 07.02.2015 habe ich mit dem ersten Teil "Nichts mehr zu retten" begonnen und jetzt sind wir hier. Es war eine lange, lange Reise und ich werde Leni wahnsinnig vermissen. Aber sie hat dieses Ende genauso verdient wie ihr und ich. Danke, dass ihr dieser Geschichte, allen drei Teilen, so lange die Treue gehalten habt. Alleine dieser Teil hat vor drei Jahren begonnen. Leni und ihre Familie haben viel erlebt, in der Zeit habe auch ich viel erlebt und daran werde ich immer denken, wenn ich mal wieder reinlese. Ich hatte so viel Spaß an dieser Reise, es hat sich alles so echt und schön angefühlt. Bleibt gesund und munter und vielleicht kommt ihr ja ab und zu zurück, um mit uns in Erinnerungen zu schwelgen. Alles wird gut,

Anna
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