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Das Leben als Experiment

von Cherilyn
GeschichteAbenteuer, Freundschaft / P12
OC (Own Character)
02.05.2016
25.04.2019
79
136.589
15
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Dieses Kapitel
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06.08.2018 1.585
 
Meine Hände zitterten. Ich saß in dem Beobachtungsraum, diesmal allein. Die Lichtung aus den verschiedensten Winkeln war vor mir zu sehen, auf dem größten Bildschirm jedoch die Box, um die viele Jungen herumstanden. Auch der kleine Chuck war dort, keine Ahnung was vor sich ging, wobei er diese Prozedur schon einige Male mit Thomas beobachtet haben musste. Thomas war gerade aus den Tiefen der Box heraufgezogen worden, er sah sich mit große Augen überall um. Dann fing er plötzlich an zu rennen, bevor er irgendwann stolperte und zu Boden fiel.
Der Plan hatte nicht funktioniert. Nicht zum geringsten Teil. Seine Erinnerungen waren verloren. Blockiert genauso wie die der anderen. Er hatte nicht die geringste Ahnung was dort vor sich ging. Wütend schlug ich auf den Tisch vor mir, sodass die Tastatur laut klapperte und auch die Monitore leicht anfingen zu wackeln. Ich wollte am liebsten irgendetwas zerreißen oder in Stückebrechen. Auf irgendjemanden einschlagen, am liebsten auf Thomas, weil er mir Hoffnung gemacht hatte, oder auf irgendeine ANGST-Person, damit sie den Schmerz spürten, den sie mir mit jeder ihrer Taten zufügten. Ich raufte mir die Haare. Was sollte ich tun? Ich konnte nichts tun. Ich hatte es versprochen. Aber ich konnte sie doch nicht einfach dort lassen! Ich hatte begonnen im Raum auf und abzulaufen und trat nun gegen den Stuhl, der dann gegen den nächsten Tisch knallte. Erschöpft ließ ich mich auf den Boden fallen und starrte auf die bunten Bildschirme. All diese Jungen bedeuteten mir so viel… Ich konnte sie nicht einfach im Stich lassen. Sie dort verrotten lassen auf dieser Lichtung mit diesen Monstern um sie herum. Doch ich hatte es Thomas versprochen. Ich würde ihn nicht retten.
Zuerst hatte ich Hoffnung gehabt, dass er alles nur spielte. So tat als würde er sich an nichts erinnern, damit die anderen nicht misstrauisch wären, vielleicht war das auch die Bedingung gewesen, die ANGST gestellt hatte, damit er seine Erinnerungen behalten durfte, doch als ich seinen Blick gesehen hatte… Seine Augen waren voller Angst, Neugier und Verwirrung gewesen. Nicht einmal der beste Schauspieler hätte das bewerkstelligen können. Das war wirkliche Angst gewesen, wirkliche Verwirrung, vielleicht auch Verzweiflung. Einige Sekunden saß ich einfach nur da. Den Blick in die Ferne gerichtet, verschwommen die Bilder der Lichtung vor Augen. Irgendwann hörte ich das Öffnen der Türen hinter mir, drehte mich allerdings nicht um. Wer auch immer es war, es war mir egal was die Person denken würde, wenn sie mich hier so sah. Das nächste was ich hörte waren zögerliche Schritte, die näherkamen, bis sie knapp hinter mir aufhörten, so dass ich die Person nicht sehen konnte. Nach einigen weiteren Sekunden der scheinbar endlosen Stille, fing die Person an zu sprechen, es war wahrscheinlich die letzte Stimme die ich hatte hören wollen.
„Tom ist ein schrecklicher Schauspieler, sie hätten es gemerkt, wenn er seine Erinnerungen noch gehabt hätte.“ Ich ballte meine Hände zu Fäusten.
„Du hast ihn verraten. Du hast vorgeschlagen, seine Erinnerungen doch zu löschen und hast ihn einfach hintergangen! Was bist du bitte für eine Freundin, die nur ihr eigenes Wohl im Sinne hat und ihre eigenen Freunde im Stich lässt und sogar noch schlimmer einfach verrät!“ Ich sprang auf und drehte mich wütend zu der schwarzhaarigen um. Teresas blaue Augen sahen mich ohne jegliche Emotionen an. Sie schien nichts zu fühlen, als hätte man ihre Gefühle aus ihr herausgesaugt und in ein Reagenzglas gefüllt.
„Ich tue das nicht für mich, sondern für alle die am Brand erkrankt sind. Glaubst du es macht mir Spaß Thomas so zu sehen?“ Ich starrte sie einen Augenblick an. Noch immer konnte ich nicht sagen, was sie fühlte. Ging es ihr wirklich schlecht, ihren Freund so zu sehen? Täuschte sie es nur vor und es war Teil ihres Plans?
„Wieso sollte ich dir glauben? Du warst ohnehin nicht unserer Meinung. Du wolltest sie weiterhin dort unten gefangen halten, an ihnen herumexperimentieren wie mit Tieren, wobei ich das schon nicht einmal gutheiße! Deinetwegen ist er jetzt dort ohne die geringste Ahnung war´s eigentlich vor sich geht!“ Ich war einen Schritt auf die schwarzhaarige zugegangen, wich nun allerdings wieder zurück. Wer weiß schon, wozu sie fähig war?
„Ich werde ihn dort rausholen. Denn ich werde mit meinen Erinnerungen dorthin gehen. Nicht mehr lange, nur noch einige Tage. Ich bin der Auslöser für ihre Befreiung, wenn du es so nennen willst, und werde helfen wie ich kann, ohne zu viel zu verraten. Dass Tom seine Erinnerungen nicht behalten konnte, war eine nötige Maßnahme. Aber ich werde auf ihn aufpassen und am Ende werden wir alle herauskommen. Du wirst leider hierbleiben müssen, es war sowieso nie vorgesehen, das du Gruppe A kennenlernst. Auf dich warten andere Aufgaben, also komme meiner Arbeit nicht in Quere, das passiert alles nur zum Wohle der Menschheit.“ Mit diesen Worten drehte Teresa sich um und verließ den Raum wieder.
Mein Blick wurde wieder unscharf. Ich ertappte mich, dass ich einfach nur in der Gegend herumstarrte, dabei hätte ich ihr hinterherlaufen sollen und ihr die Meinung sagen sollen. Doch ich tat nichts, starrte einfach weiter in Richtung der Tür, während hinter mir die Jungen geschäftig ihrer Arbeit nachgingen. Die Meisten zumindest. Ich ließ mich langsam wieder auf den Boden sinken. Ich durfte mich nicht einmischen. Ich hatte es versprochen. Ich sollte alleine fliehen, dass hatte ich zu Thomas gesagt. Aber, wieso sollte ich mich an ein Versprechen halten, an das der Andere sich gar nicht erinnern konnte? Verlor es damit nicht irgendwie seine Gültigkeit? Nein, natürlich nicht. Trotzdem konnte ich sie nicht einfach so dort lassen. Ich musste ihnen helfen. Also musste ich mir einen neuen Plan ausdenken, oder zumindest ein wenig umdisponieren. Wobei, eigentlich musste ich nur meinen ursprünglichen Plan etwas überarbeiten. Mein Blick klärte sich langsam und ich erhob mich wieder vom Boden. Entschlossen machte ich mich auf den Weg zu meinem Zimmer. Es würde eine Weile dauern, aber ich würde sie retten, oder ihnen wenigstens ein wenig unter die Arme greifen.

Die Sonne war bereits dabei unterzugehen, als er sich endlich dem neuen Frischling widmen konnte. Es war eine Menge zutun gewesen, warum auch immer sich alles an diesem Tag angehäuft hatte, wahrscheinlich das Schicksal, dass ihn bestrafte. Seit sie fort war, hatte sich einiges verändert. Niemand wollte es wirklich zugeben, doch es war so. Er machte sich also auf den Weg zum Bau, dabei gähnte er hin und wieder, rieb sich die Augen und versuchte sich mit Gedanken Abzulenken, um nicht auf der Stelle einzuschlafen. Am Bau angekommen klopfte er einige Male gegen das Gitter. Im Halbdunkeln konnte er den Jungen beinahe nicht erkennen, doch nun kam er näher zum Gitter und sah ihn an. „Hey.“ Fing er an und begutachtete den neuen Frischling mit einem schnellen Blick. Dem Aussehen nach, schien er gut anpacken zu können, vielleicht ein Baumeister oder ein Schlitzer. Hackenhauer wäre auch eine mögliche Aufgabe für ihn.
„Ich bin Nick. Man könnte mich als Anführer dieser Bande hier bezeichnen. Glaubst du, wir können in Ruhe reden, ohne dass du direkt wegläufst?“ Der Neue nickte langsam, sagte aber bisher kein Wort. Da wäre sie ihm beinahe lieber gewesen. Klar, sie hatte um sich getreten und geschrien, aber immerhin war sie nicht so still gewesen. Mit einigen geübten Handgriffen entriegelte er die kleine Zelle und half dem Frischling aus dem niedrigen Bau hinaus. „Also, wenn ich nach deinem Namen Fragen dürfte? Ich bleibe nur ungern auf der Frischlings-Basis.“ Er grinste den braunhaarigen schief an, doch dieser schien nur Augen für seine Umgebung zu haben. „Thomas…“ Murmelte er schließlich und schien sich dann zu erinnern, dass er sich an nichts erinnern konnte. Sein Blick füllte sich mit Verzweiflung. „Ganz ruhig Thomas. Ich weiß war du denkst. ‚Warum kann ich mich an nichts erinnern? Wo bin ich? Wieso bin ich hier?‘ Zuerst, du bist nicht der einzige dem es so geht. Keiner hier kann sich erinnern wie er hierhergekommen ist, aber Fakt ist, dass wir es einigen miesen Typen zu verdanken haben, denen wir alle gerne in den Arsch treten würden, sobald wir sie irgendwann zu Gesicht bekommen.“ Thomas sah ihn unverwandt an. Einen Moment dachte er schon, Thomas hätte seine Sprache verloren, doch dann sagte er etwas, was er nie erwartet hätte.
„Und wie weit seid ihr mit dem Ausgang?“ Jetzt war es an Nick verblüfft und auch ein wenig verwirrt zu sein. „Ausgang? Wir arbeiten daran, aber wie kommst du darauf? Du bist doch gerade erst angekommen.“ Thomas Blick wanderte über die Lichtung, als würde er irgendetwas suchen, wusste aber nicht genau was und wieso überhaupt. „Ich habe nur das Gefühl, als müssten wir schnell hier raus. Als würde etwas oder jemand da draußen auf uns warten und kann es gar nicht abwarten uns zu sehen.“ Thomas lächelte einen kurzen Moment, bevor er wieder zu vergessen schien, warum er überhaupt damit begonnen hatte. „Erst mal“, versuchte Nick eine gute Überleitung zu finden, ohne allzu verwirrt zu klingen, „zeige ich dir dein neues Zuhause.“ Er klopfte Thomas einmal freundschaftlich auf den Rücken und führte ihn dann zur Box, an der die Führung meistens begann. Dabei versuchte er seine Gedanken daran zu vertreiben, dass sich bald so einiges ändern würde. Er konnte nicht sagen woher dieses Gefühl kam, aber er wusste es würde passieren, und das beunruhigte ihn.
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Hey :)
Ich weiß, es ist wieder etwas länger her. Aber jetzt ist wieder ein Kapitel da :D
Ich habe irgendwie Spaß daran, diese Sachen aus der Sicht der Jungen zu schreiben, mach ich jetzt vielleicht öfter.
Also, ich hoffe euch hat das Kapitel gefallen ^^
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