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Deponia Intermezzo

von -Goaly-
GeschichteHumor, Tragödie / P12
Cletus Goal
01.05.2016
25.09.2018
3
8.012
4
Alle Kapitel
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Dieses Kapitel
1 Review
 
 
25.09.2018 1.147
 
3. Der Tag danach

Cletus erwachte am nächsten Tag und wusste gleich, dass es sehr spät war. Er fluchte innerlich. Wieso hatte der Wecker nicht geklingelt? Das würde wohl wieder einer dieser Tage werden…
Schon die Nacht war Unheil verkündend gewesen. Er hatte einen schauderhaften Traum gehabt. Etwas mit diesem Rufus! Und Argus, er hatte die Mission verraten, um einen Haufen wertloser Klone inklusive sich selbst zu retten und das edle Elysium damit voll zu stopfen. Widerlich! Ihm stellten sich die Nackenhaare auf bei der Vorstellung.
Und dann hatten sich Rufus und Argus auch noch wie er verkleidet und Goal konnte nicht herausfinden, wer von ihnen der richtige war. Halt-sie wollte es gar nicht wissen…sie wollte nur Rufus. Aber der echte Rufus hatte sich geopfert und Goal hatte ihn gerettet, aber dann mit Rufus verwechselt! Sie hatte ihn sogar gezwungen, diesen stinkenden Mantel anzuziehen, der voller Öl, Kaugummi, Katzenhaaren, Schießpulver und sonstwelchen Substanzen gewesen war. Als Krönung des Ganzen durfte er dem  Ältestenrat erklären, wie Elysium nun gerettet werden sollte. Köstlich! Als ob es ohne die Sprengung noch eine Rettung gab! Er brach in hysterisches Gelächter aus und wollte sich gerade die Augen reiben, als seine Hand gegen etwas metallisches knallte, das kurz wackelte und dann klirrend zu Boden fiel.

Moment mal.

Plötzlich verkrampften sich seine Eingeweide. Er merkte, dass er auf etwas hartem schlief, das sich verdächtig nach NICHT seinem Bett anfühlte. Als er sich bewegte, raschelte es unter ihm und etwas fiel herunter, das weicher und leichter war als der vorherige Gegenstand. Stöhnend richtete er sich auf und fand sich auf seinem Schreibtisch wieder, auf dem außer ihm selbst noch mehrere Papiere lagen. Die Schreibtischlampe lag in Einzelteilen auf dem Marmorboden. Das hat sicher Kratzer verursacht, dachte Cletus trübsinnig. Er nahm eines der Papiere und hoffte, dass es mit seiner Mission auf Deponia zu tun hatte. Nun ja. Eine Konstruktionsbeschreibung für Elefanten auf Einrädern mit Warpantrieb. Falls er keinen Zirkus auf dem Planeten eröffnen sollte, war das wohl einer dieser Rettungspläne. Wie gelähmt blieb er auf dem Tisch liegen und lies das Blatt zu Boden segeln.

Das durfte alles nicht wahr sein. Nein, er weigerte sich, es zu glauben! Wütend begann er, die Papiere vom Tisch zu stoßen. „Nein!“, schrie er auf, „Neeeein!“ Mit Händen und Füßen wehrte er sich, aber er erwischte nur Stifte, Ordner und weiteren Kram, der herunterfiel, herumflog und am Boden entlang rollte. Als der Tisch leer war und er erschöpft war, blieb er einfach liegen.

Dann ertönte ein Piepen. Sein Wecker?, schoss es ihm durch den Kopf. War das alles auch nur ein Traum?
„Hallooo?“, fragte eine alberne, hohe Stimme viel zu laut. „Ist alles in Ordnung mit dir da drin?“
Nein, kein Wecker. Nur die nervtötende Schiffs-KI, die er mit seinem Krach alarmiert hatte. Er rappelte sich auf und sah hasserfüllt auf die sprechende mechanische Blume, die sich aus der Wand geklappt hatte, um ihn zu stören.
„Ja, es ist alles in Ordnung!“, blaffte er sie an.
„Bist du sicher? Du siehst wüüütend aus“, beharrte die Blume. „Soll ich dich aufheitern?“
Bloß nicht. „Serviere mir doch ein Glas heiße Milch mit Honig.“ Einfache Antworten halfen meist weiter. Aber diesmal war die KI nicht zufrieden.
„Auf welchen Namen soll ich diese Bestellung aufgeben?“
„Auf welchen?…wonach siehts denn aus, du imbeziles Gerät?“, antwortete Cletus empört.
„Nun, aussehen tust du wie der letzte Eigentümer dieses Habitats, der vor kurzem als tot gemeldet wurde,“ erklärte die Blume mit leichtem Misstrauen in der Stimme.
Schreck lass nach! Da war ja noch was. „Also ähm…ich darf doch sehr bitten…“, stammelte Cletus.
„Ich bin natürlich Rufus“ DER Rufus von Deponia! Mit diesem Schnösel von Cletus habe ich nichts zu tun!“, sagte er so stolz wie möglich.
„Rufus, also.“
„Ja, Rufus, Rufuuuus“, trällerte er schief.
„Schreibt man Rufuuuus mit einem oder mehreren Uuuuuu?“
„Nein, du verblödetes Gewächs! Es schreibt sich R-U-F-U-S!“, schrie Cletus beinahe, aber er wollte keine Nachbarn aufschrecken.
„Ah, da habe ich ja eine Eintragung. Wie schön, dass du hier auf Elysium bist. Du wirst hier sicher einen sehr angenehmen Aufenthalt haben. Aber bevor der Spaß richtig losgehen kann, musst du ein paar Standardfragen beantworten, damit ich das Habitat auch optimal auf deine persönlichen Bedürfnisse anpassen kann.“
Cletus wünschte sich jetzt keine Milch mehr, sondern Wodka. Diese Prozedur hatte er schon bei jeder neuen Wohnung durchmachen müssen und sie dauerte jedes Mal Stunden.
„Hör mal, kann ich das nicht später erledigen? Erstmal will ich mir die Gegend ansehen.“
„Tut mir leid, das ist leider nicht möglich,“ verkündete die Blume fröhlich.
„Das Begrüßungsprotokoll wird bereits ausgeführt.
Hallo neuer Bewohner von Habitat 38Z/B. Ich bin Ronny, dein freundlicher Einrichtungsassistent…“

Es war wirklich ein solcher Tag.

Als Cletus endlich von dieser Foltermaschine loskam, war es schon Nachmittag. Wie peinlich. Außerdem war ihm eingefallen, dass er diesen deponianischen Mantel wieder tragen musste, der, jetzt gewaschen, doch eine Spur heller war als vorher. Hatte er es schon vermasselt? Würde Goal jetzt hinter sein Geheimnis kommen? Er musste sich einfach richtig verhalten. Noch sprach alles dafür, dass Rufus niemals losgelassen hätte. Das war der Anker, an den er sich klammern konnte.

Als er seine Wohnung verließ, war er ziemlich unsicher. Er fiel in der seltsamen Kleidung sofort auf, wollte aber mit niemandem reden. Deswegen musste er sich ständig hinter Säulen und Bäumen verstecken oder in dunkle Ecken kriechen. Sein einziges Ziel war Goal. Sie konnte ihn von neugierigen Leuten und unangenehmen Fragen abschirmen, sofern sie selbst keine Fragen stellte. Aber als er mit Mühe und Not an ihrer Wohnungstür ankam und klingelte, war niemand zu hause. Großartig. Wie konnte er sie finden? Er durfte offiziell nicht wissen, wo sie sich gerne aufhielt, inoffiziell hatte er einen Verdacht, wo sie sein könnte. Was aber keine Garantie war.

Und Ronny? Cletus war zwar kein Angehöriger von Goal, aber als der berühmte Retter von Deponia konnte er sie bestimmt suchen lassen. Ronny würde seine Kameras einsetzen und - nein, schon wieder wäre es peinlich. Er wollte keine so große Aktion starten.

Der kleine Rufus möchte vom Bällebad abgeholt werden.

Er schüttelte den Kopf und machte kehrt. Jetzt war er also Freiwild. Er schritt den Gang entlang, der durch Goals Wohnsektor führte und nicht überdacht war. Cletus konnte am blauen Himmel die Wolken ziehen sehen, unter ihm schwebte der rote Müllplanet und es wehte eine angenehme Brise voller frischer Luft. Eigentlich angenehm, wenn das alles nicht den Nachteil hatte, dass man ihn von weitem sehen konnte und aus jeder Wohnung jemand kommen konnte, der ein Gespräch auslöste.




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Ich gebe zu, dass das jetzt ein sehr kurzes Kapitel war. Es sollte eigentlich doppelt so lang werden, aber dann fehlte mir wieder die Zeit, deshalb dachte ich, ich sende lieber mal ein Lebenszeichen.
Ja, diese Geschichte lebt noch und wird weitergeschrieben!
Danke auch an alle, die Reviews hinterlassen und mich motiviert haben.
Ich habe euch nicht vergessen!
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