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Gut.

KurzgeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P12 / MaleSlash
Friedrich Baldwein / Fred Wilhelm Blödorn / Willi
05.04.2016
05.04.2016
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Gut.




Seicht wehte der Wind durch die Äste der Bäume, leises zirpen der Grillen war zu hören und die Sonne, welche durch die dichten Baumkronen über ihnen schien, begann langsam aber sicher hinter dem Horizont zu verschwinden. Es wurde etwas kühler, doch nicht so kühl, dass man eine Jacke gebraucht hätte.

Zufrieden lächelnd saß ein blonder, recht großer Junge auf dem Baumhaus der Pygmäen, ließ die Beine baumeln und lächelte zufrieden. Es war ein schöner Tag gewesen. Sie waren einfach nur herum gesessen, hatten Musik gehört und etwas geredet. Nur sie vier, keine Mädchen, gar nichts. Eine angenehme Abwechslung zu den restlichen Tagen der letzten Monate, in denen ihm Melanie wie ein Kaugummi an den Füßen geklebt war und noch immer unnachgiebig versuchte ihn zurück zu gewinnen.

Willi sah hoch in die Kronen der Bäume, kniff die Augen ein wenig zusammen und grinste. Nein, er würde nicht mehr mit ihr zusammen kommen, so gern er sie auch mochte, lieben tat er sie nicht. Er war momentan wohl etwas anders orientiert. Es war fast schon etwas lächerlich, fand er. Immerhin war er es gewesen, der abgesehen von Torte die meisten Freundinnen gehabt hatte und dem auch die meisten Mädchen hinterher sahen. Gerade er, dessen Vater ihn dafür wahrscheinlich tot prügeln würde, hatte sich in einen Jungen verliebt.

Nicht nur in einen Jungen. Es war ein ganz besonderer Junge, und Willi hatte beschlossen es ihm niemals zu erzählen und einfach ab zu warten, biss er sich wieder in ein Mädchen verlieben würde. Er wollte die Freundschaft nicht kaputt, und sich vor allen anderen lächerlich machen. Und sich outen wollte er schon gar nicht. Vor allem nicht, wenn er an das erst kürzliche Drama mit Wilma dachte, war er sich ziemlich sicher, dass was er hatte nicht aufs Spiel setzen zu wollen. Nicht dafür, dass er ohnehin eine Abfuhr bekommen würde, nicht dafür, dass ihn danach alle hassen würden.

Willi hatte noch immer ein Grinsen auf den Lippen, auch wenn es etwas verrutscht war. Es wurde nun immer schneller dunkel, bis irgendwann nur noch die bunten, kleinen Girlanden die sie von Tortes Onkel bekommen hatten, das Baumhaus erleuchteten. Er würde heute hier schlafen, hatte er beschlossen, weil er mal wieder keine Lust hatte nachhause zu gehen. Er würde ohnehin bald ausziehen können, sobald er angefangen hatte zu arbeiten.

Erneut legte Willi seinen Kopf in den Nacken, um zu sehen ob man die Sterne durch die Blätter der Bäume erkennen konnte. Zufrieden lächelte er, als er sie tatsächlich sah. Ohne lange zu überlegen ließ er sich mit dem Rücken auf das noch immer etwas warme Holz fallen, um besser in den Himmel sehen zu können. Er konnte sich in diesem Moment nichts schöneres vorstellen, als hier zu liegen.

Langsam fielen ihm die Augen zu und er lauschte ein wenig den Grillen, die noch immer fröhlich vor sich hin zirpten. Doch nach einer kurzen weile mischte sich noch ein anderes Geräusch unter das Zirpen. Es war das Geräusch von Füßen, die über den Boden liefen. Er wusste sofort wer es war und so bemühte er sich nicht einmal darum, die Augen zu öffnen um den Besucher an zu sehen.

„Du hast wohl auch keine Lust nachhause zu gehen, oder?“, hörte er die angenehme Stimme ganz in seiner Nähe, und spürte einige Sekunden später die leichte Vibration des Bodens, als sich Fred neben ihm nieder ließ. „Ne, keine Lust auf meinen Vater und hier draußen ist es so schön heute. Wieso dann die Nacht in einem Haus verbringen.“, antwortete Willi und blinzelte Fred an, schloss jedoch gleich wieder die Augen, weil es einfach zu anstrengend war sie offen zu halten. Auch wenn der Kleinere gerade ein wirklich hübsches Grinsen auf den Lippen hatte.

„Ich weiß ja nicht, ob es dir bewusst ist, aber das hier ist ein Baumhaus.“, lachte Fred, wobei er „Haus“ besonders betonte. „Ja, aber es ist ein schönes Haus, eins das nicht eng ist. Großer Unterschied!“, erklärte Willi und öffnete nun doch seine Augen, um den anderen eingehend zu mustern.

„Deine Haut sieht aus als würde sie glänzen.“ Mit einer hochgezogenen Augenbraue, jedoch noch immer grinsend sah Fred den Blonden an. „Glänzen?“ Willi nickte. „Ja, wegen dem Licht, du weißt schon.“ Er machte kurz eine ungelenke Handbewegung in die Richtung der kleinen, bunten Laternen. Verstehend nickte Fred und lachte leise, ehe er sich neben Willi legte.

„Die Sterne sind echt verdammt schön.“, sagte Fred nach einer weile und drehte seinen Kopf leicht zu seinem Freund, um diesen an zu lächeln. Dieser hatte jedoch seinen Blick noch immer in den Himmel gerichtet. „Ja. Verdammt schön.“, wiederholte Willi die eben gesagten Worte.



Die Berührung war nur ganz leicht, kaum spürbar, wie der Flügelschlag eines Schmetterlings, weshalb Willi sie auch zuerst nur als Einbildung abtat. Doch nach einer Weile wurde ihm bewusst, dass Freds Fingerspitzen tatsächlich seine Hand berührten. Sein Herz begann zu rasen und er könnte schwören, dass er sogar etwas rot wurde.

Fast schon war es ihm peinlich, dass er selbst bei einer solch leichten Berührung so sehr reagierte, doch irgendwie war es auch schön. Aufregend und anders, als bei Melanie oder anderen Mädchen. Es war nun mal ein Junge. Fred war nun mal ein Junge.

Es schien Willi so, als ob die Finger tatsächlich langsam, ganz langsam, immer mehr gegen seine Hand drückten, bis er die Berührung irgendwann ganz intensiv wahrnehmen konnte. Und irgendwann lagen Freds Fingerspitzen auf seinen. Willis Atem wurde ungleichmäßig und Panik kam in ihm auf, dass der andere etwas merken würde.

Langsam und bedächtig tasteten sich die Fingerspitzen des Braunhaarigen die Hand von Willi entlang, so, als würden sie etwas unglaublich zerbrechliches berühren und schließlich legte sich Freds ganze Hand auf die des anderen. Noch immer ruhte sein Blick auf dem Gesicht des Blonden, das Lächeln war ein wenig gewichten, hing ihm nun noch etwas schief im Mundwinkel und sah eher unsicher aus.

„Willi?“ Freds Stimme hörte sich rauer an als sonst und jagte Willi einen Schauer über den Rücken und seine Nackenhaare stellten sich auf. „Hm?“, antwortete er, nicht in der Lage ein richtiges Wort heraus zu bringen. „Stört dich meine Hand?“ Kaum merklich schüttelte der Blonde seinen Kopf und starrte weiterhin in den Himmel, da er das Gefühl hatte, würde er auch nur eine Sekunde seinen Blick abwenden, würden seine Augen wie von selbst zu Fred wandern.

„Gut.“ Er schien recht zufrieden zu sein, und Willi hörte, wie er kurz tief ausatmete und sich dann etwas aufrichtete, seine Hand noch immer auf der von Willi. Nun saß er neben seinem Freund und drehte sich zögerlich etwas zur Seite, lehnte sich über den Blonden, womit er ihm die Sicht auf die Sterne versperrte. Langsam, viel zu langsam lehnte er sich immer weiter vor, bis seine Lippen auf die von Willi trafen.

Weich, warm, kribbelnd. Es war nur ein kurzer Kuss gewesen, doch er war so anders, als alle anderen davor. Nicht besser. Anders.

Völlig perplex starrte Willi nun nicht mehr die Sterne an, sondern Fred. „Stören dich meine Lippen?“ Willi schüttelte den Kopf. „Gut.“ Lächelnd trafen ihre Lippen erneut aufeinander.



Leise zirpten die Grillen, der Mond schien bereits hoch am Himmel und sacht wehte der Wind durch die Äste der Bäume. Es war kalt, jedoch nicht so kalt, dass man eine Jacke gebraucht hätte. Und Willi konnte sich nichts schöneres vorstellen, als hier zu liegen. Hier, auf dem warmen Holzboden des Baumhauses, in dieser völligen Ruhe. Hier, zusammen mit Fred.




Ende.
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