Last Dance | Bungou Stray Dogs

von soukoku
OneshotAllgemein / P12 Slash
26.04.2016
26.04.2016
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Die gedämpften Party-Geräusche aus dem Stockwerk unter ihm drangen immer noch an sein Ohr. Er war von der Feier geflüchtet, er brauchte einfach etwas Zeit für sich und der weite Balkon schien der perfekte Zufluchtsort zu sein. Er würde sich bald schon wieder unter sie mischen und so tun, als wäre er nie weggewesen, aber genau jetzt brauchte er einen ruhigen Ort zum Nachdenken. Schweigend stand er auf den kalten Steinen, sein Gesicht gen Himmel und seine Augen geschlossen. Die Worte Moris wiederholten sich in seinem Kopf. Er atmete tief durch und schenkte ihnen vorerst keine weitere Beachtung. Friedliche Augenblicke, so wie dies einer war, waren selten und er wollte ihn erst einmal vollkommen auskosten, bevor er sich den unangenehmen Sachen stellen würde.

Seine Ruhe dauerte jedoch nicht allzu lange an. Der dezente Geruch von Zigaretten drang an seine Nase. Er hätte wissen müssen, dass sein Schüler und sein Partner seine Abwesenheit bemerken und nach ihm suchen würden. Langsam öffnete er seine Augen und sah den Eindringling mit sanften Augen an. Er war ihm dankbar dafür, dass er keine Szene gemacht hatte, nachdem er ihn hier gefunden hatte. Denn so wie er seinen Partner kannte, wäre es ihm zumutbar gewesen. Stattdessen lehnte er sich mit verschränkten Armen und einem Glas Whiskey in der Hand an dem Türrahmen des Balkons ab. Sein Fedora hing ihm tief ins Gesicht, so tief, dass der Brünette seinen Gesichtsausdruck nicht erkennen konnte; vielleicht lag es auch einfach an dem Höhenunterschied und seiner Perspektive, dass der Hut sein Gesicht bedeckte.

„Was tust du hier?“, fragte Chuuya schließlich und schnitt durch die Stille, die sie umgab.

Ein unschuldiges Lächeln spielte auf Dazai’s Lippen, während er seine Hände in die Taschen seines Mantels steckte. Partys wären nicht wirklich sein Ding, vermutete er. Eine dicke, fette Lüge und der größere Mann versuchte nicht einmal sie überzeugend klingen zu lassen. Sein Partner knurrte genervt. Irgendetwas plagte den Brünetten schon seit dem Morgen. Etwas, dass der Rothaarige nicht erfassen konnte. Er fragte jedoch auch nicht nach. Dazai würde ihm nicht antworten, dass wusste er schon von vornherein, oder er würde ihm irgendeine weitere Lüge erzählen. Die Stille umgab sie ein weiteres Mal. Chuuya nippte an seinem Alkohol und inspizierte seinen großen Partner etwas genauer. Mittlerweile lehnte er sich an dem Geländer ab und starrte erneut in den Himmel. Sein betrübtes Gesicht war ein starker Unterschied zu seinem sonst so unbeschwerten Auftreten. Der Rotschopf musste zugeben, dass das Mondlicht ihm nicht nur schmeichelte, sondern ihn fast schon unwiderstehlich machte. Die betrunkenen Damen würden sich ihm ohne Zweifel an den Hals werfen, wenn sie ihn hier gesehen hätten. Natürlich, würde er seine Gedanken ihm gegenüber niemals laut aussprechen.

Ihre Blicke trafen sich und verweilten. Es herrschte nun völlige Stille zwischen ihnen, selbst die Geräuschkulisse der Party schienen sie komplett ausgeblendet zu haben. Völlig in seiner Gestalt gefangen, wagte Chuuya es nicht seinen Blick abzuwenden. Er ertrank förmlich in den dunklen Augen seines Partners. Mit langsamen Schritten trat Dazai an ihn heran. Der Mund des Kleineren wurde trocken, als er seine Hand ergriff und sie zu seinen Mund führte. Seine rauen Lippen streiften sanft über seine Knöchel und platzierten auf seinem behandschuhten Handrücken einen kurz verweilenden Kuss.

„Tanz mit mir.“

Dazai wartete nicht weiter auf eine verbale Antwort, die Auen des Fedora-Trägers gaben ihm bereits seine Zustimmung. Etwas stimmte definitiv nicht und seine Aktion gab Chuuya die Bestätigung. Anstatt wie üblich seine Stimme zu erheben und ihn zu beleidigen, stimmte er also seiner kleinen Bitte schweigen zu. Der Größere legte seine Arme um die Hüfte des Rotschopfs und zog ihn näher an sich. Nicht nah genug, für Chuuyas Geschmack. Er platzierte seine kleineren Hände auf die Schultern des Brünetten, eine Geste, die Dazais Herz schneller schlugen ließ, nachdem Chuuya seinen Whiskey geext und das leere Glas über seine Schulter geworfen hatte. Langsam glitten sie über den weiten Balkon, umhüllt in dem sanften Licht des Mondes. Der Geruch von Zigaretten und Alkohol benebelten ihr Bewusstsein. Mit jeder Bewegung, mit jedem Schritt schlugen ihre Herzen schneller. Es fühlte sich beinahe so an, als hätten sie jeden Moment zerspringen können. Dazais Berührungen waren genauso zärtlich, wie die süßen Worte, die er ihm ins Ohr flüsterte und denen keine weiteren Bedeutungen innehielten. Als ihre Schritte zum Halten kamen, waren sie eng aneinander geschmiegt; ihre Gesichter nur wenige Zentimeter voneinander entfernt.

„Spar dir dein süßholzraspeln für jemanden auf, bei dem es zieht.“, kommentierte Chuuya trocken, seine Stimme nicht lauter als ein Flüstern.

Seine Finger spielten mit den walnussfarbigen Haaren seines Partners, ein kokettes Lächeln zierte dabei seine Lippen. Dunkle Augen starrten ihn verträumt an. Der Klang seiner Stimme war wie eine Melodie, die Dazai betörte. Er beugte sich zu ihm hinunter und platzierte einen langenden Kuss auf seinen Lippen. Bandagierte Hände strichen langsam und sanft zu seinem Hinterkopf. Er vergrub seine Hände in seinen kupfernen, weichen Haaren und zog Chuuya näher an sich heran. Der Kleinere neigte seinen Kopf um den Kuss zu vertiefen. Seine behandschuhten Finger griffen nach seinem Kragen und hielten ihn an Ort und Stelle. Er würde seinem Partner nicht erlauben diesen Moment zu unterbrechen, jedenfalls nicht vorerst. Ein leises Seufzen überkam Chuuya, als die Lippen des Brünetten anfingen seinen Hals zu liebkosen. Dazais Name, nicht lauter als ein Flüstern.


Seine Entscheidung war endgültig, er würde sie verlassen. Dazais Blick streifte ein letztes Mal über die Menschenmenge und verweilte kurz, als er die Gestalt seines ehemaligen Partners unter ihr entdeckte. Er war innerlich zerrissen, einerseits wollte er nicht gehen, jedenfalls noch nicht, aber andererseits schwirrten Moris Worte immer noch in seinem Kopf herum. Schnellen Schrittes eilte Chuuya durch die Masse auf ihn zu. Er ergriff den Kragen des Brünetten mit einem festen Griff. Wutentbrannte Augen starrte in hasserfüllt an. Er öffnete seinen Mund, um ihn anzuschreien, um ihn zu beleidigen, aber kein Wort kam über seine Lippen. Er verstand nicht, warum er sie verließ und er wagte nicht, nach dem Grund zu fragen. Genauso, wie er nicht Mut aufbrachte, ihn darum zu bitten bei ihnen zu bleiben, bei ihm zu bleiben. Er war sauer und enttäuscht, aber viel mehr mit sich selbst dafür, dass er sich in seinen Partner verliebt hatte, als mit Brünetten dafür, dass er sie hinterging. Er zog seine Hand zurück und stupste Dazais Brust leicht mit seiner Faust an. Sie standen so für eine Weile, als hätte jemand die Zeit um sie herum eingefroren. Keiner sprach ein Wort und ohne ein weiteres Wort trennten sich ihre Wege in unterschiedliche Richtungen.

An diesem Abend leerte Chuuya mehrere Flaschen Wein und richtete geradezu einen riesigen Scherbenhaufen an. Wenn er eine Flasche geleert hatte, warf er sie voller Zorn gegen die nächstbeste Wand, und jeder, der sein Zimmer betrat, bekam eine um die Ohren gejagt, ob sie nun voll war oder nicht, er wollte nicht gestört werden. Er ließ seiner Trauer und seiner Wut freien Lauf. Die restlichen Port Mafia Mitglieder waren sich strittig darüber, ob sein Gemütszustand auf den Verrat seines Partners zurückzuführen war oder darauf, dass sein Wagen durch eine Bombe in die Luft gesprengt wurde. Vielleicht war es aber auch beides.

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inspiriert durch 'Last Dance' von One Ok Rock.
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