Hör auf dein Herz

von Jadeherz
GeschichteFreundschaft, Schmerz/Trost / P16
27.04.2016
13.08.2017
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Dieses Kapitel
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Herzlich Willkommen zu dieser FF:)
Es ist ein schwierigeres Thema, und ich hoffe, dass ich es angemessen darstellen kann.
Ich hoffe, es gefällt euch :)



~*~



Prolog

"Mila Krüger?"
Ich sah auf zu Dr. Berger, der mit einem Klemmbrett in den Behandlungsraum trat. Mama drückte meine Hand.
"Wissen Sie, was mit ihr ist?", fragte Mama besorgt.
Dr. Berger, ein Mann mittleren Alters, neigte den Kopf. "Halb halb, würde ich sagen. Was die Kurzatmigkeit betrifft, sind wir uns noch nicht ganz sicher. Dazu müssten wir mehrere Untersuchungen machen, zu denen Mila eine Weile hier bleiben müsste."
Knacks. Der erste große Bruch in meinem Leben.
"Und was die Übelkeit betrifft, nun", fuhr er fort und lächelte ein wenig. "Herzlichen Glückwunsch, Mila. Du bist schwanger."
Knacks. Der zweite große Bruch. Die Nachricht traf wie eine Abrissbirne und drückte mir unangenehm auf den Brustkorb.
Mama schnappte nach Luft. Ich sackte in mich zusammen und legte eine Hand auf meinen noch flachen Bauch. Ich wollte das nicht. Ich konnte das nicht. Mir wurde wieder übel, und ich musste mich zusammenreißen, um nicht zu kotzen.
"Und ... Ich muss jetzt hierbleiben? Wie lange?", brachte ich hervor.
Dr. Berger sah mich mitleidig an. "Vermutlich bis zur Geburt. Im Zusammenhang mit deiner Kurzatmigkeit könnte es gefährlich werden. Aber wir müssen erst einmal herausfinden, was das mit deiner Lunge ist, ja? Dietz hier bringt dich auf dein Zimmer, ich muss noch was mit deiner Mutter besprechen."
Ich nickte mechanisch. Mama half mir auf und drückte mich an sich.
"Es wird alles gut, Mäuschen", flüsterte sie und überließ mich Dietz.
"Und ich hab gehofft, dass wir uns nicht auf diese Art begegnen", seufzte Dietz und begrüßte mich wie eine alte Freundin.
"Tja, jetzt musst du dich um zwei Krügers kümmern", grinste ich schwach und setzte mich in den bereitstehenden Rollstuhl.
Dietz seufzte. "Könnt' ich gut drauf verzichten. Hauptsache, du machst keinen Ärger."  
"Ich doch nicht."
Dietz redete weiter, doch das bekam ich nicht mehr mit. Mein Kopf füllte sich mit diesem grauenvollen Brummen, wie auch damals, als ich das erste Mal durch diese tristen Gänge gelaufen war. Damals, vor etwas mehr als anderthalb Jahren, als mein Bruder Hugo vom Turm sprang und ins Koma fiel.
Nie hätte ich gesagt, mal als Patientin herzukommen. Und Mama hatte nun zwei Kinder im Krankenhaus. Es tat mir so leid, dass sie das durchmachen musste. Ich wollte ihr das nicht antun. Hatte ich nie gewollt. Ich wollte ihr alles leichter machen, und stattdessen erwies ich mich als Last.

Dietz schob mich in ein Zimmer. Es war leer, aber ein Doppelzimmer.
"Hugo liegt ein paar Zimmer weiter, dann hast du keinen allzu weiten Weg", erklärte Dietz, während er die orangenen Vorhänge öffnete, ein Fenster auf Kipp machte und das Bett bezog, das darunter stand.
"Frische Luft ist erstmal das Wichtigste. Beweg' dich nicht zu sehr, nichts anstrengendes. Und wenn du wo hin willst, nimm' den Rollstuhl", erklärte er nebenbei. Vom Nachttisch hob er einen kleinen Kasten mit einem runden Knopf hoch.
"Drück' drauf und es kommt sofort jemand zu dir. Ich lass dich dann mal alleine."
"Danke, Dietz", flüsterte ich, was er mit einem gutmütigen Brummen quittierte, ehe er verschwand.
Ich verharrte kurz im Stuhl, dann hievte ich mich auf das Bett.
Der Stoff war ein wenig rau und roch nach einem strengem Waschmittel.
Die Endgültigkeit traf mich mit einer solchen Wucht, dass ich die Augen schloss, meinen Kopf im Kissen vergrub und anfing zu weinen.
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