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Tanz ins Glück?

Kurzbeschreibung
GeschichteFamilie, Liebesgeschichte / P12 / Gen
Andreas Schweiger Frank Oehler Nils Egtermeyer OC (Own Character) Ole Plogstedt
31.03.2016
25.04.2016
14
19.998
1
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13.04.2016 1.145
 
Marten war inzwischen drei, und Papas absoluter Liebling. Auch Onkel Ole war total vernarrt in ihn, und immer wenn es die Zeit zuließ, tobte er mit seinem kleinen Seeräuber, wie er ihn immer nannte, herum. Zu Fo hatte ich wirklich jeglichen Kontakt abgebrochen-Ole war sogar bei den Kochprofis ausgestiegen, weil er dessen Anblick nicht mehr ertragen hatte. Ich war stolze Patentante von Anna Mirja Zimmling geworden, ebenso wie von Charlotte Sophie Eberhardinger, und Julius Schweiger. Ja, alle meine Freunde waren sesshaft geworden, bis auf Elvis. Der weigerte sich immer noch, sich fest zu binden-aber da seine biologische Uhr aus verständlichen Gründen nicht tickte, musste er das ja auch nicht. Gerade lief ich mit Marten in Richtung der Synagoge. Es war Shabbat, und ich wollte ihn so langsam an seinen Glauben heranführen, als mir ein abgehetzter Ole entgegen kam. „Was gibt es? Wir wollen in den Tempel!“ „Dein Tempel muss warten! Die Jungs drehen doch heute im Jelly!“ „Und jetzt?“ „Fo und Nils sind sich derartig am verprügeln, dass mich Alex (der neue im Bunde), angerufen hat. Nur du kannst die beiden trennen.“ „Werde ich aber nicht. Fo wird es schon verdient haben, WIR gehen in den Tempel!“  Ich schob mich ungnädig an ihm vorbei. „Mama, warum ist Onki Ole so aufgeregt?“ „Ach, Papa und ein Kollege von ihm schimpfen gerade ein bisschen miteinander. Aber Papa ist groß und stark und schafft das schon.“ „Mika aus dem Kindergarten sagt, Papa wäre eine Schwuchtel! Was ist das, Mama?“ „Das, mein Schatz erkläre ich dir nach dem wir beten waren.“  Innerlich kochend ließ ich die Messe quasi an mir vorbeiziehen-Marten hingegen war sehr fasziniert von allem, was um ihn herum geschah. Nachdem uns der Rabbi seinen Segen gespendet hatte, ging ich mit meinem Kind auf dem Arm nach draußen.
Mein Handy vibrierte, und Marten jodelte „Darf ich, Mama?“ „Erst schauen, wer dran ist!“ „Papa!“ Ich entsperrte ihm das Telefon. „Hallo Papa“, jodelte mein Wirbelwind da auch schon los. „Wir waren im Tempel. Voll cool!“ Ich hörte Nils lachen. „Hast du deinen Kollege wieder lieb?“ fragte Marten. „Moment, Mama! Papa sagt mir nicht, ob er seinen Kollege wieder lieb hat!“ „Es heißt seinen Kollegen, mein Schatz, aber ich frage ihn nochmal selber.“ „Was gibt es denn, mein Schatz?“  „Ich bin im Krankenhaus. Fo und ich haben es wohl etwas übertrieben. Kommst du vorbei?“ „Mache ich sofort. Soll ich dir Sachen von zuhause mitbringen?“  „Nein, ich darf gleich wieder mitkommen. Ich liebe dich!“ „Ich dich aus irgendwelchen, mir schleierhaften Gründen, auch.“ Nils lachte. Das war schon immer unsere Abschiedsformel gewesen. Vor anderthalb Jahren hatten wir recht unromantisch und unspektakulär geheiratet, allerdings eher zur Absicherung Martens, als aus Liebe. Ich hieß auch nach wie vor Plogstedt. Nur manchmal,nein okay, immer,machte mein Herz einen kleinen Salto, wenn Nils mich küsste, obwohl er das schon hundertfach getan hatte.
„Seeräuber, magst du heute bei Tante Bea und Onkel Ole schlafen?“ „Cool!“ krähte Marten, und ich rief Ole an. Der war natürlich hell begeistert davon, seinen Neffen bei sich zu haben, und so lieferte ich ihn zehn Minuten später dort ab. Der kleine Mann musste das Elend um seinen Papa nicht mitbekommen. Ich erzählte ihm schnell, was vorgefallen war, und küsste meinen Sohn. „Lieb sein!“
„Klar, bin immer lieb!“ Augenrollen war die Antwort, denn das war er eben nicht. Er war so sehr Plogstedt, dass ich mich fragte, was überhaupt von Fo auf dieses Kind übergegangen war. Ich war in seinem Alter das selbe Ungeheuer gewesen.
Als ich im Krankenhaus einlief, wandte ich mich zunächst an die Empfangsdame. „Plogstedt, ich wollte meinen Mann, Herrn Egtermeyer, wieder mitnehmen.“  Sie schaute mich fragend an. „Mirja Plogstedt?“ „Exakt.“ „Könnte ich ein..“ „Von mir aus, aber dann geben sie mir bitte meinen Mann wieder mit!“  Ich unterschrieb unwirsch auf dem Block, den sie mir reichte. „Er ist da drüben!“ Ich lief in die mir gewiesene Richtung, und Nils kam direkt auf mich zu. „Na wunderbar! Nicht nur, dass wir unserem Sohn erklären müssen, was eine Schwuchtel ist-schau nicht so, dass hat er aus dem Kindi, nein, wir müssen ihm auch erklären, warum Papa aussieht wie ein Schlumpf!“ „Das ist MEIN Sohn, zum Kuckuck!“ zeterte da Fo. „Biologisch gesehen, ja. Aber der Herzenspapa ist Nils, und damit gut jetzt. Zumal ich dir wohl zur Hochzeit gratulieren muss?“ Süffisant zeigte ich auf Fos Ehering. Er nickte. „Ja, ich habe Marie geheiratet. Aber ich kämpfe trotzdem um mein Kind!“ Nils zog mich an sich. „Es ist mein Kind, und das hier ist meine Frau, damit musst du leben. Wir stellen es Marten irgendwann frei, ob er Kontakt haben will, und wenn nicht, dann nicht.“  „Ihr seid verheiratet?“ „Ja, seit anderthalb Jahren. Wir haben es aber nicht wirklich an die große Glocke gehängt.“  „Aber du bist schwul?“ Nils kratzte sich am Hinterkopf. „Das bespreche ich doch nicht mit dir?“
Ich setzte mich zwischen die beiden. „Was war denn schon wieder los bei euch? Drei Jahre sind es jetzt!“ „Fo meinte wieder, auf der Tatsache herumreiten zu müssen, dass Marten ja sein Sohn wäre, und so. Da habe ich ihm ein Foto von UNSEREM Kind gezeigt, und ihm erklärt, dass man das eben nicht sieht, und er in dem Bewusstsein aufwächst, dass ich ihn nicht gezeugt habe.“ Das stimmte, das hatten wir ihm von Anfang an erklärt. „Und dann hat er auf mich eingeprügelt, wie so eine Furie!“  „Fo? Warum schlägst du ihn?“ „Weil er mir mein Kind vorenthält!“ „Das ist müssig. Ich danke dir jeden Tag für den kleinen Racker, aber Nils ist sein Papa.“
Mein Herz wurde unendlich schwer, da ich schon lange in meinem Inneren spürte, dass ich unter Nils‘ Homosexualität litt. Mit jedem Tag, jedem Monat, in dem wir Martens glückliche Eltern waren, wuchs meine Liebe zu dem rotblonden. Nicht auf platonische Art, sondern ich liebte ihn wirklich. Mit jeder Faser meines Körpers. Aber da das unerwidert bleiben würde, hatte ich mir einen Schutzpanzer um mein Herz gelegt. Zu sehr schmerzte mich die Tatsache, ihm immer nur auf freundschaftliche Art nahe sein zu können.
„So, wir gehen jetzt aber, wir haben heute kinderfreie Zone.“  Nils nahm mich bei der Hand. Da konnte ich nicht mehr anders, und begann, bitterlich zu weinen. „Hey, meine Süße, ich dachte, das hätten wir hinter uns?“ „Nils?“ „Ja?“ „Ich liebe dich. Also nicht freundschaftlich…ach zum Kuckuck! Du weißt schon…Wie man eben jemanden liebt. Aber ich weiß, dass es aussichtslos ist. Ich bin ja immerhin kein Mann.“  Nils lächelte mich an. „Es klingt vielleicht blöd, aber ich liebe dich auch. Die letzten Jahre haben mir gezeigt, dass es gut und richtig ist, dass du kein Mann bist. Und wären wir nicht schon verheiratet, würde ich dir direkt einen Antrag machen.“ „Wie, du liebst mich?“ „Ja, meine kleine Raupe. Genauso, wie du mich liebst. Nicht mehr freundschaftlich.“
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