Warten auf den Raven King

von Vermis
GeschichteAllgemein / P12 Slash
Adam Parrish Blue Sargent Noah Czerny Richard Campbell Gansey III Ronan Lynch
27.04.2016
01.05.2016
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Warten auf den Raven King


Hi.
Ja, mein TRK-Countdown ist abgeschlossen, aber… Sagen wir so.
Ich habe das Buch vorbestellt, aber es ist noch nicht da. Leider bin ich beim Warten süchtig nach diesem Fandom geworden und darum muss ich diese qualvolle Wartezeit weiter überbrücken.
Dafür hat mir meine liebste Lieblings-Isy wunderbare Stichworte aufgeschrieben (DANKE ♥), zu denen ich schreibe, bis mein Buch da ist. Und wenn es sehr bald schon kommt, schreibe ich das hier vielleicht auch noch weiter, obwohl es da ist. :3
Viel Spaß! ~


Erste Eindrücke 


Adam war an seinem ersten Tag an der Aglionby wirklich aufgeregt. Aber es war auch ein erhabenes Gefühl. 
Er war jetzt hier. Er hatte die verdammte Uniform an. Er saß im verdammten Klassenraum. Er gehörte dazu. Er war ein Schüler der Aglionby und er würde es durchziehen und rauskommen aus Henrietta. Er würde das alles hinter sich lassen.

Adam war stolz auf das, was er erreicht hatte und er wusste, dass er noch mehr erreichen würde.

Die Sekretärin hatte ihn zu seinem ersten Klassenraum begleitet und da der erste Tag war und er von keiner Sitzordnung wusste, setzte Adam sich einfach in den hinteren Teil des Raumes und wartete ab.
Er würde die Lage erstmal sondieren. Sich zurechtfinden. Lernen, nicht zu sehr aufzufallen und wie er es schaffen könnte dazuzugehören.

Die ersten Schüler betraten den Raum. Ein großer schlanker Typ, der eine weiße Sonnenbrille am Kragen seines Pullovers hängen hatte, und ein etwas kleinerer irgendwie schief aussehender Kerl.
Sie betraten den Raum, als würde er ihnen gehören und der Blick des Größeren striff Adam nur kurz gelangweilt.

„Lynch, die Schwuchtel, hat halt keine Ahnung von Doping", erklärte er großspurig und der andere hing an seinen Lippen und nickte. „So ein Milchbubi."
Adam registrierte den Ghettoton. Nun, den beherrschte er auch, aber er war nicht auf die Aglionby gegangen, um sich noch mehr von dem zu entfernen, was er sein wollte.

„Wer's das eigentlich?", fragte der Kleinere mit Blick auf Adam.
„Ist mir scheißegal."
Nun, das war beruhigend.

Weitere Schüler betraten den Raum und suchten sich ihre Plätze. Ihre Stühle scharrten über den Boden und sie redeten über die Ferien. Namen exotischer Orte und nach Geld klingender Abenteuer.
Adams neue Mitschüler sollten wohl besser nicht wissen, dass seine weiteste Reise in die nächste Großstadt gewesen war, weil sein Vater ein Teil für den Wohnwagen spottbillig zur Selbstabholung bekommen hatte.

Adam machte sich unsichtbar und hörte nur zu. Er beobachtete vorsichtig die anderen. Ein weiterer Schüler betrat den Raum. Er hatte einen geschorenen Kopf wie ein Soldat und sah sehr gelangweilt aus. Das hatten sie alle, diese betonte Gelangweiltheit.

„Lynch, du Sau!" wurde er von dem Typen begrüßt, der ihn zuvor noch als Schwuchtel bezeichnet hatte. „Nachher auf der Straße?"

Lynch zog eine Augenbraue hoch und ließ sich auf den Platz vor Adam fallen. „Halt die Fresse, Kavinsky", sagte er und legte seine Beine auf den Tisch. Sein Oberkörper lehnte nach hinten und Adam fühlte sich seltsam bedrängt. Er rutschte ein Stück zurück und starrte auf das kurze dunkle Haar am ebenmäßigen Hinterkopf.

Der Unterricht begann und Adam schrieb akribisch mit. Um ihn herum waren all diese Menschen, all diese Raven Boys. Sie waren reich und arrogant und klug waren sie obendrein.

Er gehörte nicht dazu. Hier zu sein reichte noch lange nicht aus. Er musste erst so werden. So gelangweilt und lässig. So selbstbewusst. Das, was durch Reichtum scheinbar von allein kam, musste er selbst sich antrainieren.
Er durfte nur hier sein, wenn er sich seinen Platz erkämpfte. Wenn er der Beste war, wenn er seine Armut an Geld durch Reichtum von Klugheit wettmachte.

In Adam brannte der Ehrgeiz so hell wie ein Leuchtfeuer.
Er würde es schaffen. Er würde den Henriettadialekt ablegen und ein Raven Boy sein.
Er würde den Dreck hinter sich zurücklassen.

Das schwor er sich und allen Menschen in diesem Raum.



Am Ende der Stunde wechselten sie alle den Raum. Redend und schreitend gingen die Schüler durch die Gänge dieser alten, ehrwürdigen Schule. Lehrer und Schüler standen zum Teil gemeinsam im Flur und schienen zu diskutieren.

Es war eine Atmosphäre von Gelehrtheit, aber andererseits benahmen sich alle Schüler außerhalb des Sichtfeldes der Lehrer wieder so ziemlich genauso wie an Adams alter Schule.
Es wurde geboxt, getreten, geschubst und es wurden dreckige Witze durch den Flur gegrölt.

Kavinsky schmiss Lynch noch eine Bemerkung an den Kopf, die dieser mit einem erhobenen Mittelfinger beantwortete (wobei es ihn nicht interessierte, dass ein Lehrer es sah und die Stirn runzelte). Dann bogen Kavinsky und sein Freund zur Treppe ab, während Lynch in dieselbe Richtung ging wie Adam.

Er hielt sich von ihm fern, hielt ein bisschen Abstand. Aber anscheinend hatte er nun auch Latein.
Sie bogen um eine Ecke und da blieb Lynch bei einem anderen Schüler stehen.

Dieser Schüler plauderte mit einem Lehrer und er sah dabei so gebildet aus. Wie ein Professor, der sich dazu herabließ, sich mal in einer Schule blicken zu lassen. Er hielt ein dickes Notizbuch in der Hand und zeigte dem Lehrer darin etwas.
Lynch begrüßte er mit einem abwesenden Lächeln, während er zuhörte, was der Lehrer ihm dazu zu sagen hatte.

Adam ging an dieser Szene vorbei und in den Klassenraum, um sich wieder unsichtbar zu machen.
Was machte diese Schüler so unnahbar? Warum wirkte dieser andere Schüler so unendlich klug und erhaben?

Adam war nicht dumm, alles andere als das. Er wusste viele Dinge und er war wirklich richtig gut in der Schule. Aber niemals würde jemand an ihm vorbeigehen und denken ‚Das ist aber ein gebildeter junger Mann’.

Der Raum füllte sich und einer der Schüler sprach Adam an. „Bist du neu?“, fragte ihn ein weiches und nettes Gesicht.

„Hm“, machte Adam, weil man bei kurzen Antworten seinen Dialekt vielleicht nicht so stark hörte.

Der andere stellte sich als Tad vor und sah Adam neugierig an, wodurch Adam seinen Namen verriet. Adam spürte förmlich, wie alle Umstehenden lauschten und den Namen versuchten, in ihren gesellschaftlichen Kreisen einzusortieren. Parrish, Parrish, vielleicht… Nein, der hieß Pearson...

Nun, ihr werdet nicht fündig werden, dachte Adam bei sich. Ich bin ein unbeschriebenes Blatt.

„Wo kommst du her? Auf welcher Schule warst du?“ Tad schien neugierig zu sein oder die anderen hatten ihn vorgeschickt, um ihn abzuchecken.

Adam seufzte lautlos. „Ich bin Stipendiat. Ich komme aus der Gegend.“

„Das ist sehr beeindruckend“, sagte jemand neben ihm und es war der gelehrte Schüler aus dem Flur. Er setzte sich neben Adam und neben ihn setzte sich Lynch, der genervt aussah.
Die Stimmung schlug um. Irgendwas an der Tatsache, dass der Typ das gesagt hatte, änderte die Situation komplett. Adam konnte nicht sagen, ob in eine gute oder schlechte Richtung für ihn.

„Ich bin Gansey“, stellte der Typ sich vor und reichte Adam die Hand. „Willkommen an der Aglionby.“

Adam nickte. „Danke“, sagte er und wandte sich nach vorn, wo der Unterricht begonnen wurde.

Dieser Gansey war absolut unnahbar. Mit einer Macht, die Adam nicht verstand, einem Auftreten, das ihn einschüchterte, und einem Wissen, das für Adam nicht zugänglich war.
Adam würde sich nach Möglichkeit von ihm fernhalten.



Adam konnte sich nicht genau erinnern, wann oder wo er Noah kennen lernte. Irgendwann musste Gansey so etwas wie „Das ist Noah, unser Mitbewohner im Monmouth“ gesagt haben, aber Adam wusste nicht, wann das war.

Adam wurde Teil der Gruppe, in der Noah halt irgendwie immer dazu gehörte und so war das nun mal.
Er erinnerte sich nur, dass er sich gefragt hatte, warum Gansey einen so schmuddeligen Freund hatte. Warum sich Gansey unter allen Menschen, die seine Freunde und Verbündeten sein wollten, gerade Noah ausgesucht hatte.

Aber er mochte Noah. Er war ehrlich und witzig. Es war gut, wenn er in der Nähe war.
Sie alle taten Adam gut, auch wenn er eine Weile brauchte, um sich das einzugestehen. Sie gaben ihm Selbstbewusstsein und eine Aufgabe, die ehrenhafter war als sein eigener Traum.

Gansey, Ronan und Noah machten Adam viel mehr zu einem Raven Boy, als er es allein je geschafft hätte.



Adam hatte die Arme auf dem Tisch des Ninos verschränkt und sah der Kellnerin nach, die einen Tisch abräumte und dann diesen mit einem Lappen bearbeitete. 

Man sah ihr die Verachtung für ihren Job nicht direkt an, aber manche ihrer Blicke für manche ihrer Gäste oder eben die Art, wie sie den Lappen auf den Tisch warf - all das kam Adam bekannt vor, weil er es genauso fühlte, wenn er mal wieder in die Werkstatt von Monty fuhr oder in die andere oder zu dem Job als Hilfsgärtner, wo er Rasen mähte, oder...

Diese Kellnerin war dazu noch ausgesprochen hübsch. Ihr kurz-langes Haar trug sie zu einem äußerst widerspenstigen Zopf gebunden, der nur mit der Hilfe von unzähligen Klammern gebändigt blieb.
Sie hatte große, schöne Augen, die wach und nur leicht, ganz leicht verachtend über die Tische glitt, ob sie einen weiteren mit dem Lappen massakrieren könnte.

„Sie ist süß", meinte Adam, ohne darüber nachzudenken. Er bereute es noch im gleichen Moment.

„Wer?", fragte Gansey und sah von seinem Notizbuch auf. Sein Blick sprach zum einen von Erstaunen, dass jemand Süßes in diesem Raum sein sollte, und zum anderen, dass Adam jemanden süß fand.
Ronan sagte nichts, aber der fand vermutlich nichts und niemanden süß. (Abgesehen vielleicht von seinem Bruder Matthew.)

Noah dagegen erkannte, wen Adam meinte: „Die schwarzhaarige Kellnerin?"

„Hmm", machte Adam und hoffte, damit wäre das Thema beendet.
Gansey schlug sein Notizbuch zu und nahm das Mädchen genauer ins Visier. „Tatsächlich", urteilte er, als wäre das die Entdeckung einer neuen Tierart. Da ist es. Das erste Exemplar der Gattung 'Süßes Mädchen'. Oder eher 'Mädchen, das Adam süß findet'.

„Sprich sie doch an", meinte Gansey begeisterter, als er es sein sollte. „Sie ist wirklich hübsch."
Adam wollte nur, dass das Thema gewechselt wurde. „Nein, wirklich nicht."

„Memme", sagte Ronan zufrieden, weil er jemanden beleidigen konnte.
Adam hatte aber nichts dagegen eine Memme zu sein.

„Frag sie nach ihrer Nummer", drängte Noah, der vermutlich begeistert war, dass über ein total typisches Jungenthema gesprochen wurde. Aus irgendeinem Grund liebte Noah alles, was seiner Meinung nach irgendwie typisch teenagermäßig war.

„Um sie dann vom Festnetz anzurufen?", gab Adam zurück.
„Warum nicht?", murmelte Noah leise.
Weil Adam das nicht wollte. Ganz bestimmt nicht.

„Ich frag sie, ob sie mal rüberkommt", beschloss Gansey.
Adam riss den Kopf hoch und starrte Gansey an. „Nein", sagte er zu entsetzt, um bestimmt zu sein.

Aber wenn Gansey etwas beschlossen hatte, musste man schon sehr bestimmt sein, um ihn umzustimmen. „Doch, ich mach das jetzt. Es gibt keinen Grund, warum sie dich nicht mögen sollte."
Er stand auf und richtete sich zur vollen Gansey-Größe auf. Adam ahnte Schlimmes, als er so zu der Kellnerin ging.

Ronan neben Noah grinste. „Du weißt, dass Gansey Mädchen vor allem von Partys für Stinkreiche kennt? Und die Mädchen da jenseits der Vierzig sind?"

Adam hörte Schnipsel des Gesprächs und er wollte nur im Erdbeben versinken.

„Schau hin, sonst sieht sie dein Gesicht nicht, Casanova", frotzelte Ronan. „Und dann kann sie nicht abschätzen, ob der Freund es wert ist, darüber hinwegsehen, dass Gansey sie für käuflich hält." Ronan liebte es, in Wunden rumzubohren.

Adam wollte verschwinden. Die Zeit zurückspulen. Dieser Kellnerin einfach selbst sagen, dass sie süß war und das nicht seinem dummen reichen Freund überlassen. Oder es einfach gar nicht sagen.

Das Gespräch ging immer weiter den Bach herunter und Gansey redete sich um Kopf und Kragen und machte es mit jedem Wort nur immer schlimmer.

Er kam zerknirscht zurück. „Es tut mir leid", murmelte er. „Das hab ich..." Er sprach nicht weiter.

„Egal", brachte Adam raus und sah einmal kurz entschuldigend zu der Kellnerin. Er wollte ihr gern sagen, dass er auch Scheißjobs hatte und sich da auch dumme Sprüche anhören musste und dass Gansey eigentlich ein guter Kerl war, der nur keine Ahnung vom Leben hatte.

Aber vermutlich sah er nur gequält aus.
Ihre Blicke trafen sich kurz und dann wandte sie sich brüsk ab. 
Sie war stolz und Adam bewunderte sie dafür noch ein bisschen mehr. 

„Egal", wiederholte er und drehte sich zu den anderen. „Aber können wir bitte gehen?"

Er beschloss nur wenige Minuten, nachdem er das Nino mit den anderen verlassen hatte, dass er sich bei ihr entschuldigen würde.

Nicht, weil er sich Hoffnung machte, dass sie dann doch was mit ihm zu tun haben wollte, sondern weil er sie in ihrem Stolz unbedingt bestärken wollte.

Man musste stark sein in einer Stadt voller Raven Boys. Das musste man sogar sein, wenn man einer war.
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