Hahvulon

von Zkyrus
MitmachgeschichteAbenteuer, Fantasy / P16
11.05.2016
15.07.2016
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Mit einem erschöpften Keuchen beförderte sich Jarog Blut-Zorn über den eingestürzten Pfeiler. Der Nord war sonst mehr Kämpfer als Athlet, was auch daran lag, dass er so extrem groß war. Er überragte quasi jeden Nord.
Er drehte ganz kurz den Kopf - zu lange, wie sich feststellte. Es reichte, um den Draugr, die ihn verfolgten, den Hinweis zu liefern, den sie brauchten. Der erste, der in die Haupthalle des Nord-Grabs torkelte, stieß einen Schrei - das typische Geräusch, dass Draugr eben von sich gaben - aus, dann kamen weitere durch das steinerne Türportal. Jarog sprang hinter dem Pfeiler in Deckung. Pfeile rauschten. Das war ein Fehler gewesen, merkte er jetzt, denn er, der eine Stahlplattenrüstung, einen einhändigen Kriegshammer und ein Rundschild trug, kam jetzt nicht mehr aus der Deckung.
Der Nord kroch seitlich, bemerkte, dass die Draugr, die ihn aus der Grabkammer in Richtung Ausgang gejagt hatten, weiter auf die Stelle schossen, an der er vorher gewesen war.
Mit einem Kriegsschrei kam der Nord aus der Deckung, überquerte die Distanz zu den Draugr mit großen Schritten und ließ dann den Hammer sprechen. Mit einer Drehung befördert er zwei Draugr zu Boden, schlug einem dritten den mumnifizierten Schädel ein und drehte sich dann auf der Stelle, wobei er den vierten Draugr an der Brust traf und den Draugr durch die Wucht fortschleuderte.
Zufrieden sah der Nord sich um. Er war erstmal sicher. Sein ganzes Team war tot.
Natürlich, das war zu erwarten gewesen, denn die Draugr gingen mit Schatzjägern nicht gerade zimperlich um.
Und jetzt war er alleine.
Der hellhaarige Nord ging wieder durch den Gang, aus dem die Draugr ihn gescheucht hatten. Er sah mit seinem einen Auge genau, dass alle senkrecht an den Wänden platzierten Särge geöffnet waren. Geradeaus war ein Doppeltor, beide Torflügel aus altem Holz, das mit Stahl verstärkt war. Ein großer Riegel aus Metall war vorgeschoben.
Damit niemand reinkam? Oder schlimmer noch - raus?

Mit aller Kraft hob der Nord den Riegel an, warf ihn in die Ecke. Er öffnete das Tor, trat in eine riesengroße Halle. Von der Decke hingen Metallschalen, in denen immer noch brennende Kohlen waren. Gegenüber von Jarog war ein Steinthron, an dessen Rücklehne oben eine Maske aus Metall angebracht war.
Zwischen dem Thron und dem Eingang in die Halle standen Tische, wir bei einem Bankett. Alte Kerzen, Teller, Besteck und Krüge standen oder lagen darauf. An den Tafeln saßen Draugr, die innegehalten hatten. Teils in sich zusammengesunken, andere auf ihre Arme und damit auf den Tisch gelehnt. Es waren alte Nord-Helden, wusste Jarog, auch wenn er nicht wusste, was hier geschehen sein könnte.
Hinter dem Thron am anderen Ende der Halle sah Jarob eine halbrunde Wand, mit einem steinernen Drachenkopf oben in der Mitte. Auf der Wand waren alte Runen eingeritzt, von denen Jarog wusste, dass sie ein Wort der Macht enthielten, dass von einem Drachenblut aufgenommen werden könnte.
Doch den Nord interessierte etwas anderes. Die Maske am Thron.
Er ging zwischen den Reihen der Banketttafeln hindurch darauf zu. Die Draugr saßen völlig still da, ihre Augen leuchteten nicht.
Jarog erreichte die Maske, nahm sie vom Thron ab.
Entgegen seiner Erwartungen blieben die Draugr sitzen, er wurde nicht von Fallen zerlegt und es wurde keine magische Vision oder so etwas ausgelöst.
Jarog atmete auf, ging wieder Richtung Ausgang. Die Maske, vermutlich aus der Zeit des Drachenkults, würde ihn reich machen.
„Du nimmst dir Dinge, die dir nicht gehören.”
Dr fuhr herum. Auf dem Thron, die Ellenbogen auf die Lehnen gestützt, die Hände vor dem gesenkten Haupt an den Fingerspitzen zusammengelegt, saß ein Drachenpriester.
Jarog erkannte ihn an dem Gewand, über dem gepanzerte Platten lagen. Das Gesicht ähnelte einem Draugr, aber es war weniger das einer Bestie und mehr das eines denkenden Wesens.
Ein denkendes Wesen mit Augen voller Hass.
„Oh, so ein Pech, aber dafür ist es jetzt leider ein wenig spät - diese Maske gehört…”
„Kaagend Yol Du!”
Jarog warf sich auf die Seite, als er einen Drachenschrei erkannte, doch es war zu spät. Mit einem Donnern entlud sich die Energie, und überall war Feuer.

Als Jarog den Kopf hob, wehte eisoger Wind in sein Gesicht. Die Halle war eingestürzt, alles herum war schwarz verkohlt, verschwand rasch unter dem Schnee. Jarog erhob sich. Er sah sich um. Das Feuer, das der Drachenpriester herbeigerufen hatte, hatte den ganzen Saal in Schutt und Asche gelegt.
Jarog sah nach oben. Und da war er. Der Drachenpriester. Er schwebte über dem Rest des eingestürzten Dach des Nord-Grabs. Er sah herunter.
Der Drachenpriester hatte die Maske, die ebenso schwarz war wie sein Gewand, aufgesetzt.
Jarog bemerkte einen Stab in seiner Hand. E war einer der Drachenpriester-Stäbe, aber nicht golden sondern in dunklem grau oder schwarz.
„Du hast keine Ahnung, was du hervorgerufen hast, als du diese Maske an dich nahmst!”, kreischte der Drachenpriester, und Jarog erinnerte sich entfernt, dass es Lich waren, ehe er abhob.
Doch während der Lich höher stieg, hörte Jarog das Donnern seiner Stimme:„ Wenn es dich interessiert - Drachenbrügge wird bald Besuch bekommen.”
Und dann verschwand der Priester in einer gleißenden Welle aus hellem Licht.

Jarog hasste es, das zu tun, aber er musste. Die Akademiemagierin am Tor ließ ihn mit einem Nicken passieren.
Er war schonmal hier gewesen, um die Archive einzusehen, und jetzt ließ man ihn leichter durch.
Jarog war ohnehin am Fuß des Berges, auf dem die Akademie von Winterfeste thronte, auf das Nord-Grab gestoßen, also hatte er sich den Halt dort erlaubt.
Der Ork in der Bücherei brummte etwas unverständliches, ließ den (entwaffneten) Nord aber in sein Reich aus Büchern.
Ehrlich gesagt, Jarog hasste Bücher, der hasste Lesen, aber er konnte es. Bevor er angefangen hatte zu tun, was er tat, war er der Sohn einer Dynastie von Nord-Helden gewesen. Reich und viel zu spießig, fand Jarog.
Er schlug das Buch der namhaften Drachenpriester auf. Zum Einen waren da natürlich Konahrik und seine acht Priester - Krosis, Morokei, Nahkriin, Volsung, Vokun, Otar, Hevnoraak und Rahgot, zum anderen waren da Miraak und dessen Anhänger - Zahkriios, Dukaan und Ahzidal. Er blätterte weiter. Die Abbildungen im Buch - zumeist einfache Zeichnungen - entsprachen nicht dem, den er gesehen hatte. Jarog blätterte um und blickte plötzlich einer überraschend feinen Zeichnung der schwarzen Maske ins Gesicht.
„Hahvulon. ”, las Jarog, „der Eiferer. In alten Schriften steht geschrieben, dass Hahvulon ein Hüter einer Schriftrolle der Alten ist, allerdings beim Zerfall des Drachenkults und der Belagerung seiner Festung Anhiim do iiz getötet wurde. Es steht zu erwarten, dass auch Hahvulon als Lich wiederauferstanden ist, weshalb die Festung, die nun ein Grab ist, versiegelt wurde. Anmerkung des Erzmagiers: Jegliches Eindringen sollte aus eigenem Interesse vermieden werden und wird hart bestraft. Anmerkung Ende. Eine Hahvulon-Legende besagt, dass der Drachenpriester die Schriftrolle der Alten (Alptraum) versteckt hat und ihre Macht anzapft. Hierbei handelt es sich nur um eine Legende, ebenso wie die Vorstellung, dass der Drachenpriester durch die Schriftrolle unsterblich sei, oder dass das Entnehmen seiner Maske ihn zurück ins Leben rufen würde.”
Jarog schluckte, las es nochmal, in der Hoffnung, er hätte sich verlesen. Nur leider stand das unheilverheißende Wort „unsterblich” weiter da.
Mit einem weiteren Schlucken las der Nord weiter, denn da war noch ein kleiner Absatz.
„Bekannt ist Hahvulons’ Versuch, die Macht über Himmelsrand an sich zu reißen, der damals aber scheiterte. Sicher ist, das es besser ist, wenn er in seinem Grab bleibt, besonders, wo dieses so nah an unserer geschätzten Akademie liegt.”
Jarog klappte das Buch zu.
Er wusste, womit man ihn beauftragen würde. Er war kein Schatzjäger. Er war Monsterjäger vom Talarus-Orden, ähnlich den Stendarr-Wächtern, nur weniger religiös. Und man würde ihm befehlen, diesen Lich aufzuhalten. Und dafür  brauchte er unbedingt Leute. Wirklich fähige Leute.
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