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Erwartungen

OneshotAllgemein / P6 / Gen
13.04.2016
13.04.2016
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Die Idee hier zu kam mir ganz spontan, als ich die erste Folge mit DS Nelson geschaut habe :) Es ist wirklich bloß eine kurze Sache, aber ich hoffe, sie gefällt euch trotzdem.



Erwartungen


Unsicher betrachtete Detective Sergeant Charlie Nelson das Polizeirevier in Causton. Sein Blick glitt nachdenklich über die Fassade des Gebäudes, welches er mit gemischten Gefühlen beobachtete. Er war nervös, natürlich, aber auch neugierig, denn eine fast kindliche Vorfreude hatte sich seit geraumer Zeit in ihm breit gemacht und war drauf und dran, ihn seine Nervosität vergessen zu lassen. Jetzt hab dich nicht so!, schoss es Charlie durch den Kopf und er betrat das Revier.
Der Constable, der am Eingangstresen saß und etwas in ein Protokoll schrieb, hob bloß kurz den Kopf, als er hörte, wie die Tür aufschwang und musterte den neuen Kollegen interessiert.
Nelson lächelte kurz und wünschte ihm einen guten Morgen. Ein wenig unschlüssig stand der junge Sergeant nun im Empfangsbereich, die Hände in den Taschen seiner Jeans vergraben. Der Constable beobachtete ihn eine Weile, dann fragte er: "Kann ich irgendwie helfen?" Überrascht hob Charlie den Kopf und nickte.
"Ich suche Chief Inspektor Barnaby ... Ich bin der neue Sergeant", fügte er noch erklärend hinzu.
"Den Flur da lang, dann zweite Tür links", erklärte der Mann am Tresen und wandte sich dann wieder seinen Papieren zu.
"Danke", murmelte Nelson und lief los. Auf dem Weg zum Büro des Inspektors begegneten ihm einige Kollegen. Die meisten grüßten freundlich, doch die Skepsis in ihren Blicken war unschwer zu erkennen. Diese Leute sahen ihn seltsam an, nicht nur skeptisch sondern auch irgendwie ... abwartend, als ob sie sich fragten, wie er sich wohl schlagen würde. Unwillkürlich musste der Sergeant schlucken. Man hatte ihn vorgewarnt, sein Vorgänger hatte scheinbar einen bleibenden Eindruck hinterlassen und sein neuer Vorgesetzter war nicht sehr begeistert von der Vorstellung, einen neuen Assistenten zu bekommen. Nelson seufzte und hätte beinahe die richtige Tür verpasst, wenn er nicht zufällig zur Seite geschaut hätte. Kurz zögerte, doch schlussendlich drückte er die Klinke herunter und betrat den Raum.
Es war noch recht früh und dementsprechend leer in dem großen Raum, der nun vor ihm lag. Er war vollgestellt mit Schreibtischen und Ähnlichem und bloß ein paar der Tische waren von müde drein blickenden Polizisten besetzt.
„Ähm …“, setzte Nelson zu einer sehr wortgewandten Begrüßung an, als einer der Angestellten ihn sah.
„Sergeant Nelson?“, fragte er und lächelte freundlich. Ein wenig erleichtert nickte der Sergeant.
„Der Chief Inspektor ist noch nicht da, tut mir leid. Er wurde zu einem Tatort gerufen.“ Der Polizist erklärte Charlie noch, wo genau sich das Verbrechen ereignet hatte, dann wandte er sich wieder seiner Arbeit zu. Nelson bedankte sich und verschwand. Als er wieder am Eingangstresen vorbei lief, sah ihn der diensthabende Polizist leicht verwundert an.
„Hat er Sie direkt wieder rausgeschmissen?“, fragte er und grinste. Der Detective Sergeant zog die Augenbrauen zusammen. Er war nicht ganz sicher, was der Mann da von ihm hören wollte. Der Constable bemerkte seinen verwunderten Gesichtsausdruck und begann zu erklären.
„Es ist kein Geheimnis, dass Barnaby angefressen ist, weil ihr Vorgänger nicht mehr da ist.“
„Davon habe ich auch gehört“, antwortete Charlie.
„Tja, Sie werden ziemlich hohe Erwartungen erfüllen müssen“, meinte der Polizist daraufhin. Nelson schnitt eine Grimasse. Wie aufmunternd. Die seltsame Vorfreude auf seine neuen Kollegen und den neuen Arbeitsplatz im Allgemeinen war verflogen, als er sich wieder in Bewegung setzte, in Richtung seines Dienstwagens.

Nervös trommelte Charlie mit seinen Fingern auf das Lenkrad seines Autos. Die Worte des Constables wollten ihm einfach nicht mehr aus dem Kopf gehen. Was, wenn alles schief gehen würde? Wenn er sich zum Affen vor der ganzen Mannschaft machen würde? Wenn sein Chef und er sich nicht verstehen würden? Wenn er den Erwartungen ganz einfach nicht entsprechen würde?
Die seltsame Verantwortung, die ihm die wenigen Worte vorhin auferlegt hatten, lastete schwer auf seinen Schultern. Er hatte von Sergeant, jetzt Inspektor Jones gehört. Und ebenso von DCI Barnaby. Beides waren sehr gute Polizisten, Menschen, zu denen er normalerweise vermutlich aufschauen würde, doch heute fühlte er nur die Nervosität, die an ihm nagte. Er atmete tief durch, um sich wieder zu beruhigen. Das wird schon, dachte er und versuchte ein zuversichtliches Lächeln. Tatsächlich scheiterte er kläglich. Am liebsten hätte er seinen Kopf auf das Armaturenbrett geknallt, doch er ließ es bleiben.
Die Unsicherheit wollte einfach nicht verschwinden, auch dann nicht, als er endlich das Dorf, in welchem sich der Mord zugetragen hatte, erreichte. Er parkte nahe des Tatorts und blieb sitzen. Von hier aus hatte man einen guten Blick auf das Gelände, auf dem der Tatort lag und interessiert beobachtete er das Gewusel.
Okay, Charlie, du packst das! Mit diesem Gedanken atmete er tief durch und verlies schließlich seinen Wagen.
Als er endlich den Schauplatz des Mordes erreichte, kam ein uniformierter Polizist auf ihn zu.
„Entschuldigung, wer sind Sie?“, fragte dieser und sah Nelson prüfend an. Charlie zeigte ihm nur seinen Ausweis. Der Uniformierte machte große Augen.
„Viel Glück, Sergeant!“, meinte er dann bloß und ließ den jungen Polizisten durch. Charlie lächelte mit einem Mal. Es würde schon irgendwie alles klappen …
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