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Das Leben als Experiment

von Cherilyn
GeschichteAbenteuer, Freundschaft / P12 / Gen
OC (Own Character)
02.05.2016
25.04.2019
79
136.589
15
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Dieses Kapitel
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10.10.2017 2.109
 
Lange saßen wir in einer recht großen Gruppe zusammen im Sani-Raum und lachten zusammen. Trotz das Nico nicht einmal einen Meter von uns entfernt saß und die Situation eigentlich mehr als nur Ernst war, waren wir irgendwie glücklich und hatten Spaß. Minho hatte sich irgendwann verabschiedet, weil ihm eingefallen war, dass er eigentlich im Labyrinth sein sollte. Er würde seine Runde wohl etwas verkürzen müssen, doch der Hüter der Läufer kannte sich gut genug aus, Sorgen machen brauchte ich mir also keine.
Unser kleines Zusammentreffen wurde unterbrochen, als Nico einen erneuten Anfall hatte und die Jungen ihn festhalten mussten. Ich hatte eigentlich auch mithelfen wollen, doch sie meinten, es wäre zu ‚gefährlich‘ für mich. Dabei war es das letzte Mal gar nicht Nico, sondern der Tisch gewesen, der mich besiegt hatte. So war meine einzige Aufgabe die blauen Flecke der Jungen zu versorgen, was weder besonders anspruchsvoll noch aufregend war. Aber sie hatten scheinbar beschlossen, mich wie die teure Vase ihrer Oma zu behandeln und in Watte einzuwickeln. Sah ich aus wie eine alte Vase aus Porzellan? Ich hatte das Gefühl, dass mein Leben von nun an ziemlich langweilig werden würde, aber das würde sich ja noch zeigen.
Nachdem Nicos Anfall vorüber war, verließen uns einige der Jungen und ging zurück an die Arbeit. Alby ging zurück auf die Lichtung um nach dem Rechten zu sehen, Jake ging zurück zu den anderen Schwappern und half ihnen bei der Arbeit, immerhin war er ihr Hüter und konnte die ganze Arbeit nicht auf ihnen sitzen lassen und Newt hatte beschlossen den Hackenhauern ein wenig zur Hand zugehen, weil er nicht den ganzen Tag untätig rumsitzen wollte. Logan und Nick blieben zurück, während Jeff und Clint in den Wald und zum Kräuterbeet gingen um die Vorräte ein wenig aufzustocken.
„Du solltest schlafen gehen, Mel. Du siehst wirklich müde aus. Du auch, Logan. Ich passe solange auf Nico auf.“ Nick sah uns beide mit einem Blick an, der eigentlich keinen Wiederspruch dudelte, doch Logan sah ihn nur besorgt an. „Du hast auch nicht besonders viel geschlafen Nick. Außerdem ist unmöglich ihn alleine festzuhalten, wenn er wieder einen Anfall hat. Ich bleibe mit dir hier.“ Nick stimmte beinahe sofort zu, was mich irgendwie misstrauisch machte. Wollten die mich vielleicht unauffällig loswerden?
„Ich würde auch gerne hierbleiben. Ich bin jetzt schon die ganze Zeit hier, seit ich Nico gefunden habe, da kann ich doch nicht einfach weggehen.“ Ich verschränkte die Arme und sah die beiden etwas herausfordernd an. Ich wollte sehen, ob sie mich unbedingt hier weghaben wollen, oder ob es ihnen relativ egal ist, ob ich bleibe oder nicht. „Aber was, wenn Nico wieder schreit? Selbst wenn du hier schläfst, würdest du andauernd wach werden.“ Wiedersprach Logan. „Du hast doch auch hier geschlafen. Außerdem hat er ja nicht alle fünf Minuten einen Anfall, richtig? Zwischen den letzten beiden haben knapp sechs Stunden gelegen. Das reicht mir völlig. Also, ich geh schlafen.“ Ich legte mich ohne auf eine Antwort von den beiden zu warten auf das zweite Bett und schloss die Augen. Eigentlich hatte ich wachbleiben wollen, doch ich war so müde, dass ich beinahe sofort einschlief und nicht mehr mitbekam, ob und wenn ja worüber die beiden miteinander sprachen.

Auch die nächsten zwei Tage war Nico noch im Sani-Raum. Er war noch immer nicht aufgewacht und ich machte mir wirklich große Sorgen um ihn. Doch als ich Clint und Jeff fragte, ob es normal war, dass man nach der Verwandlung so lange Bewusstlos blieb, antworteten sie mir nicht richtig. Sie sagten, es ist immer unterschiedlich, doch sie gaben keine Beispiele und sagte auch nicht, wie lange der längste Bewusstlos gewesen war. Ich fragte mich auch, wie oft schon jemand gestochen worden war. Geschah so etwas öfter und wenn ja, warum hatte es über einen Monat gedauert, bis jemand erneut gestochen worden war?
Aber vor allem, was war an ihnen anders, wenn sie wieder aufwachten? War Nico dann nicht mehr der grinsende Läufer, der immer an den unpassendsten Stellen einen Witz reißen musste? Nicht der, der mich Frosch nannte und mich andauernd mit allem aufzog? Ich hoffte nicht. Denn, obwohl er manchmal wirklich damit nervte, hatte ich ihn wirklich ins Herz geschlossen und wollte nicht, dass er zu einer anderen Person wurde. Wer würde mich zum Lachen bringen, wenn ich einen schlechten Tag hatte? Wer würde mich trösten, wenn ich traurig war? Von allen, schien Nico am besten zu verstehen was ich durchmachte und selbst wenn ich mich über meine teilweise verschwundenen Erinnerungen beschwerte, war er nicht sauer, sondern hörte mir zu und versuchte mit mir eine Lösung zu finden oder mich zumindest aufzumuntern.
Ich saß direkt vor dem Gehöft im Gras, meinen Rücken gegen die Holzwand gelehnt, direkt hinter mir die Wand zum Sani-Raum. Ich ging nur ungern hinaus, aber Clint hatte mich dazu gezwungen. Er meinte, frische Luft würde mir guttun. Und jetzt saß ich hier. Grübelte vor mich hin, hatte nichts zu tun, weil ich nicht im Kräuterbeet arbeiten durfte, weil ich ohnehin nicht richtig sehen konnte und langweilte mich. Klar, drinnen war es auch nicht aufregender, aber immerhin konnte ich dort bei Nico sein und mich um ihn kümmern.
Die Jungs ließen mich bei Nicos Anfällen noch immer nicht helfen, auch wenn sie deutlich ruhiger und seltener geworden waren. Meistens schickten sie mich sogar aus dem Raum mit der billigen Ausrede, was zu essen von Pfanne zu holen. Am Anfang hielt ich es noch für eine ernst gemeinte Aufgabe, bis sie mich einmal um drei Uhr nachts zu Pfanne schickten, welcher selbstverständlich schon schlafen gegangen war.
Ich richtete meinen Blick zum Himmel und beobachtete die wenigen Wolken die dort zu sehen waren. Ich sah einen Hasen, eine Ente und etwas das ein wenig an einen Kuchen erinnerte. Sie waren so nach zusammen, das es aussah, als ob die beiden den Kuchen gemeinsam essen würden. Ich lächelte traurig. Wenn Luke das jetzt sehen könnte, würde er wahrscheinlich anfangen zu lachen und mich daran erinnern, dass wir in der Brandwüste genau über diese Zusammenstellung gesprochen hatten, obwohl ich mich natürlich selbst nur zu genau daran erinnern konnte.
Ich hob eine Hand und zeichnete die Wolken in der Luft nach, dann ließ ich sie wieder sinken. Ich fühlte mich so nutzlos, weil die Jungs mich nichts tun ließen. Ich nahm einen Kieselstein vom Boden und warf ihn in Richtung Wald. Er flog einige Meter weit und landete dann im Gras. Ich nahm mir einen weiteren und versuchte ihn weiter zu werfen, als den zuvor, doch er viel noch früher zu Boden. Ich fing an ein Lied zu pfeifen, dass ich oft gehört hatte, als ich klein war. Dann summte ich die Melodie leise vor mich hin und schloss die Augen. Irgendwann fing ich automatisch an zu singen, obwohl ich das gar nicht so gerne tat, weil ich fand, dass es sich nicht schön anhörte. Doch es bestand ja die Möglichkeit, dass es den Jungen gefiel und wenn nicht, dann würden sie es mir schon sagen.

"Everything's gonna be alright."
She whispers to herself.
She was only 6 years old that night.
As she hid behind that shelf.
Cause daddy had a little too much to drink.
And mama didn't want her to feel the pain she felt.
But she still felt the pain...


Ich erinnerte mich daran, dass Mum es mir öfter vorgesungen hatte. Am Anfang fand ich es schrecklich traurig, doch mit der Zeit wurde es schöner und die Geschichte hinter dem ganzen Lied war so schön, dass es zu meinem Lieblingslied wurde. Ich hatte schon ewig nicht mehr daran gedacht und wusste auch nicht, warum es mir jetzt in den Sinn kam, doch ich sang einfach weiter.

Well 10 years they came and went,
And dad was gone.
So she looked for love in other men.
And tried to act strong.
Oh, broken hearts and scars in only places she could see.
Cause she just wanted, she just wanted to feel something.


Ich öffnete die Augen, während ich sang und bemerkte, dass einige Jungen interessiert zu mir hinübersahen. Normalerweise hätte ich jetzt aufgehört zu singen, weil mir jemand zuhörte, doch ich hatte Lust zu singen und wollte nicht aufhören. Also schloss ich die Augen wieder und versuchte die Jungen zu ignorieren.

And as she sat there on her bed,
Thinking 'bout what those girls said,
Tears streamed from her eyes.
She cried...


Ich hörte wie eine Tür neben mir aufging und wusste, dass es die zum Gehöft sein musste. Wahrscheinlich war es Clint oder Jeff. Sie kamen hin und wieder um nach mir zu sehen, oder sie hatten mich einfach singen gehört und wollten das ich endlich wieder die Klappe hielt. Tja, dann würden sie schon etwas sagen müssen.

"If there's a God out there
Please hear my prayer.
I'm lost and I'm scared,
And I've got nowhere else to go.
I've come a long, long way.
But I'm not sure I can make it much farther...
So if you're listening, could you give a helping hand.
To your daughter."


„Irgendwoher kenne ich das Lied…“ Ich ignorierte die Stimme neben mir. Ich wollte jetzt nicht reden oder aufhören zu singen. Ich hatte irgendwie das Gefühl in einer ganz anderen Welt zu sein und ich mochte das Gefühl.

Well her path started to change.
She reached out and grabbed God's grace.
And finally, she saw a light.
Until the night,
Where she decided one drink was alright,
And one thing led to another.
Next thing you know, 9 months go by,
She's a mother.


„Mutter? Ich glaube meine Mum hat das öfter gesungen…“ Verwirrt runzelte ich die Stirn und öffnete die Augen. War das Lied beliebt unter Müttern? Hieß das dann, dass ich eine gute Mutter sein würde? Na ja, vielleicht würde ich das ja irgendwann sehen. Ich war ja auch erst… sechzehn? Vielleicht. Vielleicht auch fünfzehn, aber war ja nicht so wichtig.

And as she laid there in that bed.
Stroking that small angel's head.
Tears streamed from her eyes.
She cried...


Ich drehte den Kopf zur Tür und hörte Augenblicklich auf zu singen. Dort stand Nico, welcher sich am Türrahmen festhielt um nicht umzufallen und mit gerunzelter Stirn die Augen geschlossen hatte. „Sing weiter, ich habs gleich.“ Ich sah ihn verwirrt an, begann aber zögerlich wieder zu singen.

"If there's a God out there.
Please hear my prayer.
I'm lost and I'm scared,
And I've got nowhere else to run.
I've come a long, long way.
But I'm not sure I can be the best mother...
So if you're listening, could you give a helping hand.
To your daughter."


„Ja, ich bin mir ziemlich sicher. Meine Mum hat das gesungen. Aber noch irgendwer… Nur wer?“ Ich konnte mich nicht mehr zurückhalten, sprang auf und fiel über Nico her. Um genau zu sein stürzte ich auf ihn zu und schlang meine Arme um ihn so fest ich konnte. Das schien ihn allerdings so sehr überrascht zu haben, dass er den Türrahmen losließ und wir das Gleichgewicht verloren und auf den Boden fielen.
Ich hatte mein Gesicht an seine Brust gedrückt und weinte vor Freude. Nico schien zuerst ein wenig irritiert zu sein, doch dann schlang auch er die Arme um mich und strich sanft über meinen Hinterkopf.
„Ich hatte so eine Angst um dich.“ Flüsterte ich leise, doch er schien mich zu hören, da er mich nur noch fester an sich drückte.
„Ich hatte auch Angst um dich, Frosch.“
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Wer sich an Stelle mit den Wolken und Luke erinnert, hebt jetzt bitte die Hand XD Ich hab mich dran erinnert, habs aber auch letztens erst irgendwann noch mal gelesen. Ich bezweifle auch irgendwie, dass jemand das noch weiß ^^
Aber ja, das Lied ist übrigens nicht von mir. Ich wünschte ich könnte das sagen, aber es ist von Molly Kate Kestner, wurde 2004 von ihr veröffentlicht und heißt "His daughter"
Ich gehe jetzt erstmal davon aus, dass jeder der englischen Sprache mächtig ist. Wenn nicht, gebt bescheid, dann kann ich noch ne Übersetzung dazu machen ^^ Ich mag das Lied voll. Wer es sich anhören möchte, sagt mir mal wie ihr es findet :)
Joa, soweit... Ich hatte überlegt ob ich jetzt die "überraschende" Wendung einbauen soll, habs aber gelassen :) Ich hatte eigentlich einen anderen Zeitpunkt dafür vorgesehen, aber ich weiß noch nicht, ob der jetzt mit reinkommt oder nicht, also lasst euch überraschen ^^
Joa, dann bis nächste Woche :D
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