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Comeback of the Vampire

von xXSoMaXx
GeschichteAllgemein / P12 / Gen
Fumio Usui Karin Maaka Kenta Usui Shusei Iizuka
13.04.2016
09.09.2016
2
8.503
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09.09.2016 4.469
 
Jedes Jahr war es wieder so weit. Bald stand das Treffen der großen Vampire an. Noch vor einer Woche hätte sie sich niemals getraut auch nur darüber nachzudenken, aber neuerdings gaben ihr ihr Freund Kenta und nun auch ihre baldigen Schwiegereltern Kraft es zu wagen. Karin wollte beim nächsten Treffen dabei sein und hat an die Veranstalter schon eine Fledermaus geschickt, ob sie als Familienmitglied der Familie Marker an der Veranstaltung teilnehmen dürfte. Dort unangemeldet hinein zu platzen wäre ihr Todesurteil. Allein gegen alle wäre für sie unmöglich.

Summend legte Karin sich ihre Sachen zurecht. Sie freute sich schon gewaltig darauf sich erstmals als offizieller Vampir unter die anderen zu mischen. Aber was sie am meisten freute war, dass sie ihre Familie wieder sehen würde. Na ja alle bis auf Ren, es sei denn er würde sich alle paar Monate mal wieder bei seinem Kind und dessen Mutter blicken lassen. Zwar hatte sie noch immer etwas Angst vor der Reaktion , wenn sie wieder aufeinander treffen würden, doch irgendwann musste es immerhin mal passieren. Es wunderte sie generell schon eine Weile, weshalb es noch keiner von ihnen herausgefunden hatte, immerhin merkte Karin noch immer wie sie von Anjus Fledermäusen beobachtet wurde. Doch konnte sie sich bis jetzt scheinbar unauffällig verhalten.

Sie packte noch schnell ihre letzten Sachen zusammen und las sich den Brief noch einmal genau durch, den sie von dem Veranstaltungsleiter bekam.

„Liebe Karin Marker, es freut uns zu hören, dass Sie scheinbar wieder als Vampir unter uns leben und deshalb wären wir herzlich erfreut, wenn Sie uns mit ihrer Anwesenheit  beglücken würden. Auf ihre Bitte hin werden wir Ihre Familie nicht in Kenntnis setzen, aber gehen sie nicht davon aus, dass möglicherweise Informationen durchrutschen werden. Sollte dies der Fall sein, entschuldigen wir uns für diese Unannehmlichkeiten. Gezeichnet der Älteste.“ Sie las die Worte noch einmal ganz genau durch. Sie kannte den Ältesten nicht persönlich, aber sie hatte viel von Tachibana erfahren. Zu Ihrer Überraschung war der Älteste höflicher, als erzählt wurde.

Einige Informationen sind scheinbar tatsächlich durchgesickert, da kaum einige Tage später ein kleines Paket bei ihr zu Hause ankam von Tachibanas Onkel, der sich mit einem kleinen Geschenk für vergängliche Missetaten entschuldigte. In dem Paket war ein schwarzer Umhang, aus einem speziellen Lichtundurchlässigen Stoff genäht. Karin wusste direkt was das für ein Umhang war, ihre Eltern besaßen immerhin auch so einen. Für kürzere Strecken konnte man mit dem fliegen und für längere Strecken ließ man sich auf seinen Fledermäusen tragen.

Jetzt war es bald so weit. Karin schaute auf die Uhr. Gleich würde die Sonne aufgehen und dann würde sie sich auf den Weg machen, damit sie noch vor Sonnenuntergang ankam. So konnte sie sich schon mal an das Umfeld gewöhnen, bevor die anderen Vampire eintrafen.

Kenta, der gerade noch am schlafen war, hatte sich für diesen Moment extra einen Wecker gestellt. Immerhin würde er seine Verlobte einige Zeit nicht mehr sehen und ein Mensch würde dort für zu viel Trubel sorgen. Das Klingeln ließ ihn aus dem Schlaf schrecken. Da Karin nicht damit gerechnet hatte, erschreckte auch sie sich von dem Ton.

„Ah, Kenta! Was sollte das denn nun wieder? Sagte ich nicht gestern Abend noch, dass du schlafen sollst. Es ist Sonntag und du schläfst so selten aus.“ Seufzend legte sie ihren Umhang um und begutachtete sich nochmal im Spiegel. Sie sah nun aus wie ein waschechter Vampir. Wahrscheinlich würde ihre Familie erstmal denken, dass sie Elda wäre, ihre Großmutter.

„Ich kann dich doch nicht einfach gehen lassen ohne mich nochmal ordentlich bei dir zu verabschieden.“ Von hinten umarmte Kenta seine Freundin und vergrub sein Gesicht in ihren Haaren. Lächelnd sah Karin dieses glückliche Paar im Spiegel an. In der Umarmung drehte sie sich um und legte ihre Arme um seinen Nacken.

„Ich werde vielleicht über Nacht weg sein und mich jeden Tag melden, versprochen.“ Langsam kam sie seinem Gesicht näher. Müsste sie sich nicht auf die Zehenspitzen stellen, wäre es so viel einfacher für sie. Der Braunhaarige richtete sich auf und nahm ihr so die Chance ihm jetzt schon den Abschiedskuss zu geben. Das Mädchen murrte. „Baka…“ Doch dann kam ihr die Idee. Sie konnte den Umhang doch jetzt austesten. Sie drückte sich mit den Zehenspitzen vom Boden ab und tatsächlich, es funktionierte. Sie schwebte eine paar Zentimeter über dem Boden. Kenta war erstaunt, was er da sah und dies nutze die Vampirin, um sich rasch ihren Kuss zu ergattern.

Sie zog sich an seinem Nacken hoch und legte ihre Lippen auf seine. Entgegen ihrer Vermutung erwiderte ihr Freund rasch den Kuss und zog sie zu sich in die Arme.

„Pass auf dich auf. Ich werde dich nicht beschützen können“, sprach der Junge leise in ihr Ohr. Karin lächelte und sag ihm tief in die Augen.

„Ich bin nicht mehr so ungeschickt wie früher. Ich schaffe das schon.“ Nach einem weiteren zärtlichen Kuss schnappte sich das Mädchen ihre Sachen und verschwand aus der Tür, natürlich nicht ohne zum Abschied nochmal zu winken. Jetzt musste sie sich sputen, sonst würde sie ihren Zug in den Norden Japans verpassen.

Der Weg dauerte mehrere Stunden . Glücklicherweise hatte sie sich genug Musik mitgenommen, die sie auf der Fahrt hören konnte. In etwa einer Stunde würde die Sonne unter gehen und die ersten Vampire, dessen Strecke nicht so weit war würden eintreffen. Unter anderem auch Tachibanas Onkel.

Karins Weg führte durch eine Kellertreppe am Rande eines Hauses in eine größere Villa. Es gelangte kein Sonnenstrahl hinein, war immerhin das Anwesen eines Vampirs.

„Wer ist da?“ Ein eher kleinerer Mann kam hinter einer Eckwand hervor. Mit genervtem Blick sah er das Mädchen vor sich an. „Das Treffen beginnt erst in ein paar Stunden, du bist zu früh.“ Das Mädchen schreckte auf und verneigte sich vor dem Herrn.

„Verzeihung ich bin schon etwas früher da und wollte mich etwas im Anwesen umsehen.“ Mit klopfendem Herzen wartete sie auf eine Antwort.

„Pff von wegen umsehen. Du bist eine Unruhestifterin. Mach dass du hier raus kommst.“ Der Mann griff nach einem Besen und versuchte das Mädchen so zu verscheuchen.

„Aber aber, wir wollen doch nicht unseren Gast verschrecken.“ Ein älterer, schon sehr faltiger Mann kam eine Treppe am Ende des Flures entlang. Der kleinere Mann verbeugte sich streng.

„Mein Herr, das Mädchen ist viel zu früh gekommen.“ Doch der Älteste ignorierte das Gesagte und lief direkt auf das Mädchen zu.

„Du musst dann wohl unsere liebe Karin Marker sein. Das Mädchen, dass einst Sophias Blut in sich trug und die Welt des Tageslichts sehen konnte. Es ist mir eine Freude dich kennen zu lernen.“ Der gebrechliche Mann machte eine höfliche Verneigung, was Karin etwas aus der Fassung brachte. Sie verbeugte sich etwas unbeholfen.

„Die Freude liegt bei mir. Immerhin habe ich mich ihnen aufgedrängt.“ Sie verbeugte sich so lange bis der Älteste wieder sprach.

„Du hast dich uns doch nicht aufgedrängt. Ich bin selber neugierig, wie deine Geschichte ist. Damals hatte ich nur davon gehört, aber wie kam es, dass du den Fluch, der auf der Familie Armash lag gebrochen hattest.“ Gespannt lauschte der Herr ihren Worten.

„Ach, das ist eine lange Geschichte.“ Ihr war es etwas unangenehm, aber sie wurde eingeladen, also war es das Mindeste ihre Geschichte zu erzählen, bei einer so freundlichen Gastfreundschaft.

„Wir haben alle Zeit, die du brauchst. Noch ist die Sonne nicht unter gegangen. Darf ich dich in den großen Saal führen, in dem das Treffen statt finden wird? Dort können wir uns dann schon mal unterhalten.“ Er zeigte mit dem Finger auf eine große Tür in der Mitte des Ganges und führte das Mädchen hinein. „Achso und ich entschuldige mich für meinen Butler. Wenn er früh aufstehen muss, ist er immer ungenießbar.“

„Ach was. Das macht mir nichts aus.“ Kichernd setzte sie sich auf den Platz neben ihm und begann von ihrer Geschichte zu erzählen.

Einige Stunden später füllte sich der Saal mit Gästen. Wie erwartet wurde Karin für Elda gehalten, bis sie ihre eigentliche Identität aufgelöst hatte. Zwar rechnete keiner damit, dass Elda wirklich kommen würde, doch wäre es dennoch sinnvoll nicht den Doppelgänger zu spielen, weshalb sie keine Hemmungen hatte ihren wahren Namen zu nennen.

Nach und nach trudelten die verschiedensten Vampire ein. Die Vampire aus dem Süden hatten die längste Fahrt gehabt, weshalb sie auch erst gegen Mitternacht und später ankamen. In Karin bildete sich ein enormer Druck. Bald müsste ihre Familie ankommen und sie wusste noch immer nicht wie sie Ihnen gegenüber treten sollte. Aber jetzt gab es auch kein Zurück mehr. Heute würden sie ihre Karin entweder wieder aufnehmen oder verstoßen.

„Ahh Henry-kun, Carrera-san und sogar Anju-chan ist dabei. Willkommen im Anwesen.“ Nun war es so weit, gleich würden sie durch die Tür gehen und Karin erblicken. Ihr Herz drohte auszusetzen. Sie wusste nicht, wann sie das letzte Mal mal so nervös war. Die Lilahaarige schluckte stark. Es gab kein Entkommen mehr.

Die Familie Marker betrat den Saal. Carrera und Henry steuerten sofort ihre Bekannten aus der Familie Braunlick an. Anju-chan sah sich erstmal im Raum um, immerhin war sie nicht oft hier und schätzte erstmal ihre Umgebung ab. Ihr Blick wanderte durch den Raum. Jeden einzelnen Vampir nahm sie ins Visier und drückte dabei Boogie ihre Puppe an sich, in dem sie damals die Seele des Massenmörders Boogie versiegelt hatte. Ihr fiel nichts ungewöhnliches auf, obwohl irgendwas komisch war. Ihr stieg ein bekannter Geruch in die Nase, den sie lange nicht mehr gerochen hatte, weshalb sie ihn nicht zuordnen konnte. Mit zusammen gekniffenden Augen versuchte sie den Ort zu ermitteln, wo der Geruch herkam, doch kam der scheinbar aus einer Gruppe Vampire, die sie kaum kannte.

Karin versteckte sich derweil hinter einem Schrank, in dessen Richtung Anju gerade schaute. Ihr Herz raste wie wild. Scheinbar war sie doch noch nicht bereit sich ihrer Familie entgegen zu stellen. Vorsichtig spuckte sie hinter dem Schrank hervor. Wo war der Ausgang? Blöderweise gab es hier nur eine Tür und genau vor der standen ihre Eltern. Leise seufzte sie. Jetzt hieß es wohl abwarten bis die Konferenz vorbei ist. Nur… wie lange dauerte so eine Konferenz? Wahrscheinlich mehrere Stunden. Bis dahin könnte sie wahrscheinlich nicht mehr stehen und sowieso aus dem Versteck kommen. Also Augen zu und durch.

Die Lilahaarige biss sich auf die Unterlippe. Jetzt oder nie. Vorsichtig guckte sie nochmal hinter dem Schrank hervor und sah, wie Anju in ihre Richtung sah. Aber nur in ihre Richtung, sie sah sie nicht direkt an. Schnell versteckte sich das Mädchen wieder. Ihre Füße waren wie fest geklebt.

Zu ihrem Glück wurden die Vampire nun alle zur Ruhe gebeten. Der Älteste begann zu reden.

„Bitte alle mal her gehört.“ Der ältere Vampir klatschte in seine Hände. Die anderen setzten sich alle um ihn herum an den großen Tisch, gespannt darauf, was er sagt. „Ich möchte euch einen besonderen Gast vorstellen. Sie hatte die Welt der Vampire verlassen und kam schließlich wieder zu uns zurück. Sie hatte ein schweres Leben, musste einige ungünstige Maßnahmen meiner Familie durchstehen und dennoch kehrte sie wieder zu uns. Dieses Phänomen gibt es zum ersten Mal. Also stell dich doch vor.“ Er zeigte in die Richtung, in der das Mädchen vorher saß und fand einen leeren Stuhl vor. „Nanu? Wo ist sie denn?“

Karin schluckte schwer. Nun musste sie also aus ihrem Versteck. Okay, Augen zu und durch.  Sie klammerte sich an den Schrankwandecke. Eins, zwei und… ein Schritt hinter der Schrankwandecke hervor.

„I-ich bin hier.“ Mit rasendem Herzen wendete sie sich der Gruppe zu.

„Ah Karin-san. Was versteckst du dich hinter dem Schrank. Komm zu uns hier rüber und erzähle uns deine Geschichte“, bat sie der Älteste. Stumm lief sie zurück an den Tisch und setzte sich steif auf den Stuhl. Jetzt durfte sie bloß nicht einknicken.

„A-also. M-mein Name ist Karin Marker und Ich wohne in Shiihaba, einer Kleinstadt im Süden.“ Nun traute sie sich aufzusehen. Zu ihrem Pech saß ihr ihre Familie direkt gegenüber. Ihr Vater starrte sie mit Tränen im den Augen und offenem Mund an. Ihre Mutter war noch weißer im Gesicht als sowieso schon und Anju presste Boogie die Kehle zu, um sich zum einen zu beherrschen und zum anderen damit er kein Wort sagte.

So erzählte das Mädchen ihre Lebensgeschichte bis zu dem Punkt, wo sie ihre Vampirfähigkeiten wieder bekam. Sie ließ kein Detail aus und blamierte zwischendurch auch die Familie Braunlick, die sie damals gefangen hielten. Die Mitglieder dieser Familie wurden nervös. Sie hatten mit einigen Möglichkeiten gerechnet, aber nicht mit dieser. Eine Sache ließ sie allerdings aus und zwar, dass sie am Tage aktiv war. Das musste nicht jeder Vampir erfahren, es reichte wenn ihre Familie und der Älteste dies wusste.

„Also bist du als Mensch plötzlich wieder mit Vampirfähigkeiten wieder geboren wurden. Einfach so?“, warf jemand in die Runde.  Karin nickte ruhig und besah sich mit Geduld die Szenerie, die sich ihr bot. Es wurde wild getuschelt und nach kürzester Zeit wurde es unangenehm laut.

„Ruhe bitte. Ich denke das Thema ist hiermit abgeschlossen. Kommen wir zum eigentlichen Grund für die Versammlung. Wie schaffen wir es, dass sich die Menschen nicht mehr so fettig ernähren? Ihr Blut ist so klebrig.“ Karin musste sich auf die Innenbacken kauen. Sie hatte schon viel von solchen Treffen gehört, aber dass sie so der Wahrheit entsprachen, hätte sie nicht gedacht.

Eine Weile lief das noch so weiter und wiedermal kamen sie nicht zu einem Ergebnis. Wenigstens wurde das zweite Thema beendet. Die Vampire waren nicht mehr vom aussterben bedroht und die Frauen bekamen  wieder Kinder. Schließlich wurde es bald wieder hellen und nicht jeder hatte ein Schlafplatz. Also beschlossen sie die Konferenz zu beenden und dies auf nächsten Mal zu verschieben. Mal wieder. Die Vampire traten ihre Heimreise an und auch Karin legte ihren Mantel um. Von weiten wurde sie ganz genau beobachtet. Ihre Familie verfolgte jeden Schritt, den sie tat.

Eine ganze Weile wurde sie stumm verfolgt. Der Weg nach draußen und auch zum Zug war eine Qual für sie. Die ganze Zeit wurde sie nicht angesprochen, so lange bis sie auf den Zug warten mussten. Ursprünglich wollte sich Anju trauen ihre Schwester anzusprechen, doch bekam das Mädchen wiedermal dieses seltsame Gefühl im Körper. Gedankenlos sah sie den Bahnsteig ab, bis sie die Frau erblickte, die mit gepackten Sachen am Bahnsteig stand. Ihre Augen rot, als hätte sie vor einer Weile geweint. Wahrscheinlich eine verlorene Beziehung, oder ein Streit mit den Eltern, weshalb sie wegziehen musste.

Karin sah sich um. Abgesehen von ihrer Familie und der Frau war niemand mehr auf dem Gehsteig, gut, sie waren auch viel zu früh dran. Langsam taumelte das Mädchen zu der Frau hin. Natürlich bemerkte sie, wie sie von ihrer Familie beobachtet wurde. Danach konnte sie nicht anders, als ihr zu glauben.

„Entschuldigen Sie Miss…“ Das Mädchen trat auf die Dame zu. Diese sah sich um und versuchte ihre verheulten Augen zu verbergen.

„Äh, ja? Huch.“ Weiter kam die nicht, bis das Lilahaarige Mädchen sie umarmte. Kurz sah ihr Karin in die Augen und zeigte damit ihre leuchtend rote Iris. Sie fletschte  die Zähne und zeigte ihre zwei Reißzähne. Im Affekt wollte die Frau Karin von sich schubsen, doch war sie nicht stark genug. Wenig später spürte sie auch schon das Piksen im Hals. Die Frau verstummte und ihr Körper erschlaffte, während das Mädchen ihr genüsslich das warme, unglückliche Blut aussaugte.

Kurz darauf ließ Karin auch wieder von ihr ab. Sanft legte sie der Dame ihre Hand auf den Kopf und löschte ihr die Erinnerung der letzten fünf Minuten. Schnell sorgte sie noch dafür, dass sich die Frau an der Wand anlehnen konnte, bevor sie wieder zu Besinnung kam.

Ruhig drehte sich das Mädchen zu ihrer Familie um. Diese sahen sie noch immer ungläubig an. Keiner wagte es auch nur ein Wort zu sagen. Karin stellte sich wieder an die Gleise und tat so, als wäre nie etwas geschehen. Innerlich allerdings raste ihr Herz und wartete auf eine Standpauke ihrer Eltern, weshalb sie sich nicht gemeldet hatte, als ihr Gedächtnis wieder kam.

Da allerdings sogar noch nach zehn Minuten nichts passierte, fasste sie ihren Mut und drehte sich wieder zu ihren Eltern und ihrer Schwester. Verwirrt starrte sie in das Gesicht wenige Zentimeter vor ihren Augen.

„A-anju?“, stotterte Karin ihre Schwester an, die mit ihren Zähnen knirschte. Sie sah die Wut in ihren Augen und bemerkte, wie sie Boogie die Luft abschnürte. Sie musste wirklich stinkt sauer sein, wenn ihr kein Wort über die Lippen kam.

Anju hob ihre Hand und ehe das Lilahaarige Mädchen es registrierte, pochte ihre Wange. Langsam legte sie ihre eigene Hand an ihre Wange.

„Wie konntest du nur?“, begann das Mädchen mit dem silbernen Haar ihre Schwester anzukeifen.

„Anju…“ Bleich stellte die junge Erwachsene fest, dass ihrer Schwester Tränen in die Augen fließen.

„Jahre lang glaubte ich, dass ich meine Schwester, ein Teil meiner Familie, verloren hätte. Hättest du mir nicht Bescheid geben können? Ich… ich… ich… habe dich vermisst!“ Das junge Mädchen sprang ihr in die Arme und vergrub ihr Gesicht in ihrer Brust. Nach einem kurzen Schockmoment lächelte das Mädchen und streichelte ihrer kleinen Schwester sanft über den Kopf.

„Ich habe dich auch vermisst.“ Fest umarmte sie ihre kleine Anju. Eine ganze Weile standen sie so da und freuten sich wieder beieinander zu sein. Doch bald musste Karin Anju wieder von sich drücken und sah ihr ungezwungenes Lächeln

„Und nun zu euch!“ Sie sah zu ihren Eltern herüber und starrte in die sprachlos Gesichter. „Wie konntet ihr das machen? Weshalb habt ihr Ren damit beauftragt mein Gedächtnis zu löschen?“

„Wir…“ Carrera wollte gerade ansetzen, doch sprach Karin einfach weiter.

„Ich weiß schon was ihr sagen wollt. Ich habe mich in einem Menschen verwandelt und ihr wolltet, dass ich ein unbeschwerteres Leben führe. Ihr habt das nur zu meinem Besten gemacht. Bla bla bla. Habt ihr dabei schon mal an meine Gefühle gedacht? Vielleicht wollte ich trotzdem noch eure Tochter sein. Ja vielleicht war ich zufrieden so wie es war. Warum habt ihr mir das angetan?“ Ihre Eltern sahen sie mitleidig an. Am liebsten würde Karin ihnen sofort verzeihen und in ihre Arme stürmen, aber diesmal musste sie standhaft sein.

„So verstehe uns doch mein Kind. Wir dachten…“, begann ihr Vater, doch hörte man schon von weitem den Zug in den Bahnhof fahren. Plötzlich fiel den Vampiren auf, dass der Bahnsteig voll von Menschen war. Jedes weitere Wort wäre fatal. „Weißt du was, wir fahren jetzt alle erstmal nach Hause und reden dort dann ungestört bei uns auf dem Anwesen, okay?“ Karin atmete tief durch. Sachte fuhr sie sich mit der Hand durch das Haar.

„Einverstanden, aber zu Erst lasst ihr mich reden, klar?“ Ergiebig nickten die Eltern und stiegen schließlich in den Zug ein. Die Fahrt war ein Fiasko. Anju und Karin schmiegten sich aneinander und deren Eltern saßen angespannt an ihren Plätzen. Selbst der Fußweg zum Anwesen, war in Schweigen gehüllt, doch fühlte sich Karin, seitdem sie den Bannkreis betrat irgendwie beobachtet.

Karin öffnete knarrend die Tür und noch eher sie den Geruch ihres alten zu Hauses wahrnehmen konnte, lag sie auch schon auf dem Boden.

„Rette mich“, sagte der kleine Junge, der auf ihr lag und krallte sich an ihre Kleidung. „Sie foltert mich.“ Leicht überfordert tätschelte das Mädchen den Kopf des Jungen.

„Was ist denn los?“ Der Junge sah zu ihr hoch und wurde bleich im Gesicht. Schnell sprang er von ihr runter und versteckte sich hinter dem nächsten Baum.

„Dich gibt es zwei Mal Urgroßmutter Elda?“ Vor Angst erstarrt stand er hinter dem Stamm und starrte das Mädchen an.

„Jetzt verstehe ich…“, meinte Karin gelassen und stand erst mal wieder auf. „Du musst Rens Sohn sein. Ich kannte dich bis lang nur ungeboren. Man bist du groß geworden. Ich bin die Schwester deines Bruders, Karin.“ Lächelnd versuchte sie die Lilahaarige ihrem Neffen zu nähern. Bei genauerer Betrachtung erkannte sie direkt die Ähnlichkeit zu ihrem Bruder. Wenn man genau hinsah, sah Ren in jungen Jahren genauso aus. Silber graue Haare, die ihm zu allen Seiten vom Kopf standen, seine dunklen Augen, auch die Statur und die Gesichtszüge waren gleich. Allerdings hatte er nicht diesen scharfen Blick, sondern eher den weichen Blick von der Mutter.

„Das glaube ich dir nicht. Du willst mich nur wieder locken, damit ich als dein Kuscheltier agieren kann.“ Ihm stiegen bereits die Tränen in die Augen. Karin verstand sein Handeln. Ihre Großmutter kann schon sehr anstrengend sein, sie musste es selber am eigenen Leibe erfahren. Plötzlich stellte sich Henry zwischen die beiden. Der Junge riss aus seiner Starre und rannte seinem Großvater in die Arme. „Opa!“

„Was machst du denn hier Vlad? Sind deine Eltern auch da?“, wollte der Vampir wissen, doch der Junge schüttelte den Kopf.

„Mama zwingt Papa dazu mit ihr auszugehen und deshalb gaben die mich hier bei Uroma Elda abgesetzt.“ Vlad schniefte. „Mach dass sie weg geht“, schluchzte der Junge. Henry sah zu seiner Tochter, die etwas unbeholfen da stand.

„Das ist nicht Uroma Elda, Vlad. Das ist tatsächlich Tante Karin. Du weißt schon. Die von der wir dir erzählt hatten.“ Der Vampirvater kniete sich zu dem Jungen runter. Der Kleine überlegte eine Weile. Karin war ganz gerührt. Sie hatten ihm von ihr erzählt. Das war für sie unvorstellbar süß.

„Ach stimmt“, kam es plötzlich aus dem Jungen. „Papa sagte immer er hätte noch eine tollpatschig kleine Schwester. Das schwarze Schaf der Familie.“  

„Bitte wer war das schwarze Schaf. Ich mag anders gewesen sein, aber Ren war wohl eher das schwarze Schaf“, blaffte die junge Vampirdame unkontrolliert. Kurz war der Junge schockiert, doch begann er plötzlich zu lachen. Karin wurde bleich. Sie wurde sogar schon von einem kleinen Jungen ausgelacht. Doch als er plötzlich zu ihr rüber lief und sie umarmte, wurde ihr warm ums Herz.

„Du bist lustig Tante Karin. Ich mag dich.“ Dem Mädchen stiegen die Tränen in die Augen. Unaufhörlich begann das Mädchen zu weinen. Plötzlicher entlud sich all der angestaute Frust auf einmal. Eine Woge der Erleichterung kam über das Mädchen. Ihre Familie ging schnell zu ihr rüber und versuchten sie wieder zu beruhigen, wenn auch ohne Erfolg. Irgendwann sahen sie schließlich ein, dass sie alles raus lassen musste und führten sie erstmal ins Wohnzimmer.

Als sich Karin schließlich wieder beruhigte sah sie  sich im Haus  um. Es hatte sich absolut überhaupt nichts verändert. Alles sah genauso aus wie vorher. Das stimmte sie komischerweise fröhlich.  Sie setzte sich auf die Couch genau in die Mitte . Neben ihr platzierten sich Anju und Vlad, die sich an sie schmiegten

„Ich habe euch vermisst“, sprach das Mädchen wahrheitsgemäß. Carrera und Henry setzten sich stumm auf sie Sessel an der anderen Seite des Tisches. Sie sahen sich kurz traurig an und dann wieder zu deren Tochter.

„Wir haben dich auch vermisst. Es fiel uns auch nicht leicht diese Entscheidung zu treffen, aber du solltest ein Leben in Frieden haben. Hätten wir gewusst, dass deine Kräfte wieder erwachen würden, hätten wir das nicht getan“, sagte die Mutter ruhig. Henry stand schon die ganze Zeit den Tränen nahe. Von ihm konnte man kein Ton erwarten.

„Ich kann euch ja in gewisser Weise verstehen. Mit Sicherheit hätte ich an eurer Stelle auch an diese Möglichkeit gedacht,  doch war es schon verletzend, dass ihr das ohne meine Einverständnis gemacht hattet und dann habt ihr auch noch Kenta in die Sache mit rein gezogen. Er musste wegen mit so viel durchmachen. Selbst bis zur Wiederkehr meines Gedächtnisses durfte er mich noch anlügen.“ Leise Tränen stiegen in ihre Augen. Geistesgegenwärtig hielt Anju ihr ein Taschentuch hin, welches die Lilahaarige dankend annahm.

„Um Kenta tut es uns auch leid. Wir wissen wir haben ein Fehler gemacht, aber…“, setzte Carrera an. Henry war noch immer nicht in der Lage zu reden. Karin hielt allerdings die Hand hoch, damit sie nicht weiter sprach.

„Ich würde euch echt gern vergeben, ihr braucht mir auch gar nichts zu erklären. Ihr wolltet nur das Beste für mich und damit genug. Wie ich schon sagte verstehe ich euch da. Ich bin der Meinung das sollte auch nicht weiter aufgegriffen werden. Ich möchte eher darüber diskutieren, wie es nun weiter geht. Ich bezweifle einfach mal, dass ihr mich einfach so wieder aufnehmen würdet“, sprach die junge Erwachsene.

„Wer sagt das denn?“, hörte man plötzlich aus einer dunklen Ecke des Raumes. Karin drehte sich um und sah überrascht in ihr eigenes Antlitz, wie es sie wütend anstarrt.

„Großmutter Elda!“, rutschte es aus ihr heraus.

„Ich bin enttäuscht von dir, Karin. Wie kannst du bloß denken wir würden dich nicht mit offenen Armen empfangen? Du solltest dich was schämen.“ Elda griff ihre Enkelin am Kragen und hob sie aus dem Sofa. Eine Weile starrte sie ihr wütend in die Augen, bis sie schließlich zu zittern begann und Karin zu sich in die Arme zog. „Du Dummerchen, wir haben uns doch die ganze Zeit um dich gesorgt. Wir lieben dich doch.“ Eldas Stimme zitterte. Weinte sie etwa?

„Großmutter… danke…“ Auch Karin legte nun ihre Arme um ihren zierlichen Körper. Lange Zeit standen sie sich in den Armen, bis auch Henry endlich aufsprang und sich gegen die beiden warf.

„Wir haben dich so vermisst mein Liebling. Komm zurück zu uns“, flennte der Vampirvater. Karin umarmte ihren Vater.

„Das mache ich. Wobei… ich werde natürlich weiter mit Kenta zusammen wohnen, aber ich werde öfter vorbei schauen.“ Plötzlich riss das Mädchen die Augen auf und sah auf ihre Armbanduhr. „Schon 4 Uhr morgens. Er schläft sowieso schon. Lasst mich ihm eben eine Nachricht zukommen und dann könnte ich heute Nacht noch bei euch bleiben“, lächelte das Mädchen sanft. Schnell zückte sie ihr Handy und schrieb rasch eine Nachricht, dass es ihr gut gehen würde und sie sich wieder mit ihrer Familie vertragen hatte und über Nacht bleiben würde. Kaum hatte sie die Nachricht abgeschickt und das Handy weggesteckt, kam auch schon eine Nachricht von ihm zurück.

„Danke für die Nachricht, ich konnte kaum schlafen ohne diese Information. Ich wünsche dir noch eine schöne Nacht. Ich liebe dich <3“ Karin grinste verliebt.

„Ich kann wohl bleiben.“ Henry zog seine Tochter wieder zu sich in die Arme. Nicht nur Elda, sondern auch Anju und Carrera versammelten sich um sie. Nur Vlad lag schlafend auf dem Sofa. Immerhin waren seine Kräfte noch nicht erwacht, er musste sich noch nach den Menschenzeiten richten.

Es gab echt nichts, was ihr diesen Tag jetzt noch vermiesen könnte.

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Schlussendlich habe ich es dann doch noch geschafft das zweite Kapitel zu schreiben.
Man hatte ich eine Schreibblockade D:
Auf dem Bahnsteig wusste ich einfach nicht mehr weiter, bis mir vor drei Tagen der Gedankenblitz kam xD
Damit habe ich diesen Two Shot jetzt also beendet ^^
Ich hoffe euch hat es gefallen :)
Würde mich über Rückmeldungen sehr freuen, aber auch nur, we nn ich auch Spaß dran habt  :D

Also dann ^^
Ich wünsche euch von Herzen alles Gute, bleibt gesund oder werdet gesund :D

LG xXSoMaXx
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