Zu nüchtern um betrunken zu sein

KurzgeschichteHumor, Romanze / P16
Dana Scully Fox Mulder
15.04.2016
15.04.2016
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Eine Betriebsfeier glich der anderen.

Agent Fox Mulder beobachtete wie die Barkeeperin Eiswürfel in seinen Jim Beam fallen ließ.  Sie blickte kurz fragend hoch, ob sie ihm noch mehr ins Getränk tun sollte, aber er gab ihr mit einem Handzeichen zu verstehen, dass es genügte. Es war nur von Relevanz, dass er gleich etwas Hochprozentiges in den Händen hielt, dass seine Sinne betäuben und gleichzeitig vielleicht über manches in seinem Leben mehr Klarheit schaffen würde. Mulder nahm den Jim Beam entgegen und drehte sich auf seinem Barhocker der immer mehr zum Leben erwachenden Partygesellschaft zu. Skinner saß nicht weit von ihm entfernt mit Männern aus der Abteilung für Hochsicherheitskommunikation zusammen, die sich angeregt zu unterhalten schienen.

Wobei an diesem Abend die Brüste der Barkeeperin mit Sicherheit mehr im Mittelpunkt standen, als der Schutz von Bundesbürgern der Vereinigten Staaten. Mulder tunkte seinen Finger gedankenverloren in die alkoholische Flüssigkeit und rührte die Eiswürfel um. Er hasste diese Veranstaltungen. Wie jedes Jahr kam die Frage in ihm auf, weshalb er sich überhaupt dort blicken ließ. Er hatte nicht viele Freunde beim FBI, was dazu führte, dass er während solcher Feierlichkeiten meistens allein an der Theke saß und sich mit der Barkeeperin über Belanglosigkeiten austauschte.  Doch an diesem Abend verspürte er nicht das Bedürfnis nach bloß zeitausfüllendem Smalltalk.

Wenn das FBI schon dem Drang nachging ein übertriebenes Event zu veranstalten, sobald die Quote von geschnappten Straftätern mal über dem Durchschnitt lag, wo bestand die Schwierigkeit ein paar Stripperinnen aufzutreiben? Mulder schüttelte seufzend den Kopf, lockerte seine Krawatte und stieß ein frustriertes Seufzen aus. Wohin er auch schaute, überall waren Männer.  Beim FBI arbeiteten eindeutig zu wenige Frauen. Als er sich gerade dazu entschloss zu gehen, kam seine Partnerin durch die Eingangstür.  

Er bemerkte wie er für einen Moment zu atmen aufhörte. Sie trug nicht wie sonst einen Hosenanzug, der ihn oft vergessen ließ, dass er überhaupt mit einer Frau zusammen arbeitete, sondern eine fast durchsichtige weiße Bluse und einen blauen, eng anliegenden Rock. Mulder war nicht der einzige Mann, der Scullys Anwesenheit bemerkte. Es arbeiteten schließlich nicht viele weiblichen Bundesagenten fürs FBI und Scully genoss durch die Arbeit an den X-Akten sowieso einen hohen Bekanntheitsgrad. Selbst wenn dieser durch Mulder nicht gerade unter dem besten Licht stand.  Er schluckte, als er sah, dass seine Partnerin mit Jonathan Lansbury gekommen war. Der Mann, der schon lange ein Auge auf Scully geworfen hatte und kein Blatt vor den Mund nahm, wenn es darum ging laut auszuprechen für wie schwachsinnig er Mulders Theorien und Ansichten hielt. Dass die Arbeit an den X-Akten dem gesamten Ruf des FBI schaden würden und das Scully die Karriereleiter schon lange hoch hinaus geklettert wäre, würde Mulder sie nicht städig davon abhalten und mit seinen kindischen Beschwörungen von außerirdischen Wesen ihren brillianten, rationalen Geist vernebeln.

Wie sehr Mulder diesen Mann verabscheute! "Schenken Sie mir neu ein", forderte er von der Barkeeperin und verfolgte mit grimmiger Miene wie Lansbury es sich mit Scully in der Lounge gemütlich machte. Er rückte nah an sie heran und Mulder hätte wahnsinnig werden können, weil er nicht sah, wo Lansbury seine Hände hatte.  Die Barkeeperin reichte Mulder ein weiteres Glas Jim Beam in sein Blickfeld und mit einem zügigen Schluck leerte er es. Nie hätte er gedacht, dass Scully wirklich her kommen würde. Er erinnerte sich wie sie ihn gefragt hatte, ob sie ihn mit dem Auto abholen kommen sollte. Und er hatte, so blöd er war, gesagt, er würde etwas Besseres zu tun haben. Dass er an einem neuen Fall arbeitete. Dabei lag Mulders Problem vielmehr darin etwas mit Scully außerhalb von beruflichen Pflichten zu unternehmen. Und er war fest davon ausgegangen, dass sie nicht erscheinen würde, wenn er sich dagegen entschied zu kommen. Doch da hatte er sich anscheinend geirrt.

Eigentlich war nun der passende Augenblick dem Abend den Rücken zuzukehren, aber Mulder war mehr als unwohl zumute Scully mit dem Mann alleine zu lassen. Sie beteuerte zwar immer wieder, dass sie ein großes Mädchen war und nicht umsonst eine Waffe mit sich herum trug, aber wenn Mulder jedes Mal Geld dafür bekommen hätte, wenn er ihr mal wieder in letzter Sekunde das Leben retten musste, wäre er jetzt reicher als Bill Gates.

Er sah wie Scully eine widerspenstige Strähne ihres Weinroten Haares hinters Ohr strich und ihren Kopf vor Lachen in den Nacken warf. Offenbar kannte Lansburry gute Witze.
Nach gefühlten Stunden, in denen er nur so da saß und die beiden beobachtete, stand Scully mit einem Mal auf und bewegte sich auf die Theke zu. Mulder wurde sich darüber bewusst, was für ein jämmerliches Bild er für sie abgeben musste. Und tatsächlich, sie nahm ihn sofort näher unter die Lupe. "Мulder", sagte sie überrascht und zog skeptisch ihre Augenbrauen zusammen. "Sie hier?" Ihre Lippen waren dunkelrot geschminkt und er musste einmal mehr feststellen wie schön sie war. Es kostete Mulder Mühe zu einer Antwort anzusetzen. "SIE hier?", fragte er zurück und ließ seinen Blick über ihre Bluse, bis hin zu ihren Füßen gleiten, die in schwarzen Pumps steckten. Als würde Scully sich plözlich sehr unwohl in ihrer Aufmachung  fühlen, räusperte sie sich und verschränkte ihre Arme vor der Brust. "Haben Sie nicht an einem neuen, super wichtigen Fall zu arbeiten?" Dabei formte sie mit ihren Fingern Anführungszeichen in die Luft. "Мachen Sie sich etwa mal wieder lustig über mich, Agent Scully?" Mulder lächelte und Scully erwiderte es. Dann ließ sie sich kurzerhand neben ihm auf dem Barhocker nieder.
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