Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Die Schwarze Rose vom Rhein

Kurzbeschreibung
GeschichteSchmerz/Trost, Liebesgeschichte / P18 / Gen
Andreas Schweiger Frank Oehler Nils Egtermeyer OC (Own Character) Ole Plogstedt
28.04.2016
14.06.2016
14
22.318
 
Alle Kapitel
noch keine Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
03.05.2016 1.859
 
Nächstes Kapitel :) Ich bedanke mich bei den zwei Lesern, die meine Geschichte schon favorisiert haben, insbesondere danke ich bi-chen für die Treue und den Gefallen an meinen Geschichten :)
Kleiner Hinweis: Auch der nächste auftauchende Promi ist nur geliehen, gehört sich selbst, und ich verdiene immer noch kein Geld mit meinen Ergüssen. (Warum eigentlich nicht? *heul*)
___________________________________________________________________________________________
Doch sie schüttelte nur den Kopf. „Schon gut. Ich wollte nie heiraten, aber als ich Heiko damals zum ersten Mal gesehen habe, ich war immerhin erst 23, wusste ich, der oder keiner.“  „Das klingt wie im schlechten Film“, gluckste Nils. „Dachte ich auch. Aber wenn du es selbst einmal spürst, dann weißt du, dass es kein Film ist.“ Nadelstiche bohrten sich tief in Nils‘ Herz. Er hatte es doch schon gespürt. Gut, er war erst 15 gewesen, als er sich mit Pia angefreundet hatte. Aber schon damals wusste er, dass er diese Frau einmal heiraten würde. Und dann war sie quasi bei Nacht und Nebel aus Rheine verschwunden, um in Berlin eine Ausbildung zu beginnen. Seine Wege hatten ihn zunächst nach Mallorca geführt, wo er auch Ella kennen und lieben gelernt hatte. Und jetzt? Saßen sie hier in Hamburg, als wären all die Jahre nie geschehen. Pia schaute ihn stirnrunzelnd an. „Nilsi? Gibt es zu den Nudeln auch Soße?“ Er riss die Augen auf. „Das habe ich total vergessen!“ „Macht nix“, erwiderte sie, und fummelte einen Topf aus dem Regal. „Pias Käsesoße Spezial?“ fragte sie nur, und der smarte Wahl-Hamburger kam nicht umhin, zu lachen.
Das war auch so eine Geschichte gewesen. Sie waren bei ihm zuhause gewesen, um für ihr Referat einiges vorzubereiten, als sie großer Hunger überkam. Pia hatte ihre Käsesoße gezaubert, von der selbst seine Mutter begeistert gewesen war-und die mochte keinen Käse. „Wie geht es eigentlich Margot?“ fragte Pia, während sie den Käse zum Schmelzen brachte. „Gut, sie lebt immer noch auf Mallorca. Und deine Eltern? Wohnen die noch in Rheine?“ Ihr Blick verdunkelte sich. „Nein. Oder sagen wir so, ich habe keine Ahnung. Wir haben keinen Kontakt mehr, seit…“  Seit meiner Fehlgeburt, fügte sie gedanklich hinzu. Vor drei Jahren war sie schwanger gewesen, und ihre Eltern waren geplatzt vor Stolz.
Doch dann hörte man im fünften Monat keine Herztöne mehr-das Baby war im Mutterleib verstorben. Ihre Eltern hatten ihr bittere Vorwürfe gemacht, und den Kontakt zu ihrem einzigen Kind abgebrochen. „Seit?“ „Meiner Fehlgeburt vor drei Jahren.“ Nils zuckte zusammen. Was hatte sie nur alles durchmachen müssen. Wenn sie sich doch nur schon früher wiedergetroffen hätten.
Inzwischen war auch die Soße fertig, und die beiden setzten sich an den kleinen Tisch, um zu essen.
Doch Nils pickte nur lustlos in seinem Teller herum. Es brach ihm das Herz, Pia so zu sehen.
Diese jedoch futterte ihre Nudeln mit Begeisterung. „Nilsi, aufessen! Nudeln machen glücklich, sogar mich.“ Er nahm eine Gabel und stellte fest, dass sie recht hatte.
Als Pia abends zu ihrer Schicht aufbrach, fühlte sie sich geradezu glücklich. Nils hatte ihr neuen Lebensmut gegeben-zumindest kurzzeitig.
Als sie den Pub betrat, kamen schon ihre Kolleginnen Anne und Heather auf sie zu. „Was machst du denn hier?“ „Arbeiten, ich bin eingeteilt?“ Die rothaarige (alle in diesem verfluchten Pub waren rothaarig, nur Pia nicht) Heather strich ihr über die Wange. „Cal meinte, es wäre noch viel zu früh, und du solltest dich….“ „CALLUM DAN O REILEY!“ brüllte Pia genervt durch den Laden. „Pia Marlen Delbrück, deine Stimme hört man noch drei Häuser weiter!“ gab der zurück. „Ich WILL arbeiten, hör auf, mich schonen zu wollen!“ „Aber meine schwarze Rose…“ „Nichts da. Wo ist meine Schürze?“ Heather brummte nur „Wo soll sie denn sein?“ und ihre Kollegin wieselte direkt los, um sie sich umzubinden. Die rothaarige Irin schaute ihrer Kollegin und Freundin besorgt nach. Sie waren zu Pia gekommen, wie die Jungfrau zum Kinde, denn eigentlich galt im „Finnegans Wake“ das ungeschriebene Gesetz, dass nur Menschen mit irischen Wurzeln eingestellt würden. Aber die lebenslustige Rheinländerin hatte sie alle schnell um den Finger gewickelt, und so war sie gekommen, um zu bleiben. Das gesamte Team bildete eine feste Einheit, und Pia war so etwas wie der heimliche Bandenchef. Als Heiko vor einem Monat verunglückt war (so nannten es alle, weil sie selbst fast verrückt wurden vor Schmerz, wenn sie nur darüber nachdachten), zeigte sich das deutlich. Wie ein Fels in der Brandung standen alle hinter der hübschen jungen Frau, und Heather hatte so etwas wie die Rolle der großen Schwester übernommen.
Die nächsten Stunden arbeiteten sie alle routiniert und fröhlich (wenn auch aufgesetzt, wie in Pias Fall) vor sich hin. Die Stammgäste mochten die einzige Nicht-Irin im Bunde sehr, und gerade brachte Old Joseph, der Urvater aller Stammgäste, ihr einige Worte Gaolainn bei. Sie beherrschte die Sprache der grünen Insel mehr schlecht als recht, gab sich aber immer wieder Mühe, diese zu erlernen.
Immer wieder stolperte sie über die Aussprache, aber der sanfte, ältere Herr gab nicht auf.  „Willst du noch ein Guinness, mein Lieber?“ fragte sie irgendwann resigniert. „Na klar, mein Liebling.“ Old Joseph, der eigentlich Joseph Graham hieß, war ein Herr Mitte 70, den damals die Liebe nach Hamburg verschlagen hatte-Pia, Heather und Anne waren so etwas wie seine Enkeltöchter, die er alle „mein Liebling“ nannte. Rupert war wirklich sein Enkel, und Rory und Cal wurden auch kurzerhand von ihm adoptiert, so dass alle ihn zumeist „athair mòr“, also Großvater, nannten.
Kurz vor Feierabend bemerkte Rupert, dass seine schwarzhaarige Kollegin bedrohlich schwankte. „Du hast wieder nicht gegessen heute, oder?“ schimpfte er liebevoll mit ihr. „Doch, eine Portion Käsenudeln“, gab sie zurück, doch der resolute junge Mann drückte sie auf einen Stuhl. „Du brauchst dringend ein Sandwich, Cal tötet uns, wenn du hier zusammenbrichst.“  Wie aufs Stichwort kam Anne um die Ecke, und drückte ihr ein Club-Sandwich in die Hand. „Und danach verschwindest du gefälligst“, brummte sie mütterlich. „Ihr sucht doch nur einen Grund, um mich loszuwerden“, meinte Pia halbernst, und biss in das Brot. Es schmeckte wirklich sehr gut, und sie merkte, dass es ihr gut tat, etwas in den Bauch zu bekommen. Ihre Gedanken schweiften zu Nils und seinen drei wilden Freunden. Was die wohl gerade machten? Wahrscheinlich eine Küche verwüsten, oder einander unter den Tisch trinken. Aber da würden sie nie gegen Cal, Rory und Rupert anstinken können. Drei waschechte Iren trank man nicht unter den Tisch. Es sei denn, man hieß Anne oder Heather. Pia selbst hatte sich da immer sehr zurück gehalten. Alle witzelten schon, dass sie der Exot des Pubs war, da sie weder gerne trank, noch fluchte, noch Gaolainn sprach.
Rory riss sie aus ihren Gedanken. „Geh nach Hause, meine Schöne.“ „Aber ich kann doch nicht schon wieder…“ „Geh, Cal bringt dich um, wenn du dich überarbeitest.“ Sie löste ihre Schürze, legte ihren Geldbeutel in die Schublade und umarmte ihren Kollegen. „Ach Ror, war täte ich ohne euch? Ohne dich?“  „Dich überarbeiten“, kicherte er. Sie lehnte sich vertrauensvoll an den smarten jungen Mann. „Ich bin euch so dankbar. Aber ich muss arbeiten, sonst werde ich verrückt!“  Er küsste sie auf die Stirn. „Aber du musst dich schonen!“ Diese Diskussion ermüdete die junge Rheinländerin zusehends. „Machst du mir ein Bier?“ fragte sie also. Der hübsche Ire grinste. „Klar, meine Schöne. Setz dich!“ Pia klemmte sich auf einen der Barhocker, und beobachtete Rory verdrießlich dabei, wie er das Bier zapfte. Ihr Handy klingelte. Als sie aufs Display sah, sah sie die Nummer eines alten Freundes, und musste breit grinsen. „Hey there!“ „Honey, wie geht es dir? Es tut mir leid, dass ich mich viel zu selten melde, aber du weißt ja, der Job, das Baby und überhaupt“, sprudelte er schon los. „Hey, hey, immer langsam! Du weißt genau, dass ich dir das nicht übel nehme. Immerhin wusste ich, auf was ich mich mit dir einlasse, Buddy!“ Gelächter am anderen Ende. „Was machst du gerade?“ „Guinness trinken, und mit dem nervigsten Iren unter der Sonne telefonieren. Wie geht es klein Jacob? Will Molly immer noch nicht, dass du ihn öfter als einmal im Monat siehst?“ Er stöhnte auf. „Nein. Erst serviert SIE mich ab, und dann darf ich mein Baby nicht einmal regelmäßig sehen. Immerhin bin ich als Vater eingetragen.“ Pia musste mal wieder die Augen verdrehen. Brian und Molly waren wirklich unglaubliche Nervensägen. Sie hatte die beiden bei einem ihrer Aufenthalte auf der grünen Insel kennengelernt, und den jungen Schauspieler und seine jetzt Ex-Freundin fest ins Herz geschlossen. „Und wie geht es deinen wilden Brüdern?“ Brian hustete. „Den Klappstühlen? Bestens. Dom lässt dich grüßen, und Rory fragt immerzu, wann du mal wieder nach Dublin kommst. Und Mom und Dad schimpfen, weil ich mich zu selten bei dir melde.“ Sie seufzte auf. „Dublin ist fürs erste gestrichen, aber ich schaue, dass ich es dieses Jahr noch schaffe. Aber Moment, gerade latscht Dom hier rein!“ Sie winkte den Bruder ihres guten Freundes zu sich. „Überraschung“, tönte es am anderen Ende der Leitung. „Idiot! Aber bis bald dann!“ Frech legte sie auf, um danach den hochgewachsenen Dom (oder Domhnall, aber wehe, sie nannte ihn so) an sich zu drücken. „Was TUST du hier?“ schimpfte sie lachend. „Interview. Und jetzt steht mir der Sinn nach einem Guinness.“ Er angelte nach ihrem Glas, ließ es aber sofort sein, nachdem er den strafenden Blick aus Pias braunen Augen wahrgenommen hatte. „Bestell dir ein eigenes, du Haderlump!“ Er grunzte, und bestellte bei Rory auf Irisch sein Bier.
Pia übte ein wenig Gaolainn an dem jungen Mann und dieser hob anerkennend eine Augenbraue. „Wow, du sprichst ja unsere Sprache?“ „Ich übe noch, aber in zehn Jahren kann ich es bestimmt. Wie geht es denn deiner Frau?“ „Gut soweit, wir sehen uns nur leider sehr selten-du weißt ja bestimmt von Brian, wie das ist.“  Sie nickte, und starrte wieder trübsinnig in ihr Bier. Auch Heiko war immer ein Teil der wilden Familie Gleeson gewesen, doch jetzt fehlte er einfach überall, und egal, wo sie sich in Hamburg auch hinbewegte, die Stadt schrie geradezu verächtlich seinen Namen.
Kurz nach drei verließ sie den kleinen Pub, nicht ohne Dom zugesagt zu haben, nach Irland zu kommen, sobald sie sich dazu in der Lage fühlte. Müde wankte sie zur U-Bahn, die sie nach Harburg bringen sollte. Doch kurz bevor sie die Stufen herunter ging, überlegte sie es sich anders, und schlug den Weg zu Nils ein. Dort angekommen, stellte sie fest, dass bei ihm noch Licht brannte, und klingelte einfach. „Ja?“ tönte es müde aus der Sprechanlage. „Nilsi…kann ich noch eine Nacht bei dir bleiben?“ bat sie. Nun schien seine Stimme wacher zu klingen. „Na klar kannst du. Warte, ich komme runter!“ Fünf Minuten später stand er nur in Boxershorts vor ihr, die Haare leicht zerzaust. „Ich wollte mich gerade hinlegen“, murmelte er. „Tut mir leid, ich wollte nicht stören. Aber ich ertrage es zuhause einfach nicht gerade.“  Er nahm sie stumm in den Arm. „Das Sofa ist noch vorbereitet, also mach es dir einfach bequem!“

A/N: Gaoiainn bezeichnet die irische Sprache, die bei uns fälschlicherweise als Gälisch bezeichnet wird. Gälisch ist jedoch die Sprache Schottlands. Hier eine weiterführende Erklärung.  https://de.wikipedia.org/wiki/Irische_Sprache
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast