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Anderthalb Jahre

von akili94
GeschichteAllgemein / P12 / Gen
Dana Scully Fox Mulder
31.03.2016
09.05.2016
15
30.699
1
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10.04.2016 2.354
 
So ihr lieben. Nun wieder mal ein neues Kapitel. Ich hoffe es gefällt euch. Ich würde mich sehr über Reviews freuen, also hinterlasst mir eine. Jetzt viel Spaß beim Lesen :)


Gerichtsmedizin, 23:00Uhr

„Also gut. Hast du schon was Doc?“ Müde lehnte Levin sich gegen einen Schrank und sah erwartungsvoll zu Scully.

Diese räusperte sich kurz bevor sie anfing ihre Ergebnisse kurz und knapp zusammenzutragen.

„Das gleiche wie bei allen anderen. Sauber abgetrennter Kopf, keine weiteren Verletzungen. Aber seine Leber wurde ziemlich in Mitleidenschaft gezogen. Ich vermute mal starken Alkohol und Tablettenmissbrauch. Was ja in unser Profil passt. Selbstmordversuche in der Vergangenheit. Ich hab dir gesagt wir brauchen sie nicht.“ Bei den letzten Worten blickte sie etwas abwertend von Diana zu Mulder und wieder zu ihrem Partner. Sie zog sich die Handschuhe aus, warf sie in den Müll und wollte grade den Raum verlassen, als sie mit jemandem zusammenstieß.

„Wo wollen Sie denn so schnell hin junge Dame?“

„Mitch?“

Tatsächlich stand ihr Freund auf einmal vor ihr und blickte etwas verwirrt in der Gegend rum.
„Was tust du denn hier?“

„Ich wollte dich holen. Das Wetter ist wieder schlechter geworden. Ich dachte ich hole dich schnell damit wir nach Hause können, bevor du die ganze Nacht hier sitzt.“ Er legte einen Arm um ihre Hüfte und trat dann in den Raum ein. Er nickte seinem Bruder zur Begrüßung stumm zu und hielt dann, erst Diana und danach Mulder seine Hand mit den Worten „Mitchel Anderson“ hin.

Mulder wollte es nicht wahrhaben. Anscheinend ging es Scully wunderbar. Sie hatte einen guten Job, einen netten Partner und anscheinend war sie, im Gegensatz zu ihm, in einer Beziehung. Als er das Wort Beziehung immer wieder in seinem Kopf wiederholte, versetzte es ihm mit jedem Mal einen Stich ins Herz. Was war los mit ihm? Sein Magen schien sich umzudrehen. Seit er hier war hatte er kein Wort rausgebracht. Was hatte diese Frau nur an sich, dass sie ihn so aus dem Konzept brachte. Und das, obwohl sie sich so lange nicht gesehen haben.

„Mitch ich werde hier noch etwas brauchen. Tut mir leid, dass du hergekommen bist. Am besten fährst du zu dir nach Hause und wir sehen uns morgen Abend ok?“ Hörte er seine ehemalige Partnerin sagen. Verwirrt lauschte er dem Gespräch vor sich und kam nicht drum herum die ganze Zeit auf den Arm des Mannes zu schauen, welcher um Scullys schlanken Körper gelegt war.

„Bist du sicher? Ich kann auch warten wenn du willst."

„Nein ist schon ok. Die Kollegen sind grade erst angekommen und wollen bestimmt erstmal  wissen was hier los ist. Außerdem bin ich grade erst mit der Autopsie fertig und wie du siehst muss ich hier noch sauber machen. Sonst lässt mich Ricks hier nicht mehr rein.“ Sie blickte durch den, zugegebenermaßen unordentlichen Raum und lächelte dann schüchtern zu ihrem Freund.

„Also gut. Soll ich dich mitnehmen Levin?“

„Nein danke. Ich bleibe auch noch was hier. Ich bin mit dem Auto. Wir sehen uns morgen.“
Mit einem Nicken und einem flüchtigen Kuss auf Scullys Wange verabschiedete Mitch sich und verließ die Pathologie so schnell, wie er sie betreten hatte.

„Levin ich denke du solltest auch fahren. Es wäre bei der Wetteraussicht wohl besser wenn du unsere Kollegen ins Motel fahren könntest. Ich muss hier wirklich noch aufräumen, du kennst Ricks. Aber ich denke nicht, dass es für euch noch viel zu tun hier gibt.“ Unsicher schmiegte sie sich an Mulder vorbei, der zwischen der Tür und dem Leichentisch stand, ohne ihn zu berühren oder anzusehen.

„Bist du sicher Doc?“

„Ja verdammt.“ Kurz stockte sie selber über den harten Ton den sie ihren Partner an den Kopf warf.

„Tut mir leid Levin, es war ein langer Tag. Nimms mir nicht übel ok?“ Mit einem Lächeln versuchte sie sich bei ihrem Partner zu entschuldigen. Als Mulder dieses Lächeln sah, weichten seine ohnehin schon aufgeweichten Knie komplett auf. Erst jetzt bemerkte er, wie sehr er dieses Lächeln, diese Frau vermisste. Aber das würde er ihr nicht zeigen. Das würde er sich selber nicht eingestehen. Nicht bis sie geredet hatten.

Sie ist einfach abgehauen, hat dich im Stich gelassen und sich hier ein neues Leben aufgebaut. Nicht ein Mal hat sie sich bei dir gemeldet. Also reiß dich gefälligst zusammen und benimm dich nicht wie ein Teenager.Ermahnte er sich selber.

„Dir nehme ich doch nichts übel Dana. Also gut darf ich Sie dann mitnehmen?“ Seine Frage richtete sich an Mulder und Diana. Diese nickte sofort. Es wunderte sie ein wenig, dass weder Mulder noch Scully etwas zueinander sagten, aber sie bemerkte wie angespannt die beiden waren und wie sie angestrengt versuchten sich in dem engen Raum aus dem Weg zu gehen. Sie wusste nicht ob sie froh darüber sein sollte oder nicht. Zwar war sie nicht grade traurig darüber, dass die beiden nicht miteinander redeten, jedoch spürte sie, dass immer noch etwas zwischen ihnen war. Etwas unausgesprochenes, etwas das schon immer zwischen ihnen war. Aber mit etwas Glück unterdrückten beide es bis der Fall vorbei war. So wie sie es schon immer unterdrückt haben.

„Ich würde lieber noch hier bleiben und mir alle Einzelheiten erzählen lassen. Wenn wir schon einmal hier sind, können wir auch mit helfen den Fall zu lösen.“

Das war das erste was Mulder sagte. Er richtete seine Worte an Diana, um ihr zu signalisieren, dass sie ruhig fahren und schlafen solle.

„Dann bleibe ich auch noch etwas Fox.“ Sie stellte sich neben ihn und legte ihre Hände um seinen Oberarm, wobei sie vorsichtig zu Scully blickte, um sicher zu gehen, dass sie es auch sah. Auch wenn sie jetzt in einer Beziehung war, war sich Diana sicher, dass sie etwas für Mulder empfand. Und sie wollte sie patu nicht alleine lassen.

„Diana bitte. Du solltest dich ausschlafen, morgen gibt es viel zu tun.“ Sein Tonfall ließ keinen Wiederspruch zu. Er wollte verdammt nochmal mit Scully alleine sein. Diese beobachtete die Szene aufmerksam während sie das Besteck spülte. Irgendwie wünschte sie sich, dass Diana nicht ginge. Dann wäre sie nicht mit Mulder alleine und müsste nicht mit ihm reden. Sie wusste, dass sie, sobald sie alleine waren nicht mehr über den Fall reden würden.

Diana nickte nur und gesellte sich zu Levin der schon in der Tür auf sie wartete.

„Wir sehen uns dann morgen Dana. Ich hoff du kommst nachher gut nach Hause.“

„Danke Levin. Bis morgen dann.“ Sie lächelte ihm zu und drehte sich dann wieder ihrem Besteck zu. Jetzt war es also soweit. Nach anderthalb Jahren musste sie sich ihm stellen. Musste mit ihm reden, ob sie wollte oder nicht. Sie konnte schlecht wie ein kleines Kind abhauen. Und ihn alleine hier stehen lassen.

Warum eigentlich nicht? Das hast du vor anderthalb Jahren doch auch schon gemacht. Dachte sie bei sich. Aber der Unterschied war, dass er sie vor anderthalb Jahren nichtmehr da haben wollte. Er wollte sie nicht mehr sehen. Sie hatte das Gespräch zwischen ihm und Diana mitbekommen. Ungewollt belauscht sozusagen. Es war einen Tag bevor sie ging. Sie war auf dem Weg zum Büro, um mit Mulder über den neuen Fall zu reden. Grade hatte sie von Skinner erfahren, dass sie Hilfe aus der Abteilung der X-Akten bekamen, wovon sie gar nicht begeistert war. Dennoch machte sie sich auf den Weg in das Büro, welches sie sich mit Mulder und ein paar anderen Agenten teilte. Auf dem Weg dorthin sah sie Mulder jedoch schon auf dem Flur in einer etwas abgelegenen Ecke stehen. Sie wollte zu ihm gehen, als sie eine andere Person bei ihm stehen sah. Sofort blieb sie stehen und drehte sich mit dem Rücken zu den beiden. Sie hatte sofort erkannt, dass die andere Person Diana Fowley war. Sie ging langsam in Richtung der beiden, blieb aber bei den Fahrstühlen stehen, um wie geplant in ihr Büro zu gehen. Während sie auf den Fahrstuhl wartete, musste sie das Gespräch zwischen Diana und ihrem Partner mitanhören, wenn sie sie auch nicht sehen konnte.

„Fox ich kann das wirklich arrangieren. Du musst es mir nur sagen."

„Diana, man hat Scully und mir die X-Akten weggenommen. Warum sollten sie sie uns wieder geben?“

„Das Problem ist in der Tat, dass sie sie nicht euch zurückgeben werden. Sie wollen euch beide nicht mehr zusammen daran arbeiten lassen. Sie wollen euch am liebsten ganz trennen, aber dazu haben sie momentan keinen Grund. Fox sie tut dir nicht gut.“

„Was willst du damit sagen Diana?“ Mulders Stimme war zwar in der Lautstärke ruhig, aber vom Tonfall gereizt und erregt.

„Sieh doch mal was alles passiert ist. Wäre sie nicht deine Partnerin, dann hätte man dir die X-Akten wahrscheinlich nie weggenommen. Klar warst du ihnen ein Dorn im Auge, aber sie haben dir die Abteilung zumindest nie weggenommen. Seit Scully da ist, haben sie sie dir so oft entzogen. Nochmal geben sie sie euch nicht wieder. Da bin ich sicher. Aber wenn du mit mir und Spender daran arbeiten willst, würde da bestimmt nichts gegen sprechen. Du musst es dem Ausschuss nur sagen.“

„Und was passiert dann mit Scully?“ Im ersten Moment konnte Scully ihren Ohren nicht trauen. Es schien wirklich so, als wenn Mulder einfach so ihre Partnerschaft aufgeben würde, nur um mit ihr zusammenzuarbeiten. Dann dachte sie jedoch daran, dass Mulder für die X-Akten lebte. Und deshalb würde er wohl alles daran setzen wieder an ihnen zu arbeiten.

„Die werden schon einen Platz für sie finden. Es gibt genug FBI Agenten die einen Partner brauchen. Du solltest dir das wirklich überlegen. Die X-Akten sind doch dein und mein Leben Fox. Du musst nur was sagen und ich werde dem Ausschuss klar machen, dass wir dich in der Abteilung brauchen.“

„Ich kann Scully nicht einfach so im Stich lassen Diana.“

„Du lässt sie nicht im Stich. Du hast so viel für sie getan, jetzt ist es an der Zeit mal an dich zu denken

„Da magst du vielleicht Recht haben.“

Scully wollte nicht wahrhaben was sie grade hörte, sie konnte das nicht mehr ertragen. Sie wollte grade Richtung Treppenhaus gehen, als die Aufzugtüren mit einem lauten *Pling* aufgingen. Sie stieg ein und drückte mit Tränen in den Augen die Etage zu Skinners Büro. Wenn Mulder sie nicht mehr da haben wollte wäre das ok, aber sie würde entscheiden wann und wohin sie ginge. Der Streit am nächsten Abend in seiner Wohnung bestätigte ihr nur, dass es die richtige Entscheidung war, als sie am Vorabend bei Skinner ihre Kündigung abgegeben hatte.



„Wollen Sie gar nicht mit mir reden?“  Mulder machte einen Schritt auf sie zu blieb aber stehen als sie sich nicht regte.

„Ich wüsste nicht worüber. Sie kennen alle Einzelheiten des Falls. Ich würde Ihnen empfehlen den nächsten Flug zurück nach D.C zu nehmen, sonst sitzen Sie hier womöglich noch Tage fest.“  Ihre Stimme klang härter als gewollt, aber immerhin hatte sie es geschafft den Kloß in ihrem Hals zu lösen.

„Das meinte ich nicht und das wissen Sie auch.“ Seine Stimme klang ungewöhnlich streng und wütend. Ja sie wusste was er meinte, aber sie wollte nicht reden.

Sie legte das letzte gesäuberte Skalpell ab und drehte sich dann zu ihm um, erschrocken wie nah er auf einmal war.

„Warum Scully?“

Sie wusste genau was er meinte, was er hören wollte, aber sie konnte es ihm nicht beantworten. Er würde wieder wütend werden. Wütender als er es sowieso schon war, wenn sie als Grund Diana nennen würde.

„Es war einfach Zeit.“ Flüsterte sie kaum hörbar.

Mulder hingegen war alles andere als leise. „Es war einfach Zeit? Wollen Sie mich verarschen? Nach über fünf Jahren war es einfach Zeit? Das kaufe ich Ihnen nicht ab Scully. Sagen Sie mir verdammt nochmal die Wahrheit. Wenn Sie vor anderthalb Jahren schon nicht den Mut hatten, reißen Sie sich wenigstens jetzt zusammen. Glauben Sie nicht das Sie mir das schuldig sind?“

War sie das? War sie ihm etwas schuldig? Vielleicht. Aber wie sollte sie es ihm sagen.

„Warum bin ich Ihnen was schuldig? Es war ein Job Mulder. Und Jobs wechselt man nunmal.“

„Sie lügen. Seien Sie doch mal ehrlich, wenn nicht zu mir, dann zu sich selbst. Die X-Akten waren nie nur ein Job für Sie.“ Ihre Worte taten ihm weh, obwohl er wusste, dass sie nicht wahr waren. Er wollte es jetzt wissen er wollte wissen was damals passiert ist.

„Ist es wegen mir gewesen? Haben Sie es nicht mehr ausgehalten mit mir zu arbeiten?“

„Das ist es nicht. Hören Sie es ist doch egal oder? Selbst wenn Sie ihre Antworten haben, ändert das nichts an der Sache, dass ich nun hier bin.“

„Es ändert etwas für mich Scully. Die ganze Zeit hab ich mir Vorwürfe gemacht, dass Sie wegen mir weg sind. Das Sie es nicht mehr mit mir ausgehalten haben. Das Ihre Verluste durch die Arbeit mit mir zu groß wurden. Sagen Sie es mir einfach.“ Er ging noch einen Schritt auf sie zu. Ihre Nervosität steigerte sich ins unermessliche. Warum kam er ihr so nahe, warum fühlte sie sich so komisch in seiner Nähe. Was löste dieser Mann noch nach anderthalb Jahren in ihr aus?

„Suchen Sie sich was aus.“ Gab sie trocken zur Antwort und wollte an ihm vorbei aus dem Raum raus. Weg vom Fall wegen dem er hier war, weg von ihm. Doch er griff ihr Handgelenk ehe sie an ihm vorbei war. Ein Kribbeln durchstieß ihren gesamten Körper als er sie berührte. Herr Gott noch mal was war nur los?

„Scully bitte. Ich muss es wissen.“ Seine Stimme zitterte und war kaum mehr ein Flüstern. Erschrocken drehte sie sich zu ihm und blickte in sein Gesicht. Seine Augen waren mit Tränen gefüllt und alles an ihm flehte sie nach Antworten an. Er ließ ihr Handgelenk los und entfernte sich ein paar Schritte von ihr. Sie konnte den Anblick kaum ertragen.

Also gut. Du schaffst das. Sag ihm einfach die Wahrheit und fahr dann nach Hause. Morgen nehmt ihr den Psychiater fest und dann reist er wieder ab und alles ist wieder gut.

„Ok. Aber nicht hier.“ Ihr Blick wanderte von Mulder zu der Leiche und dann verließ sie den Autopsieraum.
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