Deponia 1 - 4: Die Frage nach der Antwort

Aufzählung/ListeAllgemein / P12
14.04.2016
22.05.2017
8
16.593
4
Alle Kapitel
20 Reviews
Dieses Kapitel
4 Reviews
 
14.04.2016 3.309
 
Die Sache mit der Zeit... (by Roadleader)



Ich lehne mich mal ganz weit aus dem Fenster und behaupte, dass 90% aller Spieler von Deponia Doomsday (im weiteren Verlauf mit DD abgekürzt) die Zeitlinien-Logik nicht verstanden haben. Oder, dass die meisten irgendwann den Versuch, noch mitzudenken, aufgegeben und alles nur noch so hingenommen haben, wie es eben kam. Es ist schließlich ein geradliniges Adventure und irgendwo ist das mit Sicherheit logisch! Aber stimmt das? Dieser Frage habe ich mich angenommen und die Sache mit der Zeit genauer untersucht.
______


Das Spiel wird von Goal eröffnet, die den Anfang aus dem Off kommentiert: „Wir haben das Ende nicht erfunden. Es war die ganze Zeit da. Wir haben es höchstens herausgefordert.“ Der fast schon bedauernde Tonfall, der fast schon ein wenig an Melancholie grenzt, impliziert, dass sie selbst mit dem Ende, von dem sie redet, abgeschlossen hat. Als Spieler mutmaßt man, dass sie vom Ende der Deponia-Trilogie spricht.
Steigt man dann nach der Zwischensequenz, in der die Trilogie noch einmal knapp herunter gebrochen nacherzählt wird, im richtigen Spielgeschehen ein, ist man als Spieler zunächst verwirrt, weshalb genau auf Deponia auf einmal Winter herrscht und was genau passiert ist. Man erfährt jedoch im weiteren Spielverlauf, dass das Abenteuer mit den Fewlocks und schließlich das Zünden des Sprengkörpers eine Art Paralleldimension ist. In DD wird von Paralleldimensionen ausgegangen, die sich mit jedem neuen Zurückdrehen der Zeit nacheinander auftun und dann nebeneinander her existieren. Diese parallel verlaufenden Dimensionen oder auch Zeitstränge (je nachdem, welche Bezeichnung man bevorzugt) kommen dadurch zustande, dass sowohl Körper, als auch Geist gemeinsam miteinander durch die Zeit reisen.

Vergleicht man diese Tatsache beispielsweise mit dem Spiel „Life is Strange“ (Square Enix), stellt man fest, dass dort die Zeit ähnlich wie ein Speicherstand betrachtet wurde, da dort nur der Geist der Protagonistin durch die Zeit reiste. Der Speicherstand der Zeit wurde dort mit jedem Zurückdrehen quasi neu überschrieben.
In DD sieht das aber folgendermaßen aus: Das Zurückkurbeln verdoppelt niemanden. Nur wenn man mit einer Zeitmaschine wie zum Beispiel dem Timepod („Umux“) in die Vergangenheit reist, verdoppelt man sich.
Dadurch existieren mehrere Rufi zur selben Zeit; entweder in Paralleldimensionen, oder in derselben. Merken wir uns das.
Die verschiedenen Zeitstränge können nur von Leuten bemerkt werden, die einen Alu-Hut tragen (zugegeben: Rufus‘ Erklärung, weshalb er sich erinnern kann, ist etwas dürftig). Merken wir uns auch das.


Nachdem der Plasmasprengkörper gezündet wurde, wacht ein anderer Rufus weit in der Vergangenheit, noch vor den Deponiateilen 1-3, auf und glaubt, alles wäre nur ein Traum gewesen; er nennt es eine Vision. In dem Kaputtfahren der Kristallgläser durch McChronicle (im Weiteren MC abgekürzt) verbirgt sich der Knackpunkt des gesamten vierten Deponia-Spiels, da Rufus und MC sich dadurch erst kennen lernen und die Zeitreisen ins Spiel kommen. Befragt man Rufus über das Einpacken der Gläser, indem man neben der Pyramide steht und das Hand-Symbol klickt, meint er dazu: „In meinem Traum war es genauso. Ich hatte die Knickerfolie vergessen. Toni war so sauer, dass wir uns schließlich getrennt haben.“
Das ist die Zeitlinie, wie sie wirklich abgelaufen ist. Durch das Auftauchen MCs jedoch wird diese unwiderruflich verändert. Siehe Rufus‘ Kommentar nach dem Kaputtfahren der Gläser: „Dieser Schabernack war in meiner Vision nicht vorgesehen.“

MC möchte nach dem Kaputtfahren die Zeit zurückdrehen, um nicht eingegriffen zu haben, Rufus, da er keinen Ärger mit Toni riskieren will. Aber mit jedem Zurückspulen werden die Folgen schlimmer. Sei es Tonis Gereiztheitsgrad oder schließlich die Sprengung des Ladens von Tonis Vater. Dabei fing alles mit den kaputten Kristallgläsern an, die jetzt fast schon belanglos erscheinen. Allgemein betrachtet eine sehr gut durchdachte Thematisierung des Butterfly-Effekts.
Nach mehreren Anläufen, in denen mehrere Zeitstränge geöffnet wurden, hat Rufus es schließlich geschafft, dass die Gläser heil bleiben, aber dafür eben ein noch viel größeres Chaos angerichtet. Der Laden ist gesprengt und Kuvaq geht in Flammen auf (wobei letzteres auch im unangetasteten Zeitstrang geschehen wäre, da dem aufmerksamen Spieler mit Sicherheit auffällt, dass Kuvaq im ersten Deponia nahezu komplett anders aussieht). Daraufhin zeigt sich ihm der rosa Elefant (der in Wirklichkeit zwei Utopianer ist) und erklärt ihm, weshalb er ihn die ganze Zeit beim Einweisen gestört hat: „Alles muss so geschehen, wie es schon einmal geschehen ist.“

Wer jetzt sagt: „Aber halt, das ist doch unlogisch! Die Utopianer wollen verhindern, dass in den Zeitverlauf eingegriffen wird. Jedoch lassen sie MC ungehindert in Kuvaq eintreffen und die Kristallgläser umfahren, durch die erst alles verändert wird. Genau genommen hätten sie schon verhindern müssen, dass MC jemals einen Fuß nach Kuvaq setzt. Wie kann das sein?“
Da ich mir das selbst gedacht habe, aber das ist kein Logikfehler. Die Utopianer landen nur einmal in Kuvaq und müssen sich erst einmal orientieren. Das Konzept von McChronicles Chronocar wird ihnen erst klar, nachdem Rufus bereits ihr Umux geklaut hat.


Mit dem Stehlen der Zeitmaschine der Utopianer reisen Rufus und MC zunächst ein paar Minuten in die Vergangenheit zurück, um dann in die Zukunft zu reisen. Im späteren Spielverlauf wird aufgeklärt, dass diese kurz gezeigte Vergangenheit der Moment ist, da MC auf dem Weg nach Kuvaq ist. Und in der Zukunft kommen sie schließlich auf Elysium an - es ist jedoch ein abgestürztes Elysium. Totales Chaos und Zerstörung, so weit das Auge reicht. Dort treffen beide auf eine zukünftige Goal, (im Weiteren Future-Goal genannt), die sehr „hardcore“ geworden ist, sich die Haare abgeschnitten und überhaupt keinen Bock mehr auf Rufus hat. Sie hasst ihn, da sie glaubt, er hätte wieder nur eigennützig gehandelt, als er sich fallen ließ. Jetzt kann man psychologisch argumentieren und sagen, dass es Schmerz-/ Trauerbewältigung war, die sie zu dieser Person gemacht hat. Quasi eine Art Selbstschutz. Doch darüber wird der Spieler im Dunkeln gelassen.
Sie reist mit den beiden zurück in ein Elysium aus der Vergangenheit, von wo Future-Goal eine neue Paralleldimension öffnet, um sich eine bessere Zeit zu suchen. Mehr wird nicht verraten. Man weiß nur, dass sie die Zeitmaschine stiehlt und weiß-Gott-wohin reist.

Dieses Elysium, auf dem Rufus und MC jetzt „gestrandet“ sind, befindet sich am selben Tag, an dem Rufus und MC auf Deponia das Drama mit den Kristallgläsern durchleben. Während MC verzweifelt nach einer Möglichkeit sucht, ohne das Hochboot zurück nach Deponia zu kommen, rätselt sich Rufus durch ganz Elysium, um den Ältestenrat zusammen zu trommeln. Er will die Existenz der Deponianer mit sich selbst beweisen, da er glaubt, dass dadurch die Expedition nach Deponia hinfällig wird, und das schreckliche Ende mit seinem Todesfall (höhö, Wortwitz!) quasi überspringen. Jedoch greift da schon die Zeitschleife, er erschafft die Fewlocks und setzt Computer Ronny einen Alu-Hut auf, weswegen dieser von nun an mit jedem neuen Zeitschleifenbeginn Elysium erneut mit Fewlocks fluten kann. Schließlich müssen Rufus, MC und von den unteren Schleusen springen, um zu überleben.


(Kleine Bemerkung am Rande: die Fewlocks sind ein schönes Beispiel, wie unvorsichtig/ unbekümmert/ gleichgültig Menschen beim Erschaffen von etwas sein können, solange der eigene Vorteil erfüllt wird. Der Fewlock war nur als Masseur gedacht, aber niemanden hat das aggressive Gemüt und die Bärenpranken gekümmert, solange der nur gemacht hat, was man wollte. Zitat Gronkh: „Vielleicht sollten wir nicht Gott spielen.“)


Die drei landen auf einem Jahrmarkt-ähnlichen Schauplatz. Zitat Rufus: „Wenn kümmert es, dass Elysium jetzt fewlockverseucht ist? Hauptsache ist: ich lebe noch. Alles andere ist unwichtig.“
Von dem Jahrmarkt kriegen sie dann ein Boot zu MCs Heimatort und von dort öffnet Rufus ein Portal in die Zwischenzeit. Die Zwischenzeit (besser gesagt: das Dorf darin) entstand aus dem Müll, den die Deponianer durch die Portale geworfen haben, die sich mit dem Öffnen eines Zeitportals ebenfalls geöffnet haben. Der Boden der Zwischenzeit ist die Zukunft. Da Rufus aber die Zeitschleife erschaffen hat, gibt es in der Zwischenzeit keine Zukunft.

Durch zehntausend Umwege und Rätsel, die hier in dieser Analyse großzügigerweise übersprungen werden, können sie schließlich das Portal öffnen, das zurück nach Kuvaq führt - zu der Zeit, als Rufus und MC gerade daraus verschwinden. Dort finden sie heraus, dass die Utopianer das Chronocar immer und immer wieder zurück gedreht haben, um sie dorthin zurück zu locken. So ist die Zeitschleife um den einen Tag entstanden.


Die Utopianer erzählen ihnen, dass der ursprüngliche Plan der ganzen Deponia-Reihe (Deponia sprengen und Elysium nach Utopia katapultieren) zum Scheitern verurteilt ist. Es ist jedoch vorherbestimmt, dass die Deponianer nach Utopia kommen. Wobei die Utopianer in dem Zusammenhang selber etwas verzapft haben:
Bevor die große Zeitschleife zustande kommt, haben die Utopianer mit ihrem Besuch einen Zeitstrang erschaffen, in dem Elysium aus irgendwelchen Gründen seinen Plan durchzieht und Deponia wie ursprünglich geplant gesprengt wird. Diese Realität machen sie durch ihren erneuten Besuch auf Deponia zwar Rückgängig, erzeugen dabei aber die große Zeitschleife, die wir im Spiel komplett zu Gesicht bekommen.


Die Utopianer selbst sind in der Zeit zurück gereist, um herauszufinden, warum genau Utopia zerstört worden war und sind so auf die Sache mit Elysium gekommen. Dadurch, dass Rufus ihre Zeitmaschine gestohlen hat, hat er die Dinge verändert. „Alles muss so bleiben, wie es schon einmal geschehen ist“ - heißt im Umkehrschluss, dass auch Utopia letzten Endes zerstört werden muss. Rufus muss letztlich das Chronocar wieder zurückkurbeln, baut aber das Drosselglied ein, spult die Zeit dadurch nur ein paar Minuten zurück und kriegt schließlich zusammen mit Goal das Ufo zurück in die Vergangenheit.
Dadurch, dass sie MC „in die Wüste schicken“ (Zitat Goal), schaffen sie das, was die Utopianer nie geschafft haben: die Gläser gehen nie kaputt, die kleine Zeitschlafe wird endgültig durchbrochen.


Nachdem das geschafft ist, treffen Rufus und Goal wieder auf die Utopianer, die sich nicht daran erinnern können, wer er ist. Schlaue Spieler werden jetzt das Argument einwerfen: „Aber Moment! Wenn MC noch vorhin gesagt hat, dass der Rufus „aus der Vergangenheit“ damit beschäftigt ist, eine Elefantenfalle zu bauen, müssten sie Rufus auch erkennen, da sie ihn ja schon mehrfach vorher beim Einparken abgelenkt haben. Sie erinnern sich aber nicht an ihn, was sie eigentlich nur könnten, wenn man zu dem Zeitpunkt eingesetzt hätte, da die Gläser noch nie umgefahren worden waren. Sie sind aber schon umgefahren worden, deswegen baut Rufus die Falle. DAS IST UNLOGISCH!!“
Nein, ist es nicht. Die Utopianer haben keinen Aluhut. McChronicle dreht, nachdem er und Rufus das Elefantenversteck bemerkt haben, die Zeit einen kompletten Tag zurück. Als er nach Kuvaq kommt schläft Rufus noch im Ballon und die Utopianer haben ihn noch nicht kennengelernt. MC referiert auf einen Plan, den sie in der Zukunft geschmiedet haben und an den er sich dank seines Aluhuts erinnern kann.


Da die beiden Rufi sich sehen, wollen die Utopianer ihre Erinnerungen verändern - was sie auch bei einem Rufus tun. Den anderen frieren sie ein. Dadurch, dass der eine Rufus (nennen wir ihn N-Rufus) seine Erinnerungen verloren hat, kann die Deponia-Trilogie, die danach kommt, so ablaufen wie gewohnt. N-Rufus lässt sich fallen, doch dieses Mal mischt sich Future-Goal ein, die mit dem geklauten Timepot ein Portal aus der Zwischenzeit zu dem Zeitpunkt geöffnet hat, da N-Rufus abstürzt (sie weiß ja, wann genau das war). Die Utopianer machen dem gut gedachten Plan jedoch einen Strich durch die Rechnung und lassen durch das Kappen des Seils beide in die Tiefe stürzen, womit Future-Goal an N-Rufus‘ Stelle stirbt. Gleichzeitig öffnen sich Zeitportale aus der Zwischenzeit, aus der sich die Fewlocks auf Deponia ergießen. Und schließlich landet man dort, wo man ganz zu Beginn des Spiels auch schon war: N-/Schnurrbart-Rufus sprengt Deponia.

Zur gleichen Zeit tauen Rufus und Goal aus der Vergangenheit wieder auf, der aufgetaute Rufus dreht die Zeit nochmal ganz auf Anfang zurück und löst damit die gigantische Zeitschleife aus, die nur noch bis zur Fast-Sprengung reicht. Er kann sich noch an alles erinnern, einschließlich der Gehirnwäsche von N-/Schnurrbart-Rufus. Er wacht aber in der Vergangenheit auf und es kommt ihm wie ein Traum vor. Deshalb wacht er auch am Anfang von DD auf und denkt sich, es war alles nur ein Traum. Der aufgetaute Rufus hat nämlich das Abenteuer von Deponia 4 bereits erlebt und erlebt es immer und immer wieder.

Der Trugschluss, in dieser riesigen Zeitschleife jetzt für immer festzustecken, wird unterbrochen, indem man vom Anfang der einen riesigen Zeitschleife in eine völlig andere Paralleldimension katapultiert wird, wo Goal einen offensichtlich gealterten Rufus unterbricht. Manche werden jetzt vielleicht sagen: „Aber wie kann Rufus denn so alt sein? Die Zeitschleife wiederholt sich doch immer wieder, heißt, der kann gar nicht altern! UNLOGISCH!!“
Nein, es ist nicht unlogisch, lasst mich doch mal erklären. Erinnert euch mal dran, was wir ganz zu Beginn unserer Analyse gesagt haben, ich zitiere: „In DD wird von Paralleldimensionen ausgegangen, die sich mit jedem neuen Zurückdrehen der Zeit nacheinander auftun und dann nebeneinander her existieren. Diese parallel verlaufenden Dimensionen oder auch Zeitstränge (je nachdem, welche Bezeichnung man bevorzugt) kommen dadurch zustande, dass sowohl Körper, als auch Geist gemeinsam miteinander durch die Zeit reisen.“
So wurde Rufus von Zeitschleife zu Zeitschleife älter. Jetzt hat der alte Rufus aber mit dem Stromumkehrer getroffen und dadurch seine Erinnerungen an ungezählte Zeitschleifen zurückgewonnen. Er hat nämlich ganz Deponia 4 unzählige Male wieder und wieder durchgespielt, bis er mit dem Stromumkehrer getroffen und dadurch einen neuen Knackpunkt erschaffen hat.

Tja... Meine eigene Erklärung ist/war zwar plausibel, aber es gibt auch eine zweite Variante der Erklärung und zwar die hier: >Das Altern von Rufus ist ein Nebeneffekt des Shinshuma-Clux. Das Umkehren der Erinnerungslöschung führt zu einem "Total Recall". Mit der Erinnerung an "100e von Jahren ein und desselben Tages" geht auch eine körperliche Alterung einher ("habt ihr die krassen Spezialeffekte nicht gesehen?"), die im Spiel zwar nicht näher erklärt wird, aber durchaus vorstellbar ist. Warum sollte das wiederherstellen bei den Gehirnzellen stopp machen? - Stichwort: Zellengedächtnis. ;)<


Wie auch immer: Rufus hat jetzt auch den richtigen Gedanken. Er löscht dem jungen Rufus, der sein zukünftiges Ich gerade erst gesehen hat, das Gehirn und setzt ein letztes Mal alles erneut auf Anfang. Die Deponia-Trilogie muss ja geschehen. Völlig beabsichtig bringt er sich und Goal, die normalerweise eingefroren worden wären, so weit in die Vergangenheit zurück, dass sie die Zeit nicht mehr zurückdrehen können -> Die gigantische Zeitschleife wurde unterbrochen.
Ob Opi hier wirklich soweit gedacht hat oder hier einfach nur eine gewisse Alterssenilität ihre Finger im Spiel hatte, sei mal dahingestellt ...


Dabei (beim Ausführen seines Plans) hat Opi-Rufus jedoch den Schönheitsfehler übersehen, dass ohne den eingefrorenen Rufus Deponia von N-/Schnurrbart-Rufus gesprengt wird.

Und hier kommt der dritte Rufus auf der Rückbank ins Spiel. Wir erinnern uns, dass der alte Rufus damals mit Goal und MC auf Elysium von den unteren Schleusen abgesprungen ist, um den Fewlocks zu entkommen. Da wir uns in Paralleluniversen bewegen, ist ein Rufus auf Elysium zurückgeblieben. Dieser besondere Rufus (nennen wir ihn E-Rufus) ist den Utopianern entwischt, da er sich erinnert hat, wie man Zeitportale öffnet. Er wusste zwar nicht, woher er das hatte (denn alles mit der 4D-Brille kam theoretisch erst danach), aber er hat es so eingesetzt, dass er den Utopianern in die Zwischenzeit entwischen konnte, wo er auf der Schrottlawine gesurft ist und sämtliche Zeitportale aufgeschossen hat, die er finden konnte. Da in der Zwischenzeit die Zeit viel schneller vergeht als in den anderen Paralleldimensionen, hat er Portale in ausgerechnet die Dimension geöffnet, wo N-/Schnurrbart-Rufus gerade die tote Future-Goal betrauert und die Fewlocks somit in diese Dimension „entlassen“. Zu diesem Zeitpunkt konnten nur Portale in die Paralleldimension, wo am Ende alles von Fewlocks verseucht sein wird, geöffnet werden und nicht in die normale Zeit. Denn die Geschichte hat noch immer nicht ganz den korrekten Lauf genommen, den sie eigentlich nehmen sollte.

E-Rufus, der mit sämtlichen gebrochenen Knochen aus dem Schrott kriecht, zieht sich auf den Rücksitz des Timepots und reist als blinder Passagier weiter mit.


Die Utopianer reisen, nachdem sie Future-Goal durch das Kappen des Seils in den Tod gestürzt haben, noch einmal zurück nach Kuvaq, um dort noch einmal nach der Ursache zu suchen, warum genau die Zwischenzeit keine Zukunft hat. In einer Dimension konnte MC in Kuvaq eintreffen und die Gläser kaputt fahren, in der anderen nicht. In beiden Dimensionen lag E- Rufus ausgeknockt auf der Rückbank. So kam er durch sämtliche Gegebenheiten von Deponia 4, war aber zu angeschlagen, um sich einzumischen. Er fuhr schließlich zusammen mit Future-Goal in die Zwischenzeit, da sie ja das Timepot gestohlen hat, und überredet sie und den N-Rufus schließlich, loszulassen. Beide Rufi fallen auf Deponia zurück und sterben. Future-Goal wird in ihre Zeit zurück gebracht und macht sich dort auf den Weg zur nächstgelegenen Siedlung. Es wird klar, dass ganz Deponia 4 von Future-Goal erzählt worden war, die aber gleichzeitig nicht von allem gewusst hat. Sie kannte nur Anfang und Ende des ganzen Spaßes.



Somit haben wir folgendes herausgefunden: Elysium ist durch Energiemangel abgestürzt, wie in Deponia 1-3 befürchtet. Deponia kann weder von den Elysianern, noch von Rufus gesprengt werden, da jeder Rufus über kurz oder lang gestorben ist. Nur Goal lebt in ihrer Zeit weiter, denn sie und Future-Goal sind immernoch ein und dieselbe Person.



Das einzige, was ich mich nach alldem noch gefragt habe, war: Was ist mit den Fewlocks? Denn egal, ob N-Rufus stirbt oder nicht, die Zeitportale werden ja von dem aufgeschossen, der durch die Zwischenzeit surft.
Das stimmt aber so nicht. Die Portale werden von dem trauernden, abgestürzten Rufus geöffnet, der bei dem Versuch, das gebruchlandete Timepod wieder zum Laufen zu bringen, panisch auf den Tasten herumhämmert.



Die Deponianer/ überlebenden Elysianer können nun also nach einem zweiten Weg suchen, nach Utopia zu reisen. Denn: „So ist es vorherbestimmt.“ (Zitat Utopianer)
Das heißt nach meinem Verständnis, sie werden es irgendwie schaffen, Elysium wieder flott zu machen und zu starten, dann aber wie ein Komet auf Utopia einschlagen und schließlich sind alle tot.
Dann sind alle Dimensionen, Zeitschlaufen und Spiralen schließlich hinfällig, da dann die gesamte Menschheit ausgelöscht sein wird. Deponia ist einfach kein Spiel mit Happy End. Das war es noch nie und das wird es auch nie sein. Man muss einfach loslassen und anerkennen können, dass es auch mal einfach nicht klappen kann. Egal, was man versucht, die Dinge doch noch gerade zu biegen.
Eigentlich eine recht traurige Einstellung, wenn man das so überdenkt.

Das ist jedoch auch ein wenig anders gedacht: Die Deponianer werden einen anderen Weg gefunden haben nach Utopia zu kommen. Ob dieser neue Plan Elysium mit einschließt ist ungewiss. Aber dass Utopia von Elysium zerstört wird passiert nur einmal durch das Eingreifen der Utopianer und dann nie wieder. Würde das Durchbrechen des Teufelskreises am Ende von Deponia wieder zu einer Zerstörung Utopias führen, würden die Utopianer ja wieder versuchen, das Geschehene zu ändern (sie kommen ja offensichtlich aus einer Zeitlinie in der das nicht passiert ist). Wir können also davon ausgehen, dass am Ende von DD eine Version der Zukunft wiederhergestellt ist, wo es die Deponianer nach Utopia schaffen, ohne dabei die besagte Katastrophe zu verursachen.


„Aber da war etwas Neues. Und Altes. Hoffnung.“
Klar, die ist immer da. In dem Zusammenhang hat Goal auch recht; man sollte die Hoffnung niemals aufgeben.
Aber: „Man sollte Enden nicht herausfordern.“ Sie kommen schließlich irgendwann doch wieder genau so. Und wenn man sie herausfordert, wird es meistens noch schlimmer.



Noch einmal als allerletztes Resümee, damit wir es nochmal alle im Kopf haben:

Mit dem Butterfly-Effekt der Kristallgläser erschaffen wir eine kleine Zeitschleife. Aus der entsteht dann eine viel größere mit der Sprengung Deponias. Die Kleine wird durch das Weglocken von MC durchbrochen, die Große durch das Reisen in die Urzeit und das Opfern der beiden Rufi. Und das Ende von Deponia 3 bleibt das Ende, das es immer war. Nur mit dem Ausblick auf ein noch viel größeres, alternatives Ende, das durch die Utopianer verursacht worden war: Menschen nach Utopia, krach, bumm, alle tot. Eigentlich ganz einfach. Nur eben in kompliziert.
Review schreiben