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Die Schwarze Rose vom Rhein

Kurzbeschreibung
GeschichteSchmerz/Trost, Liebesgeschichte / P18 / Gen
Andreas Schweiger Frank Oehler Nils Egtermeyer OC (Own Character) Ole Plogstedt
28.04.2016
14.06.2016
14
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02.05.2016 1.740
 
Sie rollte sich auf dem Sofa zusammen, zog sich die flauschige Decke, die Nils ihr gereicht hatte, über den Körper, und versuchte Schlaf zu finden. Doch immer wieder wurde sie wach, und wälzte sich unruhig hin und her. Gegen sieben Uhr hatte sie genug davon, und tappte verschlafen in die kleine Küche. Dort machte sie sich zunächst mit der Kaffeemaschine vertraut, und beschloss, erst einmal eine Tasse des Getränkes zu sich zu nehmen. Kaum saß sie mit ebendieser in dem roten Sessel, wankte Nils aus seinem Zimmer. „Was machst du denn schon auf?“ fragte er besorgt. „Konnte nicht wirklich schlafen“, gab sie nur zurück. „Kaffee steht noch in der Küche, wenn du magst.“
Sorgenvoll betrachtete der smarte rotblonde seine alte Freundin. Sie sah schlecht aus, hatte tiefe Ränder unter den Augen, und ihre schwarzen Haare standen in alle Richtungen ab. Aber wer konnte ihr das verdenken? Nachdenklich goss er sich einen Kaffee ein, und setzte sich auf die Lehne des Sessels. „Danke“, sprach Pia da in die Stille hinein. „Wofür?“ „Für den Zufluchtsort.“ Er lächelte sie warm an. „Jederzeit wieder. Ich stehe ohnehin ewig in deiner Schuld.“ Sie lehnte sich an ihn. „Ach Unsinn. Ich  hatte dich in der Schule immer sehr gerne, naja mehr als das, aber du hast mich glaube ich, nie wirklich wahrgenommen.“ Nils stöhnte auf. „Nicht wahrgenommen? Du warst der Traum meiner schlaflosen Nächte! Hast du eine Ahnung, WIE verliebt ich in dich war?“  Pia schmunzelte. „Das wäre was geworden, die Streberleiche und das Schweinchen.“
Da klingelte es an der Tür, und Nils schlurfte, so wie er war hin, um sie zu öffnen. „Du hattest wohl Damenbesuch?“ erklang eine angenehme, männliche Stimme. „Nein, naja, schon, aber nicht so wie du denkst. Komm einfach rein, und befrag sie selber.“ Ein großer, dunkelhaariger Mann mit Käppi auf dem Kopf schob sich in Pias Sichtfeld. „Hallo, ich bin Ole, ein Kollege von Nils.“ Er reckte ihr die Hand entgegen, die die etwas verwirrte Frau ergriff und zögerlich schüttelte. „Moin“, würgte sie hervor.
„Magst du auch einen Kaffee?“ fragte Nils, und Ole nickte. „Meine Güte, so ne hübsche Deern, und so  traurige Augen“, meinte er an Pia gewandt. Die versuchte, ein Lächeln zustande zu bringen, doch es wollte ihr nicht gelingen. „Du bist Ole Plogstedt, nicht wahr?“  „100 Punkte für dich.“ „Ich kenne deine Frau- sie war vor drei Monaten eine exzellente Gastgeberin.“ Nun setzte der dunkelhaarige ein verträumtes Lächeln auf, „Ja, meine Anna ist Weltklasse.“ Pia griff nach der Hand des älteren und drückte sie. „Dann sag es ihr bitte jeden Tag, und noch wichtiger: Zeig es ihr. Irgendwann kann es zu spät sein.“  Ole lächelte sie warm an. „Das werde ich.“ Nils hielt ihm genervt eine Tasse unter die Nase.  „Das ist Pia Del…äh, Landmann, eine alte Schulfreundin von mir“, erklärte er. „Delbrück stimmt wieder. Ich habe wieder meinen Mädchennamen angenommen. Meine Schwiegereltern wollten das so. Ich war ohnehin immer nur das nutzlose Ding für sie. Weil ich eben nur Kellnerin bin, und nicht etwa Anwältin.“ Tränen der Wut wallten in der jungen Frau auf.
Ole schaute Nils ratlos an, doch der nahm keine Notiz davon. Er sah nur, dass Pia wieder drohte, in ihrer eigenen Welt zu versinken, und so setzte er sich wieder zu ihr, und legte ihr einen Arm um die Schultern. Wieder suchte sie Schutz bei ihrem ehemaligen Vertrauten, und Ole fühlte sich mit einem mal fehl am Platz. Eigentlich wollte er Nils zu dem geplanten Fotoshooting abholen, das dieser aber offensichtlich vergessen hatte, und nun hatte er das Gefühl, in etwas Heiliges, Intimes einzudringen.
Unsicher kratzte er sich am Kopf.
Die beiden sahen irgendwie glücklich aus, trotz des Schmerzes, den er in den Augen der hübschen jungen Frau lesen konnte. Er räusperte sich. „Nils, wir haben heute noch ein Fotoshooting, deswegen bin ich eigentlich hier. Und du weißt, wie ungemütlich Fo werden kann, wenn man ihn warten lässt.“
Der rotblonde schreckte hoch. „Das habe ich ja völlig vergessen“, rief er panisch und sauste ins Bad.  Pia nippte gedankenversunken an ihrem Kaffee. Sie schien Ole nicht wirklich wahrzunehmen.
„Ich bin Nils wirklich dankbar“, flüsterte sie fast, und der dunkelhaarige musste sich sehr konzentrieren, um die Worte zu verstehen. „Aber ich möchte ihn auch nicht von der Arbeit abhalten.“ Ole schaute sie aus blaugrauen Augen treu an. „Wie wäre es, wenn du mitkommst?“  Entsetzt riss Pia die Augen auf. „Ich habe keine Wechselklamotten mit und sehe aus wie Gevatter Tod!“  Ole grinste. „Du siehst bezaubernd aus, wenn ich das als verheirateter Mann so sagen darf, und wenn ich dich so ansehe, könntest du Nils‘ Größe haben-da geht doch was?“ Nils, der inzwischen frisch geduscht und umgezogen war, lachte. „Das sollten wir hinbekommen. Dann komm mal mit!“ Er zog seine alte Freundin an der Hand in sein Zimmer, und durchwühlte seinen Kleiderschrank. Nach einer Weile förderte er ein T-Shirt, einen Hoodie und eine Jeans im Destroyed-Look zu tage.
Pia ließ sich von ihm ins Bad schieben, und begann, sich tageslichttauglich zu machen. Doch sie hatte das Gefühl, es würde ihr ohnehin nicht gelingen.
Unterdessen sah Ole seinen Kollegen fragend an. „Du liebst sie, nicht wahr?“ „Wie kommst du denn darauf?“ antwortete der rotblonde mit einer Gegenfrage. Ole schaute ihn väterlich an. „Das sieht man. Wie du sie ansiehst, wie du mit ihr interagierst…alles.“ Nils kräuselte leicht seine Nase. „Früher habe ich sie sehr geliebt, ja. Ich wurde in der Schule gemobbt, und sie war immer die einzige, die zu mir gehalten hat. Jede Frau musste sich mit ihr messen, auch Ella. Aber inzwischen sind so viele Jahre ins Land gezogen…ob man da von Liebe sprechen kann? Ich empfinde tiefe Zuneigung, ja.“ „Und da bist du dir sicher, dass es nur das ist?“
Nils bedeutete ihm, still zu sein, da er hörte, wie Pia das Bad verließ. Keine Minute später stand sie vor ihm, und verdammt, Ole hatte recht. Alle Gefühle, die er versucht hatte, in den Hintergrund zu schieben, traten mit aller Macht hervor und zwangen den jungen Mann beinahe in die Knie. Wie sie so da stand, in seiner Kleidung, die Haare zu einem Dutt gebunden…dieser Anblick konnte einem tatsächlich den Atem rauben.
Doch er musste lernen, diese Gefühle zu unterdrücken, immerhin war sie erst Witwe geworden. Sein Herz zog sich schmerzhaft zusammen. „Ich wäre dann soweit“, meinte sie leise, und Ole drehte sich zu ihr um. „Sorry Nils, aber Pia sieht in dem Aufzug einfach besser aus als du.“ „Das weiß ich selbst, du Blödmann!“  Pia grinste schief. Sie mochte Ole gerne, er hatte so etwas beruhigendes, väterliches, an sich. Er war ein aufrichtiger Mensch, und in seinen Augen konnte sie die Weisheit seines Alters (obwohl er gar nicht so alt war), und eine unermessliche Güte erkennen.
Nils lächelte. „Dann lass uns gehen, Streberleiche!“ Sie griff instinktiv nach seiner Hand, die er ihr reichte. „Fein, Schweinchen!“ Ole schmunzelte. Diese junge Frau war einfach unglaublich, fand er.
Zwanzig Minuten später kamen sie an einem alten Fabrikgelände an, wo ein Kamerateam schon eifrig herum wuselte. Ein großer Mann, mit grauen Haaren, einem Bart und nougatbraunen Augen kam auf sie zu. „Hallo, ich bin der Frank“, begrüßte er sie, und reichte ihr die Hand. „Nils“, gab Pia zurück. Frank lächelte. „Okay Nils, darf ich euch dann nummerieren?“ „Nein, im Ernst. Ich heiße Pia. Freut mich, sie kennen zu lernen.“ Entrüstet schaute der grauhaarige sie an. „Du, wenn ich bitten darf.“ Die junge Frau schaute ihn verwirrt an, nickte dann aber, als Zeichen der Zustimmung.
Plötzlich löste sich ein weiterer Mann aus dem Gewühl, und Pia hatte das Gefühl, dass alle Luft aus ihr herausgepresst wurde. Sie krallte sich an Nils‘ Arm fest, und versuchte, nicht zu hyperventilieren. Dieser Mann sah ihrem Heiko so ähnlich! Ebenfalls groß und brünett, dieselbe Statur, und das Grinsen, dass er allen zuwarf, ähnelte dem ihres geliebten Mannes so sehr, dass sie sich losriss, und rannte.
Irgendwann sank sie erschöpft zu Boden, und vergoss bittere Tränen. Wie konnte das Leben so grausam sein? Sie spürte, wie sich ein Arm um ihre Schulter legte. Ole war ihr nachgegangen. „Hey“, flüsterte er. „Wer ist er?“ fragte sie nur leise. „Das ist unser Andi. Er ist ziemlich verwirrt jetzt, und ich bin es auch. Was hat dich nur in die Flucht geschlagen?“
Sie seufzte auf. Sie hatte zwar vor, mit Ole darüber zu sprechen, doch gleichzeitig versagten ihr die Worte. „Möchtest du wieder mitkommen?“ Zögerlich nickte sie, und ließ sich von Ole bei der Hand nehmen.
Als sie fünf Minuten später wieder bei den anderen eintrudelten, schloss Nils sie sofort in die Arme. „Ich habe mir Sorgen um dich gemacht!“ „Alles gut, Ole war ja da.“ Andi kam nun auf sie zu, und wieder zog sich alles in Pia zusammen. Stark bleiben, rief sie sich ins Gedächtnis. „Hallo, ich bin Andi, und ich wirke offenbar abschreckend“, lachte er sie an. Sie reichte ihm die Hand. „Pia. Und entschuldige bitte.“ „Schon okay.“ Er wirkte sehr freundlich, dachte sich die schwarzhaarige, und wenn sie genau hinsah, verblassten die Ähnlichkeiten zu Heiko zum Glück. Klar, die Haarfarbe, die Größe, und die Statur blieben übrig-aber ihr Mann war doch ganz anders gewesen. Sie ließ sich auf einem der bereitgestellten Hocker nieder, und beobachtete das Shooting neugierig. Die vier mussten sich in verschiedene Posen bringen, und oft mussten sie herzlich dabei lachen. Ihr entfuhr ein Kichern, als Frank beinahe über Ole fiel. Dieser hatte sich hektisch an Andi geklammert, der nun das Gleichgewicht verlor, Nils mitriss, und so gingen alle vier zu Boden. „Ihr seid ja wild“, lächelte sie aufrichtig. Frank zwinkerte ihr zu. „Wir sind vier stinknormale Köche.“
Nachdem das Shooting beendet war, lud Nils sie ein, noch zum Essen zu bleiben. Da ihre Schicht erst abends begann, stimmte Pia zu.
So gingen sie wieder zu Nils‘ Wohnung, wo dieser sich sofort daran machte, einen riesigen Berg Nudeln abzukochen. „Wer soll das denn alles essen?“ fragte seine alte Freundin. Seine blauen Augen funkelten sie amüsiert an. „Wir beide natürlich, was glaubst du denn?“ „Da könnten noch deine Kollegen UND deren Frauen mitessen!“ „Nur Ole ist verheiratet. Andi findet einfach nicht die Richtige, und Fo steckt mitten in der Scheidung.“ „Und du? Warum hast du noch nicht geheiratet?“ „Ich wollte eigentlich, aber Ella konnte sich einfach nie mit dir messen. Dich hätte ich sofort….“ Er schlug sich die Hände vor den Mund, als er sah, dass der Gesichtsausdruck der schwarzhaarigen schmerzerfüllt wurde.
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