Deponia 1 - 4: Die Frage nach der Antwort

Aufzählung/ListeAllgemein / P12
14.04.2016
22.05.2017
8
16.593
4
Alle Kapitel
20 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
22.05.2017 3.533
 
Der Schnösel (by ZMistress - Gastbeitrag)


„Schmierlappen, Schnösel und Lackaffe“ – Rufus lässt für gewöhnlich kein gutes Haar an seinem Rivalen. Aber was kann man über Cletus noch herausfinden? Sehen wir uns einen der Gegenspieler unseres Protagonisten mal genauer an.
_______

Äußerlich ähnelt Cletus Rufus natürlich sehr, immerhin haben die beiden nahezu die gleichen Gene, doch ist Cletus wesentlich blasser und trägt ein Ziegenbärtchen anstelle einiger Fusseln am Kinn. Er wirkt sauberer und gepflegter, auch wenn Rufus darauf hinweist, wie fettig seine Haare sind – vielleicht verursacht durch ein Zuviel an Stylingprodukten?

Außerdem trägt Cletus eine Variation desselben ziemlich engen Anzugs, in dem auch Goal herumläuft, wenn auch mit Schlaghosen und einem überdimensionierten Kragen. Da wir auch andere Elysianer in ähnlichen Anzügen sehen, aber auch eine ganze Reihe in weit bequemer aussehenden bademantelartigen Outfits, deutet dies darauf hin, dass ihm sein Aussehen sehr wichtig ist und dass er mehr Wert auf Mode legt, als auf ein praktikables Outfit. Dieser Kragen kann einfach nicht praktisch sein.

Meist zeigt Cletus‘ Gesicht einen betont gelangweilten und gleichgültigen Ausdruck, den wir allerdings in keiner einzigen Cutscene zu sehen bekommen. Anscheinend kann er diese Fassade, über den Dingen zu stehen, nicht aufrechterhalten, sobald etwas geschieht, dass ihn auch nur ein wenig aus der Reserve lockt.

Interessant ist auch, dass Cletus (zumindest in der Originaltrilogie) wann immer er einen Gegenstand in die Hand nimmt, dies mit seiner linken Hand tut. Von der Waffe am Ende des ersten und Anfang des zweiten Teils über die Fernbedienung, zum Löffel, wenn man ihn im Hotel Menetekel essen sieht und der Zahnbürste, die er kurze Zeit später benutzt: stets hat er den Gegenstand in der linken Hand. Einzig wenn wir ihn einen Bericht in seinem Hotelzimmer schreiben sehen (und als er Goal das Gegengift für Poisounous zuwirft) benutzt er die rechte Hand. Allem Anschein nach ist Cletus Linkshänder, der zumindest für das Schreiben darauf gedrillt wurde, seine rechte Hand zu benutzen, sich aber sonst mit der Linken wohler fühlt. Das deutet darauf hin, dass er wie schon bei seinem Outfit krampfhaft bemüht ist, zur gehobenen Gesellschaft zu passen.

Deponia Doomsday

Da sein Auftritt in Deponia Doomsday chronologisch vor seinen Szenen in den anderen Spielen liegt, möchte ich mit dem beginnen, was wir in diesem Spiel über ihn erfahren. Zwar wird nichts direkt über seine Jugend auf Elysium gesagt, doch aus dem, was man über Elysium erfährt, kann man auch seine Schlüsse ziehen.

Besonders vielsagend finde ich, dass Rufus versehentlich für einen Dienstbotenklon gehalten wird, z.B. von Ulysses. Auch der Älteste Deux im Streichelzoo kommentiert, dass Rufus eine „frappierende Ähnlichkeit zu den Klonbediensteten und Inspektor Cletus“ habe. Wahrscheinlich waren diese Klonbediensteten auch die genetische Grundlage, die Hermes für den Organon benutzt hat, was erklären würde, warum diese nicht primär groß und stark sind, wie man es bei Soldaten erwarten würde. Aber es zeigt auch, dass anderen auch bei Cletus diese Ähnlichkeit aufgefallen sein muss, spätestens als dieser die Pubertät hinter sich hatte. Wenn man bedenkt wie Klone auf Elysium behandelt werden – im Streichelzoo werden misslungene Kombinationen oder Tiere, die man nicht mehr benötigt einfach wieder eingestampft und der Organon wird noch nicht einmal so weit als Menschen angesehen, dass ihre Existenz auf Deponia ein Grund gegen die Sprengung wäre – ist es fraglich ob Cletus wirklich als einer der Ihren akzeptiert wurde.

Auch wenn er wahrscheinlich nicht genau weiß, woher er stammt, wird es bestimmt seine Spuren an ihm hinterlassen haben, immer wieder mit den Klonen verglichen zu werden, die ja im Grunde nichts als Sklaven sind. Es würde jedenfalls erklären warum er so eine „Radfahrermentalität“ (nach oben buckeln und nach unten treten) hat, wenn ihm die Angst vor dem sozialen Abstieg im Nacken sitzt.

Was wir auch in Doomsday erfahren, sind Einzelheiten über den Deal, den Cletus mit Ulysses geschlossen hat: Cletus soll vor dem Ältestenrat einen falschen Bericht abliefern und behaupten, dass Deponia unbewohnt ist (von den Organons mal abgesehen, aber die kümmern auf Elysium ja niemanden). Im Gegenzug stimmt Ulysses seiner Hochzeit mit Goal zu. (Ob Ulysses vorhatte, sich auch nach Cletus‘ Rückkehr an diese Abmachung zu halten, finde ich fraglich, da er gegenüber seiner Tochter sonst sehr beschützerisch auftritt und Cletus im Allgemeinen nicht gerade den perfekten Schwiegersohn abgibt, aber das ist natürlich nur Spekulation.)

Es hat in meinen Augen eine gewisse Tragik, dass Cletus' Motivation für dieses falsche Spiel nicht Geld oder ähnliches ist, sondern Goal, er sie aber dadurch, dass er sich so verräterisch verhält, letztlich verliert.

Ursprünglich hatte Cletus zwar vor, seine Absprache mit Ulysses vor Goal zu verbergen, was natürlich eine denkbar schlechte Basis für eine Beziehung mit gegenseitigem Vertrauen wäre, doch Goals Abenteuerdrang lässt sie Cletus damit erpressen, dass sie ihn nur heiratet, wenn er sie nach Deponia mitnimmt. Cletus ist zwar alles andere als begeistert, doch ihm ist die Heirat wichtig genug, dass er nachgibt. Zudem ist er auch von seinen Fähigkeiten, Goal während der Reise täuschen zu können oder notfalls ihre Erinnerungen zurücksetzen zu können so überzeugt, dass er das Risiko eingeht.

Deponia

Wie wir in Deponia erleben, geht Cletus‘ Plan gründlich schief. Durch Rufus' Aktion stürzt Goal vom Organon-Kreuzer und Cletus weiß nicht einmal genau, wo sie sich befindet. Zwar sucht er den Planeten nicht persönlich zu Fuß ab, doch zumindest versucht er, über Funk jemanden zu erreichen, der vom Verbleib seiner Verlobten weiß. Der Telefonist auf dem Horchposten erwähnt jedenfalls, dass Cletus schon seit einer ganzen Weile versucht, jemanden zu erreichen.

Als Rufus nun endlich in Kontakt mit ihm kommt, klingt Cletus allerdings wenig erleichtert. Er beleidigt Rufus bei jeder sich bietenden Gelegenheit und will erst nicht bei dem Einzigen zustimmen, was sich Rufus wirklich wünscht: Nach Elysium zu kommen. Das ist natürlich von Cletus‘ Standpunkt aus nicht überraschend, da es seinen Plan ruinieren würde, für den Spieler allerdings sehr unsympathisch. Wieder ist es aber die Drohung, Goal nicht heiraten zu können, die Cletus dazu bringt, doch noch einzuwilligen, wenn es auch sehr wahrscheinlich ist, dass er nicht vorhatte, sein Wort wirklich zu halten.

Erst auf der Unteren Aufstiegsstation bekommt Rufus (und der Spieler) Cletus nicht nur zu Gesicht, sondern erfährt von ihm auch von den Plänen, Deponia zu zerstören. Hier zeigt sich Cletus' völliges Unvermögen, sich in andere hineinzuversetzen. Er projiziert seine eigene Gleichgültigkeit über das Schicksal der Deponianer auf Rufus und bedenkt gar nicht erst, dass Rufus nun aktiv gegen ihn arbeiten könnte, um die Sprengung zu verhindern.

Zitat Cletus: „Hast du etwa Probleme damit? Ich meine… Was interessiert es dich? Immerhin wirst du sicher auf Elysium sein, wenn es passiert.“

Einzig, dass Goal dem Massenmord an den Deponianern nicht zustimmen wird, hat auch Cletus mitbekommen, aber durch die engere Beziehung, die er zu ihr hat, hat er sie wohl zumindest was das angeht gut genug kennengelernt.

Allerdings ist seine Antwort auf diese Erkenntnis nicht, seine Pläne so zu ändern, dass sie auch Goal gefallen, sondern stattdessen ihr die Erinnerung an die Deponianer zu nehmen.

Zwar versucht er dies nicht mit Gewalt durchzusetzen als Rufus mit Goal zurückkehrt, die sich offensichtlich an alles erinnert, und diskutiert mit ihr darüber, ob Ulysses nicht doch Recht hat, doch zum Nachgeben ist er immer noch nicht bereit.

Er versucht, Rufus Goal gegenüber schlecht zu machen, besonders als der sich mit seinen Ersatzklamotten kostümiert, doch als er seine vermeintliche Einzigartigkeit zu zeigen versucht, indem er Rufus sein Muttermal am Hinterteil präsentiert, geht seine Überheblichkeit mal wieder gehörig nach hinten los und Cletus wird an der Unterhose an einen Fahnenmast gehängt.

Argus sagt sich von ihm los und setzt eher darauf, dass Rufus seine Rolle übernimmt. Doch als Rufus Goal die Wahrheit beichtet und wieder auf Deponia landet, kann sich Cletus von dem Fahnenmast befreien und folgt Rufus, der nach Goals ursprünglicher Bewusstseinsdatasette sucht. Nicht allzu überraschenderweise ist er sehr wütend und weidet sich geradezu daran, als ihm Rufus die Datasette mit Goals Backuperinnerungen (wie er glaubt) aushändigt, dass Rufus nun hilflos nichts anderes tun kann als auf sein Ende zu warten.

Zwar wähnt sich Cletus als der große Gewinner, charakterlich ist aber seine Schadenfreude über den Tod eines ganzen Planeten voller Menschen sein absoluter Tiefpunkt. Kein Wunder, dass Rufus so vielen aus dem Herzen spricht, wenn er sagt: „Ich hasse diesen Typ.“

Chaos auf Deponia

Doch dies soll ja noch nicht das Ende sein. Da Rufus ihm in Wirklichkeit die Datasette mit Goals Erinnerungen und nicht das Backup gegeben hat, hilft es auch nicht, dass Cletus noch Goals Kurzzeitgedächtnis löscht. Es sind immer noch Erinnerungen an Deponia vorhanden und spätestens im Notboot kommen diese wieder zum Vorschein.

Zwar kann der Spieler nicht sehen, was zwischen Goal und Cletus zwischen den Spielen vorgefallen ist, doch als Rufus sich auf das Notboot katapultiert, befindet sich Goal auf dem erhöhten Sitz und Cletus sitzt auf der Ruderbank, was er freiwillig wegen „seines schlimmen Rückens“ bestimmt nicht getan hätte. Das deutet darauf hin, dass Goal sich doch noch erinnert und Cletus den Kopf gewaschen hat.

Auch Cletus bestätigt, dass er mit seinem Plan gescheitert ist und Goal ihn überzeugt hat, die Wahrheit zu sagen. Zwar kann Goal nicht sagen, ob das stimmt, da sie beim Aufprall des Sägeblattes auf das Notboot wieder das Gedächtnis verloren hat, doch deuten die Indizien darauf, dass Cletus nicht gelogen hat.

Interessanterweise kündigt Cletus bereits hier an, dass es neben Goals Idealismus und ihrer Abenteuerlust noch einen dritten Teil ihrer Persönlichkeit gibt, der auf seiner Seite steht. Anscheinend kennt er sie doch recht gut, auch wenn er mit dem Idealismus und besonders der Abenteuerlust nicht viel anzufangen weiß.

Als Rufus versehentlich eine Luke unter Goal öffnet, packt Cletus so sehr die Wut, dass er gar nicht darüber nachdenkt, wie er Goal am besten retten kann (obwohl diese nur ihn zur Hilfe ruft), sondern beim Versuch Rufus zu erschießen das Haltekabel kappt. Daran sieht man, dass er bei aller Kühle und Abgeklärtheit manchmal doch recht emotional handelt und ebenso wenig über Konsequenzen nachdenkt wie es oft bei Rufus der Fall ist.

Cletus landet in einem der Sprengtürme, wo ihm Argus von Ulysses‘ Alternativplan erzählt, sollte es Cletus nicht mit seinem falschen Bericht zu den Ältesten zurück schaffen: Eine Bombe abwerfen, die durch eine Kettenreaktion alles Leben auf Deponia auslöscht, jedoch noch ohne den Planeten zu zerstören.

Natürlich könnte Cletus Ulysses jetzt davon berichten, dass Goal auf Deponia ist, damit der seinen Plan abbläst, aber das würde Cletus (und wahrscheinlich auch Argus) bestimmt das Leben kosten. Ulysses ist nicht der Typ, der es auf die leichte Schulter nimmt, wenn man ihn täuscht und seine Tochter in Gefahr bringt.

Deshalb versucht Cletus eher, Goal wiederzufinden und heuert dafür das Unorganisierte Verbrechen vom Schwimmenden Schwarzmarkt an. Als er ein Foto von Goal schicken will, weiht er ohne es zu merken Rufus in Ulysses Plan ein, was unbeabsichtigterweise auch dazu führt, dass die Rebellion gegen den Organon erst so richtig Fahrt aufnimmt.

Schließlich wendet sich (wie vorausgesagt) ein Drittel von Goal von Rufus ab und kehrt zu Cletus zurück. Die beiden bekommen auch noch Goals Körper und die Datasetten mit den anderen Bewusstseinsfacetten in die Hände und sind bereit, mit dem Organonkreuzer nach Porta Fisco und von da aus nach Elysium zurückzukehren.

Sollte das klappen, geht von dem Plan vor der Sprengung alles Leben auf Deponia auszulöschen keine Gefahr mehr für Cletus aus, denn dieser Plan war ja nur als Alternative dafür vorgesehen, dass Cletus es nicht schafft, zurückzukehren. Warum sabotiert Cletus dann den Sprengturm? Er steht ja kurz vor der Abreise und ist damit nicht mehr in Gefahr. Im Gegenteil, es ist weit gefährlicher für ihn, sich gegen den Organon zu wenden (In Teil 1 droht Argus dem als Cletus verkleideten Rufus ja ganz offen damit, dass er ihn umbringen wird, sollte Cletus ihn verraten).

Aber kurz bevor er dafür in den Sprengturm hineingeht, kann Rufus ein Gespräch zwischen Argus, Cletus und Goal belauschen, in dem Goal zumindest teilweise für Rufus Partei ergreift und Cletus sagt, dass er Rufus unterschätze. Anscheinend wird Cletus hier erst richtig deutlich, wie gefährlich ihm sein Rivale darin ist, Goals Gunst zu bekommen. Und siehe da, kaum hat Goal etwas Positives über Rufus gesagt, da „fällt“ Cletus seine Tasche ein und er geht los, um den Sprengturm zu sabotieren.

Goal selbst weiß nicht, was er da tut, was dagegen spricht, dass sie ihn darum gebeten hat. Nein, er ist ganz allein darauf gekommen, dass Goal unglücklich ist - und weil er trotz seiner mangelnden Empathiefähigkeiten mitbekommen hat, dass sie nicht möchte, dass die Deponianer ausgelöscht werden, riskiert er seine Verbindung mit dem Organon, um ihr einen Gefallen zu tun.

Er sagt es Rufus auch ganz offen: „Für das Lächeln einer Lady würde ich die Welt ins Verderben stürzen.“ – Was genau das ist, was er bis hierher gezeigt hat. Um Goal heiraten zu dürfen war er bereit, so zu lügen, dass es den Tod der Deponianer bedeutet hätte, und nun, da sich die Lage geändert hat, ist er ebenso bereit, für Goal auch die Deponianer zu retten.

Er erwähnt hier auch kein einziges Mal das Ziel, nach Utopia zu kommen (im Gegensatz zu Lady Goal und Ulysses, für die es eine bedeutende Motivation ist). Es geht ihm nur um Goal.

Und so stellen sich sowohl Lady als auch Baby Goal auf Cletus Seite nachdem Rufus zugibt, dass er den Countdown des Sprengturms eingeschaltet hat. Zum Glück für Rufus schafft es Cletus aber gleich darauf, sich selbst zu sabotieren (ironischerweise nachdem er Rufus für das Gleiche verspottet hat), indem er so abfällig über Krawall Goal redet, dass sich Lady Goal doch noch gegen Cletus entscheidet.

Hier sieht man auch den Kontrast zu Rufus: So schlecht wie Cletus mit Krawall Goal zurechtkommt hat Rufus auch seine Probleme mit Lady Goal, die eigentlich viel besser mit Cletus harmoniert. Aber während Cletus den Teil von Goals Persönlichkeit, mit dem er nicht klarkommt als „vollkommen nutzlos“ abtut, wird Rufus nicht müde zu betonen, was Lady Goal für eine „Klasse Frau“ ist. Kein Wunder also, dass sich Goal trotz Cletus‘ Fortschritt letztlich für den Mann entscheidet, der all ihre Facetten mag.

Da hilft es auch nicht, dass Cletus sogar noch den Countdown bis zur Explosion so hoch einstellt, dass Rufus und die Rebellen entkommen können. Goal erkennt, dass Cletus sie nie als Ganzes lieben wird, mit all ihren „krawalligen“ Macken und lässt ihn mit Donna zurück.

Goodbye Deponia

Erst recht spät stellt Cletus fest, dass er nun gar keine Goal mehr an seiner Seite hat, doch als er das Argus berichtet, stellt sich heraus, dass die Beziehung zu ihm so schlecht geworden ist, dass Cletus nicht mehr auf der Brücke des Organon-Kreuzers willkommen ist. Er wird schnell abgewimmelt und mit ein paar Drohungen und der Begleitung von Oppenbot, der ihm helfen (oder ihn überwachen) soll, auf die Suche nach Goal geschickt.

Dabei machen Cletus und Oppenbot in dem gleichen Hotel halt, in dem auch Rufus und Co. sich verstecken, um Goals Bewusstsein wieder zusammenzufügen. Rufus kann Cletus' Klamotten ergattern und Argus überzeugen, ihn und Goal im Kreuzer mitzunehmen. Cletus bleibt vorerst mit Donna zurück, schafft es aber doch noch an Bord des Kreuzers.

Interessant ist hier auch, dass Rufus auch in seiner Verkleidung als Cletus nicht aus der Kabine gelassen wird und die Wache Andeutungen macht, dass Cletus als Verräter am Organon verdächtigt wird (was er ja auch eigentlich wegen seiner Sabotage des Sprengturms ist). Es ist aber fraglich, wieviel davon Argus weiß und wieviel ein Vorwand ist, da Argus inzwischen den Plan gefasst hat, selbst Cletus' Rolle zu übernehmen.

Spätestens als Rufus (als Cletus) aber im Computerkern offen gegen Argus rebelliert, ist das hinfällig und Argus hat seinen Grund, Cletus‘ Hinrichtung anzuordnen. Doch just als Rufus seiner Wache entkommen kann, taucht auch der echte Cletus wieder auf und läuft der Wache in die Arme.

Wie Cletus es verhindern kann, exekutiert zu werden, erfahren wir leider nicht, doch dass die Organons schon auch Ernst machen, sieht man daran, dass Rufus in Hermes Klonanlage Donnas Leiche findet (die er für Goal hält, weil Hermes anscheinend ihre Haarfarbe geändert hat).

Im Gegensatz zu Donna wird Cletus aber nicht hingerichtet und statt dessen in der Oberen Aufstiegsstation eingesperrt, wo schließlich einer der Rufus Klone auftaucht. Als er merkt, dass Rufus ihn ebenfalls für einen seiner Klone hält, spielt Cletus mit und zusammen können die beiden tatsächlich ausbrechen und zu den Rebellen rund um Janosch gelangen.

Dort stimmt Cletus erst Rufus‘ Plan zu, Cowboy Dodo aus dem Weg zu räumen, doch als es ernst wird, macht er eine Kehrtwendung und rettet Dodo stattdessen. Vielleicht fürchtete er, dass sich die anderen Rebellen gegen ihn wenden, wenn er all zu offensichtlich Dodo von der Plattform stürzen lässt, doch bei seinem Mangel an Einfühlungsvermögen ist es wahrscheinlicher, dass es ihm mehr darum geht, Rufus‘ Plan zu sabotieren.

Cletus wird in Argus‘ Büro abgeseilt, gibt sich dort aber zu erkennen und fällt Rufus wieder in den Rücken. Doch noch bevor er die Aufstiegscodes bekommen kann, wird er entdeckt und muss wieder fliehen. Allerdings kann er nicht sehr weit gelaufen sein, denn als Rufus kurze Zeit später selbst in Argus‘ Büro einbricht, kommt er ebenfalls dorthin, wird aber beinahe wieder von Argus, der sich ebenfalls als Cletus verkleidet hat, geschnappt. Dass er bei dem ganzen Durcheinander mitbekommt, dass Argus Goal von der Aufstiegsstation werfen lässt, ist unwahrscheinlich.

Irgendwie schafft Cletus es, an Bord des Hochboots zu kommen und gelangt auch zu Ulysses auf die Brücke als Rufus dort auftaucht und von Argus‘ Rebellion berichtet. Als Ulysses daraufhin erst die Sprengung Deponias per Fernzündung auslöst und sich gleich darauf wieder umentscheidet, da auch Goal umkommen würde, meldet sich Cletus zusammen mit Rufus und Argus freiwillig, um die Explosion doch noch aufzuhalten.

Dabei macht er zwar noch immer abfällige Bemerkungen über Rufus, ist aber im Gegensatz zu Argus bereit, in den Rotor des Hochboots zu springen, um den Sender zu erreichen, der die Sprengung auslösen kann.

Zwar landet er nicht auf dem Catwalk und kann daher Rufus nicht bei dessen Aufgabe helfen, doch schafft er es letztlich, wieder nach oben zu klettern und überhört Argus Plan, trotz allem mit dem Organon auf Elysium einzumarschieren. Obwohl ihm klar sein sollte, dass er dem durchtrainierteren Argus wenig entgegenzusetzen hat, greift Cletus ihn an. Anscheinend ist ihm Elysium wichtiger als seine eigene Sicherheit. Doch Argus kann ihn schnell überwältigen und droht, ihn zu erwürgen, als Cletus beide in den Rotor stößt.

Goal kommt dazu, doch kann sie die drei Prototypen in ihren identischen Outfits nicht unterscheiden und da weder Argus noch Cletus bereit sind, sich zu opfern, ist es schließlich an Rufus, über sich hinauszuwachsen und etwas wirklich Heldenhaftes zu tun. Interessant ist hier, dass Rufus explizit dafür sorgt, dass Goal Cletus für ihn hält und in Sicherheit bringt. Er hätte genausogut auch sich opfern können, ohne etwas über Cletus zu sagen, so dass nur Goal überlebt. Vielleicht liegt es daran, dass Cletus zuletzt mit Rufus zusammengearbeitet hat, oder, um sicherzugehen, dass Goal nicht doch Argus auswählt. Oder Rufus hat darauf vertraut, dass Cletus Goal zumindest so sehr liebt, dass er sie in Sicherheit bringt.

Denn das tut er jetzt. Obwohl Cletus nicht mehr auf die Aufstiegscodes angewiesen ist und Ulysses drauf und dran ist, mit dem Hochboot abzustürzen (was bedeuten würde, dass Goal nicht mehr die gleiche hohe Stellung hat wie zu dem Zeitpunkt als sie sich verlobt haben), stürzt Cletus nicht sofort zu den Schleusen los, um sich zu retten. Nein, er bleibt zurück, legt Goal einen Arm um die Schultern und bittet sie, doch mit ihm zu kommen.

Cletus ist in seiner Entwicklung noch nicht so bereit, sich aus Liebe für Goal zu opfern wie es Rufus getan hat, doch er ist immerhin soweit, seine Sicherheit für sie zu riskieren.

Da er kurze Zeit darauf von Goal gezwungen wird, auch weiterhin Rufus' Rolle zu spielen, könnte er sich auch noch weiter in diese Richtung entwickeln. Allerdings wirkt er nicht gerade glücklich darüber, wagt aber auch nicht, Goal seine wahre Identität zu beichten.

Da wir in Doomsday nichts über Cletus‘ weiteres Schicksal erfahren und lediglich sehen, dass er mit seinen Ideen zur Rettung Elysiums gescheitert ist, kann man nur spekulieren, was aus ihm geworden ist. Hat er sein Dasein als Rufus so gehasst, dass er sich etwas angetan hat? Hat er sich auf den Weg gemacht, um auf Deponia noch eine Möglichkeit zu finden, Elysiums Absturz zu verhindern, es aber nicht rechtzeitig geschafft? Oder ist er einfach geflohen als er gesehen hat, dass er den Absturz nicht verhindern kann?

Wir werden es wohl nie erfahren, doch ich denke, dass Cletus gezeigt hat, dass an ihm doch mehr dran ist als der arrogante Schnösel, als den wir ihn zuerst kennenlernen.


_______
Und damit melden wir uns zaghaft und beschämt wieder aus der Versenkung zurück. Wie ihr schon in der Überschrift gemerkt haben dürftet, stammt dieser Artikel auch nicht aus unserer Feder, sondern von der begeisterten ZMistress, die diesen tollen, ausführlichen und aufmerksamen Gastbeitrag zu unserer Analyse verfasst hat! Ein ganz herzliches Danke und Konfetti dafür!

Wir entschuldigen uns ehrlich dafür, dass so lange nichts von uns kam. Aber zu unserer Verteidigung können wir sagen: es ist nicht so, als hätten wir in der Zwischenzeit nichts zu tun gehabt. ;)

Danke, dass ihr immernoch dran geblieben seit! Ihr seid der Wahnsinn!
Bis zum (hoffentlich etwas schneller erscheinenden) nächsten Kapitel!
Review schreiben