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Pachanda

von Cokesch
Kurzbeschreibung
GeschichteFamilie, Liebesgeschichte / P16 / Gen
OC (Own Character) Raphael
17.04.2016
22.09.2022
22
41.875
10
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Dieses Kapitel
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22.09.2022 2.038
 
Und hier haben wir das nächste

22. Die ganze Wahrheit

Tamara

Ich konnte riechen, dass ich nicht mehr in der Zelle war. Es roch hier viel sauberer. Die Erinnerungen kamen zurück und ich musste lächeln. Ich war nicht mehr gefangen. Ich wurde gerettet. Ich öffnete die Augen.

Raphael saß immer noch bei mir und Artemis lag neben meinem Bett auf der anderen Seite. Beide schliefen noch. Ich setzte mich langsam auf. Na, dass ging doch schon mal besser als gestern. Donnie war abends nochmal zu mir gekommen und hatte mir verschiedene Tränke und Salben gegeben. „Überall hinschmieren, wo es weh tut“, hatte er gesagt und dann schnell mit Raphael das Zimmer verlassen.

Nachdem ich mich ein bisschen gestreckt hatte, wusste ich auch, warum. Mein Hintern schmerzte und auch unterhalb meiner Brüste konnte ich Schmerzen spüren. Es waren dort, wie auch an anderen Stellen meines Körpers, grüne Flecken. Da diese aber alle dieselbe Farbe hatten, hieß das wohl, dass jemand mich tatsächlich ausgezogen und eingecremt hatte. Mir war ganz heiß geworden, obwohl ich sicher war, dass es Amy gewesen war.

Was mich jedoch überraschte war, dass alle meine Wunden recht schnell verheilt waren. Ich war wohl nur etwas über eine Woche bei Karai gewesen und nur ein paar Tage wieder bei meinen Freunden und doch waren fast alle Wunden an meinem Körper wieder verheilt.

Ich setzte mich vorsichtig auf, strich Artemis über den Kopf und wankte zum Spiegel. Endlich konnte ich mich mal gut im Spiegel sehen. Leider konnte Donnie nicht alles heilen, meine Nase hatte jetzt einen keinen Huppel und war etwas schief. Ich versuchte, dass nicht allzu schlimm zu finden, sondern es eher als ein Zeichen von Stärke zu tragen. Ich wollte stark sein. Ich hatte das überlebt. Noch mehr, ich war befreit worden. Und jetzt war alles wieder gut. Zumindest fast.
Mich überkam immer ein ungutes Gefühl, schon fast Panik, wenn ich alleine war und ich hatte öfter Albträume. Bis jetzt hatte immer jemand bei mir geschlafen und den Tag bei mir verbracht. Meistens war es nachts Raphael gewesen. Raphael… der, nach Amys Aussagen, nicht von meiner Seite gewichen war. Und der doch kaum ein Wort mit mir gesprochen hatte. Vielleicht war er deshalb nur nachts da?

Ich sah ihn im Spiegel an und bemerkte, dass er aufgewacht war. „Hi“, begrüßte ich ihn. Er gähnte. „Hi“, murmelte er. „Hast du gut geschlafen?“, fragt ich betont munter. Er zuckte die Schultern. Er wollte schon aufstehen und gehen, aber ich ertrug das nicht mehr. Mir war klar geworden, wie begrenzt die Zeit war und ich war bereit, mutig zu sein. Ich hatte schon so viel überstanden. Was is ein Gespräch mit einer Schildkröte dagen? Pfff!

„Warte!“ Er drehte sich zu mir um. Ich konnte in seinen Augen sehen, dass er gleichzeitig gehen und bleiben wollte. „Was ist los?“, fragte ich sanft. Raph´s Lippen wurden schmal und sein Gesicht verdüsterte sich. Aha, er war sauer. Interessant. Eine Antwort bekam ich nicht. Fragend hob ich die Augenbrauen. Raph schüttelte den Kopf und wollte sich wieder abwenden, aber ich schwankte zu ihm. Hui, das war eben noch leichter.

Er kam schnell zu mir, um mich zu stützen. Seine Hand hielt mich am Unterarm und ein Prickeln durchfloss mich. Ich genoss diese Berührung. Ich sah ihm in Gesicht. „Was ist los?“, wiederholte ich. „Ich sehe, dass ich etwas bedrückt. Warum redest du nicht mit mir?“ „Ich bin nicht so der Typ fürs Reden“; nuschelte er. Sein Blick ging hinab zu meinen Lippen und mir wurde heiß. Mir wurde erst jetzt bewusst, wie nahe wir uns wirklich waren. Mein Herz pochte.

„Ich.. kann mich an alles erinnern“, sagte ich leise. Amy hatte mir erzählt, dass sich alle Sorgen gemacht hatten, ich hätte vielleicht mein Gedächtnis verloren. Vermutlich war ich einfach zu durch gewesen, ich konnte mich kaum noch an die Rettung erinnern. Sie hatte mir auch gesagt, wie sehr das Raphael mitgenommen hatte.

„Und es hat sich nichts geändert“, fügte ich leise hinzu. Raphaels Augen weiteten sich etwas vor Überraschung und ich musste den Blick abwenden. Zu früh? Zu viel? Mir war so heiß! Dumme Idee, ganz, ganz dumme Idee!
Vorsichtig sah ich wieder zu ihm. Er ließ meinen Arm los.
„Ich kann nicht“, sagte er leise. „Kannst du nicht oder willst du nicht?“ „Das macht keinen Unterschied!“, sagte er barsch.

„Das tut es sehr wohl!“ Langsam wurde ich auch sauer. Ich war mir sicher, dass er auch etwas für mich empfand. Ich hatte mir das alles nicht eingebildet. „Unsere Zeit ist begrenz, ich will das Bestmögliche daraus machen.“ Mit dir zusammen, konnte ich mir gerade noch so verkneifen.
Raphael schüttelte nur den Kopf. „Es würde nicht klappen Tam. Sieh mich an. Ich habe nichts, was ich dir bieten kann! Wegen mir bist du in Gefahr und ich kann das nicht ertragen! Also, wenn du es jetzt so genau wissen musst: Ich. Will. Das. Nicht. Ich will dich nicht.“

Das hatte gesessen. Und doch, seine Augen, seine ganze Körpersprachen sagten etwas anderes. Er log. Es musste so sein. Ich versuchte, die Tränen herunterzuschlucken und jetzt nicht aufzugeben. Raph sah mich kurz an und stapfte dann schneller aus dem Zimmer, als ich etwas sagen konnte. Mit leicht geöffnetem Mund sah ich ihm hinterher. Konnte ich mich doch so getäuscht haben? Ich sah zu Artemis. Sie kam zu mir und als sie mich berührte, wurde ich in ihre Erinnerung gesaugt.
Ich sah mich selbst im Bett liegen. Uff, das sah ja noch vor wenigen Tagen richtig schlimm aus. Was immer Donnie mir da gegeben hatte, es musste Wunder bewirken.

Neben meinem Bett saß Raphael. Er hielt meine Hand und ich konnte hören, was er sagte:„Es tut mir leid. Mir tut alles so leid. Bitte komm zu mir zurück, bitte…“ Die Erinnerung verblasste.
Wieder im hier und jetzt grübelte ich noch eine Weile darüber nach. Warum tat er das. Und was sollte das ganze ´was kann ich dir bieten` Geschwafel? Aber hatte ich nicht dasselbe gedacht? Das schien so lange her. Jetzt war es anders. Ich wollte das. Ich wollte ihn. Und es war mir egal, dass wir kein ´normales´ Paar sein konnten. Wir würden unser eigenes ´normal schon herausfinden. Ich musste noch einmal mit ihm sprechen und ihn überzeugen, dass er genug für mich war.

Voller Tatendrang zog ich mich schwankend um und wollte zur Tür hinaus, dabei ratschte ich mir die Hand an der Kante des Tischs auf. „Mist!“, fluchte ich. Ich hatte die Kurve wohl falsch eingeschätzt. Hoffentlich war ich bald mal wieder so fit, dass ich ordentlich gehen konnte.
Die Tür ging auf und Donnie kam mit einem Tablett herein. „Frühstüüück“, sagte er fröhlich. Ich musterte erstaunt meine Hand. Sie war gerade dabei zu verheilen. In Sekundenschnelle! „Äh, Donnie, kannst du kurz mal schauen?“ Er kam zu mir und ließ sein Vergrößerungsglas herunter klappen. Er seufzte. „Wir müssen uns Unterhalten.“

Endlich! Donnie hatte das Gespräch immer weiter verschoben, jetzt war es soweit. Ich betrachtete erstaunt meine verheilte Hand, ließ mich wieder aufs Bett plumpsen und begann zu essen. Dabei sah ich Donnie erwartungsvoll an.
„Ich habe dich natürlich untersucht, als du wieder bei uns warst. Ich habe dir auch Blut abgenommen. Bin richig froh, dass ich mir so viele Videos und Shows darüber angesehen habe..“ Ich stockte. Donnie konnte sowas, weil er es im Fernseher gesehen hatte? Ich schwankte zwischen Schock und Beunderung.

„Und… da war etwas nicht normal.“ Ich hörte auf zu essen. Hatte ich eine Krankheit? Hatte ich mich irgendwo in diesem Loch mit etwas angesteckt? Mir wurde schlecht, als ich an die Einstichstelle an meinem Hals nachdachte. Nichts mehr zu fühlen, stellte ich gerade fest.
„Was ist denn?“, brachte ich heraus. „So wie es aussieht, wurde dir etwas von Artemis Blut, insbesondere des Mutagens eingespritzt“, sagte er schnell. Ich erstarrte. In meinem Kopf arbeitete es wild und in meinen Augenwinkeln begann es zu flimmern. „Du.. du meinst, ich wurde für so komische Versuche missbraucht? Werde ich mich jetzt in etwas verwandeln? Was wird mit mir passieren?“ Ich bekam Angst und war kurz davor zu hyperventilieren. „Hol mir eine Tüte!“, krächzte ich

Artemis legte sich tröstend an meine Seite. Das beruhige mich ein kleines Bisschen. „Keine Panik! Ich weiß es leider nicht. Deshalb konnten wir dich auch nicht ins Krankhaus bringen. Aktuell sieht es so aus, als sei das Mutagen irgendwie nicht aktiv. Ich weiß nicht, was sie genau gemacht haben, aber bis jetzt hat es keine Auswirkungen auf dich, außer, dass du schneller heilst. Wenn, würdest du sehr wahrscheinlich Kräfte von Artemis bekommen. Die Menge ist nicht so groß, dass du dich vollständig verwandeln könntest. Denke ich…“, schob er schnell hinterher. „Wissen es die anderen?“, traute ich mich zu fragen. Dass ich mich nicht verwandeln würde, beruhigte mich. Auch, wenn sich Donnie nicht sicher war.
„Ja, sie wissen Bescheid.“ Ich nickte. „Ich muss das jetzt mal verarbeiten.“ Donnie lächtelte mir zu und legte mir die Hand auf die Schulter. „Mach dir keine Sorgen, wir stehen hinter dir.“ Dankbar lächelte ich zurück.

Nach dem Frühstück gingen Artemis und ich langsam ins Wohnzimmer der Jungs. Dort saß Mikey und spielte. „Hey, sagte er fröhlich. „Schön, dass du mal rüber gewatschelst kommst. Bin echt froh, dass es dir wieder besser geht. Los, spiel mit!“
Ich schnaubte. „Entschuldige mal! Ich watschel nicht, ich schreite. Wo ist Amy?“ „Sie musste mal wieder zur Arbeit.“ Ich seufzte, einen Job hatte ich bestimmt nicht mehr. Wie nebensächlich das alles geworden war…

Amy war öfter mal bei mir gewesen, da hatten wir auch schon viel gesprochen. Wobei hauptsächlich Amy geredet hatte und mir alles von der Suche und der Rettung erzählt hatte. Ich hatte keine Lust, über die Zeit als Gefangene zu sprechen, was Amy gut akzeptierte. Es war ja auch eigentlich klar, was passiert war. Kora hatte auch viel erzählt.

Gerade kam diese um die Ecke. Warum sah sie so traurig aus, obwohl sie lächelte? Ich umarmte sie und sie hielt mich lange fest. „Ich werde gehen“, sagte sie. Ich starrte sie an. „Wie, gehen? Wo willst du hin?“ Was würde Splinter sagen? Sie kannte das Geheimnis der Turtles… „Ich gehe zu meiner Freundin zurück. Ich muss nach oben. Ich will zurück.“ Ich wollte protestieren, aber sie sagte schnell:„Leo hat mir geholfen, sie zu kontaktieren. Sie wird bald hier sein. Und ich werde dann mit ihr gehen. Sie hat Familie, die weiter weg wohnt. Da wollen wir hin… Und ich habe auch mit… Splitter gesprochen.“ Ich lächelte. Splitter! „Er lässt mich gehen, aber nur, wenn ich zulasse, dass er mir die Erinnerung an euch nimmt.“

Ihre Worte hingen in der Luft. Mikey hatte aufgehört zu spielen und starrte Kora jetzt auch an. „Ich sehe das als einzige Möglichkeit, unser Geheimnis zu wahren. Auch, wenn es mir leid um euch tut“, hörten wir Splinter sagen. Kora nickte. „Ich verstehe das schon.“ „Aber gibt es denn keine andere Möglichkeit? Kora wird bestimmt nichts erzählen!“ „Sie wird sich den Behörden stellen müssen und die stellen viele Fragen. Es geht wirklich nicht anders.“
Ich fand die Vorstellung, dass Splinter einfach so das Gedächtnis manipulieren konnte, ziemlich erschreckend. Auch, wenn ich davon schon einmal gehört hatte. Aber was wusste ich schon. Immerhin hatte ich es hier mit einer 1,90m großen Ratte zu tun! War das magisch, wie er das machte? Oder ein KungFu Zeug? Darüber musste ich mich mal schlau machen. Und am Besten auch, wie man sich dagegen wehren konnte…

„Tamara, es ist okay für mich. Auch, wenn du mir sehr fehlen wirst.“ Ich schluckte. Wieder kamen Tränen in mir hoch. „Nur wegen dir konnte ich das durchstehen. Weil du da warst und mir Halt gegeben hast. Es fällt mir schwer, dich gehen zu lassen“, murmelte ich. Sie strich mir eine Träne weg. „Mir geht es genauso. Du wirst mir sehr fehlen.“ Auch auf Koras dunkler Haut konnte ich jetzt Tränen sehen. „Aber so ist es richtig für mich. Ich werde mich an alles, außer die Schildkröten und das alles hier erinnern können. Ich kann der Polizei also beschreiben, wie mich geschnappt hat und was passiert ist.“

Es war so, so schwer. Ich wusste aber auch, dass es richtig war. Kora wusste am besten, was gut für sie war. Und ich musste das akzeptieren.

Wir nahmen uns fest in die Arme.
„Ich werde dich nicht vergessen!“
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