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Alles begann mit einem Fahrstuhl...

GeschichteHumor, Liebesgeschichte / P12 / Gen
Gally Minho Newt OC (Own Character) Sonya Thomas
16.04.2016
09.12.2017
100
149.313
53
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25.11.2017 1.200
 
Der Großteil der restlichen Lichter hatte nämlich nicht mal im Geringsten vor heute noch irgendwo hinzugehen
~ Jamie
***

»Ich hab Panik!«, platzte es aus mir heraus und ich wandte mich ruckartig vom Fenster zu Becky, die schon seit geraumer Zeit mit skeptisch angehobenen Augenbrauen auf meine hektisch hin und her zuckenden Finger starrte.
»Ach ne«, bemerkte sie trocken - war mir keine große Hilfe - und ich sah fast sofort wieder zurück auf das Fenster.
Oder hindurch.
Auf der Lichtung draußen ging gerade so ziemlich alles drunter und drüber und ich wurde immer nervöser, während ich doch eigentlich mit Becky meine Sporttasche aus dem Schuppen heruassuchen sollte.
Aber es ging nicht.
So ziemlich alle Jungs da draußen waren zuversichtlich - in reiner Aufbruchsstimmung und nur einige (hust, Matt, hust) machten ärger.
Die Meisten von ihnen liefen kreuz und quer hin und her, wichtige Sache wurden von einem Ort zum nächsten geschleppt und Waffen wurden zusammengesucht.
Beunruhigend?
Eigentlich nicht wirklich.
Wir hatten vor bestimmt mehr als einer Stunde die letzten Buchstaben aus den Zeichnungen gelesen und nur wenig später hatte Newt (Nick hätte vermutlich nur eine neue Panikattacke ausgelöst) den Lichtern verkündet, dass wie morgen früh alle das Labyrinth verlassen würden.
Matt hatte augenblicklich angefangen zu protestieren. Und zwar wirklich lautstark.
Leider (ha, als ob) hatten sich ihm aber nur knapp sieben Leute angeschlossen.
Weniger als Gally. (In Buch und Film.)
Nervig genug waren die acht Trottel trotzdem, denn nun hatten sie auf einige ihrer Shirts mit Kohle ›wir bleiben‹ geschrieben und sich demonstrativ in die Toröffnungen gesetzt.
Eigentlich ziemlich sinnfrei.
Der Großteil der restlichen Lichter hatte nämlich nicht mal im Geringsten vor heute noch irgendwo hinzugehen.
Abgesehen von Minho und Thomas. Die waren bei der Hälfte der Wörter schon aufgebrochen, um das Loch zu markieren, durch das wir mussten.
Im Großen und Ganzen lief es echt gut.
Tommy hatte den Vorschlag abgegeben alles mitzunehmen, was zu gebrauchen war, da wir (oder eher die Lichter) ja nicht wussten, was nach dem Labyrinth auf uns zukommen würde.
Und so kam es zur jetzigen Situation.
Ein Großteil erntete noch alle brauchbaren Lebensmittel ab und schaffte sie zu Bratpfanne, der mit der Hilfe einiger Freiwilliger alles in ein paar aus T-Shirts, Blättern und Lianen zusammengebastelter Rucksäcke verstaute. Andere packten noch Kleider ein, die man eventuell gebrauchen könnte und noch andere halfen den beiden Sanis dabei Medizin zu mischen und zu verstauen.
Einige verbrachten ihre Zeit mit dem Schnitzen von Speeren und dem Schleifen von Messern und Macheten. Die Küche war geplündert worden und auch Winston und seine Schlitzer hatten einiges an Werkzeug verloren. Aber das störte niemanden.
Alle Tiere wurden eingefangen - sie würden hier bleiben müssen - und Wau und meine geliebte Clyde trugen einen großen Teil dazu bei, dass alles so reibungslos lief.
Ein paar wenige Lichter waren noch auf den Friedhof gegangen um sich von toten Freunden zu verabschieden und Teresa hatte die ehrenvolle Aufgabe bekommen aus Wolle und Lianen mit einigen Lichtern Seile zu binden.
Und Becky und ich hatten von Newt, bevor er zu Alby gegangen war, unseren ganz prolivaten Auftrag erhalten.
Nämlich nach meiner Tasche zu suchen.
Also war eigentlich alles perfekt.
Hach ja.
Das schöne Wörtchen ›eigentlich‹.
Ihr habt es ja auch schon gehört und ich bin mir sicher, ihr fragt euc-
»Warum bist du denn jetzt panisch?«, wollte Becky leicht angenervt von meiner schleierhaften Aussage wissen und zog sich ihr Bandana fester. »Die Griewer«, erklärte ich kurz und knapp und sah an Matts Freunden vorbei durch das Tor hindurch in die Dunkelheit der Gänge.
»Hast du Angst, dass wir es morgen nicht schaffen? Dann willkommen im Club, Schwester«, schnaubte meine Adoptivschwester neben mir, aber ich schüttelte bestimmend den Kopf.
»Nein. Denk doch mal nach. Was kommt vor der Flucht?« »Paige.«
»Davor.«
»Der Kampf gegen die Griewer.«
»Davor.«
»Öhm… Thomas Stich, oder?«
»Mhh, fast. Knapp.«
»Gott bin ich blöd!« »Jup«, bestätigte ich leicht resigniert und rieb mir die Schläfen, genau wie unser Blondchen es vorhin getan hatte. »Der Angriff der Griewer«, wisperte Becky erschrocken vor sich her und vergrub ihr Gesicht in ihren Händen, »Wie konnte ich gerade das vergessen?«
»Ich hab auch gerade erst wieder dran gedacht«, gab ich leise zu und starrte von einem Tor zum nächsten, ehrlich beunruhigt, »Ich weiß nur nicht, ob sie die jetzt wirklich vorbei schicken. Wir wollen ja gehen. Morgen schon. War's das dann also oder nicht?!«
Tief seufzte Becky, rieb sich die Haben und sah hoch. »Aber selbst wenn sie sie schicken - sie krallen sich Gally zuerst. Und der stirbt nicht. Oder?«
»Schon. Aber Gally ist einer der guten, nicht so leicht für sie zu manipulieren, wie er es im Buch war.« »Matt?« »Das wäre meine Vermutung«, bestätigte ich und lehnte mich leicht an die Wand an, schloss kurz die Augen, »Aber er würde sich niemals für jemand anderen opfern, oder nicht? Ich meine - Matt? Ich bitte dich!«
Schweigen war die Antwort.
Wir schwiegen einfach.
Bestimmt zehn Minuten.
Es war nicht nötig zu sprechen, wir wussten beide, dass es sinnlos war nach irgendwas zu suchen, das die Situation verschönigen könnte.
»Wenn es wenigstens sicher wäre, dass die erste Person nicht stirbt sondern nur von W.C.K.D für ihre Zwecke missbraucht wird…«, fing ich an und Becky nickte zustimmten. »Das wäre sehr beruhigend«, stimmte sie mir leise zu, »Aber so könnte es nicht nur jeden treffen sondern auch noch unsere Mission scheitern lassen, bevor sie richtig angefangen hat.«
Das verbesserte meine pessimistische Stimmung jetzt nicht gerade.
Danke auch.
»Hoffen. Mehr können wir nicht machen«, meinte ich knapp, fischte mir meine Tasche vom Boden und deutete meiner Freundin mit einer Handbewegung an mir zu folgen, »Hoffen, abwarten und uns dann im Nachhinein entweder freuen oder zu Tode ärgern. Aber erstmal müssen wir gucken, ob die Tore sich schließen.«
Nickend folgte Becky mir aus dem Schuppen heraus und in Richtung Schlachthaus.
»Was ist mit Clyde?«, wollte sie wissen und ich seufzte leise, den Blick auf genanntes Geschöpf gerichtet, welches mir gerade hechelnd und kläffend entgegen kam. »Ich werde sie gleich erstmal in den Bau sperren. Nicht, dass die Griewer sie erwischen.«
»Das war mir eigentlich schon klar«, meinte Becky hinter mir, während ich auf die Knie ging und anfing mit der Hündin zu kuscheln. Das hatte mir so gefehlt. »Nimmst du sie mit?«
Leicht presste ich die Lippen aufeinander und vergrub meine Nase in dem weichen Fell, genau über die Frage nachdenkend.
»Ich weiß es nicht«, gestand ich nach einiger Zeit, in der sich Becky ebenso an das Fellknäul gekuschelt hatte wie ich, »Wir werden uns durch die Griewer kämpfen müssen. Das ist nicht gerade ungefährlich für einen Hund. Ebenso wenig ist es die Brandwüste. Am sichersten wäre es eigentlich, wenn sie hier bleiben würde.«
»Denkst du?«
»Wir kommen in etwas mehr als einem Monat zurück«, erläuterte ich, drückte mich etwas von der Hündin weg und sah ihr in die Augen, »Und in der Zwischenzeit kommen andere Imune hier hin. Die werden sicher auch auf sie aufpassen.«
Man hörte den Zweifel.
Ganz sicher.
Aber es blieb dabei - Clydes Sicherheit stand ziemlich weit oben auf meiner Prioritätenliste. Und wenn ich mir eins nie verzeihen könnte, dann war das ihr tot.
Nein.
Clyde würde ich nicht in den Tod rennen lassen.
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