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Tanz ins Glück?

Kurzbeschreibung
GeschichteFamilie, Liebesgeschichte / P12 / Gen
Andreas Schweiger Frank Oehler Nils Egtermeyer OC (Own Character) Ole Plogstedt
31.03.2016
25.04.2016
14
19.998
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12.04.2016 1.486
 
Fo grinste mich an. „Und was machen wir noch mit dem angebrochenen Abend?“ „Ein Bier trinken?“ Ole schüttelte nur den Kopf. „Schwesterchen, dir steht die ganze Bandbreite der Erotik zur Verfügung, und du denkst an BIER?“ „Gibt es was erotischeres?“ fragte ich unschuldig und mein Bruder verdrehte nur die Augen. „Ich bin raus-tut nichts, was ich nicht auch tun würde!“
Ich umarmte Fo erst einmal stürmisch. Nach einem Bier machten wir uns Hand in Hand auf durch das nächtliche Hamburg. „Diese Stadt ist wunderschön“, brummte Fo anerkennend. „Ja, das ist sie. Aber ich muss mich ja nun mit Lady Stuttgart anfreunden.“ „Du tust gerade so, als würde ich dich zur Schlachtbank führen!“  Ich kuschelte mich an ihn. „Nein, ich will ja mit dir leben, mein Schatz, aber die Umstellung wird schwierig-alleine schon die Sprache.“ „Die Liebe braucht keine Sprache, meine Süße“, meinte er. „Soll ich dir meinen Lieblingsplatz zeigen?“ „Den an der Elbe? Den kenne ich schon.“ „Nein, den, den weder meine Brüder noch Elvis, noch Nils kennen.“ Er nickte. „Na klar!“ „Dann komm! Und wir dürfen uns nicht erwischen lassen!“ Fo sah mich entrüstet an. „Genauso ein Punk wie der große Bruder!“ „Lass das meine Old Boys nicht hören!“  „Old Boys?“ „Björn und Pat, meine ganz großen Brüder. Die halten mich glaube ich, für die süße Unschuld vom Lande!“  Wir waren an einer kleinen Kirche angekommen. Die Hintertür stand eigentlich immer offen, und so schlichen wir hindurch. Danach huschten wir auf den Glockenturm. Und ich ließ mich an meiner Lieblingsstelle nieder. „Ganz schön hoch hier“, meinte mein Freund. „Ja, aber wenn die Sonne aufgeht, ist es ein Träumchen!“ Fo setzte sich hinter mich, und nahm mich in die Arme.
Da hörten wir Schritte. „Frau Plogstedt? Sind sie das?“ „Ja, Pfarrer Mühlberg! Ich bin es mal wieder!“  Ein Lachen erklang. „Dann stelle ich die Glocken ab, und bringe ihnen einen Tee, wie immer?“ „Nein, lassen sie nur, setzen sie sich zu uns!“ Kurze Zeit später trat der dickliche Pfarrer zu uns. „Sie müssen Frank sein?“ wandte er sich direkt an Fo.  Der nickte nur. „Frau Plogstedt ist oft hier oben. Am Anfang war es die Zuflucht, wenn ihr Ex-Freund sie wieder schikaniert hatte, und ich wollte schon die Polizei rufen, aber wir sind mit den Jahren so etwas wie Freunde geworden. Mitgebracht hat sie nie jemanden-sie meinte immer…Was meinten sie noch gleich?“ Ich rollte mit den Augen. „Dass ich nur den Menschen meines Herzens mitbringen würde.“ „Und dann irgendwann, begann sie, von ihnen zu erzählen, Frank. Da war mir klar, dass SIE derjenige sein würden, mit dem ich sie hier oben finde.“  Er setzte sich zu uns. „Ich befürchte, ich werde sie vermissen!“  Ich wunderte mich bei Pfarrer Mühlberg über nichts. Er hatte das zweite Gesicht. „Ich sie auch! Und vor allem die Kekse ihrer Frau!“  Er nestelte in seiner Soutane herum. „Das dachte ich mir“, kicherte er. Ich öffnete die Dose, und angelte gierig nach einem der süßen Backwerke. Als ich hineingebissen hatte, seufzte ich wohlig auf. Der Pfarrer bot Fo auch einen Keks an. „Wo ihre Partnerin doch bald nicht mehr tanzen wird, sollten sie ihr wenigstens das Leben versüßen.“  „Wie, nicht mehr tanzen?“ fragte Fo irritiert. „Ihre letzte Begegnung war nicht folgenlos, mein Guter. Seien sie ein guter Vater, darum möchte ich sie bitten. Frau Plogstedt hat ein bisschen Glück verdient.“  „Du bist SCHWANGER?“ bellte Fo. „Nicht, dass ich wüsste“, gab ich zurück. „Sie weiß es auch noch nicht. Aber sie hat die Aura einer schwangeren Frau.“
Ich schauderte. Manchmal war er mir unheimlich, aber seine Frau und er waren wahnsinnig herzliche Menschen, die mich sofort angenommen hatten, obwohl ich als einzige in der Familie Plogstedt einer Religion angehörte, und zwar dem Judentum. In einer liberalen Form wohl, aber die hohen Feiertage verbachte ich in der Synagoge, und auch, wie man koscher kocht, hatte ich gelernt.
„Dann lasse ich sie beiden mal alleine. Die Kekse dürfen sie behalten. Shabbat Shalom, Frau Plogstedt!“ „Shabbat Shalom, Herr Pfarrer!“ Fos Kopf ruckte hoch. „Du bist Jüdin?“ „Ja, seit ich 15 bin. Gab ein Riesentheater zuhause, wir Plogstedts sind normalerweise überzeugte Atheisten. Gehörst du einem Glauben an?“ Er lächelte. „Ich bin Buddhist.“  Ich wandte meinen Blick wieder den Dächern der Stadt zu. „Das hier wird mir schon fehlen, aber ich freue mich auf unser gemeinsames Leben in Stuttgart.“ „Das heißt, du stimmst zu?“ „Ja, das heißt es.“ Fo küsste mich euphorisch. „Ich liebe dich“, murmelte er. „Ich dich auch, aber jetzt weiß ich etwas besseres, als hier oben zu sitzen.“

Drei Monate später wohnte ich in Stuttgart. Ich hatte das tanzen tatsächlich aufgeben müssen, denn eine Untersuchung beim Frauenarzt hatte ergeben, dass mein Lieblings-Pfarrer wieder einmal ins Schwarze getroffen hatte. Ein kleines Wunder war unterwegs zu Fo und mir. Julian und Martin hatten bittere Tränen vergossen, als ich Hamburg wirklich verlassen hatte, und auch meine Neffen waren todunglücklich gewesen. Heute sollte der Antrittsbesuch meiner Old Boys sein, und Fo rannte wie ein aufgescheuchtes Huhn herum. „Nun beruhig dich, Schatz. Sie reißen dir den Kopf schon nicht ab. Die zwei sind wie Ole. Naja, schlimmer, aber mit Ole kommst du ja auch gut aus.“ Er nickte, und sauste zm zehnten Mal in die Küche.
Da klingelte es, und ich watschelte zur Tür. Mein Bauch war schon deutlich gerundet, und die tänzerische Eleganz (wie Elvis es immer zu nennen pflegte), war mir völlig abhanden gekommen.
Meine Brüder grinsten mich teuflisch an. „Mirja, Schatz, lass dich ansehen!“ trompetete Björn und drückte mich fest an sich, nur um kurz darauf von Pat weg geschoben zu werden. „Mausi, die Schwangerschaft steht dir! Aber Mum und Dad sind hell entsetzt!“  Ich knuffte ihn. „Lüge, Mum und Dad freuen sich total!“ konterte ich. Björn nahm mich auf die Arme, wie er es schon getan hatte, als ich noch klein gewesen war. „Dann stell uns mal unseren neuen Schwager vor!“ „FO!“ brüllte ich ins Innere des Hauses. „Wie war das früher immer? Friede den Hütten, Krieg den Palästen? Und jetzt lebst du selber in einem Palast!“ Ich trat spielerisch nach Pat. Da tauchte mein Liebster endlich auf. Pat umarmte ihn frech. „Hallo, Schwager, schön dich kennen zu lernen!“ Björn übergab mich an ihn, und drückte Fo ebenfalls an sich. „Pass aber gut auf unsere kleine auf, sonst hast du ein Problem! Nein drei!“ Ich schnaubte. „Ich sagte ja, die sind wie Ole!“ Fo lachte befreit. „In der Tat, damit kann ich wohl umgehen!“  Pat ließ mich herunter. Fo führte die beiden ins Innere. „Darf ich euch ein Stück Kuchen anbieten?“  Das ließen sich meine Old Boys nicht zweimal sagen, und so saßen wir kurze Zeit später lachend im Garten. Da erklang eine Stimme. „Hallo? Die Polizei!“ Ich schaute verwirrt zum Gartentor und segelte Julian unter Indianergeheul in die Arme. „Was machst DU denn hier?“ Er fing mich lachend auf. „Ich habe mich nach Stuttgart Mitte versetzen lassen-der Liebe wegen. Stuttgarterinnen sind eben doch die hübscheren Frauen!“ Spielerisch schlug ich nach ihm. „Und mir erzählst du kein Wort?“ „Überraschung!“
Fo grinste den rothaarigen nur breit an. „Der Herr Zimmling! Auch nen Kuchen?“ Julian nickte, und Fo wuselte direkt los. „Mein Patenkind ist aber schon groß“, scherzte er. „Naja, wenn es nur im Ansatz ein Plogstedt ist, gibt es sich mit unter 50cm nicht zufrieden-aber ich wollte dich wirklich zum Patenonkel machen, gemeinsam mit Nils!“ Pat hustete. „Und was sagt Fo dazu?“ „Der will Andi und Mike fragen.“ „Vier Paten?“ „Naja, wir hatten einen handfesten Krach deswegen, und so haben wir uns auf alle vier geeinigt.“  Julian kreischte begeistert auf, und drückte mich erneut an sich. Fo war inzwischen mit einem weiteren Gedeck wieder zurück. „Und was sagt Elvis dazu?“ fragte Pat. „Der? Der ist mein vierter Bruder, also sowieso der Onkel von Krümelchen.“
So saßen wir noch einige Zeit da, und Björn wurde mit einem Mal wehmütig. „Nun bekommt unser Krümelchen ihr eigenes Baby. Wie die Zeit vergeht!“ Ich rollte genervt mit den Augen. „Björn, irjendwann polier ick dir noch de Visage, für so ne Sprüche!“ Ich berlinerte nur sehr selten-eigentlich nur mit Ole oder den Old Boys, und auch nur, wenn wir unter uns waren. Aber er brachte mich gerade derart auf die Palme! Fo grinste nur breit. „Mirja, das sind deine Brüder, benimm dich!“ „Dir ooch, alter Mann!“ brummte ich nur, und wandte mich Julian zu. „Du musst mir ALLES über deine Freundin erzählen. ALLES!“ Der rothaarige lachte nur. „Alte Neugiernase, aber nicht mehr jetzt, ich habe gleich Dienstantritt.“
Zwei Stunden später saßen wir auf dem Sofa. Ich war müde-die Schwangerschaft forderte ihren Tribut. Klein Fo (oder Klein Mirja) war ein ziemlich unruhiges Kind, und würde wohl wie Mama die Tanzschuhe anziehen. Fo strich mir andächtig über den Bauch. „Bald sind wir Eltern, hättest du dir das träumen lassen?“ „Nein, aber es fühlt sich einfach verflucht richtig an.“
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