Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Tanz ins Glück?

Kurzbeschreibung
GeschichteFamilie, Liebesgeschichte / P12 / Gen
Andreas Schweiger Frank Oehler Nils Egtermeyer OC (Own Character) Ole Plogstedt
31.03.2016
25.04.2016
14
19.998
1
Alle Kapitel
11 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
08.04.2016 1.495
 
Kaum war die Kamera aus, verschwand ich, um mich umzuziehen. Ole kam mir entgegen, aber ich nahm ihn nicht wirklich wahr. „Kleines? Alles gut bei dir?“ „Ich sage nur einen Namen: Steffen Henssler!“ fauchte ich. „Wieso?“ „Fo war da. Wir haben uns geküsst, und alles hätte so schön sein können, wenn dieser Mistkerl nicht erzählt hätte, dass er und ich in seiner Garderobe…“ Ich schüttelte mich leicht. Ole nahm mich in den Arm. „Ach deswegen ist unser alter Mann so wütend davon getrabt wie so eine Primadonna?“ „Offensichtlich.“ „Und du hast dich wirklich in ihn verliebt?“ „Ja, du Blödmann.“ „Ich weiß, wo du ihn finden wirst, auch wenn ich den Gedanken an euch beide abartig finde.“ „Als ob DU ein leises Liebesleben hättest, mein Großer!“  
Als ich wieder in Straßenklamotten war, zog mich Ole an der Hand mit sich. „Dort hinten im Park sitzt er.“ Ich folgte der Richtung, die mein Bruder mir mit der Hand bedeutete, und Tatsache, auf einer Bank fand ich den Mann, der mir seit Wochen nicht aus dem Kopf ging. „Was willst du“, bellte er. „Dich fragen, warum du den Unsinn glaubst, den dieser Henssler verzapft. Ich kann den nicht mal leiden! Er ist nur sauer, weil ich ihn dauernd abblitzen lasse. Unsere Nacht ist mir nicht egal.“  Ich hatte mich einfach neben ihn gesetzt. „Ganz ehrlich, ich war 5 Jahre lang in einer sehr destruktiven Beziehung. Ich hatte jeden Grund, auszubrechen, habe es aber nie getan. Denn ich verschenke mein Herz nur einmal, und an einen.“  Er schaute mich an. „Und dieses Mal hast du es an wen verschenkt?“ „An dich, du selten blöder Vollidiot“, knurrte ich spielerisch. Er zog mich an sich. „Das geht mir doch genau so. Und ich kenne diesen Schaumschläger zur Genüge. Der macht vor niemandem Halt.“ Ich nahm seine Hand. „Und was heißt das jetzt für uns?“  Er strich mir eine Strähne aus dem Gesicht. „Von meiner Seite aus heißt es, dass ich mich rettungslos in dich verliebt habe, und der ganzen Sache gerne eine Chance geben würde.“ Ich rollte mit den Augen. „Dann küss mich doch endlich!“ Das ließ er sich zum Glück nicht ein zweites Mal sagen. Dieser Kuss stellte alles, was ich bisher in dieser Richtung erlebt hatte, in den Schatten. Er war zärtlich, vorsichtig, fast schüchtern, auf der einen Seite, aber leidenschaftlich, brennend und fast ungestüm auf der anderen. Nachdem wir uns von einander gelöst hatten, lächelte er mich an. „Kommst du mir zurück? Nils dreht durch, wenn wir nicht alle mit ihm feiern“, bat ich. „Natürlich. Alles was du willst“, entgegnete er.
Und ich hatte Recht behalten. Nils war ganz hibbelig, und schnauzte mich direkt an, warum ich ihn alleine gelassen hätte. Als er jedoch sah, wen ich da an der Hand hielt, quiekte er begeistert auf.

Henssler schnaubte nur, aber ich ignorierte ihn weitestgehend. Ingo drückte mir ein Bier in die Hand. „Lass den Miesepeter doch. Ich finde ohnehin, dein Freund passt viel besser zu dir, als ER es je würde.“ „Danke, das freut mich zu hören. Und wo ist deine Frau? Ich muss sie unbedingt kennen lernen!“ So wurde der Abend doch noch einigermaßen vergnüglich. Nils kam zu mir. „Danke, kleine Raupe. Für alles.“ „Gerne, mein Schatz. Jederzeit wieder.“  Wir umarmten uns innig. Wir waren wirklich zu einer absoluten Einheit zusammengewachsen in den letzten Wochen-selbst Elvis, den ich wirklich sehr lieb hatte, war schon eifersüchtig.
Irgendwann, spät am Abend, saß ich mit Fo auf dem Hotelbett. Er begann, vorsichtig an meinem Hals zu knabbern. „Lass das lieber, sonst beschwert sich Ole wieder über den Lärm!“ „Soll er doch, der neidische Vogel!“ Und wir gaben Ole allen Grund neidisch zu sein. Wir sackten irgendwann völlig erschöpft nebeneinander zusammen.
So vergingen die Monate, und Fo und ich sahen uns, so oft es mein Spielplan zuließ, seine Drehpläne waren da deutlich flexibler. Diethelm kannte kein Erbarmen mit mir, und ließ mich jede Vorstellung tanzen. Julia raste vor Eifersucht, weil sie wieder nur ein Engagement als Zweitbesetzung bekommen hatte, und Sven fluchte, weil sie wieder in seinem Ensemble gelandet war. Heute hatte ich jedoch einen Tag frei, und mich spontan entschieden, die Jungs auf ihrem Dreh in Kiel zu besuchen. Aber zunächst wollte ich einen lange versprochenen Kuchen bei zwei lieben Menschen abgeben. Beate kam in die Küche, in der ich gerade mein Kunstwerk (der schiefe Turm von Pisa war ein Meisterwerk dagegen) mit Puderzucker veredelte. „Mirja, du untalentiertes Stück! Das sieht ja grausam aus“, lachte sie. „Genau so würde ein tanzender Ole aussehen!“ gab ich zurück, und warf eine Handvoll Mehl nach ihr. Sie schmunzelte. „Den willst du Fo vorsetzen?“ „Dass er direkt Schluss macht? Nein, der ist für meine Kommissare! Ich verspreche den beiden schon so lange, mal vorbei zu kommen!“

„Naja, essbar scheint er ja zu sein. Wenn nicht, weiß ich ja, in welcher JVA du landen wirst.“ Ich küsste sie auf die Wange, und schwebte samt dem Kuchen aus der Wohnung. Fünfzehn Minuten später parkte ich vor der Wache West. Gerade als ich ausstieg, hielt ein Streifenwagen neben mir, und Julian grinste mich breit an. „Mirja!“ krähte er begeistert, und umarmte mich schwungvoll. „Nicht doch! Der Kuchen!“ jammerte ich, und versuchte, den Kuchenbehälter gerade zu halten.
„Kuchen?“ tönte da Martin neben uns, und ich überreichte ihm den Behälter mehr oder weniger elegant. Nun widmete ich mich Julian, der offensichtlich ausgiebig geknuddelt werden wollte. „Und das Beste ist, wir haben Feierabend!“ Martin brummte. „Sagt auch jemand mal zu mir hallo?“ Auch der sympathische grauhaarige wurde umarmt. „Na dann lasst es euch schmecken, meine Lieblings-Bullen!“ kicherte ich. „Bullen? Na warte!“ Julian packte mich, und warf mich über seine Schulter. Ich kreischte erschrocken auf, und trommelte mit meinen Fäusten gegen seinen Rücken. „Du bist verhaftet, wegen grober Frechheit-und du kommst nur frei, wenn du mit uns ein Stück Kuchen isst!“ lachte Martin, und so wurde ich ins Revier getragen.
Und über die Plauderei und die Kuchenrunde mit den beiden vergaß ich vollkommen, dass ich ja zu Fo fahren wollte. Wir lachten und scherzten den ganzen Abend, bis es Julian zu bunt wurde. „Ich würde sagen, wir gehen noch in die Kneipe?“ Martin winkte ab. „Meine Frau killt mich!“ „Und wenn ich ihr meine neuste CD signiere?“ bettelte ich. „Das wird nichts nützen, aber euch beiden viel Spaß!“

Julian zog sich um, und kam dann im Freizeit-Look auf mich zu. „Wow, Herr Kommissar“, neckte ich ihn. „In Uniform bist du ja schon süß, aber so braucht man ja direkt einen Waffenschein!“ Er lachte nur. „Ich stehe nur so gar nicht auf alte Tanten!“  Nun lachte auch ich. „Umso besser. Wo soll es hingehen?“ Er führte mich in eine kleine, gemütliche Kneipe am Hafen, wo wir erst mal zwei Bier bestellten. „Darfst du das als Tänzerin überhaupt?“ „Klar, ich darf alles, oder hast du als Bulle irgendein Verbot?“  „Nenn mich nicht immer Bulle“, schmollte er gespielt. Wir unterhielten uns über dies und das, über seine Ausbildung, meine Tanzerei, bis mein Handy und aus unsrem Gespräch riss. „Plogstedt?“ „WO BIST DU?“ hörte ich die mehr oder weniger liebliche Stimme meines Bruders. „In der Hafenklause, mit Julian, wieso?“ „Bea hat vorhin angerufen, ob DU GUT ANGEKOMMEN BIST? Und Fo dreht hier völlig am Rad vor Sorge!“ „Ups! Ja ich habs vergessen, tut mir leid.“ „Und das wegen diesem Polizei-Bubi?“ „Meine Güte, wir haben uns verquatscht, hör auf, mich anzuschreien!“
Ich blickte entschuldigend in Julians Richtung. „Hast du morgen frei?“ „Nein, morgen muss ich ausnahmsweise mal wieder tanzen. Serena, meine dusslige Zweitbesetzung hat sich das Bein gebrochen.“  „Hafenklause sagst du? Wir sind in 5 Minuten da, Fo aht keine Ruhe gegeben, bis wir nach Hamburg gefahren sind!“ Damit legte er auf. „Ärger?“ „Mein Bruder. Ich wollte eigentlich zu ihm und meinem Freund nach Kiel, aber wir haben uns verquatscht, und der Abend war ja bisher auch echt nett.“ Julian lachte. „Na du bist mir ja so eine. Ich hoffe, dein Freund schraubt mir nicht gleich den Kopf ab?“ „Das wird nicht passieren“, schmunzelte ich.
Kurz darauf standen Ole und Fo vor mir. Ich umarmte meinen Bruder innig. „Großer, ich habe dich vermisst!“ „Das nützt dir auch nichts, wir haben uns Sorgen gemacht“, brummte er, allerdings etwas besänftigter. Fo schaute mich aus seinen braunen Augen gespielt vorwurfsvoll an. „Der junge Mann hier ist dir also wichtiger als ich?“  „Nein, ich habe nur ein beschissenes Zeitmanagement.“ Er lächelte. „Das weiß ich doch, deswegen würde ich mich auch freuen, wenn du zu mir nach Stuttgart ziehst.“ Ich keuchte auf. „Aber mein Job?“ Fo lachte sein grollendes Lachen. „Bei uns gibt es auch Theater, stell dir das nur vor! Und kriege ich jetzt eigentlich einen Kuss?“ Ich nickte, und küsste ihn sanft. „Ach, und Herr Wachtmeister, ich hoffe, der Kuchen war genießbar?“ Julian nickte. „Danke fürs Ausleihen“, er zeigte auf mich. „War schön, dich wiedergesehen zu haben, Mirja. Und WEHE wenn du dich nach Stuttgart verpisst, ohne uns zu verabschieden!“ Wir umarmten uns lachend.
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast