*†*:.It's alright .:*†*

von Yui Yuuji
OneshotDrama, Schmerz/Trost / P12 Slash
Katan Rosiel
08.04.2016
08.04.2016
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„Es ist gut. Schlaf jetzt. Rosiel …“

Schlafen, hm? Ich wollte nicht schlafen. Ich wollte meine Augen nicht schließen und gänzlich von dieser Welt verschwinden. Doch mit dem gleichen Atemzug in welchem diese Gedanken in meinem Kopf umherschwirrten, brachten meine Gefühle mich dazu, umzudenken.

Aus welchem Grund sollte ich weiterhin hier verweilen? Nun machte es für mich keinen Sinn mehr. Das, was mir am liebsten in diesem Universum war, in dieser verlogenen und verrotteten Welt, hatte ich mir selbst genommen. Meine eigenen Hände, beschmutzt von den Sünden der Zeit, hatten das Licht erlöschen lassen, ohne welches ich nicht fähig war, zu existieren.

Katan.

Bittersüß durchkreuzte dieser Name meinen Geist, ließ eine Reihe von unglaublichen Empfindungen in mir aufsteigen. Hinterließ tiefe Wunden, doch gleichzeitig waren da Erinnerungen, die wie ein Allheilmittel wirkten. Sie hüllten mich vollkommen ein, umarmten mich mit einer Wärme, von der ich geglaubt hatte, sie niemals wieder spüren zu können. Zu dürfen.

Ich war ein Sünder. Ein hoffnungslos verlorenes Geschöpf in dieser grausamen, grauen Welt, verlassen von Gott, meinen –unserem – Herrn. Doch Katan hatte mir immer das Gefühl gegeben, dass der morgige Tag ein Besserer werden würde. Er alleine hatte mich immer darin bestätigt, meine Hoffnungen nicht aufzugeben. Er alleine hat … mich am leben gehalten.
Nichts in der Welt konn die Tatsache entschuldigen, dass ich die Seele dieses unschuldigen Engels aus seiner physischen Hülle gerissen und gehen lassen habe. Nichts.

Ich liebte ihn. Oh, und wie ich ihn liebte. Diese Liebe, die mehr und mehr in mir aufstieg. Die gewaltiger und unendlicher wurde, je mehr Zeit verstrich und je älter er wurde. Je besser er mich kennenlernte, je mehr er lernte, mich zu verstehen. Niemand anderes in dieser verdammten und verlassenen Welt hatte mich verstanden. Nie. Und niemand würde es tun. Auch nicht, wenn ich ewig warten würde.

Er war ein Wunder.

Welches ich mit meinen eigenen Händen zerschlagen hatte! Ausgelöscht hatte ich es! Dieses einzige reine, strahlende Etwas, dieses Licht, dieser Stern, ganz gleich, wie man es nennen wollte. Diese wahrhaftige Vollkommenheit! Ich! Ich alleine hatte die Frechheit besessen, alles, was Katan war – und noch viel mehr – zu vernichten. Das letzte Fünkchen, welches noch in meinem verdorbenen Verstand zurückgeblieben war, hatte ich mit seinem Mord herausgerissen und im Keim erstickt.

Mein eigenes Ende hatte ich mir somit bereitet.
Meinen eigenen Untergang.

Aber es ist gut.
Nun war es zu spät. Zu spät für alles. Zu spät, meinen geliebten Katan noch einmal zu sehen. Zu spät um ihm zu sagen, weshalb ich all dies getan habe. Zu spät. Zu spät…!

Soll mich der Tod doch holen! Soll mich die unendliche Dunkelheit doch umschließen und bis in alle Ewigkeit gefangen halten! Es interessiert mich nicht! So muss ich all das hier zumindest nicht mehr ertragen! Ich hasse euch! Euch alle und eure verpestete Welt! Eure dummen Hoffnungen und Träume.

Ich hasse es. Ich hasse es. Ich hasse es. Ich hasse es.

Ich hasse euch alle.

Euch… alle.

„Hasst Ihr denn auch mich, Rosiel-sama?“

Mein Kopf schnellte in die Höhe. Hatte ich diese Stimme gerade tatsächlich vernommen?
Nein, sagt mein Verstand – zumindest der letzte Rest, der noch vorhanden war – mir sofort. Er weilte nicht mehr hier. Weit, weit weg musste er schon sein. Zu weit weg, dass ich ihn noch erreichen konnte. Dass er mich noch hätte erreichen können. Oder wollen.

Sein Leben hatte ich ihm genommen. Wieso sollte er noch etwas mit mir zu tun haben wollen?

Mit Sicherheit spielte mein Geist mir Streiche. Wahnsinnig, das war es, was ich war. Wollte mein eigenes Ich mich nun schon bestrafen?

Doch ich sah ihn, als ich hinauf blickte und meine Augen sich an das helle Licht, das mich umgab, gewöhnt hatten.

So warm…

„Rosiel-sama… Nein, Ihr könntet mich niemals hassen.“
Diese unglaublich beruhigende Stimme. Diese Stimme die mich glauben ließ, dass alles gut war. Alles gut sein würde. Schon immer alles gut gewesen ist.

Müde schließe ich meine Augen wieder, nachdem ich gesehen habe, wie er vor mir auf seine Knie geht – ganz langsam – und mit seiner weichen Hand zärtlich über meine Wange streichelt. Wie gerne ich mich einfach um seinen Hals werde will. Ihn an mich drücken will und niemals gehen lassen möchte.
Aber ich weiß, dass ich ihn schon habe gehen lassen. Ich habe ihn weggeschickt. Dazu gezwungen.

Nur einen Moment. Nur für einen Moment, eine Sekunde, möchte ich noch dieses Gefühl genießen. Dieses Gefühl, ihn ganz nahe bei mir zu haben. Dieses Privileg genießen, seine Zärtlichkeit zu spüren.
Verrückt, vermutlich sah er es immer als etwas Besonderes, etwas heiliges an, in meiner Gegenwart zu sein. Doch eigentlich war Katan immer der Heilige gewesen. Und ich habe danach gelechzt in seiner Nähe sein zu dürfen, sein zu können.

Vorbei. Jetzt war das alles vorbei. Niemals wieder könnte ich ihn ansehen.

„Kommt mit mir.“
Mit Ungläubigkeit in meinen Augen sah ich ihn abermals an und konnte nicht fassen, was er da von sich gab.

Konnte es sein, dass ich … ?

Sanft umschloss seine Hand die Meinige und ich spürte Tränen in mir aufsteigen. Das konnte nicht wahr sein. Mein Verstand täuschte mich abermals! Eine andere Erklärung konnte es dafür nicht geben.

Verzweifelt suchte ich nach einer rationalen Antwort zu dieser ganzen Situation. Doch ohne Erfolg.

Langsam zog er mich auf meine Beine und kurz darauf umschlang er mich mit seinen Armen. Eine warme Umarmung war es nun, in welcher ich mich befand.

Es war dieser Moment, in dem ich verstand, was um mich herum geschah. Was mit mir geschah.

Für mich war es jetzt an der Zeit, loszulassen. Und bei Gott, ich war bereit dazu.
Ich verstand nun, dass Katan mich nicht verlassen würde. Er würde mich nie verlassen. Er hatte es nicht vor. Niemals.

Mit einer Erleichterung, welche ich noch nie empfunden hatte, ließ ich mich in das Licht einhüllen, welches mich schon die ganze Zeit umgab. Welches mich immer umgeben hatte und bis in alle Ewigkeit umgeben würde. Es würde nicht verschwinden. Es würde mich immer wärmen und beschützen.
Ich ließ mich in die Umarmung fallen und sanft von ihm davon tragen. Ein Lächeln zierte meine Lippen als ich seine Hände spürte, die durch mein Haar streichelten und die sanften Lippen die mir einen Kuss auf die Stirn hauchten. So zart.

Meine Augen waren geschlossen und ich spürte, wie alles um mich herum verblasste, wie ich zärtlich davongetragen wurde.

Ich war bereit.
Endlich konnte ich schlafen.


Alles war gut. Alles würde gut sein.
Es ist gut…
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