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Die Antwort weiß ganz allein der Wind

von Calaelen
GeschichteFantasy / P12
Ashray Keika Teiou Tiarandear Fei Gi Emeroad
24.04.2016
16.10.2016
4
6.655
 
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24.04.2016 496
 
Sanft wehte die warme Nachtluft durch die weit geöffnete Terrassentür, umspielte die weißen, seidenen Vorhänge und ließ sie sachte auf und ab schweben. In dem dunklen Zimmer war es vollkommen still, nur die ruhigen Atemzüge seines schlafenden Geliebten waren zu hören. Sein Blick wanderte durch das geräumige Schlafzimmer, von der Silhouette des massiven Kleiderschrankes weiter zur am Tage so reich verzierten Truhe, nur ein weiterer Schatten in der Dunkelheit; vom kleinen Beistelltisch und den Ledersesseln in der einen Ecke zur Kommode auf der anderen Seite des Raumes.

Ein leises Murmeln ließ ihn seinen Blick zurück auf das große Doppelbett, seinen selig schlafenden Liebhaber richten. Federleicht glitten seine Finger über das schlafende Gesicht, fuhren sanft die scharfen Gesichtszüge nach, Stirn und Nase, die weichen Lippen, die im Schlaf ein verschmitztes Lächeln zu umspielen schien. Er beugte sich hinab und hauchte einen flüchtigen Kuss auf die geliebten Lippen, fuhr mit der Nase über den hohen Wangenknochen und die Schläfe und vergrub sie in den rabenschwarzen Haaren, atmete den betörenden Duft seines Geliebten tief ein. Unter seiner Hand, die auf der Brust des anderen ruhte, spürte er den ruhigen Schlag eines Herzens, das sein eigenes vor Jahren eingefangen hatte. Und das, obwohl er immer geglaubt hatte, keines zu besitzen… Langsam hob er seinen Kopf und betrachtete den entspannten Körper neben sich.

Nur noch ein wenig…

Ein wenig mehr Zeit…


Er streichelte über die warme Wange und war ein wenig betrübt, als der Schlafende sich leicht regte und etwas Unverständliches vor sich hin murmelte.

Noch nicht…

Er blieb ganz still liegen, ließ sich von der Wärme seines Geliebten umfangen, während der durchs Zimmer streifende Wind langsam auffrischte.

Nur widerwillig löste er sich von dem Schlafenden, richtete sich auf und ließ seine nackten Füße über den Rand des Bettes auf die Holzdielen gleiten. Langsam, um den Schlafenden nicht zu wecken, erhob er sich und ging ohne jegliches Geräusch zu verursachen hinüber zum Kleiderschrank. All seine Kleidung hatte er bereits am Abend bereitgelegt, so wie immer. Mit fließenden Bewegungen streifte er sich die Kleidung über den Körper. Kein Rascheln war zu hören, als würde die Dunkelheit jedes Geräusch verschlucken. Als er fertig war wandte er sich um und ging langsam zum Bett zurück.  Er setzte sich auf die Kante des Bettes und betrachtete noch einmal seinen Geliebten, bevor er sich hinabbeugte und einen weiteren Kuss von den süßen Lippen stahl.

„Ich muss gehen…“

Der Schlafende regte sich kurz.

„Viel Spaß auf Arbeit…“, murmelte sein Geliebter, bevor er sich herumdrehte und einmummelte, um weiter zu schlafen.

Du wirst wohl immer ein Kind bleiben…

Mit einem Lächeln erhob er sich und ging Richtung Tür. Eine Hand auf der Klinke, die Augen auf das schwarze Holz gerichtet, flüsterte er „Ich liebe dich…“ und öffnete die Tür. Er ging hindurch und warf noch einmal einen Blick auf die Silhouette seines Geliebten. Ein Brennen stieg ihm in die Augen als er die Tür langsam schloss, ein trauriges Lächeln auf den Lippen.  

„Leb wohl… Teiou…“
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