Gelegenheiten

GeschichteRomanze / P16
Henry "Hank" Voight Trudy Platt
02.04.2016
02.04.2016
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"Kommt ihr noch mit ins Mollys?"

Die Intelligence Unit polterte, angeführt von Ruzek in den wohlverdienten Feierabend, die Treppe hinunter.

Sergeant Platt räumte noch ihren Arbeitsplatz auf während die Truppe sich verabschiedete und zur Tür raus schob.
Platts Blick fiel auf eine Akte, die Detective Dawson angefragt hatte, eben hatte sie ihn noch zwischen Olinsky und Halstead laufen sehen.

"Detective Dawson", rief Trudy hinterher, blieb aber ungehört.


Mit der Akte in der Hand betrat sie das dunkle Büro der Intelligence Unit als auch in Voights Büro das Licht ausging. Sich die Jacke anziehend kam der Sergeant durch das einfallende Licht der Straßenlaternen auf sie zu.

"Trudy", grüßte Voight und blieb stehen.

"Hank"

Sein Blick fiel auf die Akte.

"Die hat Dawson angefordert", erklärte Trudy ihre Anwesenheit in dem menschenleeren Raum.

Voight nickte brummend zu dem Schreibtisch neben dem sie standen. Trudy streckte den Arm aus, dabei durchfuhr ihre rechte Schulter das Ziehen, das sie schon den ganzen Tag quälte. Murrend ließ sie die Papiere fallen, rieb sich mit der linken Hand die schmerzende Schulterpartie.

"Alles in Ordnung?", fragte Hank.

"Ja, sicher. Hab heute Morgen nur eine falsche Bewegung gemacht."

Hank schwieg einen Moment. Trudy wollte ihm eine gute Nacht wünschen, da trat er hinter sie, begann ihre Schulter zu massieren. Trudy seufzte.

Wohlwissend, es lag am schummrigen Licht, der Tatsache dass sie allein waren, schloss sie die Augen.

Trudy spürte Voights Körperwärme in ihrem Rücken, seinen Atem, der hauchzart die Härchen ihrer Wange streifte. Allein der Stoff ihres hellblauen Hemdes zwischen ihrer Haut und seinen Fingern störte sie.

"Oh Gott, ja, genau da", stöhnte sie beinah schon genussvoll als Hanks Daumen über das Zentrum ihres Schmerzes strich, "nicht aufhören."
 
Hanks linke Hand verließ ihre Schulter, seine rechte massierte unaufhörlich weiter. In Wellen zog der bittersüße Schmerz durch ihre Schulter, entlockte ihr ein weiteres Stöhnen, was Voight offenbar anspornte.

Seine freie Hand legte sich leicht auf ihren Bauch, sein warmer Atem kitzelte nun ihren Hals. Ein Prickeln durchfuhr sie wie ein Blitz als Hank ihr spielerisch in den empfindlichen Hals biss. Was würde sie dafür geben, wenn er sie jetzt zu sich drehte und küsste.

"Nicht hier", flüsterte Trudy stattdessen atemlos. Voight knurrte leise an ihr Ohr, einen angenehmen Schauer auslösend, und ließ von ihr ab. Sofort vermisste sie seine Nähe, seine Berührungen, seinen Geruch, da er sich mit festen Schritten entfernte.

"Hank", stoppte sie ihn, froh ihren autoritären Ton nicht im Sinnesrausch verloren zu haben.

Voight drehte sich langsam zu ihr um.

"Ich hab noch was zu erledigen", sagte er ruhig.

'Meinte er das Ernst? Was sollte das dann eben werden?', dachte Trudy enttäuscht.
Sie fühlte sich seinem anhaltenden Blick ausgeliefert, sah, es war sein voller Ernst. Sie wollte "Nun geh schon" sagen als Hank wieder den Mund aufmachte.

"In zwei Stunden bei mir.", fügte er leise hinzu.

Er wartete keine Antwort ab, setzte seinen Weg unbeirrt fort.

"Gute Nacht Sergeant Voight", rief Trudy energisch als sie die Gittertür zu fallen hörte.

In zwei Stunden. Pah! Wer war sie denn? Hatte sie es wirklich so nötig? Sie würde nach Hause fahren, sich ein Bad einlassen und nicht mehr an Hank Voight denken.

*


Es brannte noch Licht in Voights Haus als sie eine halbe Stunde nach der Zeit klopfte.
In einem Shirt, einer Jogginghose und einem Bier in der Hand öffnete er die Tür.

"Du kommst spät", bemerkte Hank als er die Tür hinter ihr schloss.

"Hatte noch was zu erledigen", antwortete sie trocken.

Sie war sich im Vorfeld nicht sicher gewesen ob sie überhaupt zu ihm fahren sollte. Überdrüssig von Versagern aufgerissen und benutzt zu werden, kam zu dem Schluss, sie konnte sich genauso gut von Hank Voight benutzen lassen oder ihn zu benutzen. Diese Entscheidung war aber erst in letzter Minute gefallen.

Sie hängte ihre Jacke an die Garderobe, denn Voight bewegte sich keinem Zentimeter. Er sah sie nur an, ließ nicht erkennen, ob er sich freute, dass sie da war oder ob es ihn störte, dass sie doch noch gekommen war. Bei Männern wusste man ja nie so recht, sie sagten das Eine und meinten das Andere.

"Auch eins?" Er hielt sein halbvolles Bier schräg zu ihr.

Trudy nahm es ihm aus der Hand, gab es ihm geleert wieder. Voight ließ sie dabei keine Sekunde aus den Augen, die sich verengt hatten als sie ihm das Bier abgenommen hatte.

"Smalltalk beendet?", fragte Platt. Jetzt wo sie hier war, und beide wussten wohin das gleich führte, wollte sie nicht um den heißen Brei reden.

Hank hob die Hand, forderte sie auf vorzugehen.

Trudy ergriff sie bei der Gelegenheit, ließ ihn erst vor dem Schlafzimmer los. Die Tür war geschlossen. Sie blieb stehen, wollte nicht rein stürmen, nicht den Eindruck verstärken, dass sie das hier so unbedingt wollte. Brauchte. Der letzte Kerl war wirklich eine totale Niete gewesen.

"Soll ich dich über Schwelle tragen?", neckte er verwundert. Oh Gott, sie hatte diesen Eindruck längst bei ihm erweckt.

"Sei nicht albern", zischte sie und schluckte das "Küss mich lieber" runter. Wahrscheinlich stand es ihr schon ins Gesicht geschrieben, denn Hank fasste an ihr vorbei den Türgriff. Sein Gesicht näherte sich ihrem und sie bekam endlich den Kuss, den sie herbeigesehnt hatte. Seine Lippen auf ihren. Vertraut, sie war weiß Gott nicht zum ersten Mal hier, aufregend, dass ihr noch immer heiß wurde wenn ihre Zungen sich trafen.

Und wie sie das hier wollte. Gierig lehnte sie sich Hank entgegen, der sie mit seinem Körper rückwärts ins Schlafzimmer schob. Seine Stirn an ihrer, zog er den Kopf zurück.

"Fühl dich wie zu Hause. Ich bin gleich da."

"Beginnende Blasenschwäche, Sergeant Voight? Soll häufig vorkommen mit fortschreitendem Alter.", schmunzelte sie.

Voight schnaubte. "Nicht so frech, sonst kannst du gleich was erleben."

Als er die Badezimmertür hinter sich schloss, begann sie sich auszuziehen.
"Oh, das hoffe ich doch sehr", murmelte Platt leise.

Das Bett roch nach ihm. Wieder durchströmte sie ein warmes Gefühl, das sich verstärkte als er die Tür öffnete und seine Präsenz sich über den Raum legte.

Voight zog sich das Shirt über den Kopf, Trudy stach der rote Fleck auf seinem Rippenbogen sofort ins Auge. Er sah frisch aus, Trudy kannte die Unterschiede zu Alten.
Hank sog scharf Luft ein als er zu ihr ins Bett stieg und ihre Hand sofort das Hämatom fand.

"Ist das von der Sache, die du erledigen musstest?"

"Ja" Mehr würde er dazu nicht sagen.

"Smalltalk beendet", bestimmte Hank, beugte sich über und küsste sie. Ihr Körper prickelte unter seinen Berührungen. Sie brannte so sehr darauf ihn endlich in sich zu spüren, dass sie alles andere um sich herum vergaß und nur noch fühlte.

*


Noch ein wenig schnell schlug das Herz in seiner Brust auf der ihr Kopf ruhte. Ein feiner Schweißfilm schimmerte auf seiner Haut. Zärtlich fuhr Trudy über die gerötete empfindliche Haut über seinem Rippenbogen. Voight zuckte unter ihrer Berührung.

"Du solltest das eincremen.", flüsterte sie vollkommen zufrieden.

Seine Brust unter ihr vibrierte als er brummte.

"Wie ich dich kenne, wirst es nicht tun", setzte sie nach und strich erneut über das Hämatom.

Hanks Brustkorb hob sich ein Stück weiter und stieß geräuschvoll die Luft aus. Sanft schob er ihre Hand von seinen Rippen.

Ja, sie kannte Hank Voight. Schon lange. Sie hatten sich aber nie geküsst, nie miteinander geschlafen, nie eine Beziehung geführt bis Hanks Frau starb. Sie führten auch jetzt keine Beziehung. Unregelmäßiger Gelegenheitssex, das war alles.
Mittlerweile anders als früher. Damals waren sie zwei bis dreimal die Nacht übereinander hergefallen. Hank hatte gar nicht zugelassen, dass Trudy sich noch an ihn kuschelte, sie so einschliefen. Nur eines blieb immer gleich. Sie war nie zum Frühstück geblieben.

Leise schlich Trudy sich ins Bad, suchte und fand natürlich keine Salbe. Sie würde ihm morgen kommentarlos eine über den Tresen schieben. Vielleicht benutzte er sie sogar.
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