I Will Not Back Down

von Zidana
GeschichteAbenteuer, Freundschaft / P12 Slash
Castiel Crowley / Fergus MacLeod Dean Winchester Lucifer Sam Winchester
14.04.2016
24.05.2016
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I Will Not Back Down

Chapter 1 – You Know You Can’t Fight This Now


„Du“, sagte Sam ungläubig. Ich sah diesen Funken Hoffnung aus seinen Augen schwinden. Selber kaute ich am Daumennagel meines Erscheinungsbilds herum und versuchte mein Grinsen nur halbherzig zu unterdrücken. „Die Visionen. Alles. Das warst alles du.“ Mein Grinsen rührte nicht daher, dass Sam auf meinen Trick hereingefallen war; dass er meiner Spur gefolgt war; nein, es kam daher, dass es so absurd war, dass er wirklich daran geglaubt hatte, dass Gott – mein allseits geliebter Vater – ihm helfen wolle.

„Beeindruckend, nicht?“, meinte ich und wartete gespannt darauf, wie sich diese Situation jetzt entwickeln würde.

„Und Rowena?“ Jeder hätte Sam angesehen, dass er sich selbst für ziemlich dumm hielt. Wie hatte er daran glauben können.

„Tat was ihr gesagt wurde.“ Ich zuckte leicht mit den Schultern, was hatte er denn erwartet? „Groupies, die sind halt immer so … eifrig.“

„Du hast also all das getan, nur um… um was? Mich zu bespringen?“ Langsam. Ganz langsam kochte Wut hinter Sams so ruhigen Maske hoch und es war faszinierend das zu beobachten.

„Buchstäblich.“

„Tja, dann hast du deine Zeit verschwendet. Denn weißt du, ich weiß, wie das endet.“

„Ach wirklich?“

„Ja. Du wirst mich verspotten und…“, begann er, während wir wie zwei Tiger in einem Käfig um einander herum schlichen. Jeder Muskel auf höchster Alarmbereitschaft ließ er mich nicht aus den Augen und ich ihn auch nicht. „…dann foltern und ich werde ‚nein‘ sagen und wahrscheinlich wird eher früher als später mein Bruder durch diese Tür kommen und dir in den Arsch treten.“

Ich lachte, fand es allerdings nicht im geringsten lustig, da mir klar war, dass er zum mindestens in einem Punkt recht hatte. „Dean?“ würde kommen. „Du verlässt dich auf Dean?“ Das ärgerte mich. Ziemlich.

Sam nickte und machte dann wieder eine Kopfschüttelnd-ähnliche Bewegung. Panik schlich sich in seine Gesichtszüge, aber er hatte es noch gut unter Kontrolle. „Das hab ich immer.“

Ich seufzte. „Oh Sam, du hast mich komplett falsch verstanden“, flötete ich.

Sam lachte auf, nicht sonderlich fröhlich. „Das bezweifle ich.“ Nervosität gesellte sich auch noch zu Sams Gefühlen.

„Oh nein. Ich bin nicht hier, um dich zu foltern“, es hätte vielleicht beruhigend klingen sollen, aber aus meinem Mund tat es das nicht. Es bereitete mir einfach zu viel Freude Sam gerade so leiden zu sehen. Ich war der Überzeugung, dass er ein klein wenig Bestrafung dafür verdient hatte, dass er mich wieder in diesen Käfig gesperrt hatte. „Ich meine, das könnte ich.“ Er wich einen Schritt zurück. Und noch einen. Während ich ihm langsam näher kam. „Ich könnte dir Schmerzen zufügen, die du dir nicht einmal vorstellen könntest. Ich könnte dir solch wunderbare Schmerzen zufügen.“ Sam stieß mit dem Rücken gegen die Gitterstäbe und ich musste mich an meinen eigentlichen Plan zurückerinnern. „Aber das ist doch schon 5 Jahre her. Nein, ich werde dir keines deiner wunderbaren Härchen auf deinem wunderbaren Köpfchen krümmen.“

Sam war nun sichtlich verunsichert. Es schien, als würde er meinen Worten Glauben schenken; als wäre ihm rational bewusst, dass ich nicht lügen konnte, aber alles in ihm sträubte sich dagegen. „Was willst du dann?“

„Dir ein Angebot machen, das du nicht ausschlagen kannst. Sam, sieh mal, du brauchst mich. Und das werde ich dir beweisen.“ Nicht zu schnell, aber auch nicht zu langsam hob ich meine linke Hand an Sams Stirn. Ich wusste, dass er sich nicht wehren würde. Es keimte vielleicht schon ein wenig Hoffnung in ihm auf. Dennoch kniff er die Augen ängstlich zusammen, als würde er auf den Schmerz warten. Stattdessen verschluckte uns das warme und helle Licht meiner Gnade.


~*~


Sam saß auf dem Boden des Käfigs, die kalten Gitterstäbe im Rücken. Er starrte auf seine verschränkten Finger und dachte nach; dachte tatsächlich darüber nach, was ich gesagt hatte, was ich ihm gezeigt hatte. Die Erinnerungen und meine Meinung zu seiner persönlichen Entwicklung hatten scheinbar einen Eindruck hinterlassen. Einen kleinen Augenblick war ich zu erstaunt und vergaß kurz, dass es immer noch darum ging die Welt zu retten.

„Lass dir ruhig Zeit mit deiner Entscheidung, die Welt braucht ja noch ein wenig, um in den Abgrund zu stürzen“, sagte ich nach einem Moment Still. Als ich auch dann keine Antwort bekam, hockte ich mich vor ihn hin. Er sah mich nicht an, aber er rückte noch weiter an die Gitterstäbe, falls das überhaupt noch möglich war. Ich unterdrückte ein Seufzen. „Hör Mal Sam, ich kann die Finsternis besiegen. Wir können Sie besiegen, du und ich. Zusammen.“

Es dauerte noch einen kleinen Augenblick, aber dann sagte er mit reiner und tiefer Entschlossenheit: „Nein.“

Es fühlte sich an wie… wie sagte man? Als würde mir der Boden unter den Füßen weggerissen? Es passte nicht 100-prozentig. Es war eher, als zerbrach etwas in mir. Wut kochte in mir hoch und etwas anderes. Im Aufstehen drehte ich mich von ihm weg und machte die paar wenigen Schritte, die mir im Käfig vergönnt waren. Ich hatte dieses Gefühl schon lange nicht mehr gehabt, es war Ewigkeiten unter dieser unbändigen Wut verborgen gewesen. Enttäuschung. Das hieß, ich hatte Hoffnung gehabt.

Einen Moment viel zu schockiert über mich selbst, vergaß ich fast Sam anzuschreien: „Nein? Was soll das heißen!?“

„Du hast mich schon verstanden.“

„Ich hab dich gehört, aber verstehen werde ich dich nie.“ Ungläubig schüttelte ich leicht den Kopf und presste die Lippen fest aufeinander.

„Du warst gut, wirklich“, sagte Sam, wobei er aufstand. Er klang selber auch ein wenig ungläubig. „Ich – du hattest mich ein paar Mal fast so weit, aber was, wenn du Recht hast? Wenn du die Finsternis tatsächlich besiegen kannst?“

„Ich kann sie besiegen! Nur ich!“, stieß ich wütend hervor. Es verlangte mir alles ab, nicht total die Beherrschung zu verlieren. Ich wusste, dass das alles nur noch schlimmer machen würde.

„Und was passiert dann? Nehmen wir mal an, du besiegst die Finsternis, was dann?“

„Ich … gehe nach LA und … kläre Verbrechen auf.“

„Jetzt Mal im Ernst. Was haben wir davon, wenn du die Finsternis besiegst und anschließend die Welt wieder in die Apokalypse reißt? Vom Regen in die Traufe.“

Ich musste einen Augenblick nachdenken. Hauptsächlich veranstaltete ich diesen ganzen Zirkus hier natürlich nicht, um die Menschheit vor der Finsternis zu retten, nein. Mir lag viel mehr daran, dass eben nicht nur die Menschheit von diesem Ausmaß an Zerstörung betroffen sein würde, sondern alles und jeder. Somit auch mein eigener Hintern. Aber darüber, was danach passieren sollte, hatte ich mir in dem Sinne keine Gedanken gemacht. Freiheit war das einzige, was in meinem Kopf vorgeherrscht hatte.

„Die Apokalypse ist im Vergleich zu dem was Sie vorhat noch harmlos! Und wer sagt denn, dass ich überhaupt immer noch die Apokalypse herbeiführen will?!“

„Sam!“

Ich seufzte genervt und massierte mir die Stirn, als ich diese Stimme hörte.

„Oh hey Dean“, sagte ich mit gespielter Fröhlichkeit. „Und ach ja der andere.“ Castiel und Dean kamen eilig auf den Käfig zu gelaufen, von Crowley oder Rowena war nichts zu sehen. Beide sahen ziemlich angespannt aus. Castiel sah sogar ziemlich demoliert aus. Nicht nur das er Schrammen und Blaue Flecken im Gesicht hatte, die zwar schneller heilten als bei einem Menschen, aber immer noch viel zu langsam für einen Engel, da waren auch noch diese verbrannten Flügel, von denen nur noch ein Gerippe zu sehen war. Ich sah das erste Mal, was meinen Brüdern und Schwestern im Himmel wiederfahren war. Es tat weh und erfüllte mich mit einem weiteren Gefühl, dass ich schon länger nicht mehr gefühlt hat. Trauer. Sie wog schwer, drückte auf meine Schultern und meine Brust.

Scheinbar hatte dieser Anflug von Menschlichkeit sich auch auf meinem Gesicht wieder gespiegelt, denn Castiel legte den Kopf schief und erwiderte meinen Blick mit Verwirrung und gesunder Skepsis.

„Der liebe Sammy und ich waren gerade dabei zu erörtern, wie ich euch denn behilflich sein kann, wenn Sam ‚ja‘ sagt.“

„Das wird er ganz sicherlich nicht!“, empörte Dean sich. „Lass ihn sofort aus dem Käfig.“

„Das geht nicht, Dean“, meinte ich nun ernst. „Sam ist meine einzige Versicherung, dass ihr überhaupt ein Wort mit mir redet und mich nicht zurück schicken könnt, so lange er hier mit mir ist. Außer natürlich ihr wollt, dass Sams Seele noch einmal mit mir in den richtigen Käfig kommt.“

Dean knirschte mit den Zähnen und ballte die Hände zu Fäusten.

„Das heißt Rowenas Zauber wird nicht funktionieren.“

„Doch“, erwiderte ich auf Castiels Frage, auch wenn ich gar nicht wusste, was die Hexe im Begriff war zu tun. „Nur es wirkt nicht nur auf mich, sondern auch auf ihn.“ Fast gleichgültig zeigte ich mit dem Daumen über meine Schulter auf Sam, dessen Blicken immer wieder zwischen uns dreien hin und her huschte.

Der kleine Engel und der Winchester tauschten einen viel sagenden Blick aus, dann drehte Castiel sich wieder um und schwand in dem Gang, den er nur Minuten zuvor herunter gekommen war. Vermutlich hielt er Rowena davon ab, ihren Zauber zu sprechen. Zum mindestens so lange bis Sam aus dem Käfig war.

„Geht’s dir gut, Sam?“, fragte Dean und sein harter Gesichtsausdruck wurde ein wenig weicher, als sein Blick sich auf seinen Bruder richtete.

Sam schnaubte. „So gut wie es einem gehen kann, wenn man mit dem Teufel in einem Käfig steckt.“ Sein Blick  bohrte sich böse in meinen Rücken.

„Willst du ihn so lange in dem Käfig behalten bis er ‚ja‘ sagt?“

„So viel Zeit haben wir eigentlich nicht, wenn die Finsternis dort draußen rumläuft, aber ja, wenn es sein muss, kann ich Ewigkeiten warten.“

Einen Moment herrschte die drückende Stille der Hölle, in der man immer der Meinung war, jemanden schreien zu hören. Und dann lauschte man ein wenig mehr und nichts.

„Dean“, sagte Sam dann und gesellte sich neben mich an die Gitterstäbe. Natürlich mit reichlich Abstand. „Vielleicht-„

„Ja?“, fragte ich und grinste ihn dabei an.

„Halt die Klappe!“, fuhren mich die Brüder gleichzeitig an. Und ja ich würde mich einen Augenblick lang hüten dieses Gespräch noch einmal zu unterbrechen. Einen Augenblick.

„Auf gar keinen Fall Sam! Beim letzten Mal war das schon eine reichlich bescheuerte Idee!“, sagte Dean, der wusste, was Sam hatte sagen wollen. Vielleicht kann er die Finsternis ja wirklich besiegen.

Ich zog mich ein Stück in den Käfig zurück und ließ die beiden diskutieren. Ich hatte Sam mitgeteilt, was ich dachte, was ich wusste, mehr konnte ich nicht tun. Abgesehen von ihn foltern, aber, auch wenn mir das keiner der Anwesenden glauben wollte,  das war nicht in meinem Sinne.

Als sich die Diskussion um das eine Wort gelegt hatte, begann Dean zu erzählen, was ihm passiert war und was Castiel passiert war. Dass die Engel Amara als Kollektiv angegriffen hatten und dass es nicht funktioniert hatte. Castiel war mit einer Nachricht zurückgekehrt. ‚Ich komme‘ hatte Sie ihm auf den Oberkörper in die Hautgeritzt. Eine Drohung, ein Versprechen. Egal was es war, sie würde es wahr machen.

Und apropos Engel, dieser kam wieder zurück in Begleitung der rothaarigen Groupie Hexe. Sie trug einen Hexenfänger um den Hals und musste wohl jedem Wort ihres dämonischen Sohnes gehorchen. Die Gute konnte einem schon leidtun.

„Dean“, sagte Castiel, so wie er es immer sagte; so dass es nach viel mehr klang, als einem einfachen Namen. „Lucifer ist im Moment unsere beste Möglichkeit Amara zu besiegen.“

Entgeistert sah Dean seinen himmlischen Begleiter an. „Du willst das Sam ‚ja‘ sagt?!“

„Nein, natürlich nicht“, antwortete er, wobei er auf Dean zu ging und ihm dann etwas zu flüsterte. Es amüsierte mich ungemein, dass der kleine Engel glaubte einen Plan zu haben. Sam schien es allerdings nicht zu amüsieren. Er wirkte mittlerweile ziemlich aufgebracht und unterschwellig ein wenig panisch.

„Jungs?“, rief er ungeduldig. Er hatte beide Hände um je einen Gitterstab geschlossen und klammerte sich so sehr daran, dass seine Knöchel weiß hervortraten.

„Rowena, wenn das nicht funktioniert, dann-“

„Dann was?!“, fauchte die rothaarige mit ihrem putzigen Akzent zurück. „Bringt ihr mich um? Und wer schickt Lucifer dann wieder zurück in seinen Käfig?“ Ihr Blick fiel auf mich, wobei sie versuchte entschuldigend drein zu blicken, während sie auf den Hexenfänger deutete.

„Sie kann Crowley nicht anlügen, Dean.“ Castiel sah den Winchester unglücklich an. „Es ist die beste Möglichkeit, die wir im Augenblick habe.“

„Es muss eine andere Möglichkeit geben.“ Dean hatte diesen Satz mit Sicherheit schon einige Male gesagt in den letzten Tagen. Ich konnte mir vorstellen, wie häufig die Brüder die Diskussion darüber, ob sie hier runter kamen oder nicht, angefangen und abgebrochen hatte. Es erinnerte mich an Diskussionen mit meinen Brüdern. „Wir können den Teufel nicht auch noch und nicht schon wieder auf die Erde los lassen!“

„Jungs!“, wiederholte Sam. Er wollte definitiv nicht, dass über seinen Kopf hinweg entschieden wurde. In dieser Situation verstand ich ihn dann doch mal. „Was ist der Plan?“

„Eine andere Hülle für Lucifer.“

Das war der Moment, in dem ich mich wieder einmischte. „Eine andere Hülle?“, fragte ich belustigt, während ich mich wieder neben Sam stellte, der wohl auch nicht allzu begeistert von der Idee schien. Er machte so unauffällig wie möglich einen Schritt von mir weg. „Viel Spaß beim Suchen, Bruder. Sam und ich warten dann so lange hier.“

„Wir müssen nicht suchen. Wir kennen schließlich jemanden außer Sam.“

„Darf ich dich daran erinnern, dass Nick nicht sonderlich lange durchgehalten und selbst wenn du ihn im Himmel finden solltest, glaube ich nicht, dass er deiner Idee zustimmt.“

Sam runzelte bei meinen Worten die Stirn. Wahrscheinlich fragte er sich, ob Nick tatsächlich im Himmel war und nicht doch in der Hölle. Warum sollte er? Er hatte sich keinen Fehltritt in seinem Leben geleistet und Vater hatte ihn leiden lassen. Er hatte den Frieden des Himmels verdient und ich fand auch, dass er es weiterhin verdient hatte, dort zu bleiben.

„Es gibt da einen Zauber“, sagte Rowena. „Im Buch der Verdammten.“ Und wie sie es sagte, machte offensichtlich, dass es einen Haken gab.

„Was ist der Haken an der Sache?“

„Es wird dir nicht gefallen.“

„Spucks schon aus.“ Hauptsache ich kam aus dem verdammten Käfig raus.

„Wir müssen dich menschlich machen.“
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