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Alles begann mit einem Fahrstuhl...

GeschichteHumor, Liebesgeschichte / P12
Gally Minho Newt OC (Own Character) Sonya Thomas
16.04.2016
09.12.2017
100
149.313
50
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Dieses Kapitel
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16.04.2016 1.493
 
Stattdessen hatte England mich mit Freudentränen begrüßt, mich bis auf die Knochen durchnässt und hatte mir voller Schadenfreude klar gemacht, dass ich die nächsten Tage wohl mit Schnupfen flach liegen würde

~ Jamie

***

Wütend starrte ich auf meine völlig durchnässten Schuhe hinab.
Das Wasser des Regens schwamm in meinen Chucks, ließ das Schwarz des Stoffes noch dunkler als ohne hin schon erscheinen und verursachte bei der noch so kleinsten Bewegung ein ekelhaftes Schmatzen, als würde man mit viel zu großen Gummistiefeln durch knietiefen Schlamm waten. Die bunten Kritzeleien meiner Freundin Rebecka auf der ehemals weißen Spitze der Schuhe wirkten durch die vielen Regentropfen verschwommen und irrational, wie, als wäre nur noch ein verwackelter Schatten des Bildes im Wasser zurück geblieben, während die Farben schon lange fort waren.
Ich konnte so ziemlich jeden einzelnen der kalten Tropfen auf meiner Haut spüren, selbst durch meine nassen Kleider durch - nur nicht an Händen, Füßen und der Nase, diese Körperteile waren schon längst taub von der Kälte.
Eigentlich sollte und wollte mein Vater mich, so wie in jeden Ferien die ich hier verbrachte, vom Flughafen abholen, so war die Abmachung und der Brauch. Doch mein lieber Herr Vater war, ziemlich untypisch für ihn, viel zu spät dran. Mein Flug war vor vielleicht etwas mehr als einer Stunde am Flughafen von Oxford gelandet und ich war wie gewohnt nach draußen marschiert, zu der Stelle, an der mein Vater mich für gewöhnlich schon erwartete. Doch er war nicht da und er kam auch nicht.
Keine Nachricht.
Kein Anruf.
Einfach gar nichts.
Stattdessen hatte England mich mit Freudentränen begrüßt, mich bis auf die Knochen durchnässt und hatte mir voller Schadenfreude klar gemacht, dass ich die nächsten Tage wohl mit Schnupfen flach liegen würde.
Und nun saß ich, Jamie Martens, hier vor dem riesigen Flughafen auf einer alten Bank, die nur da trocken war, wo mein Hintern sich befand und ließ mich vom Regen überschütten. Der Kaffee in meinen vom Wasser runzeligen Händen war mittlerweile nicht nur kalt, sondern auch so wässrig, dass er absolut ungenießbar geworden war.
Seufzend sah ich mich ein wenig in der Gegend um, konnte aber bei dem Regen kaum weiter als drei Meter sehen, bevor die Welt zu einer undurchdringlichen, grauen Masse verschwamm und alles in sich verschluckte. Immer wieder rauschten Autos durch die Pfützen auf den Straßen, ließen das Regenwasser aufspritzen und mischten sich mit den Stimmen von den wenigen Passanten, die sich bei diesem Wetter auf die Straße trauten.
Ich ignorierte sie jedoch alle. Mittlerweile war ich auch dazu übergegangen, statt auf den Regen zu sehen, auf meinen (nun) dunkelgrauen Pullover zu starren und immer wieder die Worte des Logos über Kopf zu lesen, immer und immer wieder.

Hard Rock Café Rome.
Hard Rock Café Rome.
Hard Rock Café Rome.


Die Worte wiederholte ich wie in Dauerschleife in meinem Kopf, um mich so gut es eben ging von der Kälte in meinen Gliedern abzulenken. Ich hätte auch rein gehen können, aber was brachte mir das schon? Ich war schon nass und durch gefroren, dass Einzige, was mir jetzt helfen könnte wäre vermutlich eine warme Dusche und frische Klamotten, aber ich bezweifelte stark, dass ich irgendwas davon einfach mal so im Flughafengebäude bekommen würde. Und nass war ich eh schon.

Hard Rock Café Rome.
Hard Rock Café Rome.
Hard Rock Café Rome.


So langsam fing diese Zeile an, mir auf den Geist zu gehen, doch es war immer noch besser als tatenlos herum zu sitzen und die Umgebung, in der man eh nichts sehen konnte zu betrachten. Seufzend schloss ich die Augen und fing an irgendeine Melodie vor mich hin zu summen. Der Petersburger Marsch.

Hard Rock Café Rome.
Hard Rock Café Rome.


Zum Spaß versuchte ich die Wörter im Rhythmus des Marsches zu denken, was allerdings nicht so richtig klappen wollte. Immer neue Lieder kamen mir in den Sinn, bis ich die Zeilen schließlich immer wieder im Rhythmus von ›Männer sind Schweine im Kopf wiederholte.

Hard Rock Café Rome.
Hard Rock Café Rome.
Hard Rock Café Rome.
Hard Rock Café Rome.


Plonk.


Eine kalte Flüssigkeit ergoss sich mit einem Mal über meine Hand, wärmer als die Regentropfen und doch kalt. Mit einem Satz schlug ich meine Augen auf und starrte auf meinen Kaffeebecher.
Die braune Flüssigkeit schwappte wild im Becher hin und her, während ein Teil über meine Hand lief und vom Regen weggewaschen wurde. Irritierte starrte ich für ein paar Sekunden auf den Becher in meinen Händen, bis mein Blick auf ein Paar dunkel blauer Schuhe dahinter fiel. Ganz langsam, fast schon in Zeitlupe, ließ ich meinen Blick über die Schuhe über die Jeans hinauf wandern, bis ich schlussendlich beim Gesicht der Person ankam.
Ein Junge, vielleicht zwei Jahre älter als ich stand vor mir mit einem Regenschirm in der einen Hand. Mit der anderen steckte er sich gerade eine Art Beutel zurück in die Hosentasche.
Und das war der Moment, in dem ich registrierte, was passiert war.
Der Junge hatte mir Geld in den Kaffee geworfen.
Geld.
Wie bei einer Bettlerin. Sah ich etwa aus, wie eine Bettlerin?!
Einen Moment starrte ich noch ungläubig auf den Ort, wo sich seine Hosentasche befand, dann blickte ich ihm ins Gesicht. Auf seinen Lippen lag eines dieser mir verhassten Checker-Grinsen und ich gab mir Mühe nicht angeekelt das Gesicht zu verziehen.
Wenn es eine Sache gab, die ich nicht mochte, dann waren es Jungs, ganz besonders diese Art von Jungs. Hochnäsig bis zum Geht-nicht-mehr, von sich überzeugt wie sonst von Keinem und in dem, meiner Meinung nach absolut unverständlichem, Glauben, alle Mädchen würden ihnen zu Füßen liegen und nur darauf warten in ihren Betten zu landen. Ich hasste sie.
»Hast du gerade Geld in meinen Kaffee geworfen?«, fragte ich möglichst verwundert, ohne mir meine Wut anmerken zu lassen und dankte dabei im Stillen den Schauspielstunden, zu denen meine Mutter mich immer geschleppt hatte - nur zur Info, ich hatte sie gehasst, also die Stunden, nicht meine Mutter. »Entschuldige, ich wollte eigentlich, dass du dir davon einen Neuen kaufen kannst, aber das kann auch ich gerne für dich tun«, grinste der Junge schmierig, noch breiter als vorher, zurück und fuhr sich mit einer Hand selbstzufrieden durch seine sandfarbenen Haare. Ich muss zugeben, seine Haarfarbe mochte ich, aber das war dann auch schon so ziemlich das Einzige an ihm, was gut war.
Entgegen meiner Abneigung ihm und seinem Verhalten gegenüber stand ich von der Bank auf und strich mir mit meinem schönsten falschen Lächeln eine meiner nassen Haarsträhnen aus dem Gesicht, die Reste meines Kaffees immer noch in einer Hand. »Das wäre wirklich sehr nett von dir«, lächelte ich ihm weiterhin ›lieb‹ entgegen, wobei ich zu meinem bedauern feststellen musste, dass ich ihm nicht mal bis zu den Schultern reichte, »Aber ich muss dich leider enttäuschen. Ich steh nicht auf Schleimer.«
Augenblicklich wich meine nette Fassade und machte einem wütenden, angeekelten und herablassenden Gesichtsausdruck zu gleich Platz. Ich konnte noch in das verwunderte Gesicht des Jungen sehen, dann hatte ich auch schon meinen Arm in die Höhe gerissen und den Kaffee über dem (bis dato trockenen) Kopf des Blonden ausgeleert.
Mit einem erschrockenen und auch ziemlich mädchenhaften klingenden Schrei sprang der Junge nach hinten. Den Regenschirm fiel ihm aus der Hand und landete mit einem Platschen in eine der vielen Pfützen, während der Blonde entsetzt an sich herunter sah. Der kalte Kaffee erkämpfte sich seinen Weg durch seine Haare, rann sein Gesicht hinunter über Nase, Augenbrauen und bis zum Kinn und floss schön seine Spuren hinterlassend über seine Schultern auf sein weißes T-Shirt hinunter - wobei ich mich wirklich fragte, wer so dumm war, während dem Regen in einer Großstadt zum einen überhaupt nur ein T-Shirt an zu ziehen und dann auch noch ein weißes. Wie dumm konnte man denn sein?
Fiese grinsend (ich konnte absolut nichts da gegen tun - nicht, dass ich es überhaupt gewollt hätte) schüttelte ich den Kopf bei dem hilflosen Anblick, den der Typ bot, schnappte mir meine schwarze Reisetasche unter der Bank weg (der einzige wenigstens halbwegs trockene Ort hier), nahm mir seinen Regenschirm aus der Pfütze und stellte mich drunter. »Vielleicht solltest du mal einen anderen Gesichtsausdruck auflegen, Lackaffe«, verabschiedete ich mich nicht besonders nett wie ich nun einmal war von dem Jungen, nahm mir noch sein Geld vom Boden und drehte mich dann um und ging leichten Schrittes den Gehweg entlang davon.
Keine zwanzig Sekunden später hielt ein silbernes Auto vor meiner Nase, die Scheibe wurde runter gelassen und das Gesicht des einzigen männlichen Wesens, das ich akzeptierte erschien dahinter.
»Dem hast du es aber gezeigt, Mäuschen.«
»Du bist zu spät, Dad«, entgegnete ich nur kopfschüttelnd und mit einem kaum hörbaren Seufzen, öffnetet die Tür zur Rückbank und setzte mich auf das warme Polster, das sich fast augenblicklich mit Wasser vollsog. Den Schirm ließ ich einfach bei dem immer noch geschockten Jungen auf dem Gehweg liegen. War ja immerhin seiner.
»Jetzt lass uns endlich nach Hause fahren. Ich könnte dringend eine warme Dusche gebrauchen.«
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