Silbernes Blut

von Nymphen
GeschichteDrama, Romanze / P12
OC (Own Character) Shade Barrow
10.04.2016
05.01.2018
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Krieg. Ein Wort, worauf jeder anders reagiert. Ich hatte es schon vor so vielen ausgesprochen. Die mit silbernem Blut hatten nur gelacht und sahen unbekümmert aus. Die Reaktion von Narren. Die Handlung der, die mit roten Blut geboren waren, sah schon viel anders aus. Sie hatten Angst. Doch ich hatte das Wort Krieg noch nie vor jemanden ausgesprochen, der darin kämpfte. Warum auch? Was hätte mir jemand darüber sagen können. Die Wahrheit? Nein, die Wahrheit lag viel zu schwer im Magen, als das man sie aussprach. Die Felder waren gefüllt mit rotem Blut und zwar nur mit roten. Man konnte in dem ganzen Gemetzel keinen einzigen silbernen Tropfen sehen. Vielleicht lag es daran, dass die Silbernen in ihren Zelten waren und die Befehle gaben. Ich gab die Befehle.

Ich war eine Silberne, die zu dem Hause Jikan gehörte. Meine Familie war so gut wie die Einzige, die jemals das Schlachtfeld mit eigenen Augen gesehen hatte, dennoch hatte nie jemand von uns darauf gekämpft. Silberne kämpften nicht. Eigentlich war es ein Wunder, dass sie sich überhaupt für den Kampf interessierten. Falls man das Interesse nennen konnte. Vom Königshaus kamen zwar Waffen, doch waren diese nicht von hoher Qualität. Ich war eine 17-Jährige, die ihr Leben auf einem Schachbrett verbrachte, oder abseits davon. Ich kämpfte nicht. Ich  war silbern. Doch trotzdem versuchte ich diesen Krieg zu beenden. Ich war für die Taktiken zuständig. Ich sagte den Roten, den Bauern, wo es langging und wie wir vorgingen, doch war ich dabei nicht alleine und die Taktik von meinem „Partner“ war alles andere als gut.

„Wir rüsten die Soldaten mit Bomben aus. Sie sollen zum Feind vordringen und ihn dort mit sich selber in die Luft jagen. Dadurch verlieren wir 1 und der Feind 10.“ erklärte mir General Iral. Ich knirschte verärgert mit den Zähnen. Unsere Meinungen gingen ständig auseinander.
„Aber dadurch verlieren wir unzählige Leben.“
„Was zählt schon das Leben eines Roten.“ meinte er nur und hatte sogar noch die Frechheit zu grinsen. Dieser Bastard! Er hatte keine Ahnung wo wir uns befanden. Wir waren auf einem Schlachtfeld. Hier starben mehr Menschen, als das man alle begraben konnte. Jetzt sollten diese Leute auch noch ohne Kampfwillen in den Tode ziehen? Das konnte doch nicht wahr sein!
„Sie kämpfen für uns! Sie lassen ihr Leben und anstatt mit ihnen zu kämpfen schauen wir einfach nur zu wie sie sterben. Nein, ich werde nicht zulassen, dass sie so grundlos zu Grunde gehen.“
„Jetzt werde doch nicht sentimental, Liliane. Außerdem läuft die Aktion bereits.“
Meine Augen weiteten sich.  Er hatte mich nicht mal gefragt was ich davon hielt. Jonson Iral hatte diesen Plan ohne mein „Ok“ in die Tat umgesetzt. Ich drehte mich auf den Absatz um und rannte aus dem Zelt. Meine graue Uniformsjacke wehte im Wind, während ich den Weg entlang eilte. Hier gab es 3 Hauptzelte. Das eine war für die Verwundeten, das man benötigte, da die Wunden nicht so schnell heilten ohne einen Heiler. Das Zweite war das Zelt für die Besprechungen von mir und Jonson. Auch schliefen wir dort, aber waren durch Abteile getrennt. Das Letzte war für die Essensverteilung, aber wir hatten kaum noch Vorräte, weshalb dieses oft leer stand. Neben den Hauptzelten gab es aber auch noch 100 kleinere Zelte, wo die 10. 000 Soldaten schliefen. Manchmal fragte ich mich wirklich warum man nicht einfach draußen schlief. Das meinte ich, die mehr Platz hatte als 1 kleines Zelt bot. Wie überheblich musste dies denn bitteschön wirken?
Die letzten Meter sprintete ich und stürzte ins Feld rein.
„Befehlt sofort den Rückzug.“
„Aber General Jikan, General Iral hat uns genau befohlen, dass…“
„Mir ist egal was er gesagt hat. Befehlen sie sofort den Rückzug. Das ist ein Befehl.“
Ich schaute mit strengem Blick in den Raum. Meine Mutter hatte mal gemeint, dass wenn ich wütend wurde meine sonst so hellbraunen Augen in einen roten Glanz lagen.
„Die Einheit Z soll sich sofort zurückziehen.“ hallte die Stimme im Raum wieder.
Wenn die Mikrofone der Soldaten nicht beschädigt waren, sollten sie innerhalb 10 Minuten wieder hier sein. Wer sich bis dahin nicht zurück gemeldet hatte, würde als tot erklärt werden.

1 Mann. Genau 1 Mann war zurück gekehrt. Ich schluckte, bei dieser Nachricht. Wir hatten 999 Soldaten verloren. Die Einheit Z existierte nicht mehr. Doch, sie war noch vorhanden. Mit genau einem Mann. Die Frau, die mir die Nachricht überbracht hatte, wartete geduldig auf meine Befehle.
„Geben sie mir die Namen aller Toten. Ich schicke die Nachrichten noch heute raus.“ erklärte ich mit monotoner Stimme. Ich hielt die Luft an, damit ich nicht anfangen würde zu weinen.
„Natürlich.“ meinte die blondhaarige und wollte schon mein Büro, falls man es denn so nennen konnte, verlassen. Da fiel mir noch etwas ein.
„Wie heißt der Soldat, der überlebt hat?“
„Shade Barrow“

Ich lag jetzt schon seit 1 Stunde wach im Bett und starte in die Luft. Meine Hand tat vom schreiben weh, doch ich empfand es nur als meine Plicht, dass die Familien etwas Handgeschriebenes bekamen. Etwas was wenigsten einigermaßen persönlich rüber kam. Ihre Töchter und Söhne waren viel zu jung gestorben. Sie hatten nie auch nur ansatzweise ein ruhiges Leben gehabt.
Ich schwang meine Beine mit voller Kraft aus dem Bett und setzte mich auf.  Schnell war ich in meine Uniform geschlüpft. Sie war grau, die Farbe des Hauses Jikan, und hatte ein schwarzes Stickmuster drauf genäht. Das Strickmuster zeigte aber ein ganz deutlich. Zahnräder und sogar eine Uhr. Passend zu der Gabe, die in meiner Familie lag. Die Gabe der Stopper. Es war den meisten Stopper nur gegeben 3 bis 6 Sekunden anzuhalten, was schon ausreichte um einer Kugel oder Schwert auszuweichen, doch ich konnte unter großen Anstrengungen 30 Sekunden schaffen. Die Gabe war alles andere als gesehen und auch wurde sie als schwach bezeichnet. Aus diesem Grund und auch weil ich an der Front war, durfte ich bei der Königinnenkür nicht teilnehmen. Was hätte ich auch zeigen können? Wie ich, ohne dass jemand es sehen konnte, eine Statue umwarf? Nein, das wäre nun wirklich alles andere als großartig gewesen. Ich war in die sternenklare Nacht hinausgetreten. Im hinteren Teil konnte ich aber komischer Weise Licht brennen sehen. Wer war denn so spät noch auf? Meine Schritte gaben keinen Laut von sich und so war es ein leichtes für mich, mich fortzubewegen ohne jemanden aufzuwecken.
„Ich hoffe ihr habt es schön, dort wo ihr jetzt seid.“
Hörte ich eine Stimme und sah einen jungen Mann vor paar Kerzen stehen.
„Soldat Barrow“
Sprach ich ihn an und hoffte, dass ich mit meiner Vermutung richtig lag. Er drehte sich geschockt um und stellte sich sofort aufrecht hin. Ich hatte ihn zwar noch nie gesehen, aber er kannte mich ganz bestimmt. Was jetzt wohl in seinem Kopf vorging? Ich musterte sein Gesicht, seine Körperhaltung. Na los, zeig mir irgendwas, was mir zeigt, was du füllst.
„Es tut mir sehr leid. Hätte ich schneller reagiert, wären die Soldaten noch am Leben.“
Gab ich schließlich nach paar Minuten voller Stille von mir. Ich hielt wieder die Luft an um nicht zu heulen. Nur keine Tränen zeigen, du bist sein Vorgesetzter.
„Das sie sich überhaupt schuldig fühlen, hätte ich nicht von einer Silbernen gedacht.“
Durchbrach er die Stille, die wieder eingetreten war.
„Das Schlachtfeld macht jeden gleich. Hier ist es nicht wichtig welche Farbe das Blut hat. Wenn jemand Tot ist, dann ist er tot. Da ist es völlig unwichtig wer oder was er war.“
Und da war es. Er ballte die Faust. Frust und Wut lagen in seinem Blick. Endlich konnte ich seine Gefühle lesen. Endlich konnte ich sehen was in ihm vorging.
„Und warum kämpfen dann nur die Roten?“ schrie er mich an, doch war seine Stimme etwas leiser, damit uns niemand hören konnte. Ich zuckte nicht mal mit der Wimper. Solche Wutausbrüche waren normal und in meinen Alltag überraschten sie mich nicht mehr.
„Weil das nur meine Meinung ist.“
Sagte ich und senkte meinen Kopf. Hätte ich dies jemals öffentlich vor einen anderen Silbernen gesagt, wäre ich wegen Hochverrat angeklagt worden. Doch hier, wo man nur rotes Blut sah, schien es als ob die  Welt der Silbernen nicht existierte.
„Tut mir leid, General.“
„Es ist alles ok. Sie haben vollkommen Recht, doch ich werde alles tun um sie hier lebend raus zu bringen. Ich möchte das sie wieder zu ihrer Familie können.“
„Ja, ich vermisse sie, aber mir wäre es lieber, sie würden jemanden vor der Einberufung bewahren.“
Ich schaute ihn an. Anstatt sein Leben zu retten, würde er jemand anderem das Leben schenken. Was war das nur für ein Mensch? Aber vielleicht war es genau das, was die Roten ausmachte, die Menschlichkeit. Ich hatte nie Wärme in den Reihen der Maskenträger gespürt.
„Da kann ich leider nichts machen. Ich bin nicht der König.“
Gab ich zur Antwort. Nur der König konnte so etwas aufheben und das würde er unter gar keinen Umständen machen. Was gingen ihn auch die Roten an.
„Ich verstehe. Kann ich sie dann etwas fragen?“
„Natürlich.“
Jetzt war mein Interesse geweckt. Was wollte er wissen?
„Was ist ihre Gabe als Silberne.“
Ich lächelte. Er sah mich verunsichert an, als ob ich ihn gleich umbringen würde. Wenn ich wollte könnte ich es, doch ich hob nur die Hand. Er verfolgte meine Bewegung, dabei war dies nur eine Ablenkung, damit er nicht die wichtige Bewegung sah. Ich ließ meine andere Hand hinter meinen Rücken verschwinden und schnipste. Sofort, war der Gesichtsausdruck meines Gegenübers eingefroren. Selbst die Flamme der Kerze bewegte sich nicht mehr. Ich ging paar Schritte zur Seite und schnipste wieder. Er sah sich verwirrt  um und entdeckte mich.
„Sie sind verdammt schnell.“
Ich schenkte ihm wieder mein Lächeln. Ich würde ihn nicht erzählen, dass ich nicht schnell war, sondern einfach nur die Zeit gestoppt hatte. Vielleicht würde er irgendwann mal selber darauf kommen, denn schließlich war er der letzte Soldat der Einheit Z und morgen würde ich dafür sorgen, dass die Einheit Z mir gehören würde. Jonson sollte nicht auch noch ihn in den Tod führen. Nein ich würde ihn schon bis zu dem Ende seines Dienstes hier durch bringen. Das war ich den Soldaten mehr als schuldig.
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