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Tanz ins Glück?

Kurzbeschreibung
GeschichteFamilie, Liebesgeschichte / P12 / Gen
Andreas Schweiger Frank Oehler Nils Egtermeyer OC (Own Character) Ole Plogstedt
31.03.2016
25.04.2016
14
19.998
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02.04.2016 1.649
 
Eine halbe Stunde später waren wir wieder im Hotel. Andi verabschiedete sich, um duschen zu gehen, aber Nils konnte mir nicht entkommen. Ich hatte herausgefunden, dass es in dem Hotel ein kleines Konferenzzimmer gab, und hatte dieses für die Dauer des Aufenthaltes gebucht. „Wir tanzen zu Summer Dreaming von Kate Yanai“, erklärte ich Nils. „Das Bacardi-Lied?“ „Genau das. Wir hören uns das Lied erst mal an, dann sage ich dir, welche Choreo ich mir überlegt habe.“ Brummen. Zwei Stunden später lag Nils schwer atmend auf dem Boden. „Sehr gut, ich bin begeistert von dir! Zwanzig Minuten Pause!“ „Wir sind noch nicht fertig?“ „Nein, mein Schatz. Oder willst du in der ersten Runde ausscheiden?“ „ich HASSE Ole“, jammerte er, und trank gierig aus seiner Wasserflasche.
Ich legte „mein“ Lied auf, und tanzte dazu. Nils klatschte, als ich fertig war. „SO gut wie du werde ich nie.“ „Ich tanze ja auch, seit ich 5 bin. Wäre komisch, wenn du gleich mein Level hättest. Willst du kurz an die frische Luft? Frau oder Freundin anrufen?“ Er schüttelte den Kopf. „Luft ja, aber ich bin Single, insofern muss ich niemanden anrufen.“ Er hob mich lachend auf seine Arme, und trug mich nach draußen.  „Ich habe eine Idee“, grinste ich diabolisch. „Stell dich auf den Stein dort-wir machen ein kleines Vocalcoaching. So zur Entspannung.“ Er stellte sich auf den Stein, und ich erklärte. „Ich stelle mich auf diesen Stein-er ist 20m entfernt. Dann singe ich dir etwas entgegen, und ich will, dass du so laut und kräftig antwortest, wie du kannst. Vielleicht schaffen wir einen kleinen Gesang?“ Er nickte. Ich kletterte auf meinen Stein, und schmetterte ihm ein „Day-O!“ entgegen. Er gab es zurück, und irgendwann sangen wir tatsächlich den Banana Boat Song. Ich staunte, denn Nils war nicht nur tänzerisch begabt, sondern auch ein Stimmwunder! „Und wieder rein!“ lockte ich ihn. „Das war cool, würdest du mir Gesangsunterricht geben?“ „Na klar, aber die letzte Übungseinheit wartet nicht.“
Weitere zwei Stunden später war auch ich durchgeschwitzt. „Abendessen!“ krähte mein Schützling euphorisch. „Da freue ich mich auch drauf, bis gleich!“ Wir küssten uns auf die Wangen.
Als ich in mein Hotelzimmer zurückkehrte, fand ich einen Zettel von Ole auf dem Bett. „Andi und ich sind schon mal vorgegangen-treffen uns im Steakhaus in der Mangoldstraße. Knutschi, dein Bruderherz. PS: Du hast Nils zum Singen gebracht? Wahnsinn!“
Ich duschte schnell, und warf mich dann in bequeme Kleidung. Wieder traf ich Nils auf dem Gang. „Hattest du auch so einen Zettel?“ fragte er mich belustigt. „Ja, aber zum Glück ist das Restaurant nicht weit von hier. Ich sterbe vor Hunger.“ „Wie eine so schöne Frau so viel essen kann“, witzelte er. „Alter Charmeur“, gab ich zurück, und fünf Minuten später trudelten wir gut gelaunt bei Ole und Andi ein. „Hunger“, stöhnten wir gleichzeitig, und Andi musste lachen. Ole verdrehte nur die Augen. „Da heißt es immer, Jungs essen viel. Aber unsere Mirja war der Haupt-Übeltäter.“ Ich klaute ihm eine Gurke vom Teller, und setzte meinen Dackelblick auf. „Ole?“ Ich zog das E lang. „Nein, Mirja. Du bestellst dir einen eigenen Salat!“ Ich schob meine Unterlippe vor. „NEIN, du Teufel im Frauenköper. Mit Björn und Patrick klappt das vielleicht, aber ich bin….“ „Ole“, jammerte ich erneut, und schaute ihn aus runden Augen an. „FEIN! Du hast deinen alten Bruder wieder einmal erweicht“, lächelte er, und schob mir seinen Salat zu. Nun wurde mein Gesichtsausdruck fies. „HA! Klappt doch immer wieder!“ Nils grinste mich an. „Du bist echt die erste Frau, die Ole komplett im Griff hat!“ „Und die einzige“, meinte ich zwischen zwei Bissen. „Selbst meine bezaubernde Schwägerin nimmt Unterricht bei mir!“  
Nils angelte nach einem Salatblatt, das auf meinem Teller lag. Ich schob den Teller mehr in die Mitte. „Hast dir verdient, mein Schatz“, grinste ich. Andi und Ole rissen die Augen auf. „Mein Schatz?“ Ich zuckte nur mit den Schultern. „Und jetzt?“  Zufrieden mümmelten wir nun an unserem Salat.
Da kam eine junge Kellnerin (die meinen Bruder viel zu lange und viel zu lüstern anschaute) mit einer riesigen Grillplatte um die Ecke. Nils und ich fielen darüber her, wie hungrige Wölfe. „Wie stillos“, schimpfte die junge Frau und wagte einen koketten Augenaufschlag in Oles Richtung. Der nahm meine Hand. „Kleines, keiner nimmt dir dein Essen weg!“ „Ich bin das jüngste von vier Kindern, da muss man schnell sein!“ Wir lachten schallend. Andi grinste auch, und angelte sich schnell ein Steak von der Platte.
„Sag mal Mirja, wie bist du zum tanzen gekommen?“ „Wie die Jungfrau zum Kind. Mama meinte damals, sie müsse mich in einer Ballettgruppe anmelden, da es untragbar für eine fünfjährige sei, sich dauernd mit den Nachbarsjungs zu schlagen. Naja, und dann wurde aus Abneigung eine Passion, und mir war klar, dass ich Musicaldarstellerin werden würde. Und…tadaaaah!“ Der brünette lachte. „Sie ist wirklich so ein Energiebündel, wie du sie beschrieben hast“, meinte er zu meinem Bruder.
„Schlimmer, aber deine Frau ist ja auch nicht ohne“, gab der zurück. „Tanzt deine Frau auch oder was?“ „Nein, sie ist energetische Lebensberaterin. Frag nicht.“ „Und der vierte im Bunde, dieser Fo? Was macht seine Frau?“ Ole erzählte mir von Sabine, die eigentlich keiner richtig mochte, weil sie eher an Shopping und Reisen interessiert war, als an ehrlicher Arbeit. Andi schnaubte dabei. „Mich wollte sie auch schon angraben, aber Nelly hat ihr gleich mal ein paar Takte erzählt.“ „Bei mir hat sie es auch schon versucht“, erzählte nun Nils. „Aber Fo ist auf diesem Ohr taub.“
Ich grapschte mir den Rest von Oles Schnitzel, doch der hatte das bemerkt, und pikte mich mit seiner Gabel. „AUA, du blöde Pissbirne!“ schimpfte ich lautstark. Nils lachte schallend. „Ihr zwei seid mir so welche!“ „Ja, wir lieben uns“, gluckste Ole, und küsste mich auf die Wange.
Nach dem Essen saßen wir in der Hotelbar. Allerdings konnte Nils kaum seine Augen offen halten. Er zog mich auf seinen Schoß und benutzte mich quasi als Kuschelkissen. „Ab in die Federn, morgen früh 6.30 Uhr Jogging, danach 2 Stunden Tanz, danach Frühstück!“ bellte ich spielerisch.
Er rieb sich die Augen. „6.30 Uhr?“ „Nein. 7.00 Uhr Frühstück, danach joggen, danach 2 Stunden Training.“
„Aber ich gehe auch schlafen, gute Nacht Jungs!“ Ich küsste Nils freundschaftlich auf die Wange, umarmte Andi, und knuffte meinen Bruder. Der jedoch küsste mich. „Ole, lass das!“ neckte ich ihn. „Was denken denn die Leute?“ „Dass wir Geschwister sind, die sich sehr gerne haben, Dummbauchi!“ Ich brummte, und lief die Treppe hoch.
Der nächste Morgen kam viel zu früh. Ich quälte mich aus dem Bett, in dem Ole noch friedlich schlief. Ich küsste ihn auf die Wange, ging mich duschen, und machte mich bereit, Nils wieder zu coachen. Es machte wirklich Spaß mit ihm, er war lustig, talentiert und noch dazu charmant.
Als ich den Frühstücksraum betrat, grinste er mir schon entgegen. „Guten Morgen, bezaubernde Chefin!“  Ich lächelte. „Guten Morgen, mein Schatz!“ Damit angelte ich nach seinem Teller, den er mit Rührei und Würstchen beladen hatte. „Für dich gibt es heute Müsli mit Joghurt und Früchten, oder Haferschleim! Aber nicht dieses fettige Zeug! Willst du tanzen oder rollen?“ Er stampfte schmollend wie ein Kleinkind zurück zum Buffet, und kam mit einer Schüssel Haferschleim zurück. Ich machte mich unterdessen über sein Rührei her. „Das ist ja wohl frech!“ „ICH bin Profitänzerin und übe mindestens 4 Stunden täglich, dann noch die Auftritte! Ich MUSS essen!“ schmunzelte ich.
Er würgte widerwillig sein Frühstück herunter. „Und jetzt?“ „Jetzt, mein Schatz, haben wir es eilig. Hast du deine schnellen Schuhe an?“ „Aber natürlich. Da du auch in Gesang unterrichtet werden willst, singen wir beim joggen.“ Nils stöhnte. „Du bringst mich noch um!“
Gerade, als wir aufbrechen wollten, segelte Gordon auf uns zu. „Mirja! Du musst sofort mitkommen! Dein Italo-Trottel ist gerade dabei, unseren Van zu demolieren!“ Na bravo. „Nils, du joggst schon mal los. Wir treffen uns in einer Stunde wieder hier, so Gott will!“
Ich folgte dem aufgebrachten Endvierziger zum Van, wo Enzo gerade dabei war, mit einem Vorschlaghammer die Lichter zu malträtieren. „Enzo! Hör sofort auf damit!“ peitschte meine Stimme wütend in seine Richtung. „Und warum? Diese Mistsäcke sind schuld daran, dass du mich verlassen hast! Du hast doch bestimmt was mit diesem Nils!“  „Selbst wenn, wir sind getrennt! Und jetzt hau ab!“ Da kamen wieder Herr Zimmling und Herr Hintzen um die Ecke. „Sie schon wieder?“ Ich blickte die beiden entschuldigend an. „Er dreht hier schon wieder völlig am Rad! Hat sich ihre Frau eigentlich gefreut, Herr Hintzen?“ Er lachte. „Und wie! Ich glaube, jetzt darf ich getrost mal einen Hochzeitstag vergessen.“  Herr Zimmling kicherte. „Rate ich dir aber nicht!“ „Ich auch nicht. Mein Vater hat mal einen vergessen. Hui, da ging es aber rund! Und ich wurde angemeckert, weil ich Dad nicht daran erinnert habe. Als einziges Mädchen und so.“ Gordon schnaubte. „Stoppt jetzt mal bitte einer dieser Berserker?“ Ich sprang auf Enzos Rücken, und brachte ihn so dazu, den Hammer fallen zu lassen.
Er versuchte, mich abzuschütteln, aber erfolglos. „So, die Herren, einmal Vollidiot, bereit zur Festnahme! Macht 2,50 €!“ Herr Zimmling legte Enzo lachend die Handschellen an. „Schade, dass wir sie immer nur sehen, wenn der da gerade randaliert!“ „Ich lasse mir was einfallen.“
Kurz, nachdem Gordon und ich wieder mal Protokolle unterschrieben hatten, kamen Andi und Ole angelaufen. „Was ist denn hier schon wieder los?“ „Enzo“, schnaubte ich. Die Kommissare rollten nur mit den Augen. Dann wandten sie sich an mich. „Wir sind übrigens Martin, Julian und du.“ „Mirja.“ Wir gaben uns die Hand. „Kaum Single, schon die Polizisten am angraben?“ neckte mich mein Bruder. „Du Troll! Martin ist verheiratet, und Julian wohl etwas zu jung!“ „Hey, ich bin 25!“ gab der rothaarige gespielt beleidigt zurück. „Sag ich doch!“  Ole lachte. „Nehmen sie meine Schwester bloß nicht so ernst!“

Der Banana Boat Song https://www.youtube.com/watch?v=PMigXnXMhQ4
Summer Dreaming https://www.youtube.com/watch?v=IW33mS1Ptf4
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