Unexpectedly

von kweenron
KurzgeschichteRomanze / P6
30.04.2016
30.04.2016
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Nein, das ist nicht meine Geschichte.
Ja, es sagt etwas über mich aus.
Nein, ich war nicht angstfrei.
Ja, inzwischen wissen es die Leute
~Ronja



„Frauen sind toll. Ich meine, Männer lieben Frauen, warum sollte ich das dann nicht auch tun?“, sagte ich und die Augen meiner gesamten Klasse lagen damit auf mir. Ich sagte das.
Ich, das schweigsame Mädchen, welches zu niemand von ihnen so richtig Kontakt hatte. Ich, die nun komisch in den Umkleidekabinen angesehen wird. Ich, über die es so viele Gerüchte gab.
Ich.
„Das ist“, sprach meine Lehrerin, „schrecklich.“ Mein Herz setzte einen Schlag aus und die Augen einiger Klassenkameraden weiteten sich. „Wir kannst du so was nur sagen?“ Ich schluckte schwer. Alle Worte fielen aus meinem Kopf, es war einfach leer. Kein einziges Wort wollte aus meinem geöffneten Mund kommen – kein Widerwort und meine Kameraden sagten auch nichts. „Wie kannst du nur?“
Das hatte ich erwartet. Ich hatte mir ausgemalt wie ich angeschrieen wurde; wie ich die Umkleidekabine immer für mich haben würde, weil ich perverse Blicke auf die anderen Mädchen werfen könnte; weil ich ekelhaft bin und das nicht einmal annähernd normal. Ich hatte Angst gehabt. Genau davor. Es ist schrecklich in Ungewissheit über das Wissen oder Denken der anderen zu leben und genau deshalb hatte ich diesen Schritt so lange hinaus gezögert – dabei weiß ich es schon über ein Jahr. Ich hatte mich in ein Mädchen verliebt und war auch mit ihr zusammen gewesen – ich war mir meiner Gefühle sicher.
Ich hatte gedacht, dass andere es verstehen würden, dass sie nicht so reagieren würden wie ich es im Internet so oft gelesen hatte. Nein, nicht so hatte ich gehofft.
Meine Lehrerin holte erneut Luft und ich schloss die Augen um aufsteigende Tränen zu bekämpfen, atmete zitternd und hielt diesen an, als sie flüsterte:
„Ich wollte das sagen.“
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