I Will Not Back Down

von Zidana
GeschichteAbenteuer, Freundschaft / P12 Slash
Castiel Crowley / Fergus MacLeod Dean Winchester Lucifer Sam Winchester
14.04.2016
24.05.2016
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25.04.2016 2.320
 
I Will Not Back Down

Chapter 2 - I Can't Let You Slip Right Through My Hands


Mein Ziel war es, diesen Käfig ein für alle Mal zu verlassen. Nachdem ich die Erde nun einmal besucht hatte; nachdem ich die Freiheit wieder geschnuppert hatte, musste ich gestehen, dass es sehr, sehr langweilig wurde, Tag ein Tag aus in diesen vier äußerst kleinen Wänden herumzusitzen. Auch wenn die Menschheit und ich niemals best Friends forever werden würden, ich hatte ein paar Vorzüge auf der Erde entdeckt.

Der Himmel war etwas Unglaubliches. Ich war immer gerne dort gewesen. Es war einfach nicht in einer menschlichen Sprache zu beschreiben. Der Himmel war so schön, wie die Hölle schlimm war und auch die konnte man nicht –oder wollte vielleicht auch nicht – in Worte fassen. Die Erde hingegen war an sich auch nicht schlecht. Widerlich waren schlicht weg die Menschen mit ihren unerdenklich vielen Fehlern.

Michael war es gewesen, der mich immer wieder daraufhin gewiesen hatte, dass die Menschen eben so waren. Freier Wille. Getränkt in ein wenig Schicksal. Ich hatte nicht verstanden, was das bedeuten sollte. Ich hatte gedacht, ich hätte auch freien Willen. So gesehen hatten Engel diesen irgendwie ja auch.

Mittlerweile verstand ich den Unterschied zwischen Menschen und Engel. Abgesehen von den wesentlichen Dingen, die ein sterbliches Leben ausmachten natürlich. Die Menschheit hat seinen freien Willen, deswegen ist es auf der Erde wie es ist. Tod und Verderben, Mistrauen und Selbstsucht. Die Menschen verstanden nicht, was Vater ihnen da geschenkt hat, in dem er sie erschuf.

Als ich den Unterschied erkannt hatte, war mir eines klar geworden. Ich war wie sie – abgesehen von dem sterblichen Zeug. Ich hatte meinen freien Willen gehabt, als ich nicht das tat, was von mir verlangt wurde. Freier Wille bedeutet falsche Entscheidungen treffen zu können. Vielleicht hatte auch ich eine falsche Entscheidung getroffen. Vielleicht hatte aber auch Vater eine oder zwei falsche Entscheidungen getroffen.

Diese Art von Entscheidungen konnte man nicht mehr rückgängig machen. Gott konnte nicht die ganze Menschheit einfach so mit einem Finger schnipsen verschwinden lassen, ich konnte mich nicht dafür entschuldigen wer ich war und Gott konnte die Äonen, die ich in der Hölle verbracht hatte, nicht einfach so rückgängig machen.

Die Entscheidung mich in einen Menschen zu verwandeln, konnte ich auch nicht rückgängig machen. Dafür konnten es aber die Winchesters und der restliche komische Haufen.

Ich stand in einem Kreis aus himmlischem Feuer. Die Hitze legte sich wie eine kratzige Decke über meine eiskalte Haut … über mein eiskaltes Ich. Der Schein des Lichts zeichnete unheimliche Schatten auf mein Gesicht und auf die Gesichter, die mich ansahen. Castiel, Dean und Rowena standen mir gegenüber. Die beiden Männer flankierten die Hexe, während der Winchester sich nicht entscheiden konnte, ob es sinnvoller war, ein Auge auf mich zu haben oder auf die Hexe.

Crowley, der sich auch noch wieder blicken lassen hatte und alles andere als zufrieden mit der ganzen Sache war, und Sam hatten sich auf das Podest, von dem aus man einen guten Blick auf den Käfig hatte, zurückgezogen. Scheinbar waren die Beiden sich darin einig, dass sie mich nicht leiden konnten.  Es beruhte schließlich auf Gegenseitigkeit.

Castiel hingegen hatte meinen Respekt. Etwas an ihm war besonders. Vielleicht war es nur die Tatsache, dass jemand – vermeintlich mein Vater – ihn von den toten zurückgeholt hatte. Vielleicht war es aber auch die Veränderung, die der kleine Engel seitdem durchgemacht hatte.
Dieser Respekt war es auch gewesen, der mich diesem Plan hatte zustimmen lassen. Aus irgendeinem Grund brachte ich ihm etwas Ähnliches wie Vertrauen entgegen. Das war auch so was von nötig, wenn man bedachte, dass Castiel vorhatte, mein Bewusstsein von meiner Gnade zu trennen, um erst Nicks Körper zu –wie würden Jugendliche das heute bezeichnen?- einem Zombie zu machen und anschließend mein Bewusstsein in diesen Körper zu transferieren. Meine Gnade konnte ich anschließend wieder in mich aufnehmen. Castiel und ich waren uns einig, dass die Prozedur ihr nicht all zu viel anhaben dürfte.

Rowena war fertig mit den Vorbereitungen des Zaubers. Sie kniete auf dem staubigen Boden der Hölle, vor ihr ein zeremonieller Teller, ein paar Kerzen und vor ihr aufgeschlagen das Buch der Verdammten. Es sah albern aus, wie der Griff des Hexenfängers sich bei jeder Bewegen auf und ab bewegte.  Sie hob den Kopf und grinste mich lausbübisch mit ihren roten Lippen an.

Dean beäugte mich in diesem Moment ebenfalls und sagte dann: „Irgendwas stimmt hier nicht. Du bist viel zu still. Normalerweise kannst du doch die Klappe nicht halten.“

Ich antwortete ihm nicht, sondern wandte ihm nur den Blick zu, der immer wieder bei Sam und Crowley gelandet war. Ich war innerlich ganz ruhig. Oder zum mindestens tobte keine Wut in mir. Es war leise in meinem Inneren. Als wäre ich ein See, dessen Oberfläche ruhig da lag, wie ein Spiegel. Es war aber auch die Ruhe vor dem Sturm, angespannt und gefährlich. Wäre ich ein Mensch, würde mein Körper wahrscheinlich vor Anspannung zittern.

„Dean, wir sollten es nicht herausfordern“, meinte Castiel warnend. Er ließ sich nicht ablenken durch mein ungewöhnliches Verhalten, durch meine Zustimmung oder meine Erscheinung. Er war sich vollkommen bewusst, dort stand der Teufel und wenn der Teufel einmal einem anderen Plan folgte als dem seinen, dann ergriff man diese Chance ohne zu zögern.

„Wir sollten jetzt anfangen“, unterbrach Rowena die noch nicht gestartete Diskussion. Sie drückte dem kleinen Engel ein Einmachglas und ein Messer in die Hand.

„Darin willst du meine Gnade aufbewahren?“, fragte ich ein wenig angewidert. Meine Gesichtszüge entgleisten mir scheinbar.

Castiel und Dean blickten gleichzeitig auf das Glas in seinen Händen und dann zu mir. „Es ist ein Glas. Das wird funktionieren.“

Ich schüttelte bloß den Kopf und versuchte nicht daran zu denken, dass gleich ein Teil von mir in einem Marmeladenglasen stecken würde.

„Ich werde jetzt anfangen“, mischte Rowena sich wieder ein, wobei sie sogleich ein Streichholz entzündete und es mit ihren ersten lateinischen Wörtern in den Teller fallen ließ. Sofort ging alles in Licht auf. Ich spürte wie sich meine optische Gestalt in ihre ursprüngliche Form zurück verwandelte. Ich spürte, wie mein Sein sich ausdehnte und greller wurde. Ich befürchtete, dass meine Gestalt den Menschen die Augen ausbrennen würden. Einen Augenblick amüsierte mich das enorm, ich hätte gelacht, wenn ich es denn gekonnt hätte. Aber dann riss ich mich zusammen und dachte daran, dass ich Freiheit wollte und die bekam ich nicht, wenn ich bis in alle Ewigkeit in einem Kreis aus heiligem brennendem Öl stehen musste.

Das Licht wurde gerade schwächer, weniger strahlend, als matt dämmernd, als ich einen Schmerz spürte, wie noch nie zuvor in meiner Existenz. Es zerriss mich auf ganzer Linie. Ich fühlte mich, als würde ich zu staub zerfallen oder in Flammen aufgehen. Ich dachte tatsächlich, dass ich jeden Moment einfach nicht mehr existierte. Dass ich sterben würde. Aber dann waren die Schmerzen ganz plötzlich einfach weg und ich fühlte leere. Ich fühlte ganz genau, dass da etwas fehlte. Mein Bewusst sein schien einfach nur noch so dahin zu existieren ohne irgendetwas. Zeit und Raum waren verschwunden. Schwerelos war ich einfach da für gefühlte Ewigkeiten oder eine hundertstel Sekunde. Ruhe, richtige Ruhe legte sich auf mich und ich fing ganz langsam an mich an diesen Frieden zu gewöhnen und dann … und dann fühlte ich mich, als würde ich in einen Staubsauger gesogen. Alles drehte sich, merkwürdige Dinge flogen umher und dann machte es „Plopp“ als ich im Staubsaugerbeutel landetet.

Alles war schwarz. Alles war still. Aber anders als zuvor. Da war nicht nichts. Da war… das Geräusch von prasselndem Feuer. Und ich spürte die Wärme, die wirklich warm war. Ich spürte sie auf meiner Haut und … ganz plötzlich wurde mir bewusst, dass ich in einem Körper steckte –nein. Ich war der Körper.

Ich blinzelte und dann krachte alles auf mich ein. Ich schnappte nach Luft, empfand die Bedrückung, die von der Hölle aus ging, merkte wie das Feuer mir die feinen Härchen auf meiner nun menschlichen Haut versenkte. Ich hatte Hunger und Durst. Schätze ich.

Meine Augen gewöhnten sich schnell an das Licht hier unten. Ich hob den Kopf und blickte umher. Von dem himmlischen Feuer war nicht mehr viel übrig geblieben, das erklärte, warum ich eiskalte Füße hatte.

Rowena lag ohnmächtig auf dem Boden, Castiel kniete neben Dean, der Nasenbluten hatte und auch auf dem Boden lag. Er legte ihm zwei Finger auf die Stirn und prompt wachte der Winchester wieder auf. Schmerzhaft verzog er das Gesicht. Castiel beäugte ihn genau, während die Hexe stöhnend zu sich kam.

Das Geräusch von Schritten löste mich aus meiner Starre. Während ich mich gerade hinsetzte, erblickte ich Sam, der auf uns zugelaufen kam. Er sah ebenso wie Castiel ziemlich unbeschädigt aus. Wenn man Mal die Sorge auf seinem Gesicht ignorierte. Castiel war ein Engel, ihm machte die wahre Gestalt eines anderen Engels natürlich nichts aus. Aber Sam… vielleicht war er einer der Menschen, die die Stimme und Gestalt mancher Engel hören und sehen konnten.

„Dean, bist du Okay?“, fragte Sam. Er hockte sich neben den Engel und betrachtete seinen Bruder mit gerunzelter Stirn.
„Er wird wieder. Er braucht nur einen Moment“, antwortete Castiel für den Menschen.
Sam runzelte noch mehr die Stirn, bevor er den Kopf dann zu mir drehte. Ich konnte nicht wirklich deuten, was genau sein Gesichtsausdruck mir sagen sollte. Vielleicht war Sam sich auch nicht ganz sicher. Statt aber etwas zu sagen, griff er nach einer Decke, die Rowena mit all dem anderen Kram vorhin mitgebracht hatte und warf sie mir zu. Ich war noch ein wenig neben mir und verstand nicht sofort, was das sollte, aber dann wurde mir bewusst, dass ich keine Klamotten an hatte.
Ich wickelte mich in die weiche decke und versuchte weiterhin richtig zu mir zu kommen. Ich stand auf, spüre unangenehm den harten Boden unter meinen nackten Füßen. Ich machte ein paar Schritte und taumelte ein wenig.
„Whoa“, sagte Sam, wobei er beide Hände abwehrend ausgestreckte hatte. „Ganz langsam, ja? Wie fühlst du dich?“ Erst nach den Worten fiel mir auf, dass die Hände nicht abwehrend gemeint waren, sondern meiner Sicherheit dienten.
„Ich hasse es das zu sagen, aber ich habe Hunger und Durst und ich denke, ich müsste Mal auf … auf die Toilette“, murrte ich. Ich blickte meine Zähen an und wackelte mit ihnen. Irgendwie war es so anders ohne meine Gnade.
Sam blinzelte verstört. „Hunger? Durst? Du- Darum kümmern wir uns später.“ Er drehte sich wieder von mir weg und sah nach Rowena. Mir sollte es Recht sein.

Ein weiteres paar Schritte hielt mich dann davon ab, weiter in mich hinein zu horchen. Es war Crowley, der vor mir stand. Er hatte die Hände in die Taschen seiner Hosen gesteckt und umso länger er mich betrachtete, desto größer wurde seine Grinsen.

„Was?“, fragte ich. „Du hättest gucken können, als ich noch nackt war.“

Doch Crowleys Grinsen bekam keinen Knacks, er reagierte in keiner Weise auf meinen Kommentar. Er schien mich nicht einmal gehört zu haben. Dann nahm er eine Hand aus der Tasche und im nächsten Moment flog ich quere durch die Hölle gegen die nächste Wand. Ich hatte nicht gewusst, dass Stein so dermaßen wehtun konnte. Ich erinnerte mich an den Schmerz, den Dean mir zugefügt hatte, als er mit dem Colt auf mich geschossen hatte. Der Kopfschuss war gar nichts, im Gegensatz zu dem hier. Vielleicht war ich auch einfach nur ein wenig zimperlich, aber hey, man wird ja nicht jeden Tag das erste Mal ein Mensch.

Einen Moment blieb ich an der Wand auf dem Rücken liegen. Es drehte sich schon wieder alles. Mein Rücken tat weh, mein Kopf fühlte sich an, als wollte er platzen. Und dann kam etwas Bekanntes in mir hoch. Wut. Was erlaubte sich dieser aufgeblasene…!

Ich wollte aufspringen, mich auf ihn stürzen, aber ich hatte nicht die Rechnung mit den menschlichen Knochen gemacht. Ich kam gerade Mal dazu mich auf die Unterarme zu stützen, als mir der Schmerz durch Mark und Bein ging. Ich verzog das Gesicht und biss die Zähne zusammen.

Dean stand wieder. Mehr oder weniger. Castiel stand schützend vor ihm, hatte seine Engelsklinge gezückt. Sam stand neben ihm, nun tatsächlich in einer abwehrenden Haltung und ihnen gegenüber stand Crowley, angriffslustig und –und mit diesem verdammten Einmachglas in der Hand.

„Crowley, mach keinen Scheiß!“, schrie Dean. „Das da ist die einzige Chance sie zu besiegen!“

„Das hier ist die einzige Chance Lucifer ein für alle Mal los zu werden!“, brüllte der Dämon zurück, während ich es irgendwie schafft mich auf die Füße zu rappeln.

„Wir können ihn auch immer noch loswerden, wenn wir Amara losgeworden sind!“

„Am besten wäre es noch ihn jetzt sofort umzubringen“, knurrt Crowley. Sein Blick lag dabei auf mir, während ich die Decke wieder fester um mich schlang.

Ja, ich wollte ihn auf der Stelle erwürgen, massakrieren, häute, seine Seele solange foltern bis sie nur noch ein Häufchen Elend war. Ich war richtig wütend. Ich war außer mir. Aber ich wusste auch, dass ich im Augenblick nichts war, im Vergleich zu ihm. Was mich dazu brachte, dass ich meinen Bruder und seinen grässlichen Plan verfluchte! Und im Endeffekt landete ich wieder bei mir auf den ich eigentlich sauer sein sollte, denn es war ja meine Entscheidung gewesen. Aber hey, man war ja nicht der Teufel, um sich selbst die Schuld zu geben.

„Zur Hölle! Verschwindet aus meinem Königreich!“, brüllte Crowley und ja, der war auch ziemlich außer sich.

Die drei anderen bewegten sich langsam rückwärts und ich konnte es nicht fassen. Die überließen diesem Mistkerl meine Gnade! Ohne Kampf. Ich hätte gerne mit offenem Mund dabei zugesehen, wie sie alle drei vor dem König der Hölle kuschten. Um mir dann anschließend selbst die Kugel zu geben. Aber das wurde mir nicht vergönnte. Castiel packte mich am Arm und schleifte mich beinahe hinter sich her.

Während wir vier meine bessere Hälfte zurückließen, blieb auch Rowena nichts anderes übrig, als bei ihrem Sohn zu verweilen. Sehnsüchtig warf sie uns einen Blick hinter her.
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