Totenjäger

von Melkor
GeschichteFantasy / P12
OC (Own Character)
01.05.2016
25.05.2016
5
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Prolog

Nur wenige Strahlen der Sonne brachen durch das dichte Blattwerk, als vier Männer, drei Menschen und ein Zwerg, über den noch feuchten Waldboden marschierten. Sie waren wie zum Kampf gerüstet, der Vorderste mit einem Speer auf seiner Schulter ruhend, der Zweite, der Zwerg, mit einer geladenen Armbrust im Anschlag und die Beiden letzteren, ihre Händen auf den Griffen der Schwerter ruhend.

„Und wir sind noch auf dem richtigen Weg?“, fragte der Zwerg ungeduldig, während er versuchte etwas oder jemanden zwischen den Baumreihen zu erspähen.

Sein Vordermann blickte kurz vom Boden auf, „Dieselben Spuren, ein Pferd, zwei zu Fuß. Die Suche wird aber nicht einfacher nur weil ihr möglichst schnell Blut sehen wollt“, bellte er zurück, bevor er sich wieder der Erde zu wandte. „Außerdem…“, setzte er an, doch er unterbrach sich selbst, seinen Kameraden zum Anhalten deutend.

Sie mussten sich nicht lange wundern warum, den allzu bald schon kroch auch ihnen der Geruch von Aas die Nasen hoch, und einige vielsagende Blicke später beschleunigten sie ihren Gang, darauf erpicht die Quelle dieses peinigenden Gestankes zu finden. Weit brauchten sie nicht zu laufen, bevor sich ihnen ein schauderhaftes Bild bot.

An einer Stelle, an welcher die Bäume weiter auseinander standen, lag der Kadaver eines Pferdes, bestrahlt vom durscheinenden Sonnenlicht als ob die Götter selbst dieses Schlachtfest präsentieren wollten. Den das arme Tier schien von Klauen oder Klingen geradezu zerfetzt worden zu sein. Doch was die Aufmerksamkeit der Männer noch mehr auf sich zog, war der abgetrennte Arm, welcher knapp vor dem toten Pferd lag.

„Bei allen Göttern“, murmelte der Fährtensucher, derweilen sich ein anderer dem Kadaver näherte und die Wunden inspizierte.

„Kein Räuber lässt gutes Fleisch zurück“, warf der Zwerg ein. „Pan, glotz nicht wie ein Irrer. Sieh zu ob du siehst wo die Angreifer hin sind“. Damit riss der Speerträger seinen Blick los, und begann den mit Blut durchtränkten Boden zu untersuchen.

„Vielleicht sind die Tiere krank und einfach wahnsinnig geworden“?

„Alles nur Spekulation! Yeren, du kommst mit mir. Pan und Micheal, sucht ihr tiefer im Wald“.

Yeren, welcher die Verletzungen des Pferdes noch ein letztes Mal betrachtete, stand auf und schloss sich dem Zwerg an, während sich seine zwei Gefährten in die genau gegengesetzte Richtung von ihnen entfernten, und ehe er sich versah, verschluckte das Gehölz die Beiden und er konzentrierte sich auf seine Umgebung. Doch außer dem rhythmischem Stampfen ihrer Füße war es gespenstisch still. Weder sangen Vögel ihr Lied, noch waren andere Tiere im Unterholz auszumachen, geschweige denn zu sehen. Hier war etwas gehörig falsch. Seine Schritte verlangsamten sich, als sich in seiner Magengrube ein Gefühl ausbreitete, es langsam immer stärker wurde. Ohne es zu wissen, hatte sie aufgehört die Jäger zu sein.

„Loeki, das bringt nichts, ohne…“ Der Schrei, er ließ Yeren das Blut in den Adern gefrieren und mitten im Satz innehalten. Welche Schmerzen musste ein Mensch wohl durchleiden, umso Schreien zu können? Er wünschte sich es nie im Leben erfahren zu müssen, selbst der Gedanke machte ihm zu schaffen. Gerade wie er sich umdrehte, sprintete der Zwerg Loeki schon an ihm vorbei, und Yeren folgte ihm. Immerhin, vielleicht war er verschreckt, aber noch lange kein Feigling.

Die Beiden hatten eine ungefähre Idee von der Richtung in die sie laufen mussten, doch trotz alledem packte sie die Befürchtung sie wären falsch, egal in welche Richtung sie sich auch wandten. Mehrere Minuten vergingen, in denen sie über den Waldboden hetzten, jedoch kein Anzeichen von Micheal, Pan oder dem Ort an dem sie den Pferdekadaver entdeckt hatten, als plötzlich eine Gestalt hinter einem Baum hervorschnellte, und mit Yeren kollidierte.

Nur kurz kam es ihm vor als hätte er die blonde Mähne von Micheal aufblitzen sehen ehe er krachend niederfiel, die harte Landung alles an Luft aus seiner Brust pressend. Das Abfeuern eines Bolzens war zu hören, dazu ein zwergischer Fluch. Leicht benommen drehte sich der Menschensöldner auf den Rücken, und sah nach der Ursache seines Sturzes, mit der einen Hand bereits am Schwertgriff. Doch was sich vor ihm aufbäumte, damit hätte er wohl nie gerechnet. Es war Micheal, so zumindest dachte er zuerst. Doch die große klaffende Wunde an seinem Hals, und diese Augen. Sie waren milchig weiß und leer, das frühere Grün kaum noch zu erkennen. Nein, war nicht er, das war etwas anderes.

Ein zweiter Bolzen flog der Kreatur in die Brust, bohrte sich durch den dünnen Lederwams den sie trug, doch obwohl Blut floss, schien sie davon komplett unberührt zu sein. Ein weiterer Fluch von Loeki, gefolgt von, „Steh auf, verdammt noch mal, steh auf!“

Das war was Yeren brauchte, um sich aus seiner Schockstarre befreien zu können. Gerade rechtzeitig, denn was auch immer über ihm stand hatte inzwischen sein Schwert hoch erhoben und ließ es herabfahren. Im letzten Moment konnte er sich zur Seite rollen und als sich die Klinge des Angreifers tief in die Erde bohrte, zögerte er nicht lange, zielte und mit einem schwungvollen Tritt gegen das Knie, brachte er die Kreatur kurz dazu sich komplett auf das Schwert lehnen zu müssen, um seine Balance nicht zu verlieren. Mehr Zeit brauchte er auch nicht, um sich aufzurichten und sein eigenes Schwert zu ziehen, bereit zum Kampf.

Doch sein Kampfesrausch verflog binnen Sekunden, denn in der Zwischenzeit hatten sich aus dem Dunkel der Bäume noch mehr Gestalten genährt. Er sah einen Mann dem ein Arm fehlte, noch einer, mit aufgerissenem Baum, Pan, das halbe Gesicht bedeckt mit Blut, viele mehr. Yeren drehte sich, mal links mal rechts, die Spitze seiner Waffe mehr schützend vor sich haltend, als auf ein spezielles Ziel gerichtet. Als diese Albträume immer näher wankten, verließ ihn der letzte Mut und von seinem Herz ausgehend breitete sich eine Kälte aus, die alles verschlang. Hoffnung, Wärme, Glück, all dies existierte nicht mehr und damit begann er zu laufen, einfach zu laufen. Hinter sich hörte er Schritte, doch ihm war es gleich ob es Verfolger waren oder Loeki es ihm gleich tat, ihm war gleich wie sehr seine Beine brannten und es war ihm gleich dass er gerade zwei treue Freunde verloren hatte, er wollte weg, für immer laufen, bis Welten ihn und den Wald trennten.