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Das Leben als Experiment

von Cherilyn
GeschichteAbenteuer, Freundschaft / P12
OC (Own Character)
02.05.2016
25.04.2019
79
136.589
15
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06.10.2018 2.033
 
Oh doch. Es hätte perfekter sein können. Definitiv sogar. Warum musste immer alles den Bach runtergehen? Zuerst lief alles wie geplant. Wir fuhren eine Weile die Straße entlang. Nichts und niemand verfolgte uns, alles war großartig. Kyle fuhr ruhig, hatte einen entspannten Gesichtsausdruck und auch für ihn schien alles in Ordnung zu sein. In einem trockenen Wald in dem an jeder Ecke ein Tierkadaver lag, machten wir eine Pause um unser weiteres Vorgehen zu besprechen. Nur vorsichtshalber hatten wir den Wagen hinter einigen dicht beieinanderstehenden Bäumen geparkt und liefen ein wenig umher.
"Also, was ist dein Plan?" Kyle hatte sich an einen Baum gelehnt und zog die Jacke seiner Uniform aus, die ziemlich warm zu sein schien.
"Naja, ich hatte gedacht, dass ich nach meinen Freunden und meiner Familie sehe. Vielleicht finde ich sie ja wieder, und dann können wir weitersehen. Hast du irgendwen den du suchst?" Kyle schien einen Moment zu zögern, dann nickte er.
"Meine Freundin. Ihr Name ist Susan. Ich weiß, dass sie sich mit ihrer Familie hier in der Nähe zurückgezogen hat. Vielleicht könnten wir nach ihr sehen?" Ich nickte schnell.
"Klar! Die Freunde meiner Freunde sind ebenfalls meine Freunde. Ist doch klar." Kyle lächelte, dann kehrten wir zu unserem Gefährt zurück. Während ich mich bereits wieder hineinsetzte, ging Kyle zur Straße um zu sehen, ob wir verfolgt wurden. Einen kurzen Moment hatte ich Angst, er würde nicht zurückkommen, aber kurz darauf tauchte er schon zwischen den Bäumen auf. "Sie sind einfach weitergefahren. Sie sind wahrscheinlich nicht davon ausgegangen, dass wir so früh eine Pause einlegen. Also können wir einfach weiter. Sie werden uns wahrscheinlich für einen weiteren Suchtrupp halten, wenn wir hinter ihnen auftauchen." Ich nickte erleichtert, dann setzten wir unseren Weg fort.
"Wie ist Susan denn so?" Ich warf Kyle einen kurzen Blick zu, damit rechnend, dass sich sein Gesicht plötzlich aufhellen würde, doch er sah noch genauso konzentriert aus wie zuvor.
"Sie ist... einfach toll. Wir kennen uns schon ewig. Wir sind zusammen zur Schule gegangen und haben danach immer zusammengespielt. Wir hatten viel Spaß." Ich konnte mir Susan anhand dieser Beschreibung nicht wirklich vorstellen, aber ich ging einfach davon aus, dass sie Kyle sehr viel bedeutete.
"Und warum haben sich eure Wege getrennt?" Kyle seufzte kurz.
"Wir... Oder eher ich, habe beschlossen zu ANGST zu gehen. Sie war erst auch dafür, meinte aber dann, dass sie lieber bei ihrer Familie bleiben will. Ich bin trotzdem gegangen, sie ist geblieben. Trotzdem mache ich mir Sorgen." Ich nickte. Susan war ihre Familie also sehr wichtig, genauso wie mir. Da haben wir wohl etwas gemeinsam. Doch ich fragte mich, warum die beiden überhaupt zu ANGST gehen wollten. Kyle schien nicht besonders glücklich dort gewesen zu sein. Hätte er nicht lieber bei seiner eigenen Familie bleiben sollen? Vielleicht war ihnen etwas zugestoßen? Ich fühlte mich irgendwie für Kyle verantwortlich, auch wenn ich nichts dafürkonnte, dass er dem Kerl eine Granate in den Rücken geschossen hatte. Trotzdem hatte er mir geholfen.
"Kyle, wie alt bist du eigentlich?" Kyle warf mir einen kurzen verwirrten Blick zu, sah dann wieder nach vorn und antwortete kurz: "20." Davon war ich dann doch überrascht. Zwanzig war ganze vier Jahre älter als ich. Ich hätte ihn nach dem Kommentar mit dem Siezen bei unserer ersten Begegnung doch eher auf 18 geschätzt. Wieso fühlte ich mich für jemanden verantwortlich, der vier Jahre älter war als ich und dazu noch perfekt mit einem Granatwerfer umgehen konnte? Ich wusste es nicht genau, aber trotzdem wollte ich ihm helfen seine Freundin zu finden. Er schien irgendwie unglücklich, auch wenn er nicht traurig oder wütend guckte. Er sah allerdings auch nicht glücklich aus, auch als ich Susan erwähnt hatte. Normalerweise werden Menschen doch glücklicher, wenn man jemanden erwähnt, der ihnen wichtig ist, oder? Ich wurde zumindest glücklich, wenn jemand Nick erwähnte. Oder Nico, Tony, Jack, Minho, Newt, Thomas. Ich könnte noch so viele andere Namen aufzählen. Bei jedem einzelnen dachte ich an etwas Schönes was ich mit der Person erlebt hatte, allerdings kam ich auch nicht drum herum mir Sorgen zu machen. Ich hatte zwar den Lichtern ein wenig geholfen, doch trotzdem wusste ich nicht, ob es ihnen gut ging. Waren sie dem Labyrinth entkommen? Wo waren sie jetzt? Was war mit meiner Familie geschehen, als ich sie verlassen musste? Wo war Tony hingekommen, war er tatsächlich unter den Lichtern gewesen? Ich fühlte mich plötzlich nicht mehr so gut, nachdem mir klargeworden war, was ich alles NICHT erreicht hatte.

Wir fuhren eine ganze Weile einfach nur die Straße entlang, doch irgendwann bogen wir auf einen Waldweg ab. Der Wald schien sich von dem ANGST-Gebäude bis in die Unendlichkeit zu erstrecken und nun fuhren wir auch noch hinein. Aber Kyle meinte, dass Susan sich in der Nähe versteckt hatte, und ich sah kein besseres Versteck in der Nähe, oder besser gar kein anderes. Wieder fuhren wir eine ganze Weile auf dem Weg. Einige Male hatte ich etwas Angst, dass wir gegen irgendeinen Baum fahren würden, aber Kyle hatte den Wagen fest im Griff und steuerte uns sicher durch die Bäume.
„Finden wir Susan und ihre Familie hier im Wald?“ Kyle nickte kurz und musste sich dann wieder auf den Slalom konzentrieren. Ich hatte ihn mir deutlich gesprächiger vorgestellt, auch wenn ich natürlich verstehen konnte, dass er im Prinzip gerade sein gesamtes Leben weggeworfen hatte. Zu ANGST wird er in jedem Fall nicht mehr zurückkehren können.
„Du, Kyle? Warum bist du überhaupt zu ANGST gegangen?“ Kyle antwortete mir nicht, sondern starrte weiterhin nach vorne, die Augen konzentriert zusammengekniffen und schien mich gar nicht gehört zu haben. Ich musste zugeben, dass ich ein wenig misstrauisch wurde, was Kyle anging. Er erzählte mir von einer Freundin die mit ihrer Familie angeblich in diesem Wald hauste, war ohne sie zu ANGST gegangen, nannte mir aber nicht einmal einen Grund dafür. Ich vergrub meine Hände in den Taschen meiner Jacke und ertastete darin das Plastikmesser, dass ich aus dem Speisesaal hatte mitgehen lassen. Im Zweifelsfall würde es mir wahrscheinlich weniger bringen als meine bloße Faust, aber etwas in der Hand zu haben beruhigte mich ein wenig.
Als ich mich das nächste Mal auf meine Umgebung konzentrierte, glaubte ich meinen Augen kaum. Wir hielten vor einem provisorischen kleinen Häuschen, das aussah, als wäre es für einen zweitägigen Aufenthalt zusammengestellt worden. Ja, gestellt, nicht gebaut. Die einzelnen Baumstämme, woher auch immer die kamen, denn ich sah weit und breit keine Baumstümpfe, schienen nur aneinander gelehnt worden zu sein, Lücken dazwischen waren mit trockenem Moos vollgestopft, doch hin und wieder konnte man schwaches Licht und Bewegungen durch die Ritzen sehen. Als Kyle den Wagen anhielt, war es vollkommen still auf der kleinen Lichtung.
Kyle stieg aus dem Wagen und ließ die Tür deutlich lauter zuknallen als nötig gewesen wäre. Auch ich verließ nun langsam das Fahrzeug und nährte mich hinter dem schwarzhaarigen dem Häuschen.
„Susan?“ Kyle klopfte an die provisorische Tür, die mehr Vorhang war als Tür, also eigentlich klopfte er an das Holz neben dem Vorhang, es hatte aber denselben Effekt.
„K-Kyle?“ Ich sah wie der Vorhang leicht zitterte und dann vorsichtig zur Seite geschoben wurde. Dahinter erschien ein Mädchen, ungefähr so alt wie Kyle, mit blonden Haaren und braunen Augen, welche sich weiteten, als sie meinen Verbündeten erblickte.
„Kyle! Dir geht es gut!“ Während sie erleichtert herumschrie, lief sie auf Kyle zu und warf sich in seine Arme, dieser schloss sie ebenfalls in eine feste Umarmung. „Ich bin so froh, dass dir nichts fehlt, dass du noch lebst.“ Sagte Susan und schien den schwarzhaarigen gar nicht mehr loslassen zu wollen.
Ich sah mich währenddessen nervös um, ich hatte irgendwie ein ungutes Gefühl bei der Sache. Irgendetwas passte nicht, aber ich konnte nicht sagen was. Das Häuschen, dass so fehl am Platz wirkte? Das glückliche Wiedersehen, obwohl Kyle nicht wirklich fröhlich bei dem Gedanken an Susan gewesen zu sein schien? Das wir bisher noch niemandem von ANGST begegnet waren, obwohl sie doch auf der Suche nach uns sein mussten? Wahrscheinlich war es eine Mischung aus allem, irgendwie schien alles einfach zu gut zu laufen. Vielleicht war ich einfach zu paranoid geworden. Ich sollte mich einfach freuen, wenn mal alles gut lief.

„Vielen Dank, dass du Kyle bei seiner Flucht geholfen hast. Ich wusste, dass er nie wirklich dorthin wollte und nur unsere Sicherheit im Kopf hatte. Vielen, vielen Dank!“ Susan schien mich erst wirklich wahrgenommen zu haben, als wir bereits wieder losgefahren waren. Sie hatte einige Sachen aus der Hütte geholt und sich dann auf den Beifahrersitz gesetzt, weshalb ich nun hinten saß, womit ich eigentlich kein Problem hatte. Ich hatte mehr Platz und fühlte mich ein wenig von den beiden abgegrenzt, was meiner Paranoia ein wenig half.
„Eigentlich hat er mir viel mehr bei meiner Flucht geholfen, aber kein Problem.“ Susan widmete sich kurz darauf wieder Kyle und ich war froh ihrer Aufmerksamkeit entkommen zu sein. Sie schien wirklich nett, aber es schien mir merkwürdig, dass sie keinerlei Erklärung forderte und einfach akzeptierte, dass wir nun zu dritt auf der Flucht vor ANGST waren und meine verschwundenen Freunden suchten. Allgemein ergab diese Situation für mich einfach keinen Sinn.

„Also Melody, du suchst nach deinen Freunden?“ Susan drehte sich halb zu mir um, während wir die Straße entlangfuhren. Kyle hatte schon seit gut einer halben Stunde nichts mehr gesagt, genauso wenig wie ich, eigentlich hatte nur Susan durchgängig geredet.
„Äh ja. Und meine Familie.“ Susan nickte verstehend.
„Sie waren wohl auch bei ANGST gefangen, was? Diese Organisation verschleppt wirklich alles und jeden um ihre Experimente zu machen.“ Ich nickte langsam.
„Ja, wahrscheinlich.“ Susan drehte sich wieder nach vorne, redete aber weiter mit mir, weshalb ich mich nun darauf konzentrieren musste, um sie verstehen zu können.
„Ich hoffe es geht deinen Freunden gut. Aber eigentlich bin ich mir ziemlich sicher. Ein Haufen Jungen wird schon auf sich aufpassen können. Ich hoffe mit dir haben sie nichts Schreckliches angestellt, du wirkst etwas eingeschüchtert.“ Ich spielte mit dem Plastikmesser in meiner Hand und sah dann in den Rückspiegel, durch den auch Susan mich ansah.
„Nein, mir geht’s gut. Und die Jungs werden schon auf sich aufpassen können. Die sind eigentlich recht fähig, meistens zumindest. Ich mache mir trotzdem Sorgen.“ Ich lächelte die Blonde kurz an, die mir beruhigend zu nickte. Einen Moment blieb es still, während ich das Gespräch noch einmal in meinem Kopf nachspielte. An einer Stelle, lief es mir allerdings eiskalt den Rücken hinunter. Ich erstarrte in meiner Bewegung und ließ dadurch beinahe das Messer fallen. Als ich dann wieder in den Rückspielgel sah, begegnete mir erneut Susans Blick, der die ganze Zeit auf mir gelegen hatte.
„Stimmt irgendetwas nicht?“ Ihre Stimme klang so fröhlich und freundlich, dass ich beinahe den Kopf geschüttelt hätte.
„Na ja…“ Ich zögerte, doch ich konnte es nicht einfach ignorieren. „Woher weißt du, dass meine Gruppe von Freunden nur aus Jungen besteht?“ Ich sah aus dem Augenwinkel, wie Kyle sich anspannte und auch Susans Blick schien nicht mehr so warm und freundlich wie zuvor. Anstatt etwas zu erklären, wandte sich Susan nun an Kyle, so dass ich ihr Gesicht nicht mehr im Spiegel sehen konnte.
„Kyle, mein Freund, ich denke wir haben ein Problem.“ Nun drehte die Blonde sich zu mir um. Erneut jagte ein kalter Schauer über meinen Rücken. Ihre Augen waren nun kalt und irgendwie erinnerte sie mich an Laura, als diese mit ihrer Pistole vor mir gestanden hatte. „Und das werden wir jetzt lösen müssen.“
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Ich dachte ich gebe euch schon mal ein neues Kapitel, weil das letzte so lange gedauert hatte ^^
Und ich komme nächste Woche sowieso nicht dazu irgendwas hochzuladen geschweige denn zu schreiben, also bekommt ihr einfach mal zwei Kapitel in einer Woche ^^
Ich bin echt stolz auf mich, dass ich das Kapitel doch noch zu Ende bekommen habe. Ich war echt unmotiviert was das angeht, aber jetzt wird es hoffentlich wieder lustiger. Zumindest für mich beim schreiben. Bitte bringt mich nicht um, bei dem was ich vor habe. Wobei das wahrscheinlich erst in zwei bis drei Kapiteln richtig raus kommt ^^'
Also, ich hoffe es hat euch gefallen :)
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