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Anderthalb Jahre

von akili94
GeschichteAllgemein / P12 / Gen
Dana Scully Fox Mulder
31.03.2016
09.05.2016
15
30.699
1
Alle Kapitel
10 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
02.05.2016 1.893
 
Hey ihr Lieben, hier mein neues Kapitel. Die Geschichte neigt sich langsam dem Ende. Aber ein paar kleine Kapitel  hab ich noch im Petto ;) Jetzt aber viel Spaß beim Lesen.


09:59Uhr, Paris Inn Hotel

Die ganze Fahrt über hatten Mulder und Scully kein Wort mehr miteinander geredet. Scully schenkte Mulder immer wieder einen Blick von der Fahrerseite, aber er ignorierte jeden gekonnt. Durch das Wetter, welches sich über Nacht stark gebessert hatte, kamen sie schneller voran als erwartet und waren nun knappe fünfzehn Minuten vor der Verstärkung am Hotel. Mit einem Seufzer blickte Scully wieder zu Mulder, der von ihr abgewannt am Fenster saß.

„Die Verstärkung kommt in einer viertel Stunde.“

„Hmm.“

Was hab ich erwartet? Dass er mit mir redet als wäre nie etwas passiert. Hätte ich ihn doch in sein Motel gefahren, hätte er sich doch nur ein Taxi bestellt. Dann wäre es jetzt einfacher.

Scully zögerte kurz, bevor sie entschlossen ihre Türe öffnete. Bevor sie die nächsten fünfzehn Minuten mit einem schweigsamen Mulder in dem Auto saß, in dieser unangenehmen Atmosphäre, würde sie O´Neil lieber alleine schnappen. Also stieg sie aus, was Mulder mit einem überraschten Blick registrierte.

„Was tust du da?“ Mit aller Kraft versuchte er die Besorgnis aus seiner Stimme fernzuhalten und so kalt wie es nur ging zu klingen.

„Ich werde mir O´Neil schnappen. Wenn er mich umbringt geht es mir immer noch besser, als wenn ich weiterhin mit dir in diesem Wagen sitze.“ Sie drehte sich von Mulder und dem Auto weg und machte sich langsam und vorsichtig nicht gesehen zu werdenauf den Weg zur Rezeption.

Erst nach dem sie diesen Satz ausgesprochen hatte, bemerkte Mulder, dass er nicht der einzige war dem es schlecht ging. Die ganze Zeit hatte er nur an sich und seine Gefühle gedacht, aber nicht daran wie er Scully behandelte und wie es ihr ging.
Schnell stieg er ebenfalls aus und holte sie ein, als sie an der Rezeption ankam.

„FBI. Wir suchen James O´Neil. Welches Zimmer hat er?“

Scully hielt dem Mann hinter dem Tresen ihre Marke vor die Nase und wartete seine Antwort ab.

„Zimmer drei. Aber er hat den einzigen Schlüssel.“

„Danke, wir haben unseren eigenen.“

Damit waren sie auch schon wieder nach draußen verschwunden und Scully machte sich schnellen Schrittes auf den Weg zu Zimmer drei.

„Scully warte. Wir sollten auf die Verstärkung warten. Sie wird in spätestens zehn Minuten hier sein.“

„Tu was du willst. Aber ich werde ihm nicht weiterhin die Chance geben abzuhauen.“

„Willst du da alleine rein? Das ist lebensmüde Scully.“

„Was hab ich denn schon zu verlieren.“ Flüsterte sie in sich hinein.

„Mein Partner ist aber momentan nicht da. Also bleibt mir nichts anderes übrig.“

„Du könntest auf deinen Partner warten. Er ist wie gesagt in zehn Minuten hier verdammt.“

„Lass gut sein Mulder. Setz dich in den Wagen und warte auf die Verstärkung. Deine allerliebste Partnerin wird mit Sicherheit auch da sein, wenn sie nicht grade zu beschäftigt ist“ Sie zog ihre Waffe, als sie auf der Tür vor sich eine goldene, angerostete 3 sah.

Genervt und mit rollenden Augen zog auch Mulder seine Waffe und folgte ihr. Um nichts auf der Welt würde er Scully da alleine reinrennen lassen. Mit dem Lauf ihrer Waffe hämmerte Scully gegen das alte Holz der maroden Tür. Als nach weiterem Klopfen keiner öffnete schaute sie zu Mulder, der ihr nur zunickte. Alle privaten Probleme schienen wie weggeblasen. Die beiden waren komplett im Agentenmodus und vertrauten dem anderen nun ihre Leben an.

Mit seinem Fuß trat Mulder gegen die Tür, welche sofort aus ihren Angeln fiel. Die beiden Agenten stürmten in das kleine Hotelzimmer, als gerade ein Mann aus dem Bad kam. Erschrocken blickte er zu ihnen rüber. Er wusste, dass es nun vorbei war.

„James O´Neil nehmen Sie die Hände hoch.“ Befahl Scully, doch dieser dachte gar nicht daran.

„O´Neil, haben Sie nicht gehört, was sie gesagt hat? Nehmen Sie die Hände hoch.“

„Sie sind ein trauriger Mann, so verwundbar.“ Sagte dieser nur.

„Was?“ Mulder schien nicht ganz zu verstehen.

„Sie machen grade viel durch nicht wahr? Ich kann es fühlen, diese ganzen negativen Gefühle in Ihnen.“

„Das reicht jetzt O´Neil. Nehmen Sie die Hände hoch, oder ich werde schießen.“

„Nein, das werden Sie nicht. Sie haben keinen Grund dazu. Sie sind nicht in Gefahr und fliehen will ich auch nicht.“

Dann wandte er sich wieder Mulder zu.
„Es ist wegen einer Frau nicht wahr? Diese Frau erwidert ihre Liebe nicht.“

Entsetzt blickte Scully zwischen Mulder und O´Neil hin und her, was passierte da gerade? Doch Mulder schien wie hypnotisiert. O´Neils Worte erreichten ihn scheinbar und stellten irgendetwas mit ihm an, er verlor jegliches Gefühl. Was war nur los mit ihm?

„Es ist okay Agent. Wir alle haben unsere Last. Keiner von uns ist vollkommen glücklich. Legen Sie ihre Waffe ab und ich werde Ihnen helfen. Ich bin Psychologe, dass wissen Sie nicht wahr.“

„Das reicht jetzt O´Neil. Mulder sieh mich an.“ Doch Mulder blickte immer noch gebannt auf den Mann gegenüber.

So ist es gut. Gleich hab ich dich.

„Na los Mulder. So ist doch Ihr Name nicht wahr?“ Ein leichtes Nicken von Mulder bestätigte O´Neils Frage.

„Also los. Geben Sie mir Ihre Waffe Agent Mulder. Dann werde ich Ihnen helfen und sie werden sich nie wieder so schlecht fühlen. Diese Frau ist es nicht wert.“

Scully riss ihre Augen ungläubig auf, als Mulder ihm tatsächlich seine Waffe übergab. Sie wechselte einen Blick mit O´Neil aus, als zwei Schüsse ertönten, die Mulder aus seiner Starre befreiten. Entsetzt nahm er das Bild, welches sich ihm bot in sich auf, als er hinter sich Levin Andersons angsterfüllte Stimme hörte.



Zwei Tage später, Baton Rouge General Medical hospital

Zwei Tage lag sie nun schon hier. Zwei Tage, an denen er ihre Seite nicht verlassen hatte. Es war seine Schuld und das wusste er.  Alle wussten es. SIE wüsste es, wenn sie denn auswachen würde.

Er würde diesen Tag nie wieder vergessen. Er hatte O´Neil seine Waffe gegeben, einfach so. Damit ermöglichte er ihm es auf sie zu schießen, was er letztlich auch tat. O´Neil und Scully hatten gleichzeitig abgedrückt, gleichzeitig getroffen, gingen gleichzeitig zu Boden. Doch im Gegensatz zu O´Neil stand Scully nicht wieder auf. Sie blieb liegen, während sich eine Blutlache um sie bildete. Er hatte sie in den Bauch getroffen. Wie sich später im Krankenhaus herausstellen sollte, hat er ihre Leber und eine Arterie verletzt. Beinahe wäre sie gestorben nur seinetwegen. Die Verstärkung kam in dem Moment, als die Schüsse fielen. Sie konnten O´Neil festnehmen, er hatte nur wenige Stunden danach gestanden. Der Fall war beendet. Mulder hatte Skinner Bescheid gegeben, über alles. Er bestand darauf, dass er einen neuen Partner zugeteilt bekommen würde. Als Diana das erfuhr stellte sie ihn wütend zur Rede.


„Was soll das Fox? Warum willst du versetzt werden?“ Ihre Stimme war laut und ungehalten. Seine dagegen war gediegen und abwesend.

„Weil ich nicht weiter mit dir arbeiten kann. Nicht nach dem was passiert ist.“

„Weil ich mit diesem Anwalt geschlafen hab? Fox es tut mir leid ok, ich wollte dich damit nicht verletzen, ich wusste nicht, dass es dir was ausmachen würde.“

„Es macht mir nichts aus. Du hättest von mir aus mit ganz Louisiana schlafen können und es wäre mir egal gewesen. Aber du musstest mit dem Freund von Scully schlafen. Ich kenne dich Diana du hast das nur getan, um Scully weh zu tun.“

„Das ist nicht wahr Fox. Ich weiß nicht warum ich das getan habe. Es tut mir leid, ich werde mich bei Scully entschuldigen wenn sie wach ist.“

„Das wirst du nicht. Du wirst jetzt ins Motel fahren, dir einen Flug buchen und nach D.C fliegen. Und dann wirst du mich ein für alle Mal in Ruhe lassen.“

„Fox bitte tu das nicht. Das kannst du nicht.“ Sie legte eine Hand auf seinen Oberarm und wollte ihn in ihre Arme schließen. Doch Mulder wich aus und löste sich ein paar Schritte von ihr.

„Lass es Diana. Ich kann nicht mit dir arbeiten, nicht nachdem was du Scully angetan hast.“

„Was ich ihr angetan habe? Bei dir dreht sich immer alles nur um diese Frau. Sie hat dich im Stich gelassen, ließ dich einfach sitzen. Ich hab mich um dich gekümmert, habe dich aufgemuntert und jetzt bist du sauer auf mich? Sie ist die die dich verletzt hat.“

„Das entschuldigt nicht das, was du getan hast. Nichts entschuldigt den Fakt, dass du mutwillig und mit voller Absicht die Frau verletzt hast die ich….“ Er stockte. Er traute sich nicht die Worte auszusprechen, nachdem was passiert ist.

„Die Frau die du was? Liebst? Oder die Frau die du ins Krankenhaus gebracht hast und die nun um ihr Leben kämpft?“

Sie hatte Recht. So schwer es ihm fiel es einzusehen, aber sie hatte Recht. Er hatte nicht mehr das Recht sie zu lieben, aber wie stellt man seine Gefühle einfach so ab? Hätte er das drauf, dann hätte er das schon vor anderthalb Jahren getan.

„Bitte geh einfach.“ Er kämpfte mit den Tränen, wie schon so oft seit er nach Baton Rouge kam.

„Wie du willst. Aber komm nicht auf die Idee, mich wieder wegen den X-Akten anzusprechen wenn du mich jetzt alleine gehen lässt. Du musst dich jetzt entscheiden Fox. Sie oder die X-Akten?“

Mulder würdigte sie keines Blickes. Als wenn ihm diese Entscheidung schwer fallen würde. Nichts auf dieser Welt würde ihm leichter fallen, als eine Entscheidung zu treffen, wenn eine der Möglichkeiten Scully war.

„Geh jetzt.“ Er erhob sich von seinem Stuhl im Flur des Krankenhauses und betrat wieder das Krankenzimmer seiner ehemaligen Partnerin.



Das war vor einem Tag. Sie war immer noch nicht wach geworden. Er saß an ihrem Krankenbett, in einen ungemütlichen Stuhl gequetscht. Anfangs kämpften die Schwestern noch mit ihm, dass er nicht die ganze Zeit da sitzen könnte. Irgendwann einigten sie sich darauf, dass er das Zimmer verließ während sie Scully untersuchten. In der Zeit ging er die letzten beiden Tage in sein naheliegendes Motel und duschte. Ein  paar Stunden am Tag kam Levin vorbei, setzte sich mit in das Krankenzimmer, bis er wieder ins Büro musste. Keiner machte Mulder Vorwürfe, O´Neil  hatte ihnen erklärt was geschehen war. Doch Mulder wusste es, er war Schuld und es reichte, dass er es wusste.

Sein Daumen strich ihr langsam über ihren Handrücken. Gleichmäßig hob und senkte sich ihre Brust. Ein Schlauch, der ihr in die Nase gelegt wurde half ihr beim Atmen und verschiedene Kabel überwachten ihre Herz und Lungenfunktionen. Zwei Infusionsschläuche waren in ihre Hand und Arm gelegt und versorgten sie mit Wasser, Schmerzmittel und Nährstoffen.  Mulder hasste es sie so zu sehen. Es zeigte ihm, dass auch die taffe Scully verwundbar war und er sie verlieren konnte. Immer wenn er sie in einem Krankenhaus besuchen musste war es die Hölle für ihn. Die Anrufe der Ärzte, die nie wirklich sagten was los war, die Ungewissheit bis man im Krankenzimmer ankam.

Er war müde, aber traute sich nicht zu schlafen. Er hatte Angst vor Alpträumen, oder dass sie nicht mehr atmete wenn er wieder wach wurde. Also kämpf er mit sich selbst, trank einen Kaffee nach dem anderen. Doch die Ärzte und Schwestern sahen, was er sich antat und irgendwann, als eine Schwester ihm einen Kaffee brachte, wurde er so unglaublich müde, dass er einschlief ohne etwas dagegen tun zu können.
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