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Das Leben als Experiment

von Cherilyn
GeschichteAbenteuer, Freundschaft / P12
OC (Own Character)
02.05.2016
25.04.2019
79
136.589
15
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Dieses Kapitel
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26.09.2017 2.411
 
Als ich wieder zu mir kam, sah ich noch immer nur noch auf einer Seite etwas. Das bedeutete, dass der Verband noch immer um meinen Kopf gewickelt war. Und ich lag nicht mehr auf der Erde. Unter mir war jedenfalls kein harter Boden, dass würde ich immerhin spüren. Das unter mir war weicher, wenn ich raten müsste, würde ich von einer Matratze ausgehen. Ich setzte mich auf, ohne wirklich darüber nachzudenken was geschehen war. Klar, ich war gegen eine Tischkante geknallt, aber sowas passierte mir ja nicht zum ersten Mal. Auch wenn ich mittlerweile wohl aussehen musste wie ein wandelndes Wrack mit meinem einbandagierten Fuß, dem Verband um meinen Kopf und den blauen Flecken an meinem Bauch. Also wenn ich verkauft werden müsste, würde man bei Zustand in jedem Fall nicht ‚neu‘ angeben. Zumindest fühlte ich mich nicht wie neu. Irgendwie hatte ich eher das Gefühl gleich auseinanderzufallen, wie ein alter Toaster. Ich rieb mir den Hinterkopf und spürte unter dem Verband eine dicke Beule, war aber nicht so tragisch. Immerhin nur eine Beule und keine Platzwunde oder sowas. Wäre ja noch schöner!
„Hey, auch wieder wach?“ Ertönte eine belustigte Stimme in meiner Nähe und ich erkannte Logan, der neben Nicos Bett saß, welcher scheinbar wieder ruhig schlief. „Ja, scheint so. Wie lange war ich weg?“ Fragte ich, als würde ich jemanden nach dem Wetter fragen. „Wenn ich raten müsste, würde ich sagen, so um die acht Stunden.“ Ich legte den Kopf leicht schräg, doch da ich nicht wusste wie spät es gewesen war, als ich den Kampf mit dem Tisch verloren hatte, brachte es mir sowieso nichts irgendwie etwas nachrechnen zu wollen, und sah stattdessen zum Fenster, welches nur schwarze Finsternis präsentierte.
„Wie spät ist es denn?“ Gähnend zog ich mir einen Stuhl zu Logan. Mir fiel ein, dass ich am Morgen erst von dem Baum gefallen war und ziemlich mies geschlafen hatte. Da war mein kurzes Nickerchen ja eigentlich gar nicht so schlecht gewesen, doch leider fühlte ich mich nicht wirklich besser.
„So gegen halb vier.“ Ich zog überrascht die Augenbrauen hoch. „Was zum Teufel machst du dann bitte noch hier? Du musst doch morgen wieder raus!“ Logan schüttelte den Kopf. „Ich hab Minho gefragt, der war zwischendurch auch einmal hier, hat nach dir und Nico gesehen, und der meinte, ich kann mir morgen auch noch mal frei nehmen. Dafür muss ich nächstes Mal, wenn ich eigentlich frei hab trotzdem raus. Aber das ist mir egal, Hauptsache ich kann bei Nico sein.“ Ich nickte und sah zu unserem Sorgenkind.
„Diese Griewer sind echt miese Dinger.“ Während ich das sagte, fiel mir der merkwürdige Schatten wieder ein den ich gesehen hatte, als ich Nico gefunden hatte. „Sind Griewer eigentlich relativ groß, schleimig, unförmig und haben komische Stacheln?“ Fragte ich um meine Vermutung bestätigen zu lassen. „Ja, so ungefähr. Hast du einen gesehen?“ Logan sah ein wenig besorgt aus, weshalb ich log und den Kopf schüttelte.
„Nein, Nick hat mir von ihnen erzählt. Ich wollte nur noch mal nachfragen, weil ich nicht wusste, ob ich nicht vielleicht was vergessen oder falsch verstanden hab.“ Logan nickte verstehend und sah wieder zu Nico, während ich bereits ein schlechtes Gewissen hatte, weil ich ihn angelogen hatte. Ich wollte ja nur nicht, dass sie sich Sorgen machten. Deshalb hatte ich ihnen ja auch nicht alles von der Brandwüste erzählt. Niemand wusste etwas von Luke. Sie fragten sich wahrscheinlich immer noch, warum ich damals so ausgerastet war und einfach heulend im Wald verschwunden war und danach rumgelaufen war wie ein Zombie.
„Glaubst du er wird wieder? Also, als Sani? Du kennst dich da doch aus, oder?“ Ich sah zu Logan, welcher besorgt zu seinem Freund sah. „Um ehrlich zu sein kenne ich mich nicht wirklich aus. Das ist das erste Mal, dass ich bei einer Verwandlung dabei bin und ich hab auch gestern erst von den Griewern erfahren, also besonders viel weiß ich nicht. Aber ich glaube trotzdem das es ihm bald wieder gut gehen wird. Immerhin ist es Nico, der wird schon wieder.“ Logan sah einige Sekunden weiterhin zu Nico, dann drehte er sich zu mir und lächelte zuversichtlich. „Du hast Recht, der wird schon wieder. Er kann gar nicht…“ Sein Lächeln verschwand wieder und er vergrub den Kopf in den Armen. „Ich hätte besser auf ihn aufpassen müssen.“ Hörte ich es gedämpft durch die Arme und bemerkte, dass Logan angefangen hatte zu weinen, da eine Träne auf den Boden tropfte. Ich wusste nicht genau was ich tun sollte, weshalb ich schließlich kurzentschlossen aufstand und Logan einfach in den Arm nahm. Er schien etwas überrascht zu sein, dass ich das tat. Er hörte augenblicklich auf zu weinen und hob den Kopf um mich anzusehen.
„Weißt du, irgendwie erinnerst du mich an einen Engel.“ Verwirrt lächelte ich und sah ihn an. „Wie meinst du das denn bitte? Hab ich einen Heiligenschein bekommen?“ Grinsend schüttelte Logan den Kopf. „Nein, das meine ich nicht. Obwohl dir einer mit Sicherheit stehen würde.“ Er zwinkerte mir zu, dann wurde er wieder etwas ernster, lächelte aber immer noch. „Du bist irgendwie immer da, wenn jemand dich braucht. Zumindest hab ich das Gefühl. Ich hab gesehen, wie mies es Nick ging als ich rein kam. Ich hab auch gehört, was er dir erzählt hat. Mit Nico und wie Leid es ihm tut wegen früher. Du hast ihn getröstet, du warst da als er jemanden brauchte. Jetzt bist du für mich da und du warst für Nico da, als er im Labyrinth war. Du bist irgendwie im Richtigen Moment am richtigen Ort. Wer immer deine Hilfe braucht, bekommt sie von dir. Wie ein Schutzengel.“ Ich musste lächeln als er das sagte, doch das Lächeln verschwand ziemlich schnell.
„Ich bin wohl eher ein Todesengel oder sowas.“ Murmelte ich, doch Logan hatte gehört was ich gesagt hatte. „Was meinst du?“ Ich ließ Logan los und setzte mich zurück auf meinen Stuhl. Ich sah auf den Boden und schwieg, während ich Logans brennenden Blick auf mir spürte. „Melody?“ „War nur ein Spaß.“ Ich sah wieder zu Logan und lächelte. Er schien etwas sagen zu wollen, glaubte mir mein schlechtes Schauspiel wahrscheinlich nicht, doch er beließ es dabei. „Vielleicht solltest du noch ein bisschen schlafen, du siehst müde aus.“ Ich schüttelte den Kopf, obwohl ich auf der Stelle hätte einschlafen können. „Mir geht’s gut. Ich hab ja grade erst geschlafen. Leg du dich mal lieber hin, ich wecke dich, falls irgendwas ist.“ Logan schien zu zögern, dann nickte er und legte sich in das Bett, in dem ich vor nur wenigen Minuten gelegen hatte. Ich wartete ein wenig, dann hörte ich Logans gleichmäßigen und ruhigen Atem, genauso wie den von Nico.
Ich starrte auf den Boden vor meinen Füßen, jedes Lächeln von meinen Lippen verschwunden. Wirkte ich tatsächlich wie ein Engel für Logan? Ich konnte mir nicht vorstellen, dass es so war. Wie konnte ich ein Engel sein, wenn ich so viele Menschen auf dem Gewissen hatte? Ich ballte meine Hände zu Fäusten, doch ich konnte die Tränen nicht zurückhalten. Sie liefen heiß meine Wangen hinunter und erst jetzt bemerkte ich, dass mir kalt war. Ich begann zu zittern, doch ich konnte mich beherrschen und gab keine Geräusche von mir. Immerhin wollte ich Logan nicht aufwecken und ich wollte ihn auch nicht belasten, wenn er mich weinen sah. Es wäre nicht das erste Mal gewesen, dass die Jungen mich heulen sahen, aber mittlerweile machten sie sich Sorgen, wenn ich es tat und ich wollte nicht, dass sie sich um mich sorgten.
Vielleicht wollte ich ja ein Engel sein. Ich wollte für die Jungen da sein, wenn sie mich brauchten. Ich wollte für alle da sein, wenn sie mich brauchten, aber das einzige was ich tat, war das Unglück zu ihnen bringen. Als wäre ich das wandelnde Unheil, welches überall wo es hinkam Leid und Verderben verbreitete. Wenn Luke mich nie kennengelernt hätte, wäre er nicht so früh gestorben, Rob hätte sich nicht umgebracht, meine Eltern wären nicht traurig gewesen, dass ich mitgenommen worden war, Nick hätte jetzt nicht weinen müssen, genauso wenig wie Logan und Laura wäre noch am Leben und vielleicht sogar ein glücklicher und freundlicher Mensch. Ich hätte die Jungen nicht daran erinnert, wie es war sich erinnern zu können, was ich allein mit meiner Anwesenheit tat. Vielleicht war es doch besser, wenn ich einfach nicht da wäre. Aber dann wären die Jungen mit Sicherheit wieder traurig und genau das wollte ich doch vermeiden.
Ich beobachtete die Tränen die auf den Boden tropften, während ich meinen Kopf auf meine Hände gestützt hatte. Warum existierte ich eigentlich? Früher hatte ich immer gedacht, dass jeder Mensch einen Grund hatte zu leben. Eine Bestimmung die er zu erfüllen hatte, aber momentan, war ich mir da gar nicht mehr so sicher. Vielleicht war meine Bestimmung ja auch, alle die ich mochte in den Tod zu treiben.
„Shhh. Nicht weinen.“ Erschrocken sah ich auf, auf der Suche nach der Stimme die ich gerade gehört hatte, doch es war niemand da. Klar, Logan und Nico waren da, doch beide schliefen, wie ich mit einem kurzen Blick feststellte.
„Dein Lächeln erinnert mich immer an die Sonne. So warm und schön. Also immer schön lächeln, ja?“ Ich sah mich um, doch noch immer konnte ich nicht ausmachen, aus welcher Richtung die Stimme kam. Sie schien irgendwie von überall gleichzeitig zu kommen. „Wer ist da?“ Flüsterte ich, meine Stimme war brüchig und zitterte während ich sprach.
„Jemand, der dich sehr gern hatte.“ In der Stimme konnte ich ein Lächeln hören, doch noch immer wusste ich nicht, wer mit mir sprach. Ich schloss meine Augen, um die Richtung besser ausmachen zu können, wenn ich die Stimme erneut hörte.
„Eigentlich, mochte ich dich nicht nur, ich habe dich geliebt. Alles an dir. Deine Haare-“ Ich spürte eine Berührung, wie ein Lufthauch, die durch meine Haare fuhr und zuckte zusammen, wagte jedoch nicht die Augen zu öffnen, aus Angst, dass die Stimme wieder verschwinden würde.
„Deine Augen-“ Der Lufthauch fuhr über meine geschlossenen Augen und kitzelte dann in meiner Nase, weshalb ich kurz die Nase rümpfte.
„Deine kleine Stupsnase-“ Ich erstarrte als ich die Stimme erkannte und Tränen rannen aus meinen geschlossenen Augen.
„Deinen Geruch. Deine Ohren. Dein Lächeln. Das Funkeln in deinen Augen, wenn du mich angesehen hast.“ Ich konnte noch immer keine Richtung ausmachen und drehte mich wie Wild im Kreis, um herauszufinden wo er war.
„Selbst in unseren letzten gemeinsamen Sekunden hattest du dieses Funkeln. Es war für mich, als würde die gesamte Welt strahlen und das nur, weil du mich angesehen hast.“ Ich blieb stehen, als ich endlich eine Richtung ausmachen konnte. Ich streckte eine Hand in die Richtung aus und machte einen vorsichtigen Schritt.
„Würdest du mir glauben, dass ich nur Freude und Glück empfunden habe, als ich mich vor dich geworfen habe?“ Ich schüttelte Stumm den Kopf, machte einen weiteren Schritt in die richtige Richtung, als meine Hand etwas streifte.
„Ich war froh, dass ich dich beschützen konnte. Du hast es verdient, weiter zu leben, Mel. Ich bin hier um dir das zu sagen.“ Ich griff nach dem Stoff den ich gefühlt hatte und ging dann näher heran. Ich schlang meine Arme um den Körper, der darunter war und klammerte mich an ihn, wie an einen Rettungsring.
„Du solltest nicht denken, dass du ein Todesengel bist. Du bist das Beste, was einem Menschen passieren kann, verstanden?“ Ich nahm einen tiefen Atemzug von dem schmerzlich vertrauten Geruch und schüttelte den Kopf. „Wie könnte ich das Beste sein, was jemandem passieren kann, wenn ich nur Leid und Tod bringe?“ Fragte ich mit erstickter Stimme.
„Hör auf sowas zu denken! Nur, weil ich gestorben bin, heißt das noch lange nicht, dass du ein Todesbringer bist! Es war meine Entscheidung. Ich hätte es auch lassen können, aber dann wären wir beide gestorben und so finde ich es deutlich besser.“ Ich antwortete nicht, sondern genoss einfach seine Anwesenheit. „Versprichst du mir, dass du dich nicht mehr als Todesengel siehst?“ Ich überlegte einen Moment, doch dann nickte ich.
„Luke?“ Fragte ich nach einigen Sekunden des Schweigens und spürte eine Hand auf meinem Hinterkopf, welche langsam vor und zurückstrich.
„Ja, kleines?“ Ich schluckte einmal schwer, bevor ich die Frage stellen konnte.
„Gehst du jetzt wieder?“ Ich fürchtete mich vor seiner Antwort und wagte auch nicht die Augen zu öffnen. „Ich bleibe noch ein bisschen. Bis du aufwachst. So lange leiste ich dir noch Gesellschaft, dann muss ich wieder los.“ Ich drückte ihn noch einmal fester als zuvor.
„Aber ich muss aufwachen, richtig? Die Jungs brauchen mich. Obwohl ich sie wahrscheinlich mehr brauche, als sie mich. Aber wenn Nico etwas passiert, würde ich mir das nie verzeihen.“ Ich spürte, dass Luke lächelte.
„Ich weiß. Vielleicht ist es an der Zeit zu gehen.“ Ich nickte, dann öffnete ich langsam meine Augen und sah nach oben. Ich sah in das Gesicht von Luke, welcher mir sein schönstes Lächeln schenkte. „Mich erinnert dein Lächeln auch immer an die Sonne.“ Sagte ich ebenfalls lächelnd, während mir Tränen aus den Augen traten.
„Ich hab immer gehofft, dass du das denkst.“ Sagte Luke und verließ den Raum, er sah nicht einmal zu mir zurück, schloss einfach die Tür hinter sich und war verschwunden. Ich stand einfach nur da und sah ihm hinterher. Ich musste aufwachen, aber ich wollte eigentlich gar nicht. Ich wollte ihm hinterherlaufen, für immer bei ihm bleiben, aber ich wusste, dass es noch nicht an der Zeit für mich war. Meine Zeit war noch nicht gekommen, aber irgendwann würde ich ihn wiedersehen. Wenn unsere Zeit gekommen war.
Ich blieb noch einige Sekunden so stehen, dann kniff ich mir in den Arm und merkte, wie der Traum langsam verschwamm und in pure Finsternis überging.
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Ok, wer hasst mich nach diesem Kapitel, weil ich mal wieder Salz in die Wunde gestreut hab? XD Ich hasse mich selbst fast ein bisschen. Obwohl, eigentlich nicht :D
Also, euch ist vielleicht aufgefallen, dass letzte Woche kein Kapitel kam und zwar, weil ich krank war. Tja, so kanns kommen. Und dann hatte ich kein neues Kapitel und ich hatte Dienstag meinen PC sowieso nicht an, sondern hab... ich glaube gelesen. Bin mir nicht ganz sicher, aber ich denke schon. Ja, Helden des Olymp Teil 5 und ich glaube auch... Teil 1? Also überflogen. Tolle Stellen mit Leo rausgesucht und so. Aber ja, egal.
Ich hoffe euch hat das Kapitel gefallen, danke an Maria für dein Review (eigentlich brauch ichs gar nicht mehr erwähnen, du bist sowieso die einzige die immer schreibt XD) und bis nächste Woche ^^
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