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Was es bedeutet selbstlos zu sein

von RamonaXX
KurzgeschichteDrama, Freundschaft / P16 / Gen
Chris Taylor Elias Grodin OC (Own Character) Robert Barnes
01.05.2016
01.07.2016
3
6.475
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01.05.2016 2.594
 
Vorbemerkung:
Dies ist meine zweite Kurzgeschichte zum „Platoon“. Es tauchen dieselben Charaktere auf, wie in „Was es bedeutet kameradschaftlich zu sein“. Chronologisch betrachtet, spielen die Ereignisse hier allerdings davor.


Kapitel 1 – Instinkt

Das Herz von Elias hämmerte mit einer ungeahnten Kraft von innen gegen seinen Brustkorb. Er keuchte. Sein ganzer Körper war in Aufruhe und jeder seiner Sinne aufs äußerste geschärft.
Vor wenigen Minuten hatte er noch vor einer der Hütten gestanden und darüber nachgedacht, dass Lieutenant Wolfe mit der geordneten Evakuierung des Dorfes doch reichlich überfordert war. So wie der unerfahrene Zugführer mit fast allem überfordert war, was er in diesem Krieg als Kommandeur seiner Einheit zu tun hatte…
Dann war es passiert. Vom Waldrand aus hatte der Feind das Feuer eröffnet. Von einer Sekunde auf die nächste waren erste Schüsse gefallen und Dorfbewohner leblos zu Boden gestürzt. Sekundenschnell hatten sich die Soldaten des zweiten Zuges in Deckung geworfen und begonnen zurückzuschießen.

Nun hockte Elias bei einer der Dorfhütten hinter einem übergroßen, aus Binsen geflochtenen Reiskorb und wartete auf eine günstige Gelegenheit seine Position zu wechseln, um ein besseres Schussfeld zu haben.
Er hörte die Schreie der Dorfbewohner, die aufgeregt und verzweifelt durcheinander liefen; Er hörte das laute Fluchen seiner Kameraden, die ihre eigenen Salven mit aggressiven Parolen untermalten; Und er hörte den nicht enden wollenden Sturm aus feindlichem AK-Feuer, der durch das Dorf fegte. Wenn er hier weg wollte, musste er etwas tun!
Elias nahm sein Gewehr an die Schulter, kauerte sich dicht an den Korb und gab mehrere Schüsse ab, ohne genau zu erkennen worauf er schoss.
Kurzdarauf explodierte eine Granate nahe der Hütte. Dreck und Erde flogen in seine Richtung. Er drehte den Kopf zur Seite, um sein Gesicht zu schützen. Mit zusammen gekniffenen Augen wartete Elias einen Moment bis sich der Regen aus Schmutz gelegt hatte und nur noch dichter Staub durch die Luft trieb. Das war seine Gelegenheit!
Flink sprang der junge Sergeant auf seine Füße und lief in geduckter Haltung die knapp zehn Meter zum Dorfbrunnen.
Den Rücken gegen die steinerne Mauer gedrückt, ließ sich Elias schnaufend nieder. Diese Deckung war allemal sicherer als ein Korb voll loser Reiskörner, dachte er und riskierte einen ersten vorsichtigen Blick am Brunnen vorbei.
Elias hatte eine perfekte Position ergattert, von wo aus er über den gesamten Dorfplatz bis hin zum Waldrand würde sehen können. Er legte die Waffe an und fixierte über Kimme und Korn den sich lichtenden Staub.
Doch was war das?
Mitten auf dem Platz kauerte… Ein Kind?
Elias ließ sein Gewehr sinken. Mit Schrecken starrte er auf das kleine vietnamesische Mädchen, das genau in seinem Schussfeld saß und sich bitterlich weinend, die Hände auf die Ohren presste.
Er musste etwas tun! – Jetzt!! – SOFORT.
Ohne einen Gedanken daran zu verschwenden, getroffen werden zu können, stürmte Elias los. Es war eine Kurzschlussreaktion. Er folgte seinem Instinkt.
Er erreichte das Kind, während Kugeln um seinen Kopf flogen und riss es in einer fließenden Bewegung mit sich. Zum Anhalten war keine Zeit.
Das kleine Geschöpf war federleicht. Viel leichter als er es erwartet hatte.
Das Kind auf dem Arm und seine Waffe in der anderen Hand, suchte Elias Schutz hinter einem Erdhügel.

Reflexartig richtete Chris Taylor sein Gewehr auf den Schatten, der in dieser Sekunde in seine Deckung gesprungen kam. Er wollte schon abdrücken, doch die Informationsverarbeitung seiner Augen war Gott sein Dank schneller als die gesteuerte Bewegung seiner Finger. Mit pochendem Herzen nahm Chris die Waffe runter. Um Haaresbreite hätte er seinen eigenen Sergeant erschossen.
Elias hatte nur einen überraschten Gesichtsausdruck für seinen Kameraden übrig, da sich in diesem Moment die Feuerkraft des Gegners auf ihre Deckung konzentrierte.
Maschinengewehre hämmerten und füllten die Luft mit Blei. Dutzenden von Geschossen schlugen auf der anderen Seite des Erdhügels ein. Es war ein ohrenbetäubender Lärm, der eine gefühlte Ewigkeit anzuhalten schien.
Als das gegnerische Feuer endlich stoppte, legten Chris und Elias beinah zeitgleich an. Sie schossen auf den gegenüberliegenden Waldrand, bis die Magazine ihrer M-16-Gewehre leer waren.
Atemlos ließen sich die zwei Soldaten wieder hinter den Erdhügel sinken, der sogleich von Neuem angriffen wurde. Zum ersten Mal nahm Chris bewusst das Mädchen wahr, dass Elias neben sich abgesetzt hatte, um beide Hände zum Bedienen seiner Waffe frei zu haben.
„Wer ist das?“, rief Chris gegen das Dröhnen der feindlichen Waffen an und warf einen Seitenblick auf das verstörte Kind.
„Meine neue Freundin.“, schrie Elias zurück, der vom Hochgefühl getragen wurde, dass seine Rettungsaktion geklappt hatte. Adrenalin und Endorphine jagten sich gegenseitig durch seinen aufgeheizten Körper und es war ihm nicht möglich ein freches Grinsen zu unterdrücken.
Mit offenem Mund wechselte der Blick von Taylor zwischen dem verängstigten Mädchen, dessen Heulen zum großen Teil von den Kampfgeräuschen übertönt wurde, und seinem Gruppenführer, der mit erschreckend routinierten Handgriffen das Magazin an seinem M-16-Gewehr austauschte, hin und her.
Chris fand seine Stimme zurück und brüllte gegen den Lärm der automatischen Gewehre an: „Aber Sarge!“
Der Einschlag einer Handgranate verschluckte Taylors nächsten Satz.
Sand und kleine Steine flogen in hohem Bogen über den Erdhügel und regneten nieder.
Chris zog den Kopf samt Helm ein und hielt sich schützend den Arm vors Gesicht, während Elias sich weit über das Kind beugte, um es vor herabfallendem Dreck abzuschirmen.
Kaum, dass der Angriff vorüber war, fing Chris erneut an: „Lieutenant Wolfe hat den Rückzug befohlen. Wir sollen uns aus dem Staub machen und die Bewohner zurücklassen.“
„Was?“, kam es überrascht und wütend zugleich von Elias. In der rechten Hand hielt der seine geladene Waffe, den Finger am Abzug, während er seine linke Hand intuitiv auf den Rücken des Mädchens gelegt hatte. Unbewusst versuchte er das Kind zu beruhigen, das zwischen ihm und Taylor im Dreck kniete und sich wimmernd an seinem Hosenbein festklammerte.
„Dieser Arsch!“, rief Elias und fixierte Taylor, „Wir können doch nicht tatenlos dabei zusehen, wie diese Schweine Zivilisten abschlachten!?“
Wieder schlug ein Geschoss dicht bei den beiden Männern ein. Chris’ Antwort ging in dem dumpfen Getöse unter.
„Geh, Taylor!“, befahl Elias, noch bevor Chris den Mund wieder aufgemacht hatte, „Lauf zu den anderen. Ich komme nach.“
„Aber?“, wiedersprach er.
„Ich habe gesagt Du sollt gehen.“, wiederholte Elias scharf, „Das war ein Befehl!“
Sprachlos starrte Chris seinen Gruppenführer an. Er konnte ihn doch hier im Gefecht nicht einfach allein lassen?
„Ich hab einen Plan.“, beschwichtigte Elias den jungen Soldaten an seiner Seite, „Wird schon schiefgehen… Und jetzt sieh zu, dass Du deinen Arsch hier wegbewegst!!“
Wiederwillig zog Chris sich zurück und ließ Elias mit dem Kind allein.

*****

Der Stein, der von Chris Taylors Herz fiel als er den Sergeant am Nachmittag unversehrt wiedersah, wog mindestens zwei Tonnen. Wenn nicht sogar etwas mehr…
Wie erwartet, hatte man ihn nach dem Kampf zum Verbleib von Elias befragt. Chris war es mächtig schwer gefallen, sich eine plausible Ausrede auszudenken und am Ende hatte er sich darauf versteift, dass er schlicht nicht wüsste, wo der Sergeant abgeblieben sei.
Der mahnende Blick mit dem Elias ihn beacht hatte als er plötzlich im Basislager wieder aufgetaucht war, hatte Chris eingebläut, dass er über den Vorfall in dem Dorf Schweigen zu bewahren hatte. Er wusste weder was Elias nach seinem Verschwinden gemacht hatte, noch was aus dem Kind geworden war, über das er bei seiner Befragung kein Wort verloren hatte.

Jetzt war es Abend und Chris befand sich auf dem Weg in die „Unterwelt“; ihrem geheimen Treffpunkt. Wenn Vietnam die Hölle war, dann war die Unterwelt der Himmel.
Elias und Rhah – der stets gutgelaunte Typ, mit der unverkennbar tiefen Stimme – hatten den verlassenen Munitionsbunker irgendwann entdeckt und zu ihrem eigenen Zweck umfunktioniert. Von außen sah man nur ein unscheinbares, in die Erde gegrabenes Loch, das mit Sandsäcken befestigt war. Doch innen wartete eine andere Welt.
Chris erinnerte sich noch genau daran, wie er das erste Mal den Bunker betreten und sich staunend umgesehen hatte. Die Wände waren aus Sandsäcken und alten Munitionskisten aufgeschichtet. Jeder Quadratzentimeter war mit Plakaten, Bildern oder anderen dekorativen Dingen von zuhause geschmückt. Bunte Lichterketten waren unter den Deckenbalken gespannt und um die Stützpfeiler gewickelt. Überall brannten Kerzen, stapelte sich Palettenweise das Bier und türmten sich die Pakete, mit Annehmlichkeiten aus der Heimat.
An diesem Ort fühlte Chris sich wohl. Hier war er unter Freunden und konnte vergessen, dass draußen vor dem Zaun des Basiscamps ein unmenschlicher Krieg tobte, den nur die allerwenigsten von ihnen freiwillig bestritten. Das er all das hinter sich lassen konnte, lag nicht zuletzt daran, das Rhah – der sich selbst als König der Unterwelt bezeichnete – die Jungs regelmäßig mit frischem Stoff versorgte und Marihuana verteilte.
Nicht alle Soldaten hatten Zugang zur Unterwelt oder wussten gar von ihrer Existenz. Nur Elias, den Männern seiner Gruppe und ein paar Auserwählten war der Zutritt zu diesem heiligen Tempel gewährt. Und Chris genoss es sehr zu dieser eingeschworenen Gemeinschaft zu gehören.

Er griff nach der Plane, zog den Kopf ein und tauchte hinab in die Unterwelt. Sein Blick schweifte kurz durch den Bunker und blieb an einer Traube von Kameraden hängen. Sie hatten ihm den Rücken zugewandt und standen dicht beieinander.
Neugierig, was es dort zu sehen gab, ging Chris auf die Männer zu. Er wollte sich gerade dazwischen drängen als King – der große Schwarze, mit dem goldenen Schneidezahn – ihn hinter sich bemerkte.
„Schau dir das an, Mann!“, rief King anerkennend und machte Chris mit einem breiten Lächeln Platz, „Unser stattlicher Sergeant hat sich heute als echter Held bewiesen.“
Ungläubig blickte Chris auf Elias, der auf einem Stapel Sandsäcke saß und spielerisch auf seinen Knien ein Kind hin und her wippte. Es war jenes Mädchen, das er am Vormittag aus dem Feuergefecht gerettet hatte.
„Ist sie nicht süß, die Kleine?“, fragte Elias in die Runde und erntete allgemeine Zustimmung. Zufrieden grinste er über beide Ohren.
Es war das einzig Richtige gewesen, das Kind mitzunehmen, wenngleich dem Sergeant bewusst war, dass es nicht das Klügste gewesen war. Doch das zählte in diesem Moment nicht. Die Heiterkeit, die das vietnamesische Mädchen zwischen den Soldaten stiftete, war einfach zu ansteckend.
Alle hatte sie ein Lachen im Gesicht, redeten wild durcheinander und versuchten sich gegenseitig mit ihren Vergleichen zu überbieten, wie niedlich und hinreißend die Kleine doch sei.
Chris war immer noch perplex und starrte mit offenem Mund das Kind an. Er konnte nicht glauben, dass Elias es tatsächlich geschafft hatte, das Mädchen unbemerkt ins Lager zu schmuggeln. King hatte recht, der Sergeant hat ohne Zweifel etwas Selbstloses getan und wahren Mut bewiesen.
In diesem Moment fiel sein Blick auf Rhah, der aus einer der hinteren Ecken kam und nacheinander drei frisch gedrehte Marihuanazigaretten anzündete, die er anschließend unter den Anwesenden rumgehen ließ. Rhah verhielt sich auffällig still und musterte das Kind mit einem kritischen Blick. Er schien als einziger nicht erpicht darauf zu sein, die Kleine näher kennenlernen zu wollen.
Einer der Joints erreichte Chris und dieser gab ihn weiter, ohne daran zu ziehen. Zu groß war die Anziehungskraft, die dieses putzige Geschöpft auf ihn und die anderen Männer ausübte.
Jeder von ihnen verspürte das Bedürfnis die Kleine zu berühren, ihr freundlich über die Wange zu streicheln oder mit einem gutgemeinten Tätscheln durch die Haare zu wuscheln.
Das Kind saß auf Elias’ Schoß, wie auf einem Präsentierteller. Umringt von einem Dutzend fremder Gesichter, wechselte der Blick ihrer großen, kullerrunden Augen verunsichert hin und her. Das Mädchen fühlte sich zunehmend unwohl und es dauerte nicht lange bis sie das Gesicht verzog und ihr anfängliches Jammern zu einem herzzerreißenden Schluchzen anschwoll.
Elias stoppte das Wippen seiner Knie und versuchte die Kleine zu trösten. „Hey…“, begann er mit weicher Stimme, „Ist doch alles gut. Nicht weinen.“
Sein Versuch blieb erfolglos. Immer lauter wurde das Quengeln des Mädchens und mündete schließ in einem ausgewachsenen und verzweifelten Weinen.
Die Stimmung der Soldaten kippte augenblicklich und mit einer Mischung aus Ratlosigkeit und Mitleid starrten sie auf das Kind.
„Was denn los mit ihr?“, fragte King.
„Keine Ahnung?“, antwortete Elias.
„Vielleicht ist ihr das alles zu viel?“, warf Chris ein, bei dem das Mitgefühl für das Kind überwog.
„Oder sie hat Hunger?“, kam es von Big Harold, einem der anderen Schwarzen in der Gruppe, „Hat einer von euch mal daran gedacht, ihr was zu essen zu geben?“
Achselzuckend schüttelten die Männer den Kopf, bis ein unerwartetes Geräusch die Aufmerksamkeit aller Beteiligten auf sich zog.
Crawford, der hochgewachsene und schlaksige, blonde Kerl, war nach Hinten zu seiner Hängematte gegangen und hatte etwas geholt. Mit einer raschelnden Dose in den Händen kam er zurück. Es war die Keksdose, die ihm seine Mum letzte Woche mit der Post geschickt hatte.
Abgelenkt von dem unbekannten Geräusch verebbt das Heulen der Kleinen, die noch immer – von Elias gehalten – auf dessen Schoss saß. Neugierig weiteten sich ihre Augen als das raschelnde Objekt in ihrem Blickfeld auftauchte.
„Vielleicht ist das ja was für unseren kleinen Gast.“, sagte Crawford freudig und reichte dem Kind einen Keks.
Gebannt beobachteten die Männer, wie das Mädchen mit ihren zarten Fingern nach dem Keks griff und ohne zu zögern hineinbiss.
Sie kaute ein paar Mal, hob dann den Kopf und strahlte ihren Wohltäter überglücklich an. Ihr kindliches Lächeln offenarte eine verschmitzte Zahnlücke und ein tiefes und freudvolles Seufzen machte die Runde.

Eine Viertelstunde später war das Mädchen mit ausreichend Kekse und einer Cola versorgt und die gute Stimmung zwischen den Soldaten wieder hergestellt.
„Wir brauchen einen Namen für die Kleine.“, meinte Elias und betrachtete vergnügt das Kind, das mit beiden Händen die Coladose umklammert hielt und trank.
Manny – der dritte Schwarze im Bunde – der bis jetzt noch nichts gesagt hatte sah zu der gegenüberliegenden Wand und starrte auf ein hypnotisch buntes Plakat, das Janis Joplin zeigte. „Wie wäre es mit Janis?“, schlug er vor.
„Neeein.“, kam es mehrstimmig von den anderen als Antwort zurück.
„Also ich bin für Mary Jane.“, sagte Big Harold, der gerade tief an einem Joint gesogen hatte und den Rauch nun gedankenverloren in Richtung der Decke blies.
Die Hälfte der Gruppe stöhnte auf.
„Sag mal, Du hast wohl nur noch Scheiße und Gras im Kopf, was?“, meinte King vorwurfsvoll an seinen schwarzen Kameraden gewandt, „Wir können das Mädchen doch nicht nach dem Stoff benennen, den wir uns hier reinziehen!“
„Wieso nicht?“, fragte Big Harold enttäuscht.
King winkte kopfschüttelnd ab: „Ach, halt doch die Schnauze, Mann.“
„Dann vielleicht, Lisa!“, warf Crawford ein und sein Blick fiel wieder auf die Abbildung der splitternackten und vollbusige Frau neben seiner Koje. Feixend ergänzte er: „So wie die schöne Miss Baker.“
Allgemeines Gelächter füllte den Raum. Und auch Elias konnte sich ein ehrliches Schmunzeln nicht verkneifen, schüttelte gleichzeitig aber den Kopf. Nein, das würde er den Jungs nicht durchgehen lassen, ein kleines, vietnamesisches Mädchen nach dem Playmate des Jahres zu benennen.
„Juliet.“, verkündete Elias, der die ganze Zeit nach einem passenden Namen gesucht hatte, „Wir nennen sie Juliet.“
„Häh?“, fragte Big Harold, der glaubte etwas Wichtiges verpasst zu haben, „Wieso denn ausgerechnet Juliet ?“ Konzentriert sog der schwarze Soldat ein weiteres Mal an dem Joint.
„Na, ist doch klar, Mann.“, mischte Rhah sich aus dem Hintergrund ein und begann aufzuzählen, „Hotel. India. Juliet ! Das fällt am wenigsten auf.“
Ja, dachte Chris, das war eine gute Idee. Juliet  konnte sich jeder von ihnen merken und man konnte den Namen auch mal offen aussprechen, ohne gleich in Verdacht zu geraten. Schließlich war Juliet  nichts weiter als die geläufige Bezeichnung für den Buchstaben J. im Alphabet.  
„Juliet.“, wiederholte Elias triumphirden und hob das schläfrige Kind stolz in die Luft, „Wir taufen dich Juliet.“
Lautes Gejohle brach unter den Anwesenden aus. Bierdosen wurden herumgereicht. Verschlüsse knackten, es zischte und der Schaum lief den Soldaten über die Hände. Literweise rann das Bier die Kehlen der jungen Männer hinab und besiegelte die Taufe des Kindes.
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