Chizurus Wunsch

KurzgeschichteFamilie / P6
Chikage Kazama Chizuru Yukimura Heisuke Todo Kyo Shiranui Sanosuke Harada Sen-hime
03.04.2016
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Chizurus Wunsch

„Was ich mir am meisten wünsche ist das Schwert ruhen zu lassen, eine gutmütige Frau zu finden und Kinder mit ihr zu bekommen. Alles was ich will, ist ein friedliches Leben führen zu können. Die anderen sagen, dass so ein Traum vollkommen unmännlich ist. Trotzdem ist es das, was mich wirklich glücklich machen würde. Was ist mit dir Chizuru-chan, hast du einen Traum?“

„Mein Traum ist viel zu fern und wird niemals in Erfüllung gehen. Ich finde Ihren Traum sehr schön, Harada-san.“



Der Boshin Krieg war vorbei. Die Shinsengumi gab es nicht mehr als eine Einheit von Kriegern. Jene die überlebt hatten, blieben in tiefer Freundschaft miteinander verbunden und auch, wenn sich ihre Wege überwiegend getrennt hatten, besuchten sie sich oft. Harada Sanosuke und Chizuru hatten sich nach dem Krieg zurück in ihr Elternhaus nach Edo begeben und dort hatte Chizuru ihren gemeinsamen Sohn zur Welt gebracht.
Es waren fünf friedliche Jahre ins Land gegangen. Vom Garten hinter dem Haus her, kam das vergnügte Lachen eines Kindes und ein paar erwachsene Stimmen gesellten sich ihr hinzu. Im Schatten der des Vordaches der Veranda saß Chizuru zusammen mit ihrem Ehemann und ein paar alten Freunden. Sowohl das ehemalige Mitglied der Shinsengumi Heisuke, als auch die Dämonin Senhime und ihre Kameradin Kimigiku waren anwesend. Der Auslöser ihres heiteren Gelächters war der Nachwuchs der Haradas, welcher zusammen mit einem eher ungewöhnlichen Gast spielte. Dabei hatte sich ein kleines Unglück zugetragen, als Shiranui beim Fangenspielen beinahe über das rotbraunhaarige Kind gestolpert wäre, den Jungen allerdings in letzter Sekunde auf dem Arm nehmen konnte so dass nur er selbst mit der Nase ins Grüne fiel.
„Großartig, man bemerkt schon dass Toshi-kun ganz nach seinem Vater kommt. Der hat auch nie Sorgen gehabt“, bemerkte Senhime leise kichernd.
„Shiranui-san, ist alles in Ordnung?“, wollte Chizuru von ihm wissen und war schon im Begriff zu ihm zu laufen. Der langhaarige Dämon selbst hatte ein breites Grinsen auf dem Gesicht und umarmte den kleinen Jungen. „Alles in Ordnung, der kleine Racker ist ein Dämonenbezwinger – jetzt schon“, meinte Shiranui während er stolz dasaß und mit dem vierjährigen Jungen in der Sommersonne alberte. Sanosuke konnte sein Lachen ebenfalls nicht unterdrücken. Es bereitete ihm Freude seinen ehemaligen Rivalen so ausgelassen mit seinem Sohn spielen zu sehen.
„Kyou, du darfst dabei nicht vergessen, dass Toshi auch zur Hälfte ein Dämon ist“, fügte er hinzu und warf einen Blick auf seine Frau, die ausgelassen mit Heisuke und Senhime plauderte. Shiranui erhob sich wieder vom Boden, dabei hatte er den kleinen Jungen auf seinem Arm, der interessiert mit einer der dunkelblauen Haarsträhnen spielte. Der Dämon setzte sich neben Sanosuke, doch machte er Anstalten den Kleinen an seinen Vater abzugeben. Jedenfalls wollte er ihn im Moment noch nicht abgeben.
„Da fällt mir noch ein“, kam es plötzlich von Heisuke, „Wir sollten die Wassermelone holen...“
„Dafür haben wir jetzt keine Zeit mehr“, eine dunkle Stimme ertönte aus dem Inneren des Hauses, „Das verschieben wir auf später, wenn wir wieder da sind.“

Die kleine Runde wandte sich zur offenen Schiebetür. Kazama Chikage stand mit verschränkten Armen und einem hauch von Missbilligung in der Tür.
„Wir sollten gehen und dann hinunter zum Fluss“, meinte der blonde Dämon. Chizurus Gesichtsausdruck wurde ernster und als sie einen Blick auf ihre anderen Freunde warf, nickten sie ihr zu.
„Dann wollen wir mal.“ Sanosuke stimmte zu und erhob sich ebenfalls.

Die kleine Gruppe machte sich auf den Weg zu einem naheliegenden Tempel. Sie hatten es sich schon lange versprochen diesen Besuch gemeinsam zu machen. Kazama war zunächst nicht überzeugt gewesen sein Dorf im esten zu verlassen, doch Senhime und Shiranui hatten ihn mit Argumenten letztendlich doch überzeugt. Nun sei es dahin gestellt dass Senhimes Umgang mit Papierfächern als Waffe zum leichten Schlagen von Dämonenköpfen eine diplomatische Lösung war oder nicht. Kazama wollte es gewiss nicht zugeben, doch die gelegentlichen Besuche bei Chizurus kleinen Familie waren ihm wichtig. Es hatte zwar seine Zeit gebraucht um Chizuru als gute Freundin zu sehen, doch letztendlich konnte man keine Gefühle erzwingen.
Die Sonne hatte sich schon dem Westen zugewandt als sie den geraden Weg entlang gingen. Sanosuke und Chizuru gingen Hand in Hand nebeneinander während Senhime und Kimigiku versuchten Kazamas verdrießliche Miene ein wenig aufzuhellen.
„Ich höre auf zu gucken als wollte ich kleine Tiere erlegen, wenn Heisuke und Shiranui endlich wieder erwachsen sind“, grummelte er schlecht gelaunt vor sich hin während er den beiden Jungen mit seinen Augen folgte.

Der gebräunte Dämon hatte das Kind auf seinen Schultern sitzen und zusammen mit Heisuke spielten die beiden fangen. „Das ist nicht fair, Kyou“, murrte Heisuke, „Ich komme ja gar nicht an ihn heran.“
„Du musst dich eben mehr anstrengen, Heisuke, spring ein bisschen!“, entgegnete Shiranui in einem neckenden Ton und rannte erneut vor dem Braunhaarigen davon, welcher vergeblich an ihn hochsprang um dafür zu sorgen dass endlich er selbst gefangen werden musste.
„Passt auf ihr drei, da vorne ist schon der Tempel“, ermahnte Chizuru mit einem fröhlichen Lächeln auf dem Gesicht.
Die sieben betraten das Tempelgelände und selbst der kleine Junge verstand, dass er nicht mehr so laut sein durfte. Vor ihnen erstreckte sich eine Reihe von Gräbern, doch fünf von ihnen bedeuteten ihnen viel. Hijikata Toshizou, Kondou Isami, Sannan Keisuke, Okita Souji und Yukimura Koudou lagen hier Seite an Seite bei einander nachdem sie in den zahlreichen Schlachten ihre Leben auf die unterschiedlichsten Weisen verloren hatten. Es war das erste Mal seit vier Jahren, dass sie alle gemeinsam hierher kamen. Für den Sohn der Haradas war es sogar das erste Mal. Chizuru faltete ihre Hände und verbeugte sich vor den Gräbern. Die anderen taten es ihr gleich, doch niemand sagte etwas. Chizuru wandte sich zu Shiranui um und nahm ihm das Kind ab.
„Hijikata-san, Kondou-san, Okita-san, Sannan-san... Tousama, entschuldigt dass wir uns so lange nicht mehr blicken ließen, aber ich wollte euch zusammen mit Sanosuke-san und den Leuten, die mir am meisten bedeuten, jemanden vorstellen“, sprach sie plötzlich mit leiser Stimme an die von der Sonne erwärmten Steine gewandt, „Sanosuke-san und ich haben einen Sohn bekommen. Wir haben ihn Toshinojou genannt. Zu ehren von Hijikata-san nahmen wir das erste Kanji seines Vornamens. Saitou-san und Shinpachi-san konnten nicht kommen, aber Heisuke-kun ist bei uns und wie ihr seht verstehen wir uns auch gut mit ein paar Dämonen.“
Chizuru unterbrach sich selbst. Mit jedem Wort das sie sprach, hatte sie das Gefühl, dass ihr die Tränen stärker kamen, obwohl sie in diesem Augenblick eigentlich glücklich war. Sanosuke ging zu ihr und legte einen Arm um sie.
„Wir werden euch nicht vergessen und wir werden die Flagge in Ehren halten und irgendwann der nächsten Generation von euch berichten“, fügte Sanosuke hinzu und verbeugte sich noch einmal.
„Hakuouki...“, murmelte Kazama schlichtweg und war der erste, der die Ruhestätte wieder verließ.
Die anderen folgten ihm noch lange schweigend. Als die Sonne hinter dem Horizont verschwunden war und sie den Fluss erreichten in dem bereits kleine Lichter auf die Reise geschickt worden waren, brachen sie die Stille. Chizuru setzte Toshinojou wieder ab und ließ ihn zum Flussufer laufen. Neugierig sahen die aufgeweckten Augen auf die goldenen Lichter und war im Begriff nach ihnen zu greifen. „Toshi-...“, Chizuru wollte ihren Sohn zurückhalten, doch es kam ihr jemand zuvor. Diesmal war es Kazama, der dem Kleinen folgte.
„Wir ehren heute die Toten, Toshinojou“, bemerkte er, „Schau.“
Der Dämon zog eine kleine Laterne aus seinen weiten Ärmeln des Yukata und setzte sie ins Wasser. Toshinojou blickte fragend in das strenge Gesicht des Dämonen. Kazama erwiederte den Augenkontakt und der Hauch eines Lächelns zeichnete sich auf seinem Gesicht ab. „Toshinojou“, fuhr Kazama fort, „Lass mich dir die Geschichte von einem großen Mann erzählen, der wie ein Dämon war. Der Dämon unter dem dein Vater gedient hat...“
Er achtete nicht auf seine weiteren Begleiter, sondern trug die neueste der alten Geschichten über Vorfahren weiter, genau wie sie ihm selbst früher erzählt worden waren, als er ein junger Dämon war.

Chizuru betrachtete die Szene mit einem Lächeln. Die Zeiten hatten sich rasch und drastisch verändert, dennoch war sie froh.

„Sanosuke-san, ich habe es dir nie gesagt, aber mein größter Wunsch in meinem Leben war, dass Menschen und Dämonen friedlich miteinander leben.“
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