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Anderthalb Jahre

von akili94
GeschichteAllgemein / P12 / Gen
Dana Scully Fox Mulder
31.03.2016
09.05.2016
15
30.699
1
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08.04.2016 1.971
 
Hey ihr lieben,
hier nun ein neues Kapitel meiner Story. Ich hoffe es gefällt euch und ihr habt Spaß beim Lesen.
Eure Aki


Baton Rouge, Lousiana, 16:00Uhr


Scully hatte mittlerweile die Familie des letzten Opfers befragt. Als sie die Akten der letzten Verhöre durchlas fiel ihr etwas Merkwürdiges auf.

„Levin?“ Ohne von ihrem Schreibtisch aufzusehen rief sie nach ihrem Partner, der kurz danach in ihrem Büro auftauchte.

„Was gibt’s Doc?“

„Nenn mich nicht immer so. Ist dir nicht aufgefallen, dass alle fünf Opfer den gleichen Psychiater hatten?“

„Was? Nein, das ist mir nicht aufgefallen. Zeig mal her.“

Er ging um den Schreibtisch, um über Scullys Schulter in die Akten blicken zu können.
„Und warum?“

„Hier steht nur was zu Opfer Nummer drei. Lisa Greifs. Sie war in Behandlung weil sie sich selbst verletzt hat und mehrfach versucht hat sich umzubringen. Bei den anderen Opfern wussten Familie und Freunde nichts. Ich würde auch nicht unbedingt jedem erzählen wenn ich mich behandeln lassen würde.“

Skeptisch blickte ihr Partner Scully an.

„Hör auf Levin. So war das nicht gemeint und das weißt du.“

„Klar doch. Wie heißt der Arzt? Dann besuche ich ihn nachher mal, wenn unsere Kollegen aus D.C da sind.“

„Sie kommen also?“ Scully wurde plötzlich unsicher und nervös.

„Ja, hast du das Fax nicht bekommen?“

„Anscheinend nicht.“

„Also?“

„Was also Levin?“

„Wie heißt der Arzt? Ich werde seine Praxis ausfindig machen und du kannst ja was über ihn herausfinden.“

„Dr. James O´Neil. Ich werd mich dann wohl dran machen was über ihn zu erfahren. Und Levin?“

„hm?“

„Keine Alleingänge. Verstanden?“

„Klar Doc.“

„Lev-„

Doch er war schon aus dem Büro verschwunden. Scully atmete schwer aus. Noch gab es die Chance, dass Mulder nicht kam sondern Spender. Noch bestand die Möglichkeit, dass Mulder der Fall zu langweilig war, oder das er sie nicht sehen wollte und deswegen in D.C blieb. Der letzte Gedanke versetzte ihr einen kleinen Stich in ihrem Herz.
Kurz atmete sie aus, holte sich dann aber einen Kaffee und machte sich an ihre Recherche.
Immer wieder machte sie kurze Telefonate, holte sich Akten die eventuell Informationen haben könnten und versuchte herauszufinden wegen was die anderen Opfer in Behandlung waren.
Relativ schnell fand sie eine Telefonnummer die zu der Praxis des Psychologen gehörte, doch egal wie oft sie anrief, sie erreichte niemanden. Nach knapp vier Stunden wollte sie grade ihren Tag beenden und so schnell wie möglich nach Hause. Hauptsache raus aus dem Büro, wo sie wahrscheinlich auf Mulder treffen würde.

„Dana warte.“ Sie hielt inne als sie die Stimme ihres Partners hörte und blickte ihn erwartungsvoll an.

„Also erst einmal hab ich die Praxis von unserem Doc gefunden. Mehr oder weniger, naja eigentlich weniger als mehr aber…“

„Levin. Komm zum Punkt.“

„Sie ist vor ein paar Tagen dem Sturm zum Opfer gefallen. Sie steht im Süden der Stadt, aber seit zwei Tagen ist sie geschlossen, weil ein Baum durchs Dach gekracht ist. Seitdem hat niemand mehr den Doc gesehen. Ich war nämlich so frei in seinem Umfeld nach ihm zu suchen und mich nach ihm zu erkundigen.“

„Lass mich raten, niemand hat ihn gesehen, er hat sich bei niemandem gemeldet, ist einfach verschwunden?“

„Woher weißt du denn das?“ Verwundert setzte er sich auf ein Sofa, welches an einer Wand des Büros stand. Scully tat es ihrem Partner gleich und setzte sich an ihren Schreibtisch.

„Ich hab mich über ihn schlau gemacht. Und dazu gehört nun mal auch sich in seiner Familie umzuhören.“

„Dann schieß mal los Doc.“
Scully ignorierte die Anrede und fing an zu erzählen.

„Seine Mutter nahm sich das Leben als er 14 war. Sein Vater war mit einer anderen durchgebrannt und ließ sie einfach zurück. Nach dem Tod der Mutter war er für sich und seine jüngere Schwester verantwortlich. Diese rutschte aber mit 13 in die Prostitution und in die Drogen ab. Er beschrieb es laut seiner Exfrau immer als Selbstbestrafung, weil seine Schwester sich für das Verschwinden des Vaters schuldig machte. Mit 17 starb sie dann an einer Überdosis, hinterließ einen Abschiedsbrief, indem sie sich für alles bei ihm entschuldigte. O´Neil war zu dem Zeitpunkt 21 und studierte bereits Psychologie. Auf der Uni lernte er dann ein Mädchen kennen, mit dem er knapp zwei Jahre zusammen war, bevor auch sie sich umbrachte.“

„Der Kerl wird ja vom Selbstmord verfolgt.“

„Ja. Das bringt uns direkt zu unseren Opfern. Ich habe durch langes Hin- und Her telefonieren mit Krankenkassen und anderen Psychologen und der ehemaligen Empfangsdame von O´Neil herausgefunden, dass zumindest vier der fünf Opfer wegen Selbstmordgedanken, oder Selbstverletzung bei ihm in Behandlung waren. Und somit haben wir wahrscheinlich unseren Täter. Ganz ohne Hilfe von außerhalb.“

„Noch haben wir ihn nicht Doc.“

Erneut erhob sie sich, packte ihre Tasche und schaltete das Licht aus. Sie machte ihrem Partner klar, dass er das Büro ebenfalls verlassen sollte und machte sich dann auf den Weg zur Tiefgarage. Grade als sie ihren Partner verabschieden wollte klingelte ihr Handy.

„Scully? Was. Das kann nicht sein. Aber das wären ja dann zwei an einem Tag. Alles klar. Nein Ricks gehen Sie nach Hause ich mache das. Ja Ihnen auch Gute Nacht.“

„Dana?“ Levin schaute seine Partnerin kurz an und versetzte seiner Frage mit einem prüfenden Blick Nachdruck.

„Wir haben noch ein Opfer. Ricks hat es bereits auf dem Tisch. Es scheint sich um die 34 jährige Lena Dreams zu handeln. Ich werd jetzt die Autopsie machen.“

„Und was ist mit unseren Gästen?“

„Du hast sie doch hergerufen.  Ich hab dir direkt gesagt, dass wir sie nicht brauchen. Erklär du ihnen, dass sie wieder fahren können. Ich bin in der Pathologie.“ Damit stieg sie in ihr Auto und ließ einen verdutzten Levin zurück.

22:00Uhr  Baton Rouge


„Fox, sollten wir nicht abgeholte werden?“

„Ja.“

Mulder und Diana standen etwas verloren am Flughafen. Sie hatten Glück das sie noch einen Flug bekommen haben, bei der momentanen Wetterlage war das mehr Russischroulette als alles andere.

„Was ist los mit dir? Bist du nur wegen Scully so komisch? Fox warum macht dich das so fertig?“

„Macht es mich nicht. Ich hoffe einfach, dass ich ein paar Antworten bekomme.“
„Entschuldigung, sind Sie vom FBI?“

Ein junger Mann stand neben den beiden und blickte etwas unsicher von einem zum anderen.

„Ja. Agent Mulder, Agent Fowley.“ Mulder stellte sich kurz vor und wartete nun auf die Vorstellung seines Gegenübers, als er ihm die Hand hinhielt.

„Freut mich sehr. Ich bin Agent Anderson. Ich hab sie um Hilfe gebeten.“

„Agent Anderson wie kommt es, dass sie uns angefordert haben und nicht ihre Vorgesetzen?“ Diana musterte ihn neugierig und wartete auf seine Antwort, als Levin sie zu seinem Wagen führte.

„Naja, meine Vorgesetzte und Partnerin ist nicht so überzeugt davon, dass sie hier richtig sind. Sie glaubt nicht, dass es etwas Übernatürliches gibt.“

Mulder lächelte in sich hinein. Manche Dinge änderten sich wohl nie.

„Und nach neusten Erkenntnissen muss ich ihr wohl leider Recht geben und Ihnen sagen, dass sie wahrscheinlich umsonst gekommen sind.“

Umsonst bestimmt nicht. Selbst wenn der Fall nichts ist, werde ich mich mit Scully unterhalten. Ob sie will oder nicht.  Dachte Mulder bei sich, während seine Partnerin nachfragte, wieso sie denn dann da wären.



„Nun ja Ms. Als ich sie angefordert habe hatten wir 5 Opfer. Allen wurde der Kopf sauber abgetrennt. Dennoch gab es an keinem Leichnam Hinweise auf Fremdeinwirkung, oder einen Kampf. Keine weiteren Verletzungen, keine Anzeichen dafür, dass ein anderer Mensch es getan hätte, da man auch keine Narkotika oder ähnliches in dem Blut der Opfer fand. Es war fast so, als ob ihnen die Köpfe einfach abgefallen wären. Vor etwa zwei Stunden erhielten wir dann einen Anruf, dass wir ein weiteres Opfer haben. In der Zwischenzeit haben meine Partnerin und ich herausgefunden, dass alle Opfer, bis auf das letzte versteht sich, den Gleichen Psychiater hatten. Dr. James O´Neil. Er hat seine Praxis am südlichen Ende der Stadt. Durch seine Exfrau haben wir erfahren, dass seine Mutter, seine Schwester und seine College Freundin alle den Freitod gewählt haben. Er wird quasi vom Selbstmord verfolgt.“ Er machte eine Pause und blickte durch den Rückspiegel beide FBI Agenten abwartend an.

„Und jetzt denken Sie, dass er die Opfer ermordet hat?“

„Naja. Meine Partnerin hat herausgefunden, dass vier der fünf Opfer, das fünfte und das sechste aber auch wenn ich dem vorgreifen darf, wegen Selbstmordversuchen in Behandlung bei ihm waren. Ansonsten haben die Opfer nichts gemeinsam. Verschiedenes Alter, unterschiedliches Geschlecht, schwarze und weiße Hautfarbe. Berufe aus allen Schichten. Verheiratet, Single, geschieden. Nur die Behandlung und das sich scheinbar alle umbringen wollten.“

„Ich verstehe. Agent Anderson, wo fahren wir eigentlich hin?“ Diana Fowley rutschte unsicher auf dem Rücksitz hin und her. Der aufkommende, starke Wind und der heftige Regen schienen ihr schwer zu schaffen zu machen.

„Ich wollte Sie in ihr Motel fahren. Doc Scully macht noch die Autopsie am letzten Opfer, wenn sie fertig ist wird sie mir bescheid geben, aber bis dahin wird das Wetter so schlecht sein, dass wir uns in unseren Wohnungen bzw. im Motel verschanzen müssen.“

„Ich würde lieber in die Pathologie fahren, wenn es Ihnen nichts ausmacht.“ Verwundert blickte Levin seinen Sitznachbarn an.

„Hören Sie, ich weiß nicht, wann Sie die Pathologie wieder verlassen können. Gestern hatten wir dort aufgrund des Wetters einen Stromausfall. Ich bin grade noch so nach  Hause gekommen und konnte erst morgens um halb neun meine Wohnung wieder verlassen. Wenn ich Sie jetzt dort hinbringe, dann kann es sein, dass Sie bis morgen früh da festsitzen. Sie sollten wirklich ins Motel und sich ausschlafen.“

„Fox er hat Recht. Schau dir das Wetter doch mal an. Ich hab ja jetzt schon Angst mit samt dem Auto fliegen zu gehen.“

„Dann fahr du ins Hotel Diana. Ich möchte mir die Leichen heute noch ansehen.“

Na klar die Leichen. Darum geht es dir Fox. Wen willst du überzeugen? Mich, den Agent, oder dich selber. Wir beide wissen warum du in die Pathologie willst.


„Na fein. Aber ich komme mit.“ Damit war die Diskussion beendet und Agent Anderson steuerte ein neues Ziel an.


Gerichtsmedizin.


Scully machte grade die letzte Naht an der Leiche, als sie die Türe hörte. Ein komisches Gefühl machte sich in ihrer Magengegend breit. Sie konnte es nicht einordnen, war es ein gutes Gefühl? Ein schlechtes? Sie konnte es wirklich nicht erklären. Doch als sie dann drei Personen den Flur entlang zu sich gehen sah, wusste sie was los war. Seit anderthalb Jahren hatte sie ihn nicht gesehen und jetzt war er da. Sie wusste nicht ob sie sich freuen sollte oder nicht. War sie glücklich dass er da war? Jedenfalls war sie nicht glücklich darüber, dass sie da war. Scully bemerkte nicht, dass sie ihn die ganze Zeit anstarrte. Mittlerweile waren Levin, Mulder und Diana bei ihr im Autopsieraum angekommen. Mulder blieb an der Tür stehen und blickte ebenso verloren zu Scully wie sie zu ihm. Alles um sie rum schien zu verschwinden. Es gab nur die beiden in diesem Raum. Keiner der beiden schaffte es den Blick vom anderen zu lösen, keiner der beiden schaffte es etwas zu sagen. Es war ein Moment, der gleichermaßen von Vertrautheit und Fremde gefüllt war. Sie fühlten sich beide als wäre es das normalste der Welt zusammen in der Autopsie zu stehen, doch beide wussten, dass es das nicht war. Erst Levin schaffte es, Scullys Aufmerksamkeit von Mulder zu lenken.

„Dana? Alles ok? Hey.“ Sanft legte er seine Hand auf ihren Arm. Er hatte das Szenario beobachtet, auch wenn Scully und Mulder das Gefühl hatten sie wären alleine, so standen er und Diana immer noch im selben Raum.  Auch Diana musterte die zierliche Frau in ihrem etwas zu großen Kittel.

„Was? Ja,  alles ok.“

„Dana das sind die Agents..."

„Fowley und Mulder ich weiß. Ich kenne sie.“ Erst jetzt löste Scully ihren Blick von ihrem alten Partner und wandte sich der Leiche vor ihr zu.
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