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Alles begann mit einem Fahrstuhl...

GeschichteHumor, Liebesgeschichte / P12 / Gen
Gally Minho Newt OC (Own Character) Sonya Thomas
16.04.2016
09.12.2017
100
149.313
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29.11.2017 1.746
 
Und dann schob ich meine Finger vorsichtig in seine Hand
~ Jamie
***

Ich war ja wirklich nie ein Mädchen gewesen, was sich viel um ihr Äußeres gekümmert hatte. Noch nie.
Hatte ja auch nie einen Grund dazu.
Seien wir doch auch mal ehrlich, mit der Abneigung gegen das männliche Geschlecht, die ich vor kurzem noch hatte, eignete sich das nicht-Mädchen-sein doch am besten um diese fern zu halten.
Aber über die letzten Monate war es ein wenig anders geworden.
Ich hatte nicht nur diese Abneigung verloren, sondern tatsächlich soetwas wie meine weibliche Seite gefunden.
Okay.
Ich geb's zu.
Ich hatte einfach nur extreme Langeweile und nicht viel mehr.
Aber so kam es nunmal, dass ich mir einfach weil ich nichts zu tun hatte immer wieder die Haare gebürstet hatte und meine Fingernägel länger geworden waren.
Und diese ganze (unfreiwillige) Arbeit hatte ich in den letzten drei Minuten komplett zerstört.
Meine Fingernägel waren kürzer (gekaut) denn je und ich war mir so oft durch die Haare gefahren, dass sie nicht nur struppig waren, sondern auch noch gefühlt büschelweise fehlten.
Ach ja.
Was die Nervosität nicht alles mit den Nerven eines kleinen, verzweifelten Menschens anstellen konnte.
Und natürlich trug Becks ihren Teil dazu bei. Sie war nämlich unbedingt der Meinung alles noch dramatischer machen zu müssen, weshalb sie seit gut vier Minuten immer wieder wie an Silvester von zehn runter zählte und mir nicht half mih zu beruhigen.
»Ja-«
»Klappe!«, kreischte ich auf und vergrub meine zitternden Finger in meinen Haaren, während Minho zurück schreckte. Verständlich.
»Nicht reden. Nicht atmen. Okay? Dreh dich einfach um und guck die Bäume an!«, lispelte ich panisch, befeuchtete meine Lippen und starrte weiter auf das Tor.
Sollte es nicht schon zugehen?
Es sollte doch zugehen?!
Aber würden die Jungs denn nicht irgendwas sagen, wenn es denn schon hätte zugehen sollen?
Panik tat mir wirklich nicht gut.
»Was hat sie?«, wollte Thomas im Flüsterton wissen, während ich nun leicht vor und zurück schaukelte, in dem Versuch meine Nerven zu beruhigen.
Was, wenn ich das nicht schaffen würde? Was, wenn jetzt einer sterben würde? Dann könnte ich doch auch gleich aufgeben, oder nicht? Einer tot, alle tot…
»Panik«, erwiederte Becky und stoppte kurz das Zählen in unser beider Köpfe, »Sie hat Panik.«
Leise zischelnd bekundete ich meinen Unmut, wandte aber selbst, als ich feststellte, dass ich ignoriert wurde meinen Blick nicht von den Toren ab.
War es jetzt Zeit?
»Panik? Weshalb? Wir werden es morgen doch sicher schaffen, wir haben alles was wir brauchen um durch zu kommen!«, erklärte Newt anscheinend etwas vor den Kopf gestoßen und ich fühlte förmlich, wie er mir besorgt Löcher in den Hinterkopf starrte.
Angenehm.
Leicht drehte ich den Kopf in ihre Richtung, um wenigstens zu zeigen, dass ich ihnen zuhörte, hütete mich aber davor die Augen von dem Tor zu nehmen.
Schlimm genug, dass ich eben geblinzelt hatte. Pff.
»Sie ist nicht nervös wegen morgen, sondern nervös wegen heute«, übersetzte Becky etwas schwammig mein komisches Verhalten für die Anderen, die daraufhin etwas verwirrte Blicke tauschten.
»Heute?«, wiederholte Nile etwas ungläubig und blickte skeptisch zu mir, was mich nicht im geringsten juckte.
Ich hatte ja wohl auch alles Recht dazu hier ›ein wenig‹ in Panik zu geraten.
»Das Problem ist, dass wir zwar entkommen werden, aber nicht wissen, ob W.C.K.D nun was dagegen hat oder nicht«, führte ich nun endlich mal selbst meine panischen Gedanken aus, »Selbst wenn sie es wollen würden, werden sie es uns jawohl nicht leicht machen, nicht wahr?«
Leicht irritierte Blicke wurden ausgetauscht und ich wandte kurz einmal meinen Blick von den Toren, um ihn rasch über die Runde der Anwesenden schweifen zu lassen.
»W.C.K.D?« »Ihr glaubt doch nicht etwa, dass die Typen wirklich ›die Schöpfer‹ heißen, oder? Ich bitte euch, dass steht doch überall drauf!«, schnaubte Becky und ich nickte bestätigend - immer schön den Blick nach vorne.
»Na gut. Ignorieren wir das, wichtiger: Was sollen sie machen?« »Überleg, du Vollidiot. Das einzige, was sie hier drin gegen uns verwenden können?«
Schnauben hallte um den Tisch herum, wie von einer Horde Ochsen.
»Abgesehen von solchen Kunststückchen wie dem Abschalten unseres Himmels?«, wollte Winston sarkastisch wissen und warf der grauen Steindecke einen bösen Blick zu.
Als könnte die was dafür.
»Nein. Eher das Tor offen lassen und uns die Griewer auf den Hals hetzen«, erklärte ich trocken und wandte mich seufzend von den Toren ab. Jetzt brachte es eh nichts mehr.
Denn wie auf Bestellung hoben sich die Arme der Läufer und sie sahen auf ihre Uhren, Schock nun klar in ihren Gesichtern.
»Sie müssten schon zu sein«, presste Minho hervor - die Panik, die vorher noch nur mich erfüllt hatte schwappte nun wie eine Welle über den Tisch hinweg. Und krachte über aller Köpfe zusammen.
Aber es war zu spät.
Ein gellendes, ekelhaftes und mir nur all zu bekanntes Kreischen erfüllte die bisher leeren Korridore des Labyrinths.
Es war zu spät.
Die noch auf der Lichtung herumlaufenden Lichter stoppten abrupt, die schon schlafenden schreckten auf und Matts Widerstand krabbelten schnellstmöglich aus den Toren, rannten gehetzt zum Gehöfft.
»Sie kommen«, murmelte ich panisch, packte meine Nachbarn und riss sie mit mir in die Höhe, runter von der Bank, »Ins Gehöft, in den Bau, irgendwo hin!«
Stolpernd rissend sich die Lichter zusammen, stürmten los.
Ich sah einen kleinen Jungen, der große Ähnlichkeit mit Adam hatte Chuck mit sich zum Bau ziehen. Einige andere rannten mit ihnen und ein Haufen andere kamen von den Hängematten.
Und alle drängten sie ins Gehöft, gerade in dem Moment, in dem die ersten, schleimigen Wesen über den Steinboden in unser Sichtfeld glitten.
Panik.
Panik wie ich es selten erlebt hatte kam zwischen den Jungs auf und ich wurde von allen Seiten angerempelt, bei dem Versuch der Jungs ins einigermaßen sichere Innere zu kommen.
Newt, den ich immer noch gepackt hielt zog mich nach außen, etwas weg von der Masse und versuchte zu koordinieren - aber auch in seinen Augen konnte ich die pure Furcht sehen.
Ohne drüber nachzudenken lockerte ich meinen Griff um sein Handgelenk etwas und konnte sehen, wie sein eigener Blick für den Moment fast schon enttäuscht zu mir wanderte.
Und dann schob ich meine Finger vorsichtig in seine Hand und drückte sanft zu.
»Beruhigt euch, sonst geht es nicht schneller!«, brüllte ich so laut ich konnte in die Menge, »Zweierreihen! Ordnet euch!«
Matt purzelte durch die Tür, einige weitere drängelten herum, doch der Großteil versuchte sich an meine Angabe zu halten.
Wenn auch panisch.
Ich versuchte den lilanen Schopf meiner Freundin auszumachen oder Nicks winzige Gestalt, doch ich konnte absolut nichts sehen, was ihnen ähnlich sah. Und auch vom Rest, Tommy, Nile und Co. war nichts zu sehen in dem haltlosen Gedränge.
Ich konnte einen sanften Druck auf meiner Hand spüren, sah automatisch darauf und dann zu Newt und konnte trotz der misslichen Lage der näher kommenden Griewer ein ganz kleines, glückliches Lächeln auf seinen Zügen ausmachen.
Und dann waren die letzten beiden Lichter durch die viel zu schmale Tür neben uns verschwunden.
Die Griewer - jetzt nur noch wenige Meter von uns beiden entfernt - gaben klackernde, klickende Geräusche von sich, als wollten sie uns warnen.
Und dann ging ein Ruck durch meinen Arm und schon zog mich Newt hinter sich her, durch die Tür.
Laut rumpelnd flog diese hinter uns beiden zu, ein Schrank wurde umgeschmissen und verbarrikadierte uns endgültig vor den Schleimmonstern.
Stolpernd versuchte ich mein Gleichgewicht auf dem nicht wirklich ebenen Boden zu halten, krachte in Newt hinein und wurde von einem Lichter (ich glaube, er war Baumeister) näher an ihn gedrückt.
Halleluja, nicht gut für mein Herz.
Was roch der auch so gut?
Unverschämt.
»Verteilt euch hier!«, hörte ich Nick von irgendwo brüllen und Bewegung kam in die Menge. Der Großteil stürmte die Treppe nach oben, einige sammelten sich in der Mitte des Raumes hier und einige blieben an den Wänden.
Nur für kurze Zeit.
Polternd krachte von außen etwas gegen die Wände, ließ das Holz beunruhigend knarren und ächzend und dann brach mit einem lauten Krachen der erste Greifer durch die Wand, gefolgt von weiteren.
Schreie folgten, metallisches Klackern der Greifer und hektische Schritte überall um mich herum. Ellenbogen landeten in meinen Seiten und plötzlich lag ein Arm an meinen Hüften, zog mich nach hinten und riss mir kurzzeitig den Boden unter den Füßen weg.
Aber er kam gerade rechtzeitig.
Neben mir zischte ein Greifarm vorbei, stoppte ganz knapp neben einem der Lichter und klackerte auf und zu - und dann zog er sich zurück.
Keuchend löste ich mich ein wenig von dem Blonden hinter mir und versuchte verzweifelt mir irgendwie einen Überblick zu verschaffen.
Aber alles was ich bekam war ein Schlag in die Rippen von einem sehr hektisch wirkendem Matt und den damit verbundenen Ausflug auf den Boden. Ich hörte Newt meinen Namen rufen, doch obwohl er genau neben mir stand gingen seine Worte in den lauten, panischen Schreien einfach unter, als hätte er nie den Mund aufgemacht.
Irgendwer stieß mich an, ein weiterer Junge trat mir auf den kleinen Finger und ich spürte wie Knochen auf meinen Schädel traf. Zum wiederholten Male fuhr ein Ruck durch meinen Körper und plötzlich stand ich wieder neben Newt auf meinen eigenen zwei Beinen und schwankte durch den nun etwas leerer werdenden Raum. In meinem drehenden Blickfeld konnte ich erkennen, wie weitere Lichter die Treppe hoch hasteten - die Treppe, auf der zwei Stufen fehlten.
Krachen, Schritte, Schreie, Klackern, alles schien sich zu vermischen und jeglicher Überblick, den ich eventuell jemals gehabt hatte schien sich in dem Gewusel verloren zu gehen.
Und dann war es plötzlich vorbei.
Einfach so.
Es krachte übertrieben laut, Schreie wallten auf und dann war es auf einmal so viel leiser.
Das Klackern verschwand - entfernte sich wohl eher, doch über das auch langsam verstummende Geschreie hinweg war es kaum noch richtig wahr zu nehmen.
»Bist du okay?«, hörte ich Newt besorgt fragen, spürte seinen Griff an meinen Oberarmen und kam gerade und eben so noch dazu zu nicken, als eine mir bekannte Lilahaarige die unebene Treppe runter stolperte und sich fahrig umblickte.
Strauchelnd riss ich mich los, versuchte so sanft wie möglich dabei vorzugehen und hastete auf Becky zu.
»Wer?«, war alles was ich über die Lippen brachte, während ich hörte, wie Newt mir hinterher hastete.
»Matt«, gab sie nur zurück und schlang die Arme um mich, kaum das ich vor ihr stand.
Und dann sackten wir beiden auf dem Boden zusammen und lachten aus purer Verzweiflung einfach drauf los.
Ließen alles raus.
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