Nicht Allein

GeschichteFantasy, Schmerz/Trost / P16 Slash
01.05.2016
24.03.2018
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Mondlicht


Gestern noch hatte der Mond voll und schwer über Kirkwall gehangen, jetzt hatte er bereits ein wenig an Fülle abgenommen. Jaiden Hawke stand am Fenster und beobachtete, wie er sich über die Dächer in sein Blickfeld schob. So eine friedliche Nacht...
„Ich sollte gehen.“
Und da war der Friede dahin. Jaiden drehte sich um und sah zu seinem Bett, wo Fenris sich bereits erhob. „Ich wünschte, du würdest mein Angebot annehmen.“ Dann würde er nicht immer so schnell wieder verschwinden.
„Du weißt, warum das keine gute Idee wäre.“ Manchmal war Fenris äußerst frustrierend. Nie wusste man, was er wirklich dachte. Dabei war Jaiden der Meinung, dass er den Trick inzwischen ganz gut raushatte. Fenris wollte nicht noch mehr Aufmerksamkeit auf ihn lenken. Was albern war, schließlich rannte halb Kirkwall zu ihm, wenn es Probleme gab.
„Weil ich ein Magier bin und du dann endgültig zugeben müsstest, dass du verdammt viel für mich übrig hast?“ Wie so oft perlten seine dummen Witze an Fenris ab.
„Weil du ein Magier bist und schon viel zu viel mit Templern zu tun hast. Ein entflohener Sklave aus Tevinter in deinem Haus...“ Fenris führte den Satz nicht zu Ende, das musste er auch gar nicht. Er hatte ja Recht. Wenn man es vernünftig betrachtete.
„Die Nachbarn wissen doch schon längst, was zwischen uns ist. Wir sind hier in der Oberstadt, die haben alle sonst nichts zu tun.“ Hawke beobachtete, wie Fenris sich anzog. Wie bei fast allem, was Fenris tat, war er dabei ruhig und effizient. Nach außen hin. Er wusste, wie man eine Fassade aufrechthielt. Nur wenn er kämpfte, sahen andere, was darunter brodelte. Jaiden wusste, dass er sich geehrt fühlen konnte, zu den wenigen zu gehören, die Fenris besser kennenlernen durften. Obwohl er ein Magier war. „Manchmal hab ich nicht übel Lust, diese ganze Stadt und den Ärger hinter mir zu lassen.“ Geld genug hätte er um überall in Thedas einen Neuanfang zu starten. Weit weg. Aber noch hielt ihn zu viel hier. Zu viele unerledigte Geschäfte. Die sich anbahnende Krise zwischen Magiern und Templern... nachdem die Qunari endlich die Koffer gepackt hatten, suchten die Leute sich ein anderes Problem. Und das saß in der Galgenburg fest. Und Fenris... der hatte seine offene Rechnung mit Danarius.
In einem Teil war dessen Antwort nicht überraschend. „Wenn Danarius endlich tot ist, folge ich dir überall hin.“ Jaiden lächelte und trat näher an Fenris heran. Berührte seine Hand, eine kleine Geste die sie oft teilten, wenn sie in der Öffentlichkeit waren. Eine Geste, die nur ihnen beiden gehörte.
„Ich weiß. Trotzdem lasse ich dich nicht gerne gehen.“ Er strich durch die Haare des Elfen, die im Mondlicht silbrig schimmerten. Das Lächeln, das ihm daraufhin zuteil wurde, ließ Jaidens Herz einen Moment schneller schlagen. Er wusste, er war der Einzige, der es zu sehen bekommen würde.
„Das hoffe ich doch.“
Der Kuss war nur flüchtig, fast fühlte er sich an wie ein Traum, wüsste Hawke nicht, dass er hellwach war. Dann war Fenris fort, nur die zerwühlten Laken verrieten, dass er dagewesen war.
Wider besseren Wissens kehrte Jaiden an das Fenster zurück, obwohl er Fenris von hier aus nicht sehen würde. Selbst wenn er in dem schmalen Blickfeld auftauchen würde, in der Dunkelheit könnte er höchstens den hellen Schimmer seiner Haare sehen. Wenn überhaupt.
Mit einem Mal wirkte das Haus unglaublich leer. Bethany hatte es nie hierher geschafft. Carver war in den Tiefen Wegen gestorben und seine Mutter... sein Versagen war immer noch eine offene Wunde. Er hatte sie nicht retten können. Er hatte keinen von ihnen retten können. Egal wie sehr alle in dieser Stadt ihn bewunderten, er hatte die Menschen, die ihm am nächsten gestanden hatten nicht retten können. Was war der alberne Titel da schon wert?
Champion von Kirkwall. Das konnten die sich alle sonstwohin stecken.
Er wandte sich vom Fenster ab und fuhr sich mit beiden Händen durch die ohnehin schon wirren Haare. Mit der Einsamkeit kamen diese Gedanken. Sie passten nicht zu ihm und Jaiden wollte sie auch nicht in seinem Kopf haben. Raschen Schrittes ging er zur Tür seines Schlafzimmers und nach unten, wo Garrett mit einem trägen Wuffen seinen riesigen Kopf hob. Als der Mabari aber seinen Herren erkannte, sprang er auf die Füße und näherte sich ihm schwanzwedelnd. Ein kleines Jaulen ertönte, als Jaiden ihn am Kopf kraulte. Gleich fühlte er sich etwas ruhiger. Er war nicht alleine hier. Irgendwo im Haus schnarchten auch noch Sandal und Bodhan, die zwar nicht direkt zur Familie gehörten, aber trotzdem... es vertrieb diese Einsamkeit etwas.
„Komm mit hoch. Aber wehe du sabberst mir aufs Bett.“
Garrett kläffte, als hätte er jedes Wort verstanden. Aber er war ein Mabari, um die sich genug Geschichten rankten. Vermutlich hatte er das sogar. Oder er hatte nur die Worte „Komm“ und „Bett“ verstanden und seine eigenen Schlüsse gezogen. Also tapste er glücklich hechelnd hinter Jaiden die Treppe nach oben und sprang so prompt auf das Bett, wo er sich so breit machte, dass Jaiden sich im ersten Moment fragte, wo er noch Platz finden sollte. „Rück mal!“, forderte er den Hund darum auf und gab ihm einen Knuff, was erstmal aber wenig bewirkte. Das schaffte das strenge „Garrett!“ Mit einem schon halb schlaftrunkenem Laut rollte Garrett etwas zur Seite und ließ Hawke so genug Platz, um sich dazuzulegen. „Bei Andrastes Unterhose, du stinkst! Morgen wird gebadet!“
Garrett wuffte zufrieden und Jaiden lachte. „Ja, jetzt bist du noch glücklich. Aber morgen ist das Theater riesig.“
Jetzt wieder zufrieden mit sich und der Welt schlief Jaiden endlich ein.

Nur um mit einem merkwürdigen Gefühl aufzuschrecken. Er konnte nicht den Finger darauf legen, aber irgendetwas stimmte. Nicht. Eine Spannung in der Luft, die nicht hierhergehörte. Eine Bedrohung. Garrett saß neben ihm auf dem Bett und starrte in die Dunkelheit. Erst war er ganz still. Starr. Das Knurren kam erst später. Ein tiefer, drohender Laut. Dann kamen die Templer.


Ihr habt bis hierher durchgehalten? Sehr gut!
Was hier entsteht ist das Ergebnis einer Woche die ich krankheitsbedingt daheim festsaß und wenig anderes zu tun hatte als zu zocken. Und was gibt es da besseres, als Dragon Age II nochmal durchzuspielen? Magier-Hawke hatte ich bisher noch nicht und es reizte mich.
Lange Rede, kurzer Sinn: Es ist einfach unlogisch, dass Hawke fröhlich überall rumzaubert und sich keiner daran stört.
Und das hier ist jetzt das Ergebnis. Ich weiß schon halbwegs, wo es mich hinführen soll, mal sehen, ob die Geschichte mich auch lässt. =)
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