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Das Leben als Experiment

von Cherilyn
GeschichteAbenteuer, Freundschaft / P12
OC (Own Character)
02.05.2016
25.04.2019
79
136.589
15
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31.05.2018 2.302
 
Seitdem ich das Labyrinth mehr oder weniger freiwillig betreten hatte, fühlte es sich an, als ob die Zeit verlangsamt worden wäre. Alles war stiller als zuvor und Geräusche hörten sich verzehrt und undeutlich an. Die Bewegungen waren vor meinen Augen verschwommen, Farben rasten an mir vorbei und trotzdem schienen sie zu schweben, wie Wolken im Himmel. Vielleicht lag das aber auch daran, dass ich kurz zuvor mit dem Kopf auf den Boden geschleudert wurde. Sicher sagen konnte ich das natürlich nicht. Aber, egal ob ich mir nun den Kopf angeschlagen hatte oder nicht, ich fühlte mich allein und Hilflos. Schon wieder hatte ich die Menschen verloren, die mir wichtig waren. Das dritte Mal schon, hoffentlich wurde das nicht zur Gewohnheit. Wenn ich mich richtig erinnerte, würde der Griewer mich töten, noch bevor der nächste Tag begann. Denn niemand überlebte eine Nacht im Labyrinth, ich würde da keine Ausnahme sein.
Das war also mein Ende. Von einem Griewer verschleppt, nachdem ich vollkommen fertig auf eine Leiche eingeprügelt hatte und Nico die Sorgen seines Lebens bereitet hatte. Immer machte ich nur Probleme. Ich hatte schon lange die Orientierung verloren und hatte keine Ahnung ob nun schon eine Stunde oder erst eine Minute vergangen war. Gefangen in dem kalten Metallarm des Griewers schaukelte ich hin und her, weshalb mir zum einen ziemlich Übel war und ich zum anderen müde wurde. Doch immer bevor ich einschlafen konnte, wackelte es einmal etwas stärker, wenn der Griewer um eine Ecke bog, weshalb mir dann wieder mehr Übel war, als dass ich schlafen wollte. Ich merkte wie meine Beine einschliefen, während ich halb über Kopf hing, ich klammerte mich irgendwie an dem Metallarm fest, deshalb nur halb, und versuchte sie wieder wach zu schütteln. Allerdings schien dem Griewer das zu viel Bewegung zu sein, weshalb er mich kurzerhand einmal gegen die Wand und dann auf den Boden klatschte. Einen Moment sah ich alles noch verschwommen, dann wurde mir schwarz vor Augen und meine Umgebung verschwand.

Das nächste was ich sah, war ein weißer Raum und den Griewer. Er stand regungslos in der Mitte, der Greifarm in dem ich noch immer eingeklemmt war, neben ihm, ich also auch. Mein Kopf dröhnte während ich mich langsam aufrichtete und erneut versuchte den Greifarm abzustreifen, was diesmal tatsächlich funktionierte. Verwirrt wie ich war, kämpfte ich mich nun auf die Füße, dabei hin und herschwankend, als würde ich bei einem Tsunami auf einem Schiff stehen. Ich suchte irgendetwas woran ich mich festhalten konnte, aber das nächste war nur der Griewer, den ich nur ungern anfassen wollte. Doch irgendetwas war komisch an dem Teil. Es schien wieder die Batterie leer zu sein, wie das eine Mal auf der Lichtung. Er bewegte sich nicht, er machte keine Geräusche es blinkten auch keine Lichter, auch wenn ich nicht mehr genau wusste ob er überhaupt irgendwelche Lichter hatte. Langsam begann der Schwindel nachzulassen, weshalb ich mir den Metallarm nahm, welcher doch schwerer war als gedacht, weshalb ich ihn erst noch einmal ablegen musste, und piekte in den Schleimigen Körper des Griewers hinein. Ich hatte fest damit gerechnet, dass er sich nun auf mich stürzen würde und hielt bereits den Arm schützend vor meinen Körper, obwohl das ohnehin nichts gebracht hätte, doch es geschah rein gar nichts. Das Teil bewegte sich nicht, gab keinen Laut von sich. Genauso wie zuvor.
Verwirrt ließ ich den Arm fallen und sah mir den restlichen Raum genauer an. Er war weiß. Die Wände, der Boden, die Decke. Selbst die Tür, der einzige Ausgang wie es schien, denn Fenster gab es nicht, war weiß. Selbstverständlich ging ich dort zuerst hin, doch wie ich erwartet hatte, war sie verschlossen. Dabei hätte ich gar nichts erwarten dürfen. Immerhin wusste ich nicht wo ich war oder wie ich hier hingekommen war. Gut, wahrscheinlich war es der Griewer gewesen, immerhin stand er noch immer in diesem Raum. Aber wie soll das große Teil durch diese Tür gekommen sein? Ich sah einige Male zwischen der Tür und dem Griewer hin und her, bis ich beschloss, dass das Teil da wirklich niemals durchgepasst hätte.
„Hallo?“, rief ich dann halblaut, das erste was ich seit gefühlten Stunden sagte. Doch, wie erwartet, erhielt ich keine Antwort. Unschlüssig was ich nun tun sollte, setzte ich mich mit möglichst großem Abstand zum Griewer an eine der Wände und wartete. Worauf und ob das Etwas überhaupt irgendwann passieren oder auftauchen würde, wusste ich nicht. Aber was hätte ich sonst tun sollen? Ich stand wieder auf, nahm mir erneut den Griewerarm und versuchte damit die Tür einzuschlagen, was allerdings ebenso wenig wie das öffnen zuvor funktionierte, ließ den Arm dann auf den Boden fallen und setzte mich an meinen alten Platz. Ich hatte also alles probiert, was ich hätte tun können. Erneut stand ich auf und begann die Wände abzutasten. Nachdem ich wieder an meinem Ausgangspunkt angekommen war, ließ ich mich zum dritten Mal auf den Boden sinken. Ok, JETZT hatte ich alles probiert, was ich hätte tun können, abgesehen von dem Griewer näherkommen, was ich unter keinen Umständen tun würde. Die Jungs würde mich für verrückt halten, wenn ich auch nur einen Zentimeter näher an dem Ding sitzen würde, als ich musste. Wobei sie wahrscheinlich schon dachten, dass ich verrückt war, immerhin war Nico nicht der einzige gewesen, der gesehen hatte, wie ich James‘ Leiche als Boxsack missbraucht hatte.
Am liebsten hätte ich in diesem Moment irgendetwas genommen und in der Mitte durchgebrochen. Doch hier war nichts zum durch brechen außer der aus Schleim und Metall bestehenden Griewer, selbstverständlich ziemlich unmöglich durchzubrechen, und ich selbst, doch ich brauchte meine Knochen noch. Denke ich. Wer wusste schon was in der nächsten Minute passieren konnte. Vielleicht würde der schleimige Dreckshaufen in der Mitte anfangen mich auseinander zu rupfen, wie ein frisch geschlachtetes Hühnchen. Ich lehnte meinen Kopf gegen die Wand hinter mir und hätte am liebsten die Augen geschlossen und einfach geschlafen. Doch das riesige, schleimige Ding in der Mitte hinderte mich daran. Also saß ich da und starrte vor mich hin.
Zuerst waren mir tausende Gedanken durch den Kopf gegangen, doch irgendwann hatte es aufgehört und zurückgeblieben war eine seltsame Leere. Ich fühlte mich allein. Selbst ohne darüber nachzudenken war mir das klar. Erneut hatte ich eine Lücke in meinem Gedächtnis, oder es waren einfach nur einige Sekunden vergangen. Das nächste was ich jedenfalls mitbekam war ein seltsames Piepen aus Richtung der Tür, weshalb ich erschrocken aufsprang. Es war so still gewesen, dass ich vollkommen vergessen hatte, dass es auch noch andere Geräusche als meinen Atem und Herzschlag gab. Ich verkroch mich am anderen Ende des Raumes hinter dem Griewer, so dass man mich nicht direkt sehen könnte, wenn man den Raum betrat. Kurzdarauf glitten die weißen Wände auch schon auseinander und zwei Männer kamen herein. Sie hätten perfekt in diesem Raum Verstecken spielen können, wenn sie sich zur Wand gedreht hätten. Ihre weiße Kleidung schien sich den Wänden anzupassen, nur ihre schwarzen Schuhe stachen dabei heraus.
Zuerst schienen sie verwirrt zu sein, weil sie mich nicht sahen, gingen dann allerdings im Raum herum und sahen mich doch. Ohne etwas zu sagen kamen sie auf mich zu, packten mich an beiden Armen und schleiften mich aus dem Raum heraus. An sich hätte ich nichts dagegen gehabt aus diesem schrecklichen Raum zu entkommen, doch nun wusste ich wo ich war. Selbstverständlich war ich wieder bei ANGST gelandet. Ich war nie weggewesen. Auf der Lichtung hatte ich vollkommen vergessen, dass dieses ganze Experiment ihr Werk war. Während sie mich durch Gänge schleiften, zeigte mein Gesicht nach hinten, während ich an beiden Armen weitergezogen wurde. Zu Anfang hatte ich um mich getreten, doch die beiden wussten was sie taten, weshalb es mir eher weniger gebracht hatte, um genau zu sein, gar nichts.
Ich hatte erneut die Orientierung verloren, das lag allerdings daran, dass alle Gänge gleich aussahen. Irgendwann, diesmal waren es vielleicht zwei bis drei Minuten gewesen, kamen wir an einer Tür an. Ein elektronisches Schloss verriegelte sie von außen, weshalb einer der beiden einen Code eingeben musste. Ich konnte nicht sehen welche Zahlen es waren, doch ich hörte das piepen in unterschiedlichen Tonhöhen und versuchte es mir einzuprägen. Mal ganz ehrlich, wer hatte denn noch elektronische Schlösser, bei denen jede Zahl einen unterschiedlichen Ton hatte? Das lud doch gerade dazu ein, den Code herauszubekommen. Kurz darauf war die Tür auf, ich wurde in den Raum geschoben und die Tür anschließend hinter mir zugeknallt.
Erneut war ich allein. Dachte ich zumindest im ersten Moment. Ich erkannte den Raum wieder. Es war anscheinend mein Zimmer in diesem riesigen Gebäude, denn es war derselbe Raum in dem ich auch die Rose gefunden hatte. Die Wände waren noch immer in warmen Farben gehalten, das Laminat war auch noch da, genauso wie das Bett mit der weichen Bettwäsche, der Kleiderschrank und auch der Schreibtisch. Dort saß nun allerdings eine Person. Ich erschreckte mich ziemlich und zuckte zurück. Als nächstes griff ich nach dem nächstbesten Gegenstand, die Vase, die noch immer leer auf der Fensterbank vor dem vergitterten Fenster stand. Ich richtete die Vase auf die andere Person im Raum, die sich nun in meine Richtung drehte. Es war Thomas wie ich direkt erkannte, der ebenso erschrocken aussah wie ich und die Hände hob.
„Wow, ganz ruhig. Ich tu dir nichts.“ Ich hielt die Vase noch immer auf ihn gerichtet, leider keine besonders eindrucksvolle Waffe, aber immerhin besser als nichts, und sah ihn an. „Du scheinst mich noch immer nicht besonders zu mögen. Kann ich verstehen. Ich wäre an deiner Stelle wahrscheinlich auch nicht besonders gut auf mich zu sprechen.“ Ich veränderte meine Haltung nicht, aber jetzt war Thomas mir doch etwas sympathischer. Nicht wirklich sodass ich sagen würde, mit ihm kann ich mich anfreunden, aber nicht so schlimm wie seine Freundin Teresa. „Was willst du von mir“, fragte ich, wobei das weniger wie eine Frage klang und mehr wie eine Art Feststellung, was es definitiv nicht war. „Na ja. Ich habe mir deinen Trainingsplan angesehen und alles andere was du aufgeschrieben hattest. Eigentlich wollte ich weg sein bevor du zurückkommst, aber das hat nicht besonders gut funktioniert.“ Thomas sah zur Tür und schien sich leicht bedrängt zu fühlen. „Dann verschwinde.“ Ich stellte wohl ziemlich gut klar, dass ich ihn nicht hier haben wollte, denn er zuckte direkt ein wenig zurück und trommelte nervös mit den Fingern auf der Tischplatte herum. „Würde ich ja gerne, aber diese Tür geht nur von außen oder mit einem ganz bestimmten Code auf. Letzteres habe ich nicht. Also muss ich erst Jemandem Bescheid geben, damit die Tür geöffnet werden kann.“ Ich verdrehte die Augen und atmete tief ein und aus. „Dann mach das, damit ich deine Anwesenheit so schnell wie möglich nicht mehr ertragen muss.“
Thomas nahm schnell ein Gerät aus seiner Hosentasche und tippte ein wenig darauf herum, dann ließ er es wieder in der Tasche verschwinden und sah mich an. „Das könnte jetzt eine Weile dauern.“ Sagte er schließlich. Ich stellte die Vase zurück an ihren Platz, ich hatte beschlossen das der brünette keine Gefahr für mich darstellte, und lehnte mich dann an die nächst beste Wand. „Also… Wie erging es dir im Labyrinth?“ Ich sah ihn mit hochgezogenen Augenbrauen an. „Ist das gerade eine ernstgemeinte Frage?“ Thomas nickte zögernd. „Ach, großartig, schön dass du fragst. Ich meine, zuerst wurde ich entführt, dann von fünfzig Jungen bedrängt, habe mich mit ihnen angefreundet, musste dann zusehen, wie einige von ihnen sterben und wurde schließlich von einem Griewer entführt, der mich in einen einsamen weißen Raum gebracht hat. Mit geht’s super, war ein schöner Urlaub.“ Thomas seufzte und murmelte dann eine leise Entschuldigung. „Weißt du, ich kenne die Jungs auch. Also, die Meisten von ihnen. Ich war sogar mit ihnen befreundet könnte man sagen.“ Ich sah Thomas überrascht an. „Kannst du dir gar nicht vorstellen, was? Wir sind zusammen durch die Gänge geschlichen. Haben einen Haufen Ärger dabei bekommen, aber es war trotzdem irgendwie lustig. Als sie dann ins Labyrinth mussten und ich nicht, haben sie mich sofort als Verräter abgeschrieben. Aber ich bin ihnen nicht böse, ich kann sie verstehen. Genauso wie ich dich verstehen kann. Wer vertraut schon dem, dem bisher noch nichts Schlimmeres passiert ist, als in eine Grube voller Cranks gehen zu müssen, wobei die alle auch noch hinter Gittern waren. Furchteinflößend, ja. Aber mehr auch nicht. Ich war noch nie wirklich in der Gefahr zu sterben oder so etwas. Trotzdem interessiert es mich, was mit euch allen passiert. Ich habe die Lichtung beobachtet. Ich habe auch deine Probleme beobachten können, aber auch wie sehr dir die Jungen ans Herz gewachsen sind. Es tut mir wirklich leid, wie das Enden musste.“
Ich sah Thomas perplex an. Nie hätte ich erwartet, dass er sich für irgendwen auf der Lichtung interessiert. Ein Piepen erklang von außen. Bevor die Tür aufgehen konnte, ging ich auf Thomas zu. Ich wusste selbst nicht so genau was ich tat, aber ich umarmte den Brünetten. „Pass für mich auf sie auf, ja?“ Thomas nickte kräftig und beeilte sich dann zur Tür zu kommen, die sich einen Spalt breit für ihn öffnete. Sobald er verschwunden war ging ich wieder zu dem Fenster mit der Vase. Kurz darauf landete ein Gerät in dem Tongefäß, wobei ein wenig Wasser herausspritzte. Dann ließ ich mich auf die weiche Bettwäsche fallen und gab mich meinen Gedanken hin.
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Hehe... Da dachtet ihr wohl alle, jetzt hängt Mel erstmal drei Kapitel im Labyrinth rum. Falsch gedacht! Muhahahahahahahaha!!!!!!!
Ja gut, vielleicht habt ihr das auch nicht erwartet, ist ja auch egal. Sie ist jedenfalls nicht da. Eigentlich wollte ich vorhin das Kapitel zu Ende schreiben, als mir aufgefallen ist, dass es schon fertig ist. Immerhin hab ich dann mit dem nächsten schon mal angefangen :)
Also, vielleicht schaffe ich es nächste Woche, schreibe allerdings zwei Klausuren und muss für Mathe lernen... Ich hasse Mathe... -.-
Bis zum nächsten Mal :)
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