Bartimäus- Die Schüler der Regierung

GeschichteRomanze, Fantasy / P12
Bartimäus OC (Own Character)
10.04.2016
12.04.2016
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Alectra

Der Rauch verdichtete sich. Ich stand unentschlossen in meinem Pentagramm. Dann hallte eine Donnerstimme: „WER BIST DU, DASS DU ES WAGST MICH ZU BESCHWÖREN!!!“. Mittlerweile ragte eine Nebelsäule mit gelben Augen aus dem mir gegenüberliegendem Pentagramm. Ich entgegnete leichthin: „Ich bin diene Meisterin! Du hast mir zu gehorchen!“. „Wie lautet dein Name?“, die Nebelsäule und verwandelte sich in einen gut aussehenden Ägypter. „Kommt drauf an, welchen du wissen willst.“, antwortete ich. „Beide.“, sagte der Ägypter nach kurzem Überlegen. „Na gut. Mein Deckname lautetet: Linea Sprout. Mein Geburtsname war glaube ich: Alectra Bones.“, sagte ich. „Bestrafe mich!“, verlangte Bartimäus. „Wieso sollte ich?“, fragte ich unsicher. „Damit ich sicher bin, dass du mir deinen wahren Namen verraten hast.“, antwortete der Dschinn. Ich verdrehte die Augen und rezitierte die Formel des methodischen Schraubstocks. Bartimäus hob abwehrend die Hände. „Alectra!“, rief er. Die Formel kehrte sich um und ging auf mich los. Ich überkreuzte die Hände vor der Brust und der Schraubstock krachte gegen meinen Schild. „Du hast mir tatsächlich die Wahrheit gesagt, wieso?“, er schien verblüfft. „Weil ich mein Leben lang gelogen habe. Ich denselben Fehler nicht noch mal machen.“, sagte ich. Ein paar einsame Tränen rollten über mein Gesicht. Ich griff an den Anhänger meiner Kette- ein Herz in das ein Muster eingekerbt war, es bestand aus Eisen- und strich darüber. „Was ist da drin?“, wollte Bartimäus wissen. „Fotos.“, antwortete ich. Ich sah auf die Uhr. „Mist, ich muss los!“, rief ich aus und trat ohne weiteres aus meinem Pentagramm. „Und was soll ich solange tun?“, rief mir Bartimäus nach. „Dich im Haus umsehen. Mein Pentagramm auf Fehler überprüfen und mich- falls du was findest- fressen. Mehr fällt mir nicht ein.“, sagte ich bevor ich aus dem Zimmer stürmte.


Bartimäus

Was war das denn? Die Kleine war wahrscheinlich gerade mal sechzehn. Sie beschwörte mich, sagte mir ihren Geburtsnamen, heulte, stürmte aus dem Zimmer, weil sie irgendwo hin musste und brachte mich auf dumme Gedanken. Ein komisches Mädchen. Unwillkürlich musste ich grinsen. Sie erinnerte mich sehr an Ptolemäus. Bloß vom Aussehen nicht. Sie hatte langes hellblondes Haar, blaue Augen, volle Lippen, warum die ein Meter siebzig groß, schlank. Sie trug eine blaue kurzärmlige Bluse, darüber eine graue Strickjacke, schwarze Jeans und normale Turnschuhe. Für eure Verhältnisse, war sie offenbar sehr hübsch. Was ich komischerweise auch fand. NEIN! Nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein! Bitte, biiiiitte nicht! Doch betteln brachte nichts. Ich konnte nichts daran ändern. Leider nicht! An was konnte ich eigentlich nichts ändern? Ich bin nicht mit menschlichen Gefühlen betraut. Ich dachte scharf nach und entschied mich tatsächlich dafür das Haus samt näherer Umgebung zu erkunden. Als erstes erkundigte ich das Zimmer in dem ich mich befand. Nichts Interessantes. Ich ging durch die Tür und fand mich in einem Flur wieder. Offenbar war dies hier das Erdgeschoss. Ich entschied mich dafür in den Keller zu gehen, denn in Zauberer- Kellern fand man allerhand (Eine eingemauerte Leiche zum Beispiel...oooder eine Mächtige Wesenheit, die in einer Flasche eingesperrt war). Leider fand ich Nichts. Dachte ich zumindest, bis ich an eine Tür kam die nur auf der siebten Ebene zu sehen war. Ohne zu zögern lief ich darauf zu und stieß die Tür auf. Was ich sah war nicht gut. Es war ein dickes, altes, in Leder gebundenes Buch. Es war bis zur Mitte aufgeschlagen. Eine unbekannte Kraft ging von dem Buch aus. Mit dem Rücken mir zugedreht saß davor die Kleine die mich beschwört hatte. Sie schien eine Formel zu rezitieren, die nicht ohne war. Plötzlich brachen die Wörter ab und die Kleine sah auf. „Was willst du Bartimäus?“, fragte sie und ihre Stimme klang gefährlich ruhig. „Äh... ich... ähm... ich- „Du...?“, unterbrach mich das Mädchen. „Ich habe mich umgesehen und die Tür auf der siebten Ebene entdeckt.“, stammelte ich. Verdammt wieso stammelte ich denn plötzlich. Ich war doch sonst nicht auf den Mund gefallen. Aber dann viel mir etwas anderes ein. „Wer bist du?“, fragte ich. Zur Antwort hob die Kleine ihre linke Hand und alle Trugbilder fielen von ihrem Gesicht ab. Fassungslos starrte ich sie an. Sie hatte eine Narbe über ihrem rechten Auge, das einzige was bei ihrem Trugbild dasselbe gewesen war, wie in ihrem Richtigen Gesicht, waren ihre Augen. Ihre Haut war heller, ihre Mundwinkel zeigten deutlich nach unten, als ob sie noch nie in ihrem Leben gelächelt hätte. „Wieso?“, war das einzige, was ich hervorbrachte. „Gute Frage. Ich werde versuchen sie dir zu beantworten. Also was willst du wissen?“, die Trauer in ihrer Stimme, war unüberhörbar. „Ich will wissen, warum du ein Trugbild um dein Gesicht wirkst.“, sagte ich entschlossen. „Dazu gibt es zwei Gründe. Der erste wäre, weil ich von der Londoner Regierung gesucht werde, der zweite wäre, weil ich es nicht ertrage jeden Morgen in den Spiegel zu sehen und ihren Tod noch einmal miterleben zu müssen.“, mit dieser Frage hatte ich offenbar ihre wunden Punkt getroffen. „Wessen Tod?“, fragte ich zaghaft. „Den meiner Freunde.“, sie sah auf ihre Handfläche, auf der die Hälfte eines schwarzen Wolfkopfes zu sehen war. Er hatte Kristallblaue Augen (bzw. ein Kristallblaues Auge). „Nächste Frage, wieso hast du nur einen halben Wolfskopf auf deiner Hand?“, fragte ich. „Die Regierung hat es einmal geschafft mich gefangen zu nehmen. Sie haben mich gefoltert um Informationen aus mir heraus zu bekommen. Ich habe geschwiegen, dann haben sie etwas getan, was ich nicht für möglich gehalten habe. Sie zogen mir Kraft ab. Die Kraft die auf dem Wolfsmahl beruht. Auch das brachte nichts. Sie begannen Utucku auf mich zu hetzen. Einer von ihnen verpasste mir die Narbe. Als das auch nichts brachte, machten sie meine alten Freunde ausfindig. Sie brachten einen nach dem anderen qualvoll um. Ich musste dem ganzen zusehen. Nach dem Tod meiner Freunde verschwand die eine Hälfte des Wolfsmahls. Warum weiß ich nicht.“, die Kleine schwieg eine Weile, dann fragte sie: „Sonst noch was das wissen willst?“. „Ja, wie hießen die Zauberer die dir das angetan haben, Alectra?“, die Kleine zuckte zusammen, als ich ihren Geburtsnamen benutzte. „Ich glaube sie hießen: Henry Duvall und Jessica Whitewell. Sie hatten beide ihre Lehrlinge dabei: Jane Farrar und John Mandrake. Wieso willst du das wissen?“, antwortete meine Meisterin. „Mandrake?!“, ich war buchstäblich fassungslos. „Wann genau war das?“, hackte ich nach. „Kurz vor der Golem Sache. Wieso starrst du so?“, bekam ich als Antwort zu hören. „Weißt du, was mit Mandrake passiert ist, nach dem Schlamassel im Glaspalst?“, fragte ich. „Ja, er wurde irgendwie von jemandem rausgeholt und hat überlebt. Jetzt bildet er mit Jane Farrar die neuen Schüler aus.“, antwortete die Kleine, verblüfft, dass ich das wissen wollte. „Die neuen Schüler?“, fragte ich. „Ja, die neuen Schüler. Es ist nicht mehr so, dass einem Zauberer ein Schüler unterstellt ist. Sondern so, dass alle vier Jahre zwei Zauberer ausgewählt werden, diese Unterrichten den jeweiligen Jahrgang dann acht Jahre lang. In diesem Jahr sind Mandrake und Farrar dran.“, erklärte Alectra. Ich sah sie, völlig baff an. „Danke, das erklärt einiges.“, murmelte ich. In diesem Moment brach die Tür hinter uns auf und drei Mariden rannten herein. Hinter ihnen erblickte ich zwei grüne Afriten und dahinter wiederum vier Dschinn. Die Mariden stellten sich hinter mich und die Kleine. Sie hielten uns fest, bis ihre Beschwörer auftauchten. Mir entfuhr ein wütender Aufschrei, als die größere Person der beiden erkannte. Alectra neben mir stieß ein gefährliches Knurren aus. „Mandrake!“, schnaubten wir wie aus einem Munde, was Mandrake ein hinterhältiges Lächeln entlockte.

Alectra

„Mandrake!“, schnaubten Bartimäus und ich gleichzeitig. Der Zauberer lächelte hinterhältig. „Genau der.“, sagte Mandrake nach einer Weile. „Was willst du?“, fragte Alectra. „Du bist verhaftet, Alectra.“, sagte Mandrake mit entschlossener Miene. „Lieber würde ich sterben, als mir von dir sagen zu lassen was ich zu tun habe, Nathanel!“, ich spuckte das letzte Wort verächtlich aus. „Bringt sie weg!“, befahl Mandrake den Mariden hinter mir und Bartimäus. Ich wand mich im Griff meines Wächters wie ein Aal, doch es brachte nichts. Der Marid schubste mich vorwärts. An meiner Haustür hatten sich mittlerweile Schaulustige versammelt. Der Nachbar, der mich noch nie leiden konnte rief durch den ganzen Tumult: „Ich hab´s immer wieder gesagt! An der kleinen Miss Sprout ist irgendwas faul! Als hätte ich´s gewusst!“. „Halten sie ihre verdammte Fresse, Mr Carlson, oder ich jag ihnen eine Detonation an den Hals!!“, schrie ich. Carlson hielt den Rand. Wir wurden weiter geschubst. Dann eine donnernde Explosion. Bartimäus Wächter löste sich in Staub auf. Dahinter stand ein anderer Dschinn. Ich nutzte die Ablenkung und schlug dem Mariden, der mich festhielt ins Gesicht. Natürlich nicht mit meiner normalen Faust, das wäre reiner Selbstmord gewesen. Ich hatte eine meiner verbleibenden Fähigkeiten benutzt. Anstelle meiner Fingernägel, hatte ich silberne, lange Krallen. Sie enthielten ein spezielles, sehr starkes Substanzgift. Der Marid fiel zu Boden und löste sich im nächsten Moment auf. Bartimäus Retter sah mich verblüfft an. Ich zuckte nur mit den Schultern und setzte meine Gestaltwandler-Gabe ein. Der Dschinn sah noch verblüffter aus. Doch er und Bartimäus reagierten schnell. Jeder von ihnen verwandelte sich in einen Adler genau wie ich es getan hatte. Wir flogen los, hinter uns der Marid, der überlebt hatte.

Bartimäus

„Halten sie ihre verdammte Fresse, Mr Carlson, oder ich jag ihnen eine Detonation an den Hals!“, eins musste man meiner Meisterin lassen: Sie konnte selbst in den verzwicktesten Situationen Drohungen aussprechen. Alectras Nachbar wurde still. So wurden wir weiter geschubst. Plötzlich donnerte mir eine Detonation ins Ohr und mein Wächter sank, tödlich getroffen, zu Boden. Hinter ihm kam ein Dschinn zum Vorschein. Faquarl grinste. Der Marid, der meine Meisterin festhielt, ließ sich durch den Tod seines Kollegen ablenken. Diesen Moment nutzte meine Meisterin schamlos aus, und schlug ihm mit einer Art Krallen ins Gesicht. Der Wächter löste sich in Staub auf und ich merkte, wie Faquarl Alectra verblüfft anstarrte. Diese zuckte nur mit den Schultern und verwandelte sich in einen Adler. Faquarl starrte noch verblüffter drein. Doch er und ich verschwendeten keine Zeit und verwandelten uns ebenfalls in einen Adler. So flogen wir los. Der dritte Marid verfolgte uns. Faquarl drehte mir seinen Vogelkopf zu und fragte: „Zu welcher Kategorie gehört sie eigentlich?“. „Wer? Alectra? Sie ist gar keine von uns. Sie ist meine Meisterin und wird von der Londoner Regierung gesucht.“, antwortete ich und grinste, soweit das mit Schnabel ging. Faquarl sah mich verwirrt an. „Deine Meisterin?“, er schien ehrlich interessiert. „Ja, meine Meisterin.“, antwortete ich. „Wie heißt sie?“, fragte Faquarl. „Kommt drauf an welchen Namen du wissen willst.“, ich lachte in mich hinein, ihr hättet Faquarl Miene sehen sollen! Zum todlachen. „Sie hat dir ihren Geburtsnamen verraten!?!“, er rastete total aus. „Ja, wieso ist das so schlimm? Sie ist die beste Herrin die ich je hatte, mal von Ptolemäus abgesehen. Ich kann sie eigentlich gut leiden.“, sagte ich Schulterzuckend. „Wie tief bist du eigentlich gesunken, Bartimäus?“, fragte Faquarl. „Wer ist tief gesunken?“, ließ sich eine Stimme von meiner rechten Seite vernehmen. „Faquarl meint ich sei tief gesunken.“, antwortete ich. Alectra drehte ihren Adlerkopf nach hinten und sah sich um. „Ähm...Wo ist der Marid hin, der uns verfolgt hat?“, fragte sie. Drei Adler stoppten ihren Flug abrupt. „Sicher, dass du ihn nicht kalt gemacht hast, Faquarl? Du vielleicht, Alectra?“, auf meine Frage schüttelten beide ihre Köpfe. Ich schluckte schwer. „Runter!“, brüllte Faquarl. Die Warnung kam zu spät. Wir wurden von einem Netz aus Silber eingehüllt und in die Richtung geflogen, aus der wir kamen. Das Silber pochte in meiner Substanz. Dann wurde das Netz plötzlich fallen gelassen. Wir schlugen hart auf der Erde auf. Ich spürte wie das Netz aus Silberfäden unter uns weggezogen wurde. Alectra saß aufrecht da und hielt sich den linken Arm. Er war unnatürlich verdreht. „Ich wiederhohle gerne noch mal: Sie sind verhaftet, Miss Sprout!“, ließ sich die Stimme von Jane Farrar vernehmen. „Ihre Dschinn sind natürlich auch verhaftet.“, fügte Mandrake hinzu. „Aber vorerst brauche ich die Namen der beiden.“, sagte er und kramte nach einem Notizzettel und einem Stift. „Der, der immer noch bewusstlos ist, heißt Faquarl, ihn habe ich nicht beschworen. Der Andere heißt Bartimäus, er steht erst seit heute in meinen Diensten.“, sagte meine Meisterin, ihre Stimme zitterte vor Schmerzen. Mandrakes Stift fiel zu Boden. „Bartimäus?!“, seine Züge entgleisten für einen Moment. Dann murmelte er: „Meine nichtsnutzige Schwester und der unfähigste Diener den ich je hatte, was für eine Ironie!“. Damit drehte er sich um und wir wurden diesmal von drei Afriten in ein Polizeiauto verfrachtet, meine Herrin war inzwischen ohnmächtig, denn der Afrit hatte ihr einen kräftigen Schlag auf den Schädel verpasst. Ich spürte wie mir auch schwarz vor Augen wurde.
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