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Das Leben als Experiment

von Cherilyn
GeschichteAbenteuer, Freundschaft / P12
OC (Own Character)
02.05.2016
25.04.2019
79
136.589
15
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Dieses Kapitel
1 Review
 
29.06.2018 1.634
 
„Hey Thomas!“ Ich betrat wieder den Beobachtungsraum, in dem ich mich seit einigen Wochen jeden Tag mit dem braunhaarigen traf. Immer antwortete er mit „Hey Melody“ oder „Schön das du wieder da bist“, doch heute antwortete er nicht. Er saß nur da, blickte auf die Bildschirme, als würden die ihn hypnotisieren. „Thomas?“ Ich trat von hinten an ihn heran und tippte auf seine Schulter. Ruckartig drehte er sich um und sah mich an. „Oh, hallo…“ Verwirrt ließ ich mich auf den Stuhl neben ihn fallen. Er verhielt sich ganz anders als sonst. Schien niedergeschlagen und irgendwie verzweifelt. „Wer bist du? Ein böser Thomas-Klon?“ Ich versuchte ihn ein wenig aufzumuntern und zum Lachen zu bringen, doch er lächelte nicht einmal. „Hey… Was ist los?“ Ich beugte mich vor um sein Gesicht sehen zu können, da er den Blick wieder auf den Boden gerichtet hatte. „Es… Es ist Chuck. Erinnerst du dich an den Jungen der hier war? Letzte Woche?“ Ich hörte ein leises Schniefen. Natürlich erinnerte ich mich. „Ja. Was ist mit ihm?“ Ich legte dem aufgelösten Jungen eine Hand auf die Schulter und versuchte ihn zu trösten, aber ich war noch nie besonders gut darin gewesen, dass eine mal mit Nick und Logan war ein ziemlicher Glückstreffer gewesen. „Er… er ist auch da.“ Thomas zeigte auf die Bildschirme, sprang dann auf und lief unruhig im Raum auf und ab.
Mein Blick wanderte sofort zu den Bildschirmen und blieb an einem hängen, auf dem die Box zu sehen war. Die Jungen standen darum herum, räumten die Kisten nach oben, taten das, was sie jede Woche taten. Doch es waren mehrere. Sie standen etwas abseits, aber sie waren da. Sie standen um einen Jungen herum, er weinte und schien nach jemandem zu rufen, doch ich konnte leider nicht hören nach wem. Ich erkannte den dicklichen kleinen Jungen, den ich erst vor kurzer Zeit zum letzten Mal gesehen hatte. Ich sah ihn und wollte direkt irgendjemandem von ANGST den Kopf einschlagen. Wie konnten sie diese Jungen einfach dorthin schicken? „Thomas. Beruhige dich. Die anderen werden gut auf ihn aufpassen, sie kümmern sich jetzt schon um ihn. Wenn er ihnen egal wäre, würden sie nicht so um ihn herumstehen.“ Tatsächlich schien Thomas sich langsam zu beruhigen und ließ sich dann wieder auf den Stuhl fallen. „Es ist meine Schuld. Ich hätte bei dieser ganzen Geschichte nicht helfen dürfen.“ Thomas schien sichtlich verzweifelt und wäre das hier nicht eine Art Hochsicherheitsgefängnis, hätte ich tatsächlich Angst, er könnte sich etwas antuen wollen.
„Thomas, wie lange bist du nun schon hier?“ Der braunhaarige zuckte nur mit den Schultern. „Siehst du, du weißt es schon gar nicht mehr. Gehen wir davon aus, du warst sechs. Was hättest du tun sollen? Dich weigern? Schreien? Einen Hungerstreik beginnen? Du wusstest doch noch gar nicht was, dass alles bedeutet! Dir wurde gesagt, mach den Abwasch. Was tust du? Du machst den Abwasch! Du hast keine Schuld daran! Und du hast es jetzt erkannt, also kannst du ab jetzt etwas dagegen tun. Das, was du für richtig hältst, nicht was sie dir sagen.“ Ich packte Thomas an den Schultern, während ich mit ihm Sprach und sah ihm dabei fest in die Augen, er erwiderte meinen Blick, doch er blieb still. „Möchtest du darauf vielleicht auch noch antworten? Irgendeine Reaktion, anstatt mich anzusehen, als wäre ich ein Marsmensch?“ Thomas musste kurz lächeln, bevor er wieder traurig zu den Bildschirmen sah. „Du hast recht. Ich hätte schon viel eher etwas tun müssen. Nicht nur, weil Chuck jetzt da ist. Ich hätte schon bei den ersten Lichtern etwas tun müssen. Bei dem ersten Lichter der dazu kam-“
„Nico.“ Thomas sah mich verwirrt an. „Wer?“ Mein Blick wanderte zu Nico, der in der Nähe des Chuck-Kreises an einen Baum gelehnt stand, den Blick auf das Labyrinth gerichtet, zum Westtor. Das Tor, durch das mich der Griewer verschleppt hatte. „Nico war der erste, der auf die Lichtung kam.“ Thomas sah mich traurig an. „Tut mir leid, das ist schon so lange her, dass hatte ich ganz vergessen.“ Ich presste die Lippen aufeinander und starrte wieder auf den Bildschirm. „Vielleicht solltest du lieber wieder gehen. Ich melde mich bei dir. Ich helfe dir hier rauszukommen, ich weiß sowieso das du das schon die ganze Zeit versuchst.“ Ich sah ihn an und würde jetzt gerne sagen, dass ich ziemlich überrascht bin, da ich meinen Plan so gut geheim gehalten hatte, aber eigentlich hatte ich mir das schon gedacht. Schon als er überrascht war, dass ich einfach ohne Protest zu ihm gekommen war. Er war ja nicht dumm, ihm wird schon klar gewesen sein, dass ich nicht ohne Grund zustimmen würde einfach zu ihm zu kommen. „Ich bin nicht überrascht. Was hast du noch mitbekommen?“ Ich lehnte mich auf den Stuhl, wandte meinen Blick aber nicht von den Bildschirmen. Falls es in diesem Raum Kameras geben sollte, wollte ich nicht zu verdächtig wirken. „Nun ja, ich vermisse ein gewisses Gerät, seitdem wir uns in deinem Raum begegnet sind.“ Ich grinste. „Meine Vase freut sich immer über Gesellschaft.“ Auch Thomas grinste nun.
„Und was hast du jetzt vor?“ Thomas schwieg einen Augenblick bevor er antwortete. „Das könnte ich genauso gut dich fragen… Aber ich denke ich werde mich erst einmal mit Teresa beraten.“ Ich zog eine Augenbraue hoch und sah ihn ungläubig an. „Ist nicht dein ernst, oder? Wieso willst du die denn fragen? Die redet dir das Ganze doch sowieso nur wieder aus! Lass es lieber bleiben und denk dir allein einen Plan aus.“ Doch Thomas schüttelte nur den Kopf. „Wir können telepathisch kommunizieren. Das würde nicht gut gehen… Aber ich kann versuchen diskret nachzufragen. Sie erstmal nach ihrer Meinung zu dem ganzen fragen und nach und nach meine eigene Einstellung zum ausdruckbringen. Aber gar nicht mit ihr zu sprechen wäre nicht gut.“ Ich zuckte mit den Schultern. „Mach was du willst, bist ja schon groß. Außerdem hab ich dir selbst gesagt, du sollst das tun, was du für richtig hältst.“ Ich starrte wieder auf den Bildschirm. Die Jungen hatten sich wieder ihrer Arbeit zugewandt, die Meisten zumindest. Nick, Alby und Newt standen noch immer bei Chuck, auch Nico stand noch an derselben Stelle. Meine Augen brannten leicht, als ich darüber nachdachte wie er sich fühlen musste. Als hätte er nicht alles getan was er hätte tun können. Er war mit Sicherheit ziemlich wütend auf die anderen Lichter, da sie ihn zurückgehalten hatten.
Ich wurde aus meinen Gedanken gerissen, als Thomas wieder das Wort ergriff: „Du solltest am besten aufgebracht aus dem Raum stürmen, kommt am besten, wenn es so aussieht, als hätten wir uns gestritten. Die Kameras in diesem Raum sind schon lange nicht mehr funktionstüchtig, mach dir darüber also keine Sorgen.“ Ich nickte kurz und setzte dann mein bestes Ich-hasse-dich-Gesicht auf. Ich lief zu der geschlossenen Tür, riss sie auf und schrie dann in Richtung Thomas: „Du bist das größte Arschloch, dass mir je untergekommen ist!“ Dann lief ich an den perplexen Wächtern vorbei bis zu meinem Raum, vor dem ich ungeduldig wartete, bis einer der ziemlich langsamen Männer die Tür mit dem Code öffnete. Als die Tür hinter mir zu fiel, kramte ich einige Kabel aus meiner Hosentasche und stopfte sie dann unter meine Matratze, dabei pfiff ich eine Melodie, die beinahe so klang, als würde man den Code für die Metalltür zu meinem Raum eingeben.

„Er benimmt sich immer noch wie ein kleines Kind.“ Er konnte sie genau über sich reden hören, sie gaben sich aber auch keine besondere Mühe leise zu sprechen. „Er kriegt sich schon wieder ein. Hoffentlich. Jetzt grade haben wir andere Probleme.“ Natürlich. Andere Probleme. Alles war wichtiger. Selbst ein Baum war wichtiger. Warum auch nicht, die produzierten immerhin Sauerstoff, sie verbrauchte ihn ja nur. „Was machen wir mit ihm? Er sieht nicht so aus, als ob er sich in den nächsten Stunden vom Fleck bewegen wird.“ Wenn sie hier wäre, hätte sie es geschafft. Aber alles andere war ja wichtiger. Sie würde wollen, dass sich jemand um ihn kümmerte, oder?
Seufzend stieß er sich von dem Baumstamm ab und ging dann auf die kleine Gruppe zu. Die misstrauischen Blicke der anderen ignorierend wandte er sich dem Jungen zu, der in der Mitte saß. Sein Gesicht war voller Tränen, Rotz lief aus seiner Nase und es wäre möglich, dass er sich in die Hose gemacht hatte. Hoffentlich machte sich niemand darüber lustig. Wenn doch, würde er demjenigen höchstpersönlich den Schädel einschlagen. Er kniete sich vor den Frischling, doch er sah ihn nicht einmal an. Ok, wie hatte sie das gemacht? „Hi.“ Die Augen des Jungen huschten sofort in meine Richtung. Er fragte sich, ob er wohl der erste war, der ihn ansprach. „Wie heißt du?“ Er versuchte so normal wie möglich zu klingen und die anderen auszublenden, die ihn verwirrt ansahen. Das wäre deutlich einfacher, wenn sie einfach gehen würden. Dann müsste er sich immerhin nicht so zusammenreißen, nicht gleich auf sie einzuschlagen. Doch der Junge schwieg. Na toll, hatte er etwas falsch gemacht? Er machte sich bereits Vorwürfe, doch dann sagte der Junge doch etwas. „Ch-Chuck. W-Wo bin ich?“ Er weinte noch immer und genauso klang auch seine Stimme, aber immerhin konnte er ihn verstehen. „Freut mich Chuck, ich bin Nico. Willkommen auf der Lichtung.“
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Jay, das zweite Kapitel, wie versprochen ^^
Ich muss zugeben, dass ich den letzten Teil nur geschrieben habe, weil ich das Kapitel zu kurz fand, aber im Nachhinein war es gar keine so schlechte Idee :)
Wenn euch sowas gefällt, dann schreibt das doch einfach, dann kann ich gucken, ob ich mehr von sowas einbaue :D Ich wollte das durch die Er-Erzählung etwas abgrenzen von Melodys Sicht, hoffentlich stört das nicht, ich mache das tatsächlich nicht so oft ^^
Also, ich hoffe euch hat das Kapitel gefallen und bis nächste Woche :)
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