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Seelisch Vergessen

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / Gen
Andy Faiakes Cassandra Delos Hector Delos Helen Hamilton Lucas Delos OC (Own Character)
06.05.2016
27.02.2019
19
28.472
10
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34 Reviews
Dieses Kapitel
5 Reviews
 
 
06.05.2016 1.823
 
Hallo. :)
Hier ist die Fortsetzung von Seelisch Verbunden und ich habe beschlossen gleich mal mit einem langen Kapitel zu starten. Ich hoffe es gefällt euch. :)
Hier der Link zum 1. Teil: http://www.fanfiktion.de/s/5617ec780002cf443501c439/1/Seelisch-Verbunden
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„Wir müssen die Maßnahmen verstärken. Von jetzt an geht sie nirgendwo alleine hin.“
Castors tiefe Stimme hallte durch den Raum und seine Worte fanden bei jedem Zustimmung, außer bei einem Mädchen.
„Nein, ich will das nicht“, sagte die Dunkelhaarige mit fester Stimme und sah Castor voller Ernsthaftigkeit in die Augen. „Niemand von euch soll meinetwegen in Gefahr geraten.“
Ein bitteres Aufschnaufen von Lucas folgte und Hector lachte laut auf. Sein Blick war jedoch nicht fröhlich. „Wir sind Halbgötter. Einer von uns ist stärker als fünf von ihm.“
Thalias Kopf fuhr herum und sie starrte Hector wütend an. „Wenn er euch eine Kugel in den Kopf jagt, nützt euch eure Stärke auch nichts mehr“, knurrte Thalia mit solch einer eiskalten Stimme, dass Noel in ihrem Augenwinkle zusammenzuckte und Hector beschwichtigend die Hände hob.
Das Mädchen presste sich zwei Finger auf den Nasenrücken und versuchte ihren Atem zu beruhigen. „Hört zu, ihr kennt ihn nicht. Wenn er euch töten will, tötet er euch. Er würde sich euch niemals direkt stellen, er würde immer aus dem Hinterhalt handeln. So hat er es Stephan und mir immer beigebracht.“
Direktes Kämpfen ist nur was für Dumme, schoss es ihr durch den Kopf. Ein echtes Genie tötet dann, wenn es niemand erwartet.
Lucas fuhr sich durch die Haare und musterte seine Halbschwester nachdenklich. „Aber wir können dich nicht einfach alleine herum laufen lassen. Das ist zu gefährlich.“
Cassandra nickte zustimmend und ihre Augen bohrten sich in Thalias. „Wenn wir dich nicht beschützen, bist du komplett schutzlos. Das können wir nicht verantworten.“
„Aber ich hab doch Naira“, antwortete Thalia zuversichtlicher, als sie sich eigentlich fühlte. Das Tier hob bei der Erwähnung ihres Namens den Kopf und sah sich schlaftrunken um. Sie sah unglaublich gefährlich aus. Seufzend hielt sich das Mädchen eine Hand vor die Augen. Dieses Argument  konnte sie dann wohl vergessen. Sie versuchte es anders: „Außerdem kann ich mich sehr wohl selbst verteidigen.“
Ein weiteres Auflachen, diesmal jedoch von Jason. „Sorry Brain, aber du kannst nicht mal einer Fliege was zu Leide tun. Dazu bist du viel zu lieb.“
Empört schnaubend verschränkte sie die Arme vor der Brust. „Ich beweise euch gerne, was ich kann.“
Sie sah Hector aus dem Augenwinkel grinsen. „Dann können wir ja…“
Er wurde von der Haustürklingel unterbrochen und Thalia hielt unwillkürlich die Luft an. Sie wusste, dass es unwahrscheinlich war, aber trotzdem sah sie wieder das Gesicht ihres Vaters vor sich.
Lucas war der erste, der sich erhob. „Das ist Helen. Sie kommt zum Kampftraining.“
Plötzlich schnaubte Hector und stand ebenfalls auf. Thalia sah in sein Gesicht und entdeckte einen Ausdruck, den sie noch nie an ihm gesehen hat. Sie wusste augenblicklich, dass etwas schief gehen wird. Sie wollte ebenfalls aufstehen, aber Castor gab ihr ein Zeichen sich wieder zu setzen.
„Lasst Noel, Thalia und mich bitte alleine“, sagte er nur und wenige Sekunden später war die Bibliothek bis auf Thalia und ihre Adoptiveltern leer. Es herrschte Ruhe, bis Castor schließlich erneut das Wort ergriff:  „Wir können dich nicht alleine rumlaufen lassen, Thalia.“
Noel nickte sorgenvoll. „Castor hat Recht. Dein Bruder hat dich zu uns gebracht, damit wir dich beschützen. Und jetzt ist die Zeit gekommen, dieses Versprechen einzulösen.“
Thalias wusste, dass sie recht hatte, aber sie schüttelte trotzdem den Kopf. „Ich würde es mir niemals verzeihen, wenn er irgendeinem von euch etwas antut. Also bitte, lasst mich das alleine machen. Ich schaffe das. Wirklich.“
Das schaffst du niemals, schoss es ihr durch den Kopf und sie wusste, dass die Stimme stimmte. Wenn sie alleine auf ihn treffen würde, wäre sie tot, noch bevor sie den Namen ihres Vaters sagen könnte. Es sei denn …
„Was wäre, wenn ich mich anders verteidigen könnte?“, fragte sie und blickte in die fragenden Gesichter ihrer Eltern. Castor zog die Augenbrauen zusammen. „Worauf willst du hinaus, Thalia?“
Sie zögerte kurz, aber dann holte sie tief Luft und zwang die Worte über ihre Lippen: „Was ist, wenn ich zuerst schießen könnte?“
Castor und Noel mussten einen Moment überlegen, bevor ihnen bewusst wurde, wovon das Mädchen sprach.
„Wie bitte?“, kam es von Castor und Noel konnte sie nur sprachlos anstarren. „Wir werden dir definitiv keine Waffe geben. Ausgeschlossen.“
„Naja“, begann Thalia kleinlaut und kratzte sich wie immer wenn sie nervös war an der Nase. „Also geben müsstet ihr mir keine Waffe. Ich hab schon eine.“
„Wie bitte?“, entfuhr es Noel und sie starrte das Mädchen mit offenem Mund an.
„Ich …“, begann Thalia, wurde jedoch von einem lauten Knall von draußen unterbrochen. Gleich darauf hörten sie Hectors laute und wütende Stimme. Thalia stand reflexartig auf und auch Castor und Noel warfen sich gegenseitig einen fragenden Blick zu. Dann sah er zu dem Mädchen. „Wir reden nachher weiter.“
Thalia nickte und verschwand mit Naira zusammen aus dem Raum.

Der Anblick, der sich ihr bot ließ ihre Stimmung gefrieren. Hector und Helen kämpften zusammen im Käfig; also eigentlich schlug Hector nur ununterbrochen auf das ziemlich wehrlose Mädchen ein.
„Wieso wehrst du dich nicht?“, brüllte Hector mit einer Stimme, die Thalia in den Ohren dröhnte. „Schlag endlich zurück!“
Als die mittlerweile sehr demolierte Helen sich nach vorne beugte, schlug Hector ihr direkt auf den Kopf, sodass sie in den Sand fiel. Sie rappelte sich jedoch sofort wieder auf und Hector holte erneut zu einem Schlag aus. Sein Gesicht war wutverzerrt und auf seinen Fäusten sah man die Adern unnatürlich hervortreten.
„Ich habe dich härter geschlagen, als jeden anderen. Aber du schlägst einfach nicht zurück!“, brüllte Hector und schlug sie erneut.
„Hector hör auf!“, brüllten Ariadne und Cassandra, aber er hörte nicht hin.
Thalia war sprachlos. Sie hätte es nie für möglich gehalten, Hector so zu sehen. Er schlug mit voller Absicht auf ein völlig wehrloses Mädchen ein. Merkte er denn nicht, dass sie sich gar nicht wehren wollte? Das Mädchen schaffte es nicht etwas zu sagen. Ihre Kehle war wie zugeschnürt, als sie dieses Szenario beobachtete. Es erinnerte sie an einen tag, an dem ihr Vater sie mal wieder verprügelte. Sie wusste, dass wenn sie sich wehren würde, er nur noch härter zu schlagen würde und so ließ sie es einfach über sich ergehen, so wie Helen jetzt. Thalia fragte sich, wieso sie sich nicht wehrte. Sie wusste, dass mehr dahintersteckte, denn sie kannte solches Verhalten von ihr selber.
Als Hector erneut ausholte und Helen direkt ins Gesicht schlagen wollte, löste sich Thalia aus ihrer Erstarrung. Innerhalb weniger Sekunden war sie an der Tür des Käfigs, riss diese auf und starrte Hector an. „Naira“, sagte sie mit einer ihr vollkommen fremden Stimme, bei der Lucas neben ihr sie erschrocken anstarrte. „Fass.“
Ohne zu zögern rannte das Tier los und stürzte sich furchterregend knurrend auf Hector. Dieser hatte nicht genug Zeit, um zu reagieren und so konnte er nicht verhindern, dass der Hund ihm mit aller Kraft in die Schulter biss. Hector heulte laut auf und versuchte sie von seinem Rücken zu zerren, bekam sie jedoch nicht zu fassen. Er brauchte aber nur Augenblicke, um sich eine Strategie zurechtzulegen. Er beugte sich stark nach links vorne, sodass Naira kurz das Gleichgewicht verlor und diese Chance nutzte er, um sie von seinem Rücken zu zerren und durch den halben Käfig zu katapultieren. Thalia stellte sich ihm augenblicklich wütend in den Weg, als er erneut auf das Tier zugehen wollte. Die beiden standen sich so dicht gegenüber, dass Thalia Hectors Atem auf ihrem Gesicht spüren konnte, als dieser wütend schnaubte. Sie hätte ihm am liebsten ins Gesicht gespuckt. „Wage es nicht, sie anzurühren.“
Hectors Gesicht war eine einzige Wutgrimasse und Thalia hatte ich noch nie so gesehen. Sie starrten sich einen weiteren Moment in die Augen, bis Hector knurrte. „Wie willst du mich bitte aufhalten, du Schwächling?“
Er hatte wahrscheinlich mit allem gerechnet, aber nicht damit, dass Thalia vor Wut explodierte und ihn schlug. Ihr ganzer Körper zitterte vor Wut, als sie ausholte und ihm ihre Faust mit aller Kraft, die sie aufbringen konnte, in den Magen rammte. Es fühlte sich an, als würde sie gegen eine Betonwand schlagen und Hector war fiel zu überrascht um sich zu wehren. Wahrscheinlich hatte sie ihm nicht mal weh getan, aber sie hatte ganz deutlich gespürt, dass ihre Handknochen brachen. Noch immer völlig überrumpelt fasste sich Hector an den Bauch und beugte sich nach vorne. Thalia nutzte ihre Chance und rammte ihm mit voller Wucht ihr Knie ins Gesicht. Und in dem Moment hörte sie auch seinen Nasenbeinknochen brechen und mit einer gewissen Genugtuung hörte sie ihn aufstöhnen. Noch ragte sie über ihm empor, aber als er sich Augenblicke später aufrappelte, hatte sie plötzlich verdammte Angst vor ihm. Sein Blick war wenn möglich noch finsterer als vorher und Thalia konnte nicht einschätzen, ob er sie schlagen würde, also wich sie zwei Schritte zurück. Sie sah aus dem Augenwinkel, wie er seine rechte Faust ballte und bereitete sich auf einen Schlag vor, der sie wahrscheinlich in die Ohnmacht bringen würde. Aber bevor Hector zuschlagen konnte, stand Lucas zwischen ihnen und gab Hector einen kräftigen Schubs.
„Reg dich ab, Hector. Sie ist ein Mensch“, knurrte Lucas warnend und starrte ihn eindringlich an. Ein Ausdruck des Verstehens huschte in Hectors Augen und er wandte sich wutschnaubend ab. Aber Thalia glaubte, dass sich seine Wut mittlerweile gegen ihn selber richtete. Er wischte sich über das Gesicht und starrte das Blut an, welches auf seine Hand tropfte. Bevor er über den Zaun des Kampfkäfigs sprach, warf er Thalia einen letzten Blick zu und sie konnte nicht beurteilen, ob er wütend, neutral oder entschuldigend war.
Als Hector weg war, starrte Thalia ihre Hand an und unterdrückte ein Stöhnen.  Es war definitiv mehr als nur ein Knochen gebrochen. Sie war jedoch froh, dass man es von außen nicht sah und sie würde Ariadne nachher bitten, es wieder zu richten, aber vorerst wollte sie sich um Naira kümmern. Suchend sah sie sich im Käfig um und begegnete dem Blick von Helen, welche sie anstarrte. Sie erhob sich und humpelte mit der Hilfe von Lucas zu ihr. „Danke, Thalia.“
Thalia nickte nur und lächelte leicht, bevor sie sich umdrehte und Naira in der anderen Ecke des Käfigs sitzen sah. Sie eilte sofort zu ihr und hoffte, dass sie sich nicht verletzt hatte. Aber ihre Sorge war unbegründet, denn Naira stand augenblicklich auf, als sie Thalia sah und sprang ihr entgegen. Sie wirkte glücklicherweise komplett unverletzt, aber ein wenig gekränkt, was Thalia zum Lachen brachte. „Keine Sorge, Süße. Das Kräfteverhältnis war echt unfair.“
Sie streichelte ihr über den Kopf und ging mit ihr zusammen ins Haus zurück. Dabei spürte sie die Blicke ihrer Familie im Rücken, ignorierte diese jedoch. Sie war kein kleines Mädchen, das sich nicht verteidigen kann. Sie konnte sehr wohl zuschlagen, wenn es darauf ankommt und bei ihrem Vater würde sie definitiv zuschlagen, das wusste sie.
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