Dschinn aller Dschinn

GeschichteAbenteuer, Fantasy / P12
Bartimäus
04.04.2016
22.05.2016
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Hallo :-)

Trommelwirbel. Fanfare.
Vorhang auf füüüüüüüüüüüür... BARTIMÄUS!
Hier kommt meine neue Geschichte zu einer meiner Lieblings-Buchreihen: Bartimäus, der Dschinn aller Dschinn, darf einmal mehr seine ruhmreiche Vergangenheit präsentieren... und ich hoffe, ihr habt Spaß beim Lesen und schreibt mir auch ein paar Reviews! :-)
Liebe Grüße :-)

Die Mittagssonne brannte vom Himmel, als wolle sie einen armen Dschinn auf der Stelle grillen. Es war… ach, was rede ich, du warst ja noch nie in Ägypten. * Also: Es war heiß. Sengend, glühend heiß. Ein Wunder, dass nicht der Lehm von den Häusern und das Gold vom Palastdach schmolz. Sogar die Mücken surrten langsamer als zu anderen Tageszeiten, und die Kobolde, die von ihren Herren trotz der Mittagsstunde mit wachsversiegelten Papyrusrollen auf Botenflüge geschickt worden waren, flatterten so träge durch die hitzeflimmernde Stadt, dass ich sie mühelos aus der Luft hätte pflücken und anschließend verspeisen können.
Wenn mir denn der Sinn danach gestanden hätte. Tat er aber nicht. Viel zu heiß. Nur ein Dummkopf rackert sich unnötig ab, wenn die Sonne einem schier die Haut versengt. ** Oder natürlich einer, dem selbiges von seinem erbarmungslosen Herrn und Meister befohlen wurde.
Was das betraf, hatte das Schicksal es heute gut mit mir gemeint. Ich räkelte mich im Schatten einer Dattelpalme und vertrieb mir die Zeit damit, einen bescheidenen Lobgesang auf meine letzte Heldentat zu dichten. *** Wenn ich Glück hatte, würde mich mein Meister heute nicht mehr rufen und ich könnte mir mal ein wenig Erholung gönnen.
Wenn ich Glück hatte… tja, daran krankte die Theorie. Ich nehme an, wenn man mit einem so flinken Geist und einer so schlagfertigen Zunge wie meiner gesegnet ist, kann man wohl nicht zu allem Überfluss auch noch einen hell strahlenden Glücksstern verlangen. Glück war etwas für ungeschickte Tölpel, die einen rhetorischen Wettkampf mit einem Nilbarsch verlieren würden und die tagsüber aufpassen müssen, dass ihr Schatten ihnen nicht abhaut. **** Der Foliot, der sich da eben neben meiner Palme aufbaute, war ein Musterexemplar dieser Spezies. Außerdem übernahm er mit Vorliebe die Rolle des Boten, zumeist die eines Boten, der schlechte Nachrichten überbringt und sich diebisch darüber freut.
Ich blinzelte desinteressiert. „Was gibt’s, Nkosi?“
„Tut mir ja wirklich leid, dich in deinem Schläfchen stören zu müssen, Bartimäus“, verkündete der Foliot. „Aber die Arbeit ruft. Unser Herr und Meister schickt mich, um dir auszurichten, dass er dich unverzüglich zu sehen wünscht.“
Ich gähnte demonstrativ und feilte eine meiner Krallen am Stamm der Dattelpalme. „Worum geht’s?“
„Glaubst du, das hat er mir gesagt? Nee, nee, so langsam sollte man meinen, du kennst die Zauberer besser. Die rufen und unsereiner hat zu springen, sonst gibt’s den Stichel. Aber wahrscheinlich braucht der alte Faulpelz eh nur wieder einen Trottel, der ihm das Badewasser einl… ey! Aua!“ Schimpfend hüpfte der Foliot auf seinen dünnen grünen Beinen ***** ein paar Schritte beiseite und rieb sich den Bauch.
„Mich ruft man nicht, wenn man ein Bad nehmen will. Mich ruft man, wenn es um Gefahr geht, brenzlige Racheakte, abenteuerliche Schatzsuchen…“ Ich legte den Stock beiseite, mit dem ich ihn gepiekt hatte, und erhob mich gemessen und eindrucksvoll von meinem Schattenplatz. „Ich bin Bartimäus von Uruk!“
„Jaja“, maulte Nkosi und hörte auf, sich zu bemitleiden. „Aber wenn der dicke Senusnet noch lange auf dein Erscheinen warten muss, verpasst er dir trotzdem den Stichel, und wenn du fünfmal Bartimäus von Uruk bist.“ Er schickte sich an, von dannen zu stolzieren. „Also komm mit!“
„Ich lass’ mich nicht mit einem grünen Foliot sehen, der Eidechsenstacheln auf dem Kopf trägt. Das verdirbt meinen guten Ruf.“
„Ich hab die Schnauze echt voll von euch Dschinn, die sich für was Besseres halten. Aber gut, mir soll’s recht sein.“ Nkosi rümpfte die unförmige Nase. Dann faltete er ein Paar limonengrüner Flügel aus und erhob sich flatternd in die staubig-heiße Luft. Kurz blickte ich ihm hinterher, dann ließ ich mich wieder im Schatten meiner Dattelpalme nieder. Wenn mein Herr meine Dienste benötigte, sollte er mich gefäligst selbst rufen. Ordentlich, so wie sich das gehörte. Schließlich musste ich auch die Gelegenheit bekommen, ihn mit einem stilvollen Auftritt zu beeindrucken und gegebenenfalls sogar so aus der Fassung zu bringen, dass sich die Chance bot, meine nun schon viereinhalb Monate währende Knechtschaft auf der Erde vorzeitig zu beenden. Was das betraf, machte ich mir allerdings keine zu großen Hoffnungen. Der alte Senusnet war zwar dick wie ein Nilpferd und fauler als alle Pharaonen, denen ich bisher hatte dienen dürfen ******, zusammen, aber sein Geist war flink und er ließ stets das gebotene Maß an Vorsicht walten. Was eine Menge ist, wenn man es mit einem hochklassigen Dschinn wie mir zu tun hat.
Versonnen blickte ich nach oben auf die Palmblätter und die Fetzen strahlend blauen Himmels, die dazwischen leuchteten. Gerade, als ich beschloss, jetzt tatsächlich ein kleines Mittagsschläfchen zu halten, spürte ich das vertraute Gefühl, als wenn einem das Gedärm zum Hintern rausgezogen wird. Das war’s dann wohl mit der Ruhe.


                                                                  ***

Fußnoten

*Schon gar nicht vor ca. 3400 Jahren. Dafür reicht eure kümmerlich kurze Lebenszeit ja hinten und vorne nicht.
** Oder das Fell, die Federn, die Schuppen – je nach Erscheinungsform halt! Wirklich, nun sei doch nicht so begriffsstutzig.
*** Es waren nur fünf Strophen, plus Refrain. Was denn? Dieser schakalköpfige Afrit vom Aton-Tempel hatte mir ganz schön zu schaffen gemacht, und ich verdanke es nur meiner allseits bekannten Geistesgegenwart und Geschicklichkeit, dass ich nicht die Hälfte meiner Substanz eingebüßt hatte. War ein harter Bursche, allerdings mit einem verhängnisvollen Hang zur Selbstsicherheit. Verhängnisvoll für IHN.
**** So wie du zum Beispiel.
***** Hoffnungslos altmodisch. Dieser Tage galt Gelb, meinetwegen auch Lapislazuliblau oder ein schlichtes Weiß in Achetaton als die Farbe der Wahl – aber nicht grün! Aber es hat keinen Sinn, sich mit einem Foliot über Stilfragen zu streiten. Mit Menschen übrigens auch nicht.
****** Beachte die feine Ironie.