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Die neue Rebecca de Winter

von Dancisa45
GeschichteAllgemein / P16 / Gen
"Ich" Jack Favell
17.04.2016
12.10.2016
5
5.663
 
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17.04.2016 1.109
 
Während Oberst Julyan sich den Kalender ansah traf Ihr Blick den von Jack Favell. Immer wieder hatte er sie angesehen, doch sie konnte seine Blicke nicht deuten. War es reine Provokation, Rache, Verzweiflung? Was wollte er von ihr? Er war ein seltsamer Mensch und trotzdem faszinierte er die junge Frau. Schon als sie ihn das erste mal sah, vor einigen Wochen im Westflügel des Hauses, hatte er ihre Aufmerksamkeit erregt. Dieser Favell war anders aber er konnte nicht so furchtbar sein wie Maxim und Frank immer sagten, es musste einen Grund für sein Verhalten geben. Nur welchen? So oft sprach er von Rebecca, wie auch Mrs. Danvers, nur mit dem Unterschied, dass er der Meinung war sie hätte ihn geliebt. Jack Favell betonte das so oft er konnte und gerade der Haushälterin schien das nicht zu gefallen. Aber wenn es doch stimmte? Die kleine Frau fragte sich, ob er Rebecca liebte oder das alles nur tat um ihren Mann zu provozieren.

Immer noch sah sie ihn an und bemerkte gar nicht, wie Maxim sich von ihr entfernte und zu Oberst Julyan ging. „Ich werde morgen nach Londen fahren und diesen Dr. Baker aufsuchen.“ sagte Julyan und wieder nutze Favell die Gelegenheit zum provozieren, indem er Maxim sagte er würde auch mitfahren. Erst als Maxim versuchte auf ihn loszugehen, wacht sie aus ihren Gedanken auf. Um ihren Mann zu beruhigen beschloss die neue Herrin des Hauses Manderley, ebenfalls nach London zu reisen.

Als sie mit dem Oberst das Zimmer verließ spürte sie plötzlich eine Hand ihre Hüfte streifen. Sie drehte sich um und wollte nachsehen, wer sie so unerwartet berührte.Natürlich dachte sie zuerst an ihren Maxim, doch dann sah sie die Person schnellen Schrittes das Haus verlassen. Sein Gesicht konnte sie nicht mehr sehen aber sie wusste dass Er es war. Sie wendete ihren Blick von der Haustür ab,sah zurück in die Bibliothek und es zeigte sich das Bild, welches sie vermutete. Ihr Mann saß immer noch im Sessel und starrte vor sich hin. „Mrs. De Winter ich erwarte sie morgen um 9 Uhr am Bahnhof“, abermals wurden ihre Gedanken unterbrochen, diesmal von Oberst Julyan. Er schien nicht mitbekommen zu haben, dass sie sich auf etwas anderes konzentriert hatte.„ Ja natürlich Oberst ich werde da sein. Bis morgen.“, sagte sie und begleitete ihn noch bis zur Tür. Sie sah ihm noch ein paar Minuten hinterher und ihre Gedanken schweiften erneut ab.

Tat Favell das mit Absicht oder war es nur ein Versehen gewesen? Irgendwann war sie sich sicher, dass sie sich die Berührung nur eingebildet hatte und doch konnte sie das sanfte kribbeln an ihrer Hüfte immer noch spüren, wenn sie daran dachte. Schließlich entschloss sie sich, ihre Gemächer auf zu suchen. Ein Abendessen würde es nicht geben, denn Maxim hatte den Angestellten gesagt sie bräuchten nichts vorbereiten. Er hatte Recht, allen im Haus war nach der heutigen Voruntersuchung und dem darauffolgenden Gespräch in der Bibliothek der Appetit vergangen. Die junge Frau wusste nicht, ob  sie ihren Mann heut Abend noch mal zu Gesicht bekommen würde, er nochmal in ihr Zimmer käme, um eine gute Nacht zu wünschen, aber sie vermutete, dass er die Nacht wohl eher mit grübeln und Alkohol verbringen würde.

Als sie in ihrem Schlafzimmer ankam, wartete bereits Clarice auf sie.“Darf ich ihnen behilflich sein, Mrs de Winter?“, fragte das Mädchen immer noch etwas schüchtern. Sie verstanden sich inzwischen ziemlich gut, wenn Clarice nicht ihre Angestellte gewesen wäre, hätte man fast sagen können sie seien Freunde. Das Mädchen kannte die neue Dame des Hauses inzwischen fast in und auswendig, denn Mrs. de Winter erzählte ihr oft, was sie bewegte und wie sie sich fühlte. Nur dieses Mal hatte diese keine Lust darauf. Irgendwie kam es ihr plötzlich falsch vor ihrem Mädchen etwas über ihre Gefühle zu berichten. Vor allem, wenn sie sich selbst nicht sicher war, was momentan in ihr vorging. „Ich möchte heute Abend lieber allein sein Clarice.“, sagte sie. Diese knickste kurz und verließ sofort das Zimmer.

Sobald sich die Tür schloss, ging die junge Frau zum Fenster und schaute in die Nacht. „Ob es wirklich Er war der mich vorhin berührte?“, dachte sie und insgeheim hoffte sie es sogar. Er war so ein unfreundlicher Mann und eigentlich mochte sie seine Art überhaupt nicht. Dennoch gab es irgendetwas an ihm, dass sie faszinierte. Er glaubte, dass Rebecca von ihm schwanger war. Das würde heißen, die beiden hätten wirklich eine Affaire gehabt. Der arme Maxim. Auch wenn er sie nicht liebte muss es doch schwer gewesen sein, seine Frau mit einem anderen Mann glücklich zu sehen. Wenn er ihr doch nur sagen würde was er fühlte, dann könnte sie das alles bestimmt besser verstehen. Vielleicht ergab sich ja morgen eine Möglichkeit über Favell mehr heraus zu finden, hoffte sie.

Lange stand sie noch so am Fenster und lies ihre Gedanken kreisen, als es auf einmal an der Tür klopfte. Sie sah auf die Uhr, viertel nach eins. So lange stand sie schon hier? „Herein.“, sagte sie, ohne zu überlegen wer draußen stehen könnte. Maxim machte langsam die schwere Tür auf und schaute herein. „ Du schläfst noch nicht? Ist alles in Ordnung?“. Er sah sie mit einem müden, besorgten Blick an und sie überlegte warum er wohl gekommen sei. „Ich hab nur noch etwas nachgedacht“, sagte sie leise und fügte dann schnell hinzu: „über den Ausflug nah London morgen und diese Dr. Baker.“. Sie hatte Angst er könnte ihre Gedanken erraten und schaute ihn nicht an. Er kam näher zu ihr und streichelte ihren Arm. „ Danke“, sagte er, „Danke, dass du das alles für mich tust.“. Weil sie weiterhin auf den Boden starrte, gab er ihr einen Kuss auf die Wange.Dann löste sie sich aus seinem sanften Griff und setzte sich auf ihr Bett. „Ich bin müde“, sagte sie, um ihm zu zeigen, dass er gehen soll. „Ich liebe dich.“, antwortete er und als von ihr keine Reaktion kam verließ er endlich das Zimmer.

Kaum hatte er die Tür geschlossen, entfuhr Mrs. De Winter ein leichter Seufzer. Sie wusste selbst nicht, wieso sie so abweisend zu ihm gewesen war, aber sie hatte die ganze zeit an Favells Blick vorhin in der Bibliothek denken müssen. Jetzt wusste sie was in ihm steckte. Er war fordernd gewesen und voll Begierde. Aber doch nicht etwa nach ihr ? Es machte ihr Angst weiter über diesen Mann nach zu denken, also entschloss sie sich zu schlafen. Morgen würde das allen vergessen sein, da war sie ganz sicher. Es dauerte noch eine Weile bis sie es wirklich schaffte einzuschlafen, denn in ihrem Kopf schwirrten tausend Gedanken, die sie versuchte zu verdrängen. Doch irgendwann, endlich, schaffte sie es.
 
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