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dimension-Der Schattenkrieg

MitmachgeschichteAbenteuer, Fantasy / P12
Fox McCloud Mario OC (Own Character) Pit
06.05.2016
06.06.2017
29
66.527
 
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12.08.2016 2.962
 



Hallo!
Ich hoffe, euch gefällt das heutige Kapitel. :D
Über eure Meinung bezüglich des Texts oder Verbesserungsvorschläge freue ich mich natürlich auch.

TMW

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Nächtlicher Einbruch:

Es war stockdunkel. Nur schwer konnte er das Schloss an dem Metallschrank erkennen, welches die Schranktüren zusammenkettete. Langsam griff er in seinen Stoffrucksack und zog einen kleinen Gegenstand heraus. Behutsam umschloss er den bearbeiteten Draht  mit seiner rechten Hand.
Er hatte es versprochen.
Verstohlen sah er sich um.
Was ich hier mache ist Wahnsinn, dachte er beunruhigt. Seine Hände zitterten leicht.
Wenn Palutena wüsste, dass er sich aus dem Haus geschlichen und sich Zutritt in das Hauptgebäude in Sedes verschafft hatte, würde sie vermutlich toben. Mehr noch, wahrscheinlich ließe sie ihn nie wieder aus den Augen oder riss ihm die Flügel aus. Vor seinem inneren Auge sah er, wie sie ihn an aus dem Boden ragenden Eisenketten gefesselt jede seiner weichen Federn einzeln aus dem Rücken zog und sich an seinen qualvollen Schreien ergötze.
Ängstlich schüttelte er den Kopf und versuchte, jene Gedanken zu vertreiben. Er sah abermals auf den Draht in seiner Hand: Es war ein mit einer Zange gefertigter Dietrich. Sein Herz schlug ihm bis zum Hals. Er konnte, nein, er wollte das nicht tun. Aber ein Versprechen durfte man einem Sprichwort zufolge nicht brechen. Oder gab es bei Engeln eine Ausnahme?
Mit den Knien rutschte er näher an den Metallschrank. Vorsichtig, damit das aus demselben Material bestehende Schloss nicht gegen die Türen schepperte, hielt er das Türschloss zwischen den Fingern. Er musterte es mit zusammengekniffenen Augen. Wie ihm bereits erklärt worden war, befand sich in dem rechteckigen Schloss ein kleiner Spalt, in dem außer dem dazugehörenden Schlüssel auch der Draht hindurchpassen müsste. Er biss sich auf die Lippen. Wollte er das wirklich tun? Und würde er dann automatisch zum Verbrecher werden?
Plötzlich fuhr er zusammen, als er einige Zimmer weiter  lautes Gepolter hörte. Verschreckt atmete er wieder schneller. Seine Hände schwitzten. Erst jetzt bemerkte er, dass er vergessen hatte, sich Handschuhe überzuziehen.
„Wie kommst du hier rein, Stachelkopf?“, vernahm er jemanden böse fragen.
„Die Tür war offen“, flötete ein anderer fröhlich. Er erkannte diese Stimme sogleich und er war froh, Sonic um Hilfe gebeten zu haben.
„Dann kannst du auch gleich wieder verschwinden!“, donnerte die erste Person alias Mario.
„Wieso denn?“, fragte Sonic unschuldig, „In deinem Büro ist es doch so bequem.“
Er betrachtete wieder das Metallschloss. Sonic würde ihm genug Zeit verschaffen, um das Schloss zu öffnen. Und die brauchte er. Allein, um sich mit dem Dietrich vertraut zu machen.

Ein Blick auf die Uhr verriet ihm, dass er Mario bereits 10 Minuten auf Trab gehalten hatte. Er lächelte frech den Bebarteten an. Um genau 20:00 Uhr (12:00 Uhr) hatten sie die Hintertür des  Gebäudes mit einem zum Schloss passenden Dietrich betreten.
Sonics Aufgabe war einfach: Mario ablenken; und man könnte sagen, dass er in dieser Tätigkeit Meister war.
Den Ellenbogen provozierend auf einige Akten, die auf dem breiten Pult unordentlich gestapelt waren, legend stützte er seinen Kopf gegen seine Hand. Mit der anderen Hand fuhr er unbewusst über die weiche Lehne des schwarzen Lederstuhls, auf den er sich ohne zu fragen gesetzt hatte.
Mario hatte sich derweil hinter einem grünen Ordner versteckt. Nachdem er es nicht geschafft hatte, Sonic abzuwimmeln, versuchte er diesen zu ignorieren.
Der Igel schielte belustigt auf einen Pappkarton neben Mario, in dem zwischen vielen Krümeln unversehrt ein einzelner Donut lag. Seine Pinke Glasur schimmerte deliziös im Licht der Deckenlampen. Breit grinsend fragte sich Sonic, wieso Mario -der wohl unbarmherzigste Donatesser im gesamten Dimensionsraum- diesen leckeren Donut am Leben ließ.  
„Hey!“ Sonic beugte sich nach vorne, „Bist du böse auf mich?“ Er versuchte über den Ordner hinweg und in Marios Gesicht zu schauen. „Ich unterhalte mich mit dir“, sprach der blaue Igel etwas lauter, nur um dem Klempner weiter auf die Nerven zu gehen. Hinter dem Ordner zeigte dies Wirkung.
„Entschuldige, aber ich spreche nicht mit etwas, was nicht existiert“, entgegnete der Braunhaarige gereizt. Er stand auf und packte einige mit Papier dick gefüllte Mappen in ein hohes Regal hinter sich. Dabei schenkte er Sonic keine Beachtung.
„Manchmal bist du echt seltsam, Dickerchen“, stichelte der Igel weiter. Bei dem Wort >Dickerchen< fuhr Mario empört herum. Man konnte ihm ansehen, dass er dem Eindringling zu gerne ins Gesicht schlagen würde. Freudig sprang Sonic vom Lederstuhl. Eine kleine Rauferei in Marios Büro würde seinem Freund weitere Minuten Zeit verschaffen und außerdem seine aufgekommene Langeweile vertreiben.
„Och, habe ich da in eine Wunde gestochen?“, fragte der Igel vorlaut, „Das tut mir ehrlich Leid, Dickerchen.“
„Pass auf, was du sagst!“, warnte ihn der Klempner erzürnt. Aus seinen geballten Händen flackerten einige Flammen auf, die wild über seine weißen Handschuhe leckten, den Stoff jedoch nicht entzündeten. Böse funkelte Mario den Igel an, der draufgängerisch mit den Fäusten herumfuchtelte.
Gerade wollten sich die Streitenden aufeinander stürzen, als ein lautes Geräusch vom dunklen Flur her ertönte.              

„Mist!“, zischte er und sah auf den langen Kratzer, den er versehentlich mit dem Dietrich in den Metallschrank gerammt hatte. Der kreischende Klang, als der bearbeitete Draht das Metall berührte, hallte noch in seinen Ohren wider, als er abermals versuchte, das Schloss zu knacken. Schweiß lief in Perlen seine Stirn herunter, während er den Dietrich vorsichtig drehte. Vielleicht bildete er es sich nur ein, aber es war plötzlich ganz still geworden. Nur leise konnte er Mario und Sonic streiten hören, doch lauschte er nicht weiter ihrem Gespräch. Er musste es jetzt schaffen. Mario würde sich von dem Igel nicht länger auf der Nase herumtanzen lassen.
Sein Herz setzte einen Schlag aus, als er ein leises Klicken vernahm. Er musste sich einen Freudenschrei verkneifen, während er behutsam das geknackte Schloss neben sich legte und langsam die Schranktür öffnete.
Seine Augen hatten sich längst an die Dunkelheit gewöhnt, sodass er die vielen Bücher und Ordner in den Fächern erkannte. „Ein kleines Notizbuch mit ledernen Umschlag“, erinnerte er sich, während er mit dem Finger über die Buchrücken fuhr. Mit einem Mal war er völlig entspannt.
Nach einer Weile glaubte er, das gesuchte Buch bereits gefunden zu haben und wollte es herausziehen, als er unvermittelt inne hielt. Sein Blick verharrte auf einer kleinen Schachtel, die unten rechts versteckt hinter einigen Papieren zu sehen war. In der Finsternis schien sie schwach zu schimmern. Er ließ von dem Notizbuch ab und griff neugierig nach dem Kästchen. Das mysteriöse Behältnis in seinen Schoß legend strich er mit der Handfläche über den blutroten Samt, der die Schachtel umgab, bevor er den Deckel bedacht hob. Unter dem leisen Quietschen der goldenen Scharniere kam eine Kugel, die in schwarzem Sand gebettet war, zum Vorschein. Angespannt hielt er den Atem an, als er die Kugel zögernd berühren wollte, von der ein blasses Licht ausging.
Plötzlich wurden die Deckenlampen eingeschaltet und erschrocken wanderte sein Blick zur Tür. Mario hatte sich im Türrahmen aufgebaut und musterte ihn streng. „Pit!“, tönte seine Stimme erbost, „Was machst du da?“ Pit sah schwer schluckend auf das geknackte Schloss neben sich. „Sorry, Pit“, hörte der Engel  Sonic sagen, der sich in Marios eisernen Griff wandte, „Er hat mich in einem ungünstigen Moment gepackt.“ Der blaue Igel schnitt dem Klempner eine Grimasse. „Das Dickerchen spielt eben mit unfairen Mitteln.“ Mario aber ließ sich von Sonics Gerede nicht ablenken. Seine volle Aufmerksamkeit galt dem nun in jeder Sekunde unsicherer werdenden Engel.
„Weiß Palutena, wo du bist?“ Bei dieser Frage begannen Pits Flügel vor Angst leicht zu beben.
Er hätte es nicht tun sollen. Wäre er nur zu Hause geblieben, wie es sich für einen braven Engel gehörte. Oder… nein! Pit ermahnte sich im Stillen zur Ruhe. Er hatte einem Freund helfen wollen und das würde er auch weiterhin versuchen! Er atmete tief ein und bemühte sich, das Zittern seiner Hände zu beenden. Dann legte er das Kästchen unter Marios gnadenlosem Blick in den Schrank zurück und zog ganz selbstverständlich einige Bücher aus dem mittleren Fach.
„Ich brauche einige Bücher“, meinte Pit gelassen und lächelte den Klempner freundlich an.
So hätte er auch gehandelt, machte sich der Engel gedanklich Mut und fuhr mit einer selbstbewussten Mine fort: „Ich wollte dich nicht stören. Außerdem war mir klar, dass du mich nicht an den Schrank lassen würdest. Aber…“ Er schloss vorsichtig die Metalltür, während er sich erhob. Mit einer schnellen Handbewegung strich er seine schneeweiße Tunika glatt.
„Ich interessiere mich für Computer“, erklärte Pit mit rötlichen Wangen.
„Deshalb hast du das Metallschloss aufgebrochen?“ Mario hob skeptisch eine Augenbraue, „Oder lügst du, kleiner Engel.“
„Ich lüge nicht“, versicherte Pit und drückte die Bücher fester an die Brust. Sein Herzschlag dröhnte  in seinen Ohren und er hoffte, dass der Klempner diesen nicht hörte, so laut wie er war.
Mario schien von Pits Ausrede nicht überzeugt. „Es war eine Mutprobe“, log der Engel weiter, in der Hoffnung, dass Mario seine Erzählung glauben würde. „Zwischen mir und Sonic. Er meinte, ich würde mich nicht trauen den Schrank mit dem Dietrich zu öffnen.“
„Stimmt das, Stachelkopf?“ Marios unerbittlicher Blick haftete an dem Igel. Dieser wiederum sah den braunhaarigen Engel verständnislos an, der Sonic mit hoffnungsvoller Mine entgegenlächelte.  
„Ja, so war es“, sagte Sonic von Marios eisblauen Augen eingeschüchtert zögernd, „Ich wollte sehen, was der Junge so auf dem Kasten hat.“ „Na dann.“ Noch einmal musterte Mario Pit streng, bevor er sich dem Igel zuwandte. „Mach das nicht nochmal“, zischte er mit einem bedrohlichen Ton in der Stimme, bevor er ihn losließ und zurück in sein Büro ging.
„Noch einmal Glück gehabt“, lachte Sonic, als er sich versichert hatte, dass Mario nicht mehr in Hörweite war, „Du kannst ja Lügen wie ein Schauspieler.“ Pit jedoch schüttelte verlegen den Kopf. „Das habe ich mir von Jemandem abgeguckt“, stammelte er, während er den Dietrich und die Bücher, zwischen denen versteckt das Notizbuch mit dem Lederumschlag war, in den Rucksack stopfte.
„Jetzt muss ich aber weiter“, seufzte der Engel erleichtert, „Ich danke dir nochmals für deine Hilfe und es tut mir Leid, dich für meine Notlüge als Schuldigen genannt zu haben.“ Pit wurde vor Scharm ganz rot im Gesicht. „Hör schon auf“, entgegnete der Igel locker grinsend, „Jetzt glaubt der Dickmops auch, dass ich andere dazu zwinge, Schlösser aufzuknacken. Einige weitere „Wahrheiten“ und er wird sich aus Angst vor mir verstecken.“  Sonic hielt die Hand zum Sieg hoch und Pit klatschte breit grinsend ein. „Und jetzt lauf“, meinte Sonic mild, „Schließlich musst du noch ein Versprechen erfüllen.“

Lautlos schlich sie durch das Unterholz. Dabei kam sie sich vor wie eine edle Kriegerin auf geheimer Mission. Sie lächelte frech, während sie von Baum zu Baum schlich. Im Pilzwald, der an den Städten Sedes und Brühn angrenzte, waren die Pfade oft von Pflanzen und Moos überwuchert, was sie an Wege zu unentdeckten Tempeln oder uralten Siedlungen erinnerte. Leicht schwangen ihre nachtschwarzen Haare bei jeder ihrer Bewegungen mit, während sie leise weiterhuschte.
Sie hatte kein besonderes Ziel vor Augen. Doch hoffte sie, dass sie jemand in der Dunkelheit von hinten anspringen würde, nur damit sie ihn mit einem einzigen Handkantengriff außer Gefecht setzen konnte. In den vielen Städten der SSB-Welt hatte sie niemanden finden können, der stärker war als sie und das langweilte das Mädchen.
Wie auch viele andere erwartete sie deshalb mit Vorfreude das Periti Turnier.
Und dann wird mein Name in einen riesigen Goldpokal gehauen, dachte sie grinsend, Melodie Luna Engellea, die Beste der Besten.
Ihre Augen blitzten freudig in der Finsternis.
Niemand konnte sie besiegen. Im Nahkampf war sie unschlagbar und sie brauchte keine Waffen, um sich zu wehren.
Plötzlich verharrte Melodie im Schatten einer großen Buche. Hatte sie nicht ein Geräusch wahrgenommen? Vorsichtig riskierte sie einen Blick auf eine kleine Lichtung, die sich hinter dem dicken Baum erstreckte.
„Hier bin ich“, hörte sie Jemanden atemlos sagen und ein Junge mit weißen Flügeln eilte auf die freie Fläche. In der rechten Hand hielt er einen schwarzen Stoffrucksack, den er aufgeregt einer Gestalt entgegenstreckte, die sich von einen der Bäume gelöst hatte. Melodie presste sich weiter an die Buche, um nicht entdeckt zu werden. Den Jungen auf der Lichtung hatte sie schon einmal gesehen. „Pit“, hauchte das Mädchen, während ihre  leicht rosa Lippen wieder ein Lächeln umspielte. Sie mochte den Engel. Er war einfach… wie konnte man das sagen, zum Knuddeln? Die Schwarzhaarige warf der anderen Gestalt, deren Gesicht unter einer breiten Kapuze nicht zu erkennen war, erneut einen musternden Blick zu.
„Hast du es dabei?“, wollte die Person unter dem dunklen Mantel wissen. Der Engel nickte eifrig. „Habe ich“, meinte Pit, „ aber Mario hat mich erwischt…“ „Wenn Palutena etwas erfahren sollte“, hörte Melodie die vermummte Gestalt freundlich sagen, „dann werde ich Ihr erklären, dass ich dich dazu gedrängt habe.“ „Das stimmt aber nicht“, fing Pit sofort zu protestieren an, „Es war meine Entscheidung!“ „Ich habe dich beeinflusst“, entgegnete der andere kühl, „Deshalb ist es allein meine Schuld.“ Die Person zögerte. „Wenn ich das Notizbuch zurückgebe, werde ich auch Mario zu verstehen geben, dass du die Bücher nicht entwenden wolltest.“
Pit zog ein kleines, in braunem Leder gehülltes Buch aus der Stofftasche hervor und reichte es seinem Gegenüber. „Was ist an diesem alten Buch eigentlich so besonders?“, fragte er mit verwirrter Mine.
Langsam ging Melodie auf die Knie und robbte  vorsichtig durch die Büsche. Behutsam bog sie einige Äste eines Busches mit ihren Händen zur Seite, sodass sie eine bessere Sicht auf die beiden Personen hatte. Die feinen Dornen der Äste bohrten sich durch ihre grauen Handschuhe, doch das störte sie nicht. Sie brannte darauf, mehr über dieses Buch zu erfahren. Auch wenn sie nicht wusste, um welches Buch es sich handelte, jede Information war wichtig.

„Was an diesem Buch so besonders ist?“, wiederholte er lächelnd Pits Frage und der Engel sah, wie es in den Augen des Anderen aufgeregt leuchtete. Langsam streifte er sich die vom Regen durchnässte Kapuze vom Kopf, während er das Notizbuch musterte. „Dieses Buch erzählt von den Geschehnissen, die sich während des Geisterkriegs ereigneten“, erklärte der Prinz fasziniert.
„Der Geisterkrieg? Marth, was soll das sein?“
„Ein Krieg, der vor 2000 Jahren in der Dimension 51845 wütete“, erklärte der alteische Prinz, während er sich die blauen Haare glatt strich, „Hätten einige Helden diesen nicht beendet wären die feindlichen Truppen auch in die anderen Welten eingedrungen und dies wiederum hätte zu einem Dimensionskrieg geführt.“
„Einem was?“, fragte Pit verwundert.
„Ein Dimensionskrieg. Ähnlich wie ein Weltkrieg“, fasste Marth es zusammen, „nur, dass es alle Dimensionen betrifft.“ Der Engel nickte langsam.
„Was du alles weißt“, raunte er begeistert. Doch Marth schüttelt den Kopf.
„Mir ist nur wenig über jene Schlachten bekannt“, entgegnete der Prinz, „doch konnte ich in Erfahrung bringen, dass die Helden wohl aus den verschiedensten Dimensionen stammten. Aber…“, der Prinz wandte seinen Blick von Pit ab. „Es geht mir nicht darum eine Wissenslücke zu füllen, sondern…“ Bei jedem Wort wurde Marth leiser, sodass der Engel ihn nicht verstand. „Es ist unwahrscheinlich“, versuchte es sein Gegenüber nochmals, „doch es besteht die Möglichkeit“, er knetete nervös seine Hände, während er überlegte, ob er seine Gedanken aussprechen sollte.
„In meiner Dimension sind seit dem Geisterkrieg  genau hundert Jahre vergangen“, Marth sah unsicher zu dem Engel, „Du weißt bestimmt, dass die Zeit in jeder Welt anders verstreicht. Und ich habe Gerüchte vernommen, in denen die Vermutung aufgestellt wurde, dass…“, angespannt biss sich der Prinz auf die Lippen, „ Anri nicht in Altea verschied, sondern einfach verschwand. Deshalb… deshalb muss ich herausfinden, ob diese Theorie der Wahrheit entspricht.“
Anri.
Pit kannte diesen Namen. Es handelte sich dabei um einen von Marths Vorfahren, der vor ungefähr hundert Jahren – in Menschenjahren also vor 2000 Jahren-in der Hafenstadt Altea lebte. Doch als Medeus, ein mächtiger Erddrache, die Königreiche des Kontinents Akaneias  für sich beanspruchen wollte, stellte sich Anri ihm entgegen.
In den Händen hielt er Falchion, die Klinge des Lichts, geschmiedet aus einer Kralle der Wyrmgöttin Naga. Anri besiegte Medeus, kehrte in sein Heimatland zurück und erhob es zum Königreich. Seit jeher regieren seine Nachfahren das Königreich Altea und führen in Kriegszeiten das heilige Schwert, um den Frieden zu erhalten.
Pit hatte von dem alteischen Prinzen erfahren, dass Medeus, jener grausame Drache, zurückgekehrt war als Marth vierzehn Jahre alt war. In dem darauffolgenden Krieg hatte der Prinz seine Eltern verloren- einzig seine Schwester Elice war ihm geblieben. Drei schreckliche Jahre wütete die Regentschaft des Schattendrachen Medeus`, bis Marth ihn besiegte und die Königreiche Akaneias wieder aufgebaut wurden.
Der alteische Prinz sah zu Boden. Dabei sah Pit wie der Thronerbe Alteas unter seinem langen Mantel über den Griff Falchions strich. „Es ist lächerlich, aber vielleicht ist Anri in eine andere Dimension gereist“, hauchte Marth stockend, „Aber wenn es so sein sollte, könnte er noch leben…“
Pit nickte wissend. „Du glaubst, dass er in die Dimension 51845 gegangen ist, um diesen >Geisterkrieg<  zu beenden.“
„Wenn zu jenem Zeitpunkt bereits bekannt war, dass man sich durch den Dimensionsraum begeben kann“, wandte der alteische Prinz ein, „Aber wieso sollte er dann nicht in seine Heimat zurückkehren. Sein Bruder wartete dort doch auf ihn…“  
„Ich verstehe.“ Mitfühlend legte Pit seine Hand auf die Schulter des Thronerben Alteas, der überrascht aufschaute. „Ich glaube, wenn irgendjemand herausfindet, was damals wirklich passiert ist, dann bist du es.“
„Pit.“ Ein Lächeln huschte über Marths Lippen. „Ich bin froh, dass ich dir meine Überlegungen anvertrauen kann.“ Er drückte das kleine Buch wie einen kostbaren Gegenstand an sich. „Wenn ich etwas Wichtiges herausfinde werde ich dir Bericht erstatten“, meinte der Prinz mild.
„Mach das.“ Pit gähnte erschöpft. „Ich werde den nächsten Morgen nur im Bett liegen“, murmelte er müde, bevor er sich wie Marth zum Gehen wandte.

„Langweilig“, seufzte Melodie in ihrem Versteck und betrachtete dabei einen Grashüpfer, der auf ihrem Arm verharrte. „Nicht wahr, kleiner Grashüpfer?“ Das winzige Geschöpf bewegte seine dünnen Fühler. „Kann ich das als >Ja< interpretieren?“, sie atmete tief ein, „Ich unterhalte mich mit einem  Insekt… Zuviel Langeweile ist nicht gut für mich.“      




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