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Das Leben als Experiment

von Cherilyn
GeschichteAbenteuer, Freundschaft / P12 / Gen
OC (Own Character)
02.05.2016
25.04.2019
79
136.589
15
Alle Kapitel
136 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
22.08.2017 2.530
 
Jay :D
Ich weiß um ehrlich zu sein, nicht einmal mehr worum es in dem Kapitel so genau geht XD
Aber ich hoffe trotzdem das es euch gefällt ^^
Ich hab erstmal jetzt geplant, dass jeden Dienstag ein Kapitel kommt, ändert sich aber vielleicht auch noch, wenn nächste Woche die Schule wieder anfängt und ich meinen Stundenplan bekomme (36 oder 37 Stunden die Woche *würg*)
Aber ja, Danke an Maria für dein Review. Und... joa. Das wars glaub ich :)
Viel Spaß :D
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James hatte sich mittlerweile eingelebt und war zum Hackenhauer geworden. Er besuchte mich häufig, wenn ich im Kräuterbeet saß und half mir ein bisschen, wenn er Zeit hatte. Ich hatte ihn echt gern, aber eigentlich mochte ich alle hier. Nico und die anderen Läufer, zumindest die, mit denen ich etwas mehr zu tun hatte, halfen mir ebenfalls, wenn sie ihren freien Tag hatten. Wir hatten ziemlich viel Spaß zusammen, aber irgendetwas war komisch. Nicht die Jungen oder irgendetwas, ich hatte nur das Gefühl einige von ihnen besser zu kennen als andere, oder wenigstens länger. Ich wusste nicht welche von ihnen und ich wusste auch nicht warum. Ob es an James lag? Er war immerhin als letztes gekommen und kurz nach seiner Ankunft hatte auch dieses Gefühl angefangen, aber er kam mir so unbekannt vor, genauso wie die anderen Jungen auch.
Ich war viel in Gedanken, weil ich so häufig darüber nachdachte und auch die Jungen merkten, dass ich irgendwie abwesend war. Sie holten mich ab und zu zurück in die Wirklichkeit, doch sie sprachen mich nicht wirklich darauf an und manchmal ignorierten sie es auch einfach. Auch dachte ich in letzter Zeit häufiger über meine Familie nach, auch über ANGST und ob dieses komische Gefühl etwas mit ihnen zu tun hatte. Vielleicht war etwas passiert, während der zwei Jahre die sie mir einfach gestohlen hatten. Aber eigentlich sollte ich mich nicht darüber beschweren, immerhin hatte sie den Jungen ihr komplettes Leben gestohlen und ich regte mich über zwei Jahre auf.
Doch manchmal wünschte ich mir, dass ich ebenfalls nichts mehr wusste, genau wie die anderen. Ich fühlte mich, als wäre ich etwas Besonderes, obwohl nichts Besonderes an mir war. Ich hatte diese Hauptpersonen in Filmen und Büchern immer gehasst, wenn sie nichts getan hatten, aber trotzdem wie etwas Besonderes behandelt wurden. Meiner Meinung nach musste es man sich verdienen ein Held zu werden und etwas Besonderes zu sein. Das kam nicht von irgendwoher, man musste auch etwas dafür tun.
Wenn ich mich nicht erinnern könnte würden einige Jungs wahrscheinlich auch nicht versuchen mich hier rauszuekeln, was tatsächlich einige versuchten, aber sie würden es nicht schaffen, und ich würde wahrscheinlich nicht so viel über alles nachdenken. Ich verschwendete so viel Zeit mit nachdenken über alles was bisher in meinem Leben passiert war, was nicht passiert war, was hätte passieren können und wo ich mir nicht sicher war, ob es nicht vielleicht doch passiert war. Ich war nie richtig bei der Sache, was Clint und Jeff schon ein wenig nervte, da sie mir immer dreimal sagen mussten, was ich als nächstes tun sollte. Den anderen Jungen ging es ähnlich, in einem Moment unterhielt ich mich angeregt mit ihnen und im nächsten starrte ich in der Gegend herum. Das zog die Stimmung immer ziemlich runter und es tat auch unendlich leid, aber meine Gedanken kamen und gingen, ohne dass ich etwas dagegen tun konnte.
„Hey! Hör auf immer in der Gegend herum zu starren, wenn ich mit dir rede!“ Meinte Newt und wedelte vor meinem Gesicht herum. Erschrocken richtete ich meine Aufmerksam wieder auf ihn.
„Wahrscheinlich sind die Gespräche mit dir einfach zu langweilig.“ Gab Nico seinen Senf dazu und klaute mir Nudeln von meinem Teller.
„Tut mir leid. Ich war in Gedanken.“ Antwortete ich und stocherte in den Nudeln herum und erkannte, dass es nicht die erste Nudel gewesen war, die mir geklaut worden ist.
„Ist mir noch gar nicht aufgefallen.“ Murmelte Newt etwas beleidigt und begann ebenfalls weiter zu essen.
„Weshalb eigentlich? Ist irgendetwas besonderes passiert?“ Fragte Nick und es sollte wohl beiläufig klingen, doch ich wusste das es ihn und auch die anderen Jungen brennend interessierte.
„Ich… Weiß nicht genau. Ich hab momentan immer so viele Gedanken und Überlegungen in meinem Kopf und so ein… merkwürdiges Gefühl…“ Ich begann mit den Nudeln auf meinem Teller ein Gesicht zu legen, doch es sah irgendwie traurig aus und das obwohl es eigentlich hatte lächeln sollen.
„Und von was für einem Gefühl sprichst du?“ Fragte Alby, welcher in letzter Zeit deutlich freundlicher zu mir gewesen war und ich hatten ihn ebenso ins Herz geschlossen wie die anderen auch.
„Ich kann es nicht genau beschreiben-“ Ich wurde von einem genervten Stöhnen der Jungen unterbrochen, weil ich mich schon wieder so wage ausdrückte. Ich sah sie entschuldigend an, dann sprach ich an. „Es ist mehr so eine Ahnung, aber ich weiß nicht genau ob sie überhaupt stimmt. Ich habe zumindest das Gefühl, dass ich einige vielleicht länger kenne als andere. Aber ich wüsste nicht wen oder woher. Und dann frage ich mich immer, ob es vielleicht etwas mit ANGST, oder den Schöpfern, wie auch immer ihr sie nennen wollt, zu tun haben könnte und ob in den zwei Jahren an die ich mich nicht erinnern kann, irgendwas passiert ist. Etwas Wichtiges, was ich eigentlich wissen sollte, aber es nicht weiß. Oder ob sie mir vielleicht noch mehr gestohlen haben als nur diese zwei Jahre.“ Ich sah die Jungen nicht an während ich sprach, sondern stocherte wieder in meinen Nudeln herum. Als ich dann aufsah, sah ich in einige verwirrte Gesichter, scheinbar waren meine Gedanken nicht besonders logisch oder einfach zu verstehen.
„Und was sollen sie dir noch gestohlen haben?“ Fragte Nico und legte den Kopf leicht schief, während er einen überlegenden Gesichtsausdruck aufgesetzt hatte.
„Nun ja. Als ich kleiner war hatten wir einen Hund, sein Name ist Jack. Allerdings wollten meine Eltern ihn wieder zurückgeben, obwohl ich ihn so sehr mochte. An einem Tag war ich allein zuhause. Meine Eltern waren weggefahren, um einen Artikel meines Dads in der Redaktion abzugeben, Tony, also mein Bruder, war in der Zeit noch in der Schule gewesen. Ich war mit Jack, also alleine zuhause und dann kam ein Einbrecher. Er hatte ein Messer und eine Pistole in der Hand gehabt, war aber nicht viel älter gewesen als ich. Vielleicht ein oder zwei Jahre. Er hatte in der Küche gestanden und mich angesehen, als ich die Treppe herunter gekommen war um etwas zu trinken. Er hat mich nur angesehen und ich habe zurückgestarrt. Ich habe erst nicht wirklich realisiert was passiert ist, als Jack von hinten kam und ihn angeknurrt und angebellt hat. Der Junge hatte scheinbar Angst vor unserem Hund, weshalb Jack ihn in eine Ecke gedrängt und so lange auf ihn aufgepasst hat, bis meine Eltern nach Haus kamen. Es hat noch eine Halbestunde gedauert und ich habe die gesamte Zeit dort gestanden und den Jungen angesehen, aber ich kann mich einfach nicht mehr an sein Aussehen erinnern. Ich weiß sogar noch, dass wir an dem Tag 21 Grad hatten, dass die Sonne den ganzen Tag geschienen hat, dass es 15 Uhr gewesen war als meine Eltern gefahren waren und sogar, dass auf dem Titelblatt der Zeitung eine große Sonne abgebildet war, aber ich kann mich nicht dran erinnern wie der Junge ausgesehen hatte.“ Ich hatte während meiner Erzählung angefangen die Nudeln aufzuspießen und dann alle wieder von meiner Gabel zu schütteln. Als ich aufsah, starrten die Jungen mich alle an.
„Vielleicht hast du es einfach vergessen. Man kann sich ja nicht alles für immer merken.“ Gab Gally zurück und begann wieder zu essen, genauso wie einige der anderen Jungen.
„Aber ich weiß genau, dass ich mal wusste wie er ausgesehen hat! Sogar an dem Tag an dem ich von ANGST geholt wurde, wusste ich es noch! Ich hatte mich mit meinen Eltern am Morgen darüber unterhalten. Ich hatte immer wieder einen merkwürdigen Traum in dem der Junge vorkam. Ich konnte genau sagen wie er aussah, welche Augenfarbe er hatte und auch wie groß er war. Welche Hautfarbe er hatte, wie seine Haare aussahen und wonach er gerochen hat! Es hat mir die ganze Zeit über Angst gemacht, dass ich mich so genau an ihn erinnern konnte, aber jetzt ist die Erinnerung einfach weg und ich weiß nicht warum!“ Ich sah die Jungen an, doch alle mieden den Blickkontakt, außer Nico der mir genau in die Augen sah. Dann ließ er den Blick über seine Freunde gleiten und schloss für einen kurzen Moment die Augen.
„Leute, ihr wisst genau, dass sie nichts dafürkann.“ Ich sah ihn verwirrt an, dann auch die anderen die noch immer den Blickkontakt mieden.
„Was ist denn los?“ Fragte ich. Ich hatte Angst, dass ich irgendetwas falsches gesagt hatte, was sich nun auch als richtig herausstellte.
„Na ja, du erzählst einem Haufen Jungen die sich an nichts aus ihrem Leben erinnern können, dass du dich an jemanden nicht erinnern kannst. Es geht uns schon so, seitdem wir uns erinnern können und jetzt regst du dich darüber auf, dass du dich an eine Person nicht erinnern kannst, die versucht hat bei euch einzubrechen.“ Erklärte Winston, sah mich dabei aber nicht an. In seiner Stimme schwang unmissverständlich mit, dass er sauer war. Nicht direkt sauer, eher genervt, aber nicht normal genervt. So genervt, wie wenn jemand einem immer wieder erzählte, dass die Sonneneruption stattgefunden hat und man mit einer Zeitung vor demjenigen stand, auf deren Titelseite die Sonneneruption abgebildet war. Nico war der einzige, der nicht sauer auf mich zu sein schien und lächelte mich an.
„Sie wollen nur sagen, dass sie genau wissen wie es dir geht und dass sie aber selbst nicht wissen warum und wie man es wieder rückgängig machen kann. Glaub mir, dass hätten wir schon längst getan.“ Ich nickte, hatte aber keinen Hunger mehr, aber vor meiner Erzählung hatte ich auch keinen Hunger gehabt.
„Ich versteh schon. Tut mir leid, dass ich euch damit belästigt hab. Es ist für mich halt einfach neu.“ Ich lächelte einmal traurig in die Runde, doch die Jungen sahen mich noch immer nicht an.
„Dann gute Nacht.“ Murmelte ich leise und stand auf.
„Komm schon Frosch, reden wir einfach über was Anderes.“ Wollte Nico mich vom Gehen abhalten, aber ich sah ihn einfach nur an und schüttelte den Kopf. Ich wusste nicht wieso mich das alles so traurig machte. Ich hatte einfach das Gefühl, dass es alles meine Schuld war. Ich merkte wie mir Tränen in die Augen stiegen und ich sie nicht daran hindern konnte. Schnell drehte ich mich weg und lief dann zum Gehöft, doch Nico hatte gesehen das ich weinte.
„Melody! Warte!“ Ich lief einfach weiter. Ich wollte jetzt nicht reden. Ich rannte die schiefen Stufen Gehöfts nach oben und dann in mein Zimmer hinein. Ich ließ mich auf mein Bett fallen und kam mir direkt total dumm vor. Wieso fing ich plötzlich an zu heulen?! War doch klar gewesen, dass die Jungen so reagieren würden, wenn ich ihnen von etwas erzählte, dass sie selbst mehr als nur gut kannten.
Ich sah aus dem Fenster über mir hinaus in den Himmel und beobachtete die Sterne. Ob es wohl schön war ein Stern zu sein? Frei und ohne Sorgen? Aber im Weltall musste es auch ziemlich kalt sein, obwohl es während der Sonneneruption mit Sicherheit ziemlich warm war.
Meine Gedanken drifteten wieder ab, doch ich konnte mich in der Wirklichkeit halten. Ich konnte nicht einfach immer in meine Gedankenwelt fliehen, wann immer mir danach war. Also setzte ich mich auf mein Bett. Dann stand ich auf und lief in meinem Zimmer herum, bis ich schließlich die Kommode öffnete und in der mittleren Schublade herumwühlte. Ich hatte die Rose ganz hinten versteckt, damit niemand sie fand, den Zettel hatte ich ebenfalls wieder hineingesteckt, ich würde ihn ansonsten sowieso nur verlieren. Nur einige Sekunden später hielt ich sie in den Händen und setzte mich wieder auf mein Bett. Ich fuhr mit meinen Fingern über die zarten Blütenblätter, die trotzdem so unzerstörbar waren.
Ich zog den Zettel aus der Blüte heraus und faltete ihn auseinander. Ich überflog die Zeilen noch einmal, noch immer nicht wissend was sie bedeuten sollten. Wie sollte man auch wissen, was jemand meinen könnte, wenn er sagte, dass es Montag war? Jeder normale Mensch würde denken, dass es sich einfach um den Wochentag handelte, doch ich war nicht normal, genauso wenig wie meine Situation und mein Leben im Allgemeinen. Es musste also irgendeine andere Bedeutung haben, nur welche? Und von wem hatte ich die Rose überhaupt bekommen? Ich musste sie während der zwei Jahre bei ANGST erhalten haben, ansonsten würde ich mich doch daran erinnern können, oder? Aber dann war da wieder die Sache mit dem Einbrecher. Woher sollte ich also wissen, ob ich sie nicht vielleicht sogar noch vor ANGST bekommen hatte? Ich ließ mich wieder auf den Rücken sinken und starrte hoch zur Decke. Warum musste alles auch nur so kompliziert sein?
Ich brauchte jemanden dem ich einfach alles erzählen konnte. Jemand der mir zuhörte, egal ob er schon viel länger in dieser Situation war als ich, egal ob er sich dann missverstanden fühlen würde oder ungerecht behandelt. Jemand der mich tröstete, auch wenn er eigentlich selbst getröstet werden musste. Wieder stiegen mir Tränen in die Augen, als mir klar wurde, dass ich mal wieder an Luke dachte. Ich brauchte ihn noch immer, egal was ich mir versuchte einzureden. Ich verfluchte mich gerade selbst, weil ich nichts von ihm hatte. Nichts was mich wissen ließ, dass er wirklich bei mir gewesen war. Nur die Erinnerungen, als wir gemeinsam auf dem Dach lagen, zusammen unter die Decke gekuschelt und in den Himmel hinaufblickend. Aber bei meinen Erinnerungen konnte ich mir ja nicht einmal mehr sicher sein, dass sie richtig waren. ANGST hatte alles tun können als ich die zwei Jahre bei ihnen war, ich konnte mich jetzt nicht mehr daran erinnern.
Warum tat ANGST überhaupt all diese Dinge? Mir war klar, dass sie ein Heilmittel gegen den Brand finden wollten, aber war all dies dafür wirklich nötig? War es nötig Jugendliche in eine ausgetrocknete Wüste zu schicken oder in ein riesiges Labyrinth zu sperren? Und wer wusste schon, was sie noch alles taten. Seufzend legte ich mich richtig in mein Bett, so dass ich nicht mehr quer darüber lag. Ich drehte die Rose zwischen meinen Fingern und berührte dann vorsichtig eine der Dornen. Es pikste kurz, doch Blut kam nicht aus meinem Finger heraus. Trotzdem konnte es kein Traum sein. Vielleicht konnte man in Träumen aber ja doch Schmerz spüren, aber ich wollte nicht auch noch daran zweifeln.
‚Kneif dir einfach in den Arm. Wenn es weh tut, bist du wach, wenn es nicht weh tut, dann träumst du nur. Und vergiss nicht, es ist dein Traum. Was du möchtest, das geschieht auch.‘ Das hatte Dad mir immer wieder gesagt, als ich Albträume gehabt hatte und ich glaubte ihm. Er konnte nicht lügen, vor allem, weil er Recht behalten hatte.
Ich behielt die Rose in der Hand und ließ meine Hand auf meine Brust sinken. Noch immer starrte ich an die Decke. Dann schloss ich die Augen und beschloss, mir ab Morgen einfach keine Gedanken mehr zu machen.
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