Die Fremde im Spiegel

GeschichteRomanze, Schmerz/Trost / P12
John Roxton Marguerite Krux
26.04.2016
19.05.2016
5
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Es war ein regnerischer Tag. Niemand war mehr draußen unterwegs. Nicht bei diesem Regen. Der Boden war aufgeweicht und durch und durch mit Schlamm bedeckt. Der Regen prasselte in die Gläser, die auf dem festlich gedeckten Tisch standen.

In der Ferne war leise Musik zu hören. Doch diese Melodie drang nicht bis zu ihr durch. Eine Dame, ganz in weiß gekleidet, saß zusammengesunken unter der Säule aus Rosen. Eine Säule, wunderschön gestaltet für einen ganz besonderen Tag. Einen glücklichen Tag. Doch nichts war wie es sein sollte.
In ihrer Hand hielt sie einen Strauß Blumen. Wunderschön zusammengestellt. Ihre Lieblingsblumen, die sie so gerne roch und ansah. Die Haare, die sie hochgesteckt hatte, waren längst durch den Regen herausgespült worden. Die leichte Schminke war verwaschen. Doch nicht von dem Regen. Ihr Blick war leer. Aber ihr Kopf schrie förmlich vor Schmerzen.

Dabei hatte einpaar Stunden zuvor doch alles noch nach Happy End ausgesehen. Als sie zu fünft am Tisch saßen und mit einem Glas Wein auf den bevorstehenden Tag anstießen.  "Wenn ich das so sagen darf. Das wurde aber auch Zeit.",begann George Edward Challenger  seine Rede. Alle lachten. Marguerite und John sahen sich in die Augen und sie legte ihren Kopf auf seine Schulter. "Es war ein weiter Weg aber ich bin froh, dass ihr endlich angekommen seid.", fuhr Ned Malone fort. Derweil vergrub Marguerite ihr Hand ins Johns.  

In ihrem Kopf durchlief sie nochmal die vielen Stationen und Jahre, die diesem Moment vorausgegangen waren. Viele Hochs und doppelt so viele Tiefs. Viele Geheimnisse und Ängste. Viele Hoffnungen und Träume. Und doch schien es die beste Entscheidung ihres Lebens zu sein. Denn es war das erste Mal, dass sie keinerlei Ängst hatte.
Als Veronica mit ihrer Rede begann hörte sie ihr nur unterbewusst noch zu. Sie sah nach oben in Johns Augen. Da war ein Funkeln. Das Funkeln, das sie so sehr liebte. Auf seinen Lippen lag ein Lächeln.

Und nun, nur wenige Stunden später, war sie alleine. Das heißt immer wieder sah einer ihrer Freunde nach ihr. George versuchte sie zu überreden ins Baumhaus zu kommen bevor sie sich erkältete, doch sie reagierte nicht. Veronica nahm sie in den Arm und meinte sie sei für sie da. Und Ned zählte tausend Gründe auf, die in jeder anderen Situation traumhaft gewesen wären, die sie nun aber gar nicht hören wollte.

Eigentlich sollten sie doch jetzt allesamt feiern. Sie sollten tanzen und lachen und auf das neue Leben anstoßen. Doch nun hatte sie nicht das Leben, das sie sich gewünscht hatte. Es sollte ein glückliches, erfülltes Leben sein. Ein Leben mit ihm.  Und nun war sie alleine,ihre Träume waren zerplatzt wie Seifenblasen. Und ihr Leben?! Sie hatte kein Leben mehr. Denn er war ihr Leben gewesen und nun war er einfach fort.

Doch warum hatte er sie alleine zurückgelassen?
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